The Good, the Bad and the Original

– schlecht übersetzen oder schlecht über setzen?

Macht das Sinn für Sie? Ich hoffe doch. Sonst wäre dieser Text ja gar nicht konsistent. Nicht wirklich…

Bitte, schieben Sie es nicht auf Synchronisationen, wenn Sie schlechtes Deutsch zu hören bekommen – oder wenn sich das Deutsch immer mehr dem Amerikanisch anpasst. Wie das kommt? Faule (oder schlechte) Übersetzungen. Wenn irgendjemand glaubt, man könne alles einfach 1:1 übernehmen, dann kommt eben so was dabei heraus.

Das heißt nicht, dass allgemein die Synchronisation schlechter geworden ist – die Übersetzung allgemein ist schlechter geworden. Nicht immer, aber manchmal. Vielleicht ist es aber auch so, dass wir a) inzwischen besser englisch verstehen und es b) leichter geworden ist, die Fehler zu überprüfen.

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Ein Beispiel dafür, dass es auch früher schon Fehler gab, dürfte wohl die Übersetzung des Stückes „Zehn kleine Negerlein“ von Agatha Christi sein, das jetzt… irgendwie anders heißt. Sie wissen ja, political correctness und so was. „Zehn Chinesen mit dem Kontrabass“? Nein. „Und dann war da noch“ oder so ähnlich? Egal, schlagen Sie’s selber nach, wenn es Sie interessiert. In dem Stück, bei dem ich davon ausgehe, dass es keine aktuelle Übersetzung ist, sagt der Butler etwas in der Art, dass man niemanden auf dem Festland erreichen könne, weil das „Radio“ kaputt sei. Nu ist das Radio aber wenig hilfreich, wenn man jemanden erreichen will, nur, wenn man von jemand anderem erreicht werden will, meist einem Sender. Deshalb ist meine Unterstellung, dass da im Original wahrscheinlich „radio“ steht, aber „Funkgerät“ gemeint ist, weil das im Zusammenhang mehr Sinn macht… ergibt, mehr Sinn ergibt. Ja, da wär’s doch fast passiert. Im Englischunterricht nannte man das damals „false friends“, Worte, die so wirken als wären sie das, was man glaubt, das sie wären, was sie aber nicht waren.

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In dem Film „Narrow Margin – 12 Stunden Angst“ mit Gene Hackman findet sich in der deutschen Fassung die Formulierung „Ich bin …, mit mir ist…“. „Mit mir“ meint in dem Fall wohl eher „bei mir“. Würde auf Deutsch wahrscheinlich keiner so sagen, es sei denn, er ist Amerikaner.

„Aliens – die Rückkehr“ bietet in einer ansonsten hervorragenden Synchro (Ulrich Gressieker ist eine wahre Ohrenfreude, wenn er das Spiel von Bill Paxton noch übertrifft) ein paar Stellen, bei denen ich immer aufhorche. Als Ripley den Gabelstaplerroboter benuten will, um zu helfen, sagt der Sergeant „Seien Sie mein Gast“, was okay geht und durch die Zigarre in seinem Mund einen gewissen Kultcharakter zu haben scheint, ein schlichtes „Bedienen Sie sich“ hätte es aber auch getan. Selbiger Sergeant antwortet an anderer Stelle auf die Frage, wo seine Leute seien: „Die sind alle im Einsatz.“ Nu, das ist nicht wirklich überraschend, da sie ja irgendwie ALLE dort im Einsatz sind. Ich glaube allerdings, im Original heißt es, „they are all in operations“, was man natürlich als Einsatz missverstehen kann. Wenn aber meine sieben Jahre „Star Trek: Deep Space Nine“ nicht umsonst gewesen sein sollen, dann ist mit „operations“ wahrscheinlich die „ops“ gemeint, also nicht der Einsatz sondern die „Einsatzzentrale“ – was dann im Zusammenhang tatsächlich erklären würde, wo sie sich befinden. Leider wurde das „Bitch“, mit dem Ripley die Alien-Königin bezeichnet, zu einem zwar treffenden „Mistvieh“, ein ebenfalls treffendes „Miststück“ hätte ihr aber die quasi-Vermenschlichung gegeben, die im Original irgendwie mitschwingt.

Eine schöne Stelle, die im Trailer noch besser übersetzt war, wird in dem Bond Film „Stirb an einem anderen Tag“ leider verwässert.

Der eine Bösewicht fragt den anderen: „What happened to you?“ – „Bond.“

Im Trailer heißt es, glaube ich, noch: „Was ist dir denn passiert?“ – „Bond.“

Der Film macht dann daraus ein: „Wer hat dir das angetan?“ – „Bond.“

Da hat man schon mal die Möglichkeit, Bond als eine Naturgewalt zu charakterisieren und dann macht man es nicht – schade!

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Aber das sind Kleinigkeiten. Heutzutage, so scheint es, wird vieles oft nicht mit dem Sinn für die deutsche Sprache übersetzt, sprich: 1:1. Und das hält – leider – auch Einzug in unseren Sprachgebrauch. „Das macht Sinn“ und „nicht wirklich“ sind da nur zwei Beispiele. Bei anderen Dingen ist Ihnen das vielleicht noch nicht so sehr aufgefallen. Denn heute ist Beethoven ein „großer Komponist“. Früher war er ein „großartiger“. Aber weil es ja im englischen auch so heißt und wahrscheinlich irgendjemand mal zu faul war, um nachzuschlagen, ist das Wetter jetzt „groß“, das Essen schmeckt „groß“, die Brüste sind „groß“… okay, das könnte sogar stimmen.

Und ich hege den Verdacht, auch die folgende Bezeichnung hat ihren Ursprung in einer schlechten Übersetzung, denn ich bin ziemlich sicher, dass man einst die Bühne „betreten“ hat, während man heute immer wieder hört, dass jemand die Bühne „entert“. Ganz ehrlich, Piraten entern Schiffe, aber gleich eine ganze Bühne? Nur weil es „to enter the stage“ heißt, wird eine Bühne heutzutage im Sturme genommen – ganz schön brutal!

Darüber hinaus glaube ich, dass man früher „zu Gott“ gefunden hat. Heutzutage aber, da es so ja auch einfacher ist, hat man „Gott gefunden“ – wo denn, auffem Klo?

Ich glaube, es war in dem Comic „Crimson“, in dem ich die Stelle „erst machst du … und jetzt nennst du auch noch Namen“ gefunden habe. Damit ist natürlich gemeint: „…und jetzt wirst du auch noch beleidigend.“ Aber so was kann einem leicht entgehen… wenn man nicht gerade ein Übersetzer ist. Also wer zum Teufel hat an diesem Heft gearbeitet, der Praktikant?

DreiStripsRuecken

Leider macht man sich heutzutage gar nicht mehr die Mühe, alles zu übersetzen. Manche Begriffe, ja, ganze Floskeln, werden 1:1 übernommen, ganz egal ob es ein deutsches Wort dafür gibt oder ob der Begriff im Deutschen nicht sogar eine durchaus andere Bedeutung hat. Leute, der korrekte deutsche Begriff für eine „Season“ lautet „Staffel“, ganz einfach! Und das Wort „Show“ wird bei uns verwendet für etwas, das im Studio mit Publikum stattfindet und wo wahrscheinlich auch noch gesungen wird, das, was ihr als „Show“ teilweise übernehmt heißt hier schlicht „Serie“. Kapiert? Strengt euch mal ein bisschen an! Und wenn ich noch einmal in einer Filmsendung die Bezeichnung „Coming of age story“ höre, weil da wieder jemand zu faul war, nachzuschlagen, was das heißt, dann werd ich aber sauer!

Und wann ist aus „Bulle“ eigentlich „Cop“ geworden? Gut, beim „Beverly Hills Cop“ haben wir den im Titel, aber erstens gehe ich davon aus, dass „Beverly Hills Bulle“ missverständlich klingt, ebenso wie „Der Bulle von Beverly Hills“, und zweitens möchte ich mal unterstellen, dass in der deutschen Fassung wahrscheinlich eher das Wort „Bulle“ als das Wort „Cop“ fällt, immerhin ist das n Eddie Murphy Film! Also ab wann waren die Übersetzer zu faul, „Cop“ nachzuschlagen? Ach ja, es ist lippensynchroner als das deutsche Wort… was wahrscheinlich auch zur Verspeisung von „Eiscreme“ statt dem hier üblichen „Eis“ geführt hat.

Den größten Höhepunkt in Sachen mies übersetzt, um noch einmal darauf zurück zu kommen, hatte ich mal bei den RTL2 „Nachrichten“. Dort wurde gerade darüber „berichtet“, dass in Großbritannien erstmals der Vertreter einer dritten Partei ins Parlament gewählt worden sei und man hörte im O-Ton ein „That is alien to us“, während der Kommentator dies in etwas wie  „das wäre für uns so, als würde ein Außerirdischer am Tisch sitzen“ ummünzte – Leuten, die „das ist uns fremd“ nicht übersetzen können, sollte man wirklich die Lizenz zur Nachrichtenberichterstattung entziehen!

Tja, in dem Sinne wünsche ich Ihnen eine große Woche, denn das macht Sinn, und wenn Sie Gott finden, grüßen Sie ihn von mir!

Halb_Fiction622

von Martin Cordemann

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2 Gedanken zu “The Good, the Bad and the Original

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