Noch mehr dumme Filmklischees

– Denn davon kann man gar nicht genug haben!

Obwohl man davon schnell genug hat. Und voll. Die Nase. Aber das ist nicht mehr als Gewäsch. Geschwätz. Gewäschwtz. Ach, egal, machen wir weiter…

Iss deinen Teller leer!

Hört man immer wieder von seinen Eltern, macht in Filmen aber eigentlich kaum einer. Wann immer wir irgendwohin schneiden, wo gerade gegessen wurde, sei es Frühstück, Mittag- oder Abendessen, die Teller sind nie leer gegessen. Immer findet sich etwas, das sich wie die Hälfte der Mahlzeit anfühlt, noch darauf. Man könnte dies als soziokritischen Kommentar daran verstehen, dass das Problem der Fettleibigkeit in Amerika darauf zurückzuführen ist, dass es einfach immer zu große Portionen gibt… aber das wäre zu subtil. Es ist schlicht für uns als dummen Zuschauer gedacht, um uns zu zeigen, dass die Leute gerade etwas gegessen haben – ein benutzter, leerer Teller in einem Restaurant bietet einfach nicht genügend Informationen, um diese Botschaft zu vermitteln!

Klopfarbeit

Egal, wie groß das Haus ist, es wird fast immer geklopft. An der Haustür. Klingeln, wozu? Wie groß wäre denn die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Person, die man besuchen will, bei diesem riesigen Anwesen vielleicht im Garten befindet? Oder auf dem Dachboden? Oder im Keller? Oder einfach im ersten Stock? Nein, statt zu klingeln und damit den größtmöglichen Effekt an Aufmerksamkeit zu erzeugen, wird an der Tür geklopft. Und, oh Wunder, fast immer wird auch direkt geöffnet. Da kann man nur sagen: Großartige Architektur, die das Türklopfen so sehr verstärkt, dass man es wahrscheinlich sogar unter der Dusche hört!

Arschteroiden

Die „Flash Gordon“ Parodie (und Soft-Porno) „Flesh Gordon“ bezeichnet die Dinger zu recht so, denn sie verhalten sich wirklich arschig. Jedenfalls im Film. Sei es „Star Wars“ (die guten, alten), sei es „Star Wars“ (die schlechten, neuen), wann immer man in ein Asteroidenfeld (oder den Ring eines Planeten) kommt, rasen die Dinger um einen herum, als gäb’s kein Morgen. Gäb’s für sie auch nicht, wenn sie sich so verhalten würden. Denn obwohl das natürlich total spannend aussieht und für jede Menge Flugaction sorgt, erscheint es doch bei näherem Hinsehen wie absoluter Schwachsinn. Ich meine, ich bin kein Wissenschaftler, aber wenn sich Himmelskörper auf so engem Raum so verhalten würden, dann gäbe es da bald kein Asteroidenfeld mehr, weil sich die Teile alle selbst vernichtet hätten. Wer ähnlich „coole“ (und ähnlich dumme!) Effekte sehen will (plus dummer Handlung), hat bei „Armageddon“ (nicht „Arschmageddon“ – obwohl’s den bestimmt auch gibt) Gelegenheit dazu.

Licht erlischt immer laut

Es gibt Schallgeschwindigkeit (die Entfernung, die Schall innerhalb einer bestimmten Zeit zurücklegt) und es gibt Lichtgeschwindigkeit (die Entfernung, die Licht innerhalb einer bestimmten Zeit zurücklegt)  – aber beides hat nichts hiermit zu tun. Hier geht es darum, dass Licht ausgeht. In Korridoren, Tiefgaragen, Tunneln. Meist als Neonröhren. Die Anordnung ist, dass es diverse ähnlich aussehende Lichtquellen gibt, die den Weg zwischen uns und dem Ende des Korridors/Tunnels/Parkhauses erhellen. Doch dann kommt das Böse und das Licht geht aus, von der entferntesten Stelle auf uns zu, Neonröhre um Neonröhre erlischt und es wird dunkel. Aaaaaaber das geschieht natürlich nicht in der Stille, die eine solche Röhre für gewöhnlich braucht, um auszugehen, nnneinnnn, jedes Erlischen wird mit einem lauten, donnerähnlichen Geräusch untermalt. Denn so ist es dramatischer… wenn auch Quatsch!

Fascho Fashion

Man kann ja viel Schlechtes über die Nazis sagen – und sollte das auch! – aber was die Designs und so angeht, hatten die schon echt was drauf. Muss jedenfalls so sein, denn es wird immer wieder kopiert. Wenn es sich um ein faschistoides Regime handelt, dann werden nahezu grundsätzlich die Farben schwarz/weiß/rot verwendet und am besten noch ein Symbol, bei dem nicht viel dazu fehlt, dass es ein Hakenkreuz ist. Beispiele dafür wären „V“ und „V wie Vendetta“ (nicht verwandt, trotz des Vs), aber wenn Sie suchen, finden Sie bestimmt noch andere. Sie können ja mal schauen!

Heinrick

Deutsche in englischsprachigen Filmen werden fast ausschließlich, besonders aber, wenn sie viel deutschen Text haben, von Ausländern (nicht Deutschen, Nicht-Deutschen) gespielt. Das geht dem Amerikaner an sich, der Wolkswagn für ein deutsches Wort hält, natürlich am Arsch vorbei. Ist man aber als Deutscher mehr und mehr mit Originalversionen von Filmen konfrontiert, muss man immer wieder feststellen, dass der ausländische Markt den Machern ebenfalls komplett am Arsch vorbeigeht. Denn es reicht natürlich nicht, dass die Typen, die man da gecastet hat, klingen wie geistig zurückgebliebene kaputte Roboter, wenn sie „deutsch“ sprechen, nein, sie müssen ihnen auch noch ein Wort geben, das wirklich jedem Deutschen zeigt, dass dieser hier keiner ist: „Heinrick!“ Denn das ist ein, ja der deutsche(ste) Name schlechthin.

Warum nicht „Hans“ oder „Klaus“ oder „so“, da würde man es ja vielleicht nicht so merken, aber nein, es muss „Heinrick“ sein, also „Heinrich“, aber das weiche „ch“ ist halt nickt jedermanns Sacke. Wenn Sie Beispiele erleben möchten, empfehle ich Ihnen den Film „Ruins“ und natürlich „Die hard“, wo selbst der großartige Alan Rickman am Namen seines ebenfalls deutschen Bruders scheitert. Auch sein Hinweis „schieß den Fenster“ hilft nicht… vielleicht wiederholt er ihn deshalb auf Englisch? Darüber hinaus bietet der Film auch die von mir viel zitierte Stelle „Wir sind im Heizehaus direkt unterm Dach.“ Da ich Deutscher bin und die deutsch sprechen, habe ich leider nie herausgefunden, was ein „Heizehaus“ ist – aber die werden’s schon richtig machen, ist ja n teurer Hollywoodfilm.

Die Erleuchtung

Was mich zu meiner am zweitliebsten zitierten Stelle bringt, aus einem anderen Hollywoodfilm. Man sollte doch meinen, wenn die da Millionen in son Film buttern und wenn da ein Steven Spielberg Regie führt, dann machen die ihre Arbeit vielleicht auch wirklich gut, weil das Profis sind und so? Ja, falsch gedacht. In Spielbergs „Munich“ (das wäre dann „München“) sagt jemand auf Deutsch etwas wie „Hast du ein Licht für mich?“ und erhält wundersamerweise Feuer für seine Zigarette. Der andere muss wohl das Drehbuch gekannt haben, denn „Do you have a light?“ bedeutet dann ja eher „Hast du mal Feuer?“ und nicht „Leuchte mir den Weg“. Ja, ich weiß, ich bin kleinlich. Und außerdem ist das kein Filmklischee – aber witzig ist es schon!

Halb_Fiction558

von Martin Cordemann

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