Vom Fixer zur Legende

– Gaststars bei Bond, Teil 5

Da diese Sektion doch umfangreicher geworden ist, als ich angenommen hatte, kommen wir nun also zum fünften und hoffentlich letzten Teil. Robbie Coltrane war eine der “Nonnen auf der Flucht” bevor er große Bekanntheit und Achtung als verlogener und versoffener glücksspielender Psychiater in „Für alle Fälle Fitz“ erlangte… und diesen Erfolg als Haggrid in den „Harry Potter“ Filmen noch toppte. In „GoldenEye“ und „Die Welt ist nicht genug“ spielt er einen russischen Gegner Bonds (in der deutschen Fassung im ersten Film ohne, im zweiten mit russischem Akzent).

Zugbeobachtung und eiserner Himmel

Und wieder mal spielt ein Deutscher den Bösewicht… fast schon eine Tradition bei Bond. Nach dem verschenkten Gottfried John in „GoldenEye“ bekommt Götz Otto in „Der Morgen stirbt nie“ doch etwas mehr zu tun. Eine internationale Karriere scheint dann aber doch nicht so recht dabei herausgesprungen zu sein, auch wenn ein Asterix-Film und der „Cloud Atlas“ in seiner Filmographie zu finden sind. Kaum einer dürfte jedoch seinen Film „Iron Sky“ gesehen haben – was schade ist. Denn auch wenn die Prämisse „Nazis auf dem Mond“ nach völligem Trash klingt, handelt es sich bei diesem Film doch um eine schöne Satire auf Nazis, den American Way of War und eigentlich diverse andere Dinge, die auf unserem Planeten falsch laufen. Sehr zu empfehlen!

Dass der Prolet aus „Trainspotting“ einen Bondgegner spielen soll ist doch genauso absurd, als würde einer der Fixer aus diesem Film zum Jedi-Ritter werden… Moment… das gab es! So wurde also Ewan McGregor zu Obi-Wan Kenobi und Robert Carlyle zum bösen Terroristen in „Die Welt ist nicht genug“. Bösewicht war er auch in „Für alle Fälle Fitz“… und diversen anderen Filmen. Nachdem er während „Carlas Song“ „Die Asche seiner Mutter“ „Ganz oder gar nicht“ beerdigt hatte, war er „28 Weeks Later“ in „24“ und bereiste dann das „Stargate: Universe“. Derzeit sieht man ihn in „Once Upon A Time – Es war einmal…“

Die Legende

Sonderstatus sollte Christopher Lee genießen. Es ist wohl schwierig, ihn als etwas anderes als Legende zu bezeichnen. Gut, „arrogant“ mag möglicherweise ein Wort sein, das Leute wählen würden, die mit ihm zu tun hatten… so sagt man. Sieht man davon aber mal ab, so war er der Cousin von Bond-Schöpfer Ian Fleming. Und er kannte J.J.R. Tolkien, den Autor des „Herrn der Ringe“… oder er hat ihn zumindest mal getroffen. Zu der Ehre, den Saruman in der „Ringe“ Trilogie und dem „Hobbit“ zu spielen, kam er erst sehr spät.

Zuvor hat er in gefühlten tausend Filmen mitgespielt, davon diversen Sherlock Holmes Verfilmungen, in denen er als Sir Henry („Der Hund von Baskerville“), Sherlock Holmes („Sherlock Holmes und das Halsband des Todes“) und Holmes Bruder Mycroft („Das Privatleben des Sherlock Holmes“) auftrat (und in den 90ern noch einmal als Holmes in „Sherlock Holmes and the Leading Lady“ mit Patrick Macnee als Dr. Watson).

Seine bekannteste Rolle dürfte aber wohl Blutsauger „Dracula“ sein, den er auch in diversen weiteren „Fortsetzungen“ verkörperte. Eine weitere Figur, die er in mehreren Filmen spielte, war der asiatische Heilpraktiker Dr. Fu Man Chu. Es gab Gastauftritte in „Mit Schirm, Charme und Melone“ und „Mondbasis Alpha 1“, er kämpfte gegen „Die drei Musketiere“, galt neben Jack Lemmon als „Verschollen im Bermuda-Dreieck“ und erholte sich von den vielen billigen Horrorproduktionen in seinen späteren Jahren durch teure Produktionen wie „Sleepy Hollow“ und zwei der „Star Wars“ Prequels.

In „Der Mann mit dem goldenen Colt“ spielt Christopher Lee die Titelfigur, den Killer Scaramanga, der besonders durch seine dritte Brustwarze auffällt… und eigentlich auch durch nichts anderes. Seine Figur gibt zu, dass sie diesen ganzen technischen Kram, den sie dem Zuschauer jetzt eigentlich erklären sollte, auch nicht so recht versteht – wolln wir Essen? Irgendwie eine verschenkte Gelegenheit!

Deutsche Klischees

Nein, damit ist nicht gemeint, dass die Deutschen immer nur als Böse besetzt werden (Lotte Lenja, Gerd Fröbe, Isle Steppart, Curd Jürgens, Alexander Wiesniewski, Gottfried John, Götz Otto, Jürgen Tarrach), sondern dass es in der deutschen Synchron-Besetzung auch immer wieder zu Wiederholungen kam.

Margot Leonard, die als deutsche Stimme von Brigitte Bardot und Marilyn Monroe am bekanntesten sein dürfte, kam in den ersten Jahren gleich dreimal zum Einsatz: Für Honor Blackman in „Goldfinger“, für Luciana Paluzzi in „Feuerball“ und durch „Mit Schirm…“ bedingt für Diana Rigg in „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“.

Martin Hirthe, der die großartige deutsche Stimme von Walther Matthau war, hört man auch direkt mehrere Male im Bereich des Bösen. In „Feuerball“ spricht er Adolfo Celi, nur wenige Jahre später dann aber auch Telly Savalas („Im Geheimdienst Ihrer Majestät“) und dessen Nachfolger Charles Gray („Diamantenfieber“) als Blofeld.

Der eindeutige Gewinner dürfte aber wohl Herbert Weicker sein. Er war phänomenal als Mr. Spock in „Raumschiff Enterprise“ und sein „faszinierend“ dürfte vielen noch heute im Ohr sein. Bei Bond lässt er, seit mit dem Wechsel zu Roger Moore die Synchronisation der Filme von Berlin nach München gegangen ist, kaum einen der Filme aus. In „Leben und sterben lassen“ übernimmt er für Yaphet Kotto (was wohl eher Typecasting war, da er öfter auf schwarze Schauspieler wie z.B. Sidney Poitier besetzt wurde). Da er Christopher Lee bereits mehrmals gesprochen hatte, lag seine Besetzung für ihn in „Der Mann mit dem goldenen Colt“ nahe. „Der Spion, der mich liebte“ führt Ms russisches Gegenstück General Gogol (Walter Gotell) ein, den Weicker hier spricht, danach aber erstmal nicht. Bei „Moonraker“ setzt er aus, bei „In tödlicher Mission“ übernimmt er den Blofeldersatz, doch dann kehrt er für „Octopussy“, „Im Angesicht des Todes“ und auch den Dalton Bond „Der Hauch des Todes“ mit General Gogol zurück. Und damit beenden wir unsere kleine Exkursion.

Oh, was ist eigentlich aus Bond Darsteller George Lazenby geworden? Tja, sagen Ihnen die „Emanuelle“-Filme was…

Halb_Fiction571

von Martin Cordemann

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