Once upon a time in the Text

– Schreib mir das Lied vom Tod

Noch mehr Englisch, noch mehr schlechte Übersetzungen.

Beginnen wir doch mit der Werbung. Die benutzt ja bekanntlich gerne englische Ausdrücke, weil das ja viel moderner und hipper klingt – und hat damit einen großen Anteil daran, dass die deutsche Sprache immer mehr anglifiziert wird.

Denn einfachste deutsche Begriffe werden heute nicht mehr verwandt, ein Schicksal, dem der arme Speck zum Opfer gefallen ist. Gut, Speck klingt nicht sexy, Speck klingt nach dick, nach auf den Hüften, nach dem Gegenteil von einer Bikinifigur. Aber die kriegt man auch nicht, wenn man sich Schaufelweise den „Bacon“ in den Mund stopft. Ja, meine lieben Freunde, der Bacon hat den Speck abgelöst, nicht Francis, nicht Kevin, schlicht Der. Ruhe in Frieden, Freund Speck, denn deine Tage sind gezählt.

SchreibMirD

Aber bleiben wir noch kurz bei der Werbung, denn die beschert uns ja hin und wieder die furchtbarsten Begriffe. Unkaputtbar ist einer davon, aber der war wenigstens erfunden. Aber welches blöde Arschloch hat eigentlich die „Cerealien“ verbrochen, hm? Die hießen bei uns immer schon „Cornflakes“ oder „Frühstücksflocken“ und auch wenn das nicht alles Cornflakes waren, so hatte sich dieses Wort doch als Oberbegriff durchgesetzt – ganz genauso, wie das zum Beispiel auch in Amerika der Fall ist, ihr blöden Flaschen! (Gemeint sind die Cerealien-Arschlöcher, nicht Sie, werter Leser/werte Leserin/liebes Kind, du solltest so was nicht lesen, hier werden unflätige Worte verwendet!) „Xerox“ war, wenn ich recht informiert bin, ein Unternehmen/Kopiergerät und so wurde davon abgeleitet „to xerox“, was sich als Allgemeinbegriff für kopieren durchgesetzt hat – gleiche Schiene wie Cornflakes. Oder „Tesafilm“, das bei uns allgemein für Klebeband steht. Oder „Tempo“, das bei uns zum Begriff für Papiertaschentuch geworden ist. Also warum musste nun irgendein Vollarsch feststellen, dass Frühstücksflocken in Amerika ja „cerials“ heißen und es für eine gute Idee halten, den hier bislang (völlig zu Recht) unbekannten Begriff „Cerealien“ einzuführen??? Wenn es einen Preis für schlechte Werbung gibt, dann gehört er dieser Person anal eingeführt! (Liebe Kinder, fragt eure Eltern, was das heißt!) Ja, das regt mich auf!

SchreibMirBAD

Wo wir aber schon mal beim Englischen sind, eine Binsenweisheit sagt ja, dass das Englische normalerweise kürzer ist als das Deutsche… oder dass das Deutsche länger ist als das Englische. Was stimmt! Und was Synchronisationen schwieriger macht, da man mehr Wörter braucht, um das Gleiche zu sagen, was sich wahrscheinlich auf Satzlänge und Sprechgeschwindigkeit auswirkt. Sie können ja auch mal die Sprechblasen in den Übersetzungen vergleichen, Deutsch braucht für gewöhnlich einfach mehr Worte. Für gewöhnlich, aber nicht immer!

Denn es gibt Begriffe, die im Deutschen kürzer sind. Das mag überraschen, aber es ist so. Nicht viele, aber sie sind da. Zum Beispiel Puzzle. Mars. Snickers. Barbie. Und Ken. Das sind Begriffe, die bei uns für sich stehen können und jeder weiß sofort, was gemeint ist. Im Amerikanischen ist das jedoch ein wenig anders. Hier sind sie noch um einen Anhang erweitert, es ist der „Mars bar“, also der „Mars Riegel“ und die „Barbie doll“, die „Barbie Puppe“. Außerdem scheint das Puzzle stets ein „Jigsaw Puzzle“ zu sein. Bei uns reicht es, ein „Eis“ zu essen, in Filmen bestellen die Leute aber auch gerne „Eiskreme“, da man mit Eis alleine dort wohl nicht weiter kommt und der Begriff Speiseeis „ice cream“ ist. Selbst unser schlichtes „Comic“ wird durch den amerikanischen Begriff „comic book“ gleich zum „Comic Buch“ aufgeplustert, obwohl ein (nicht lippensynchrones) „Comic Heft“ der Sache doch gleich viel näher käme. Aber wahrscheinlich dürften das tatsächlich eher die Ausnahmen sein.

SchreibMirE

Gute Übersetzungen, von Büchern wie von Filmen, zeichnen sich durch eine stimmige Übersetzung aus. Doch auch hier schleichen sich hin und wieder Worte ein, die da eigentlich nichts zu suchen haben und die dadurch ein wenig herausstechen.

Nehmen wir den Paul Verhoeven Film „Fleisch und Blut“. Der spielt nicht nur im Mittelalter, sondern auch in Spanien (oder Portugal oder Italien). In einem solchen Zusammenhang, also weniger die Zeit als vielmehr der Ort, passt es nicht ganz, wenn einer der Soldaten als „Captain“ bezeichnet wird. „Hauptmann“ wäre hier stimmiger, da er offensichtlich kein Schiff hat, aber eben auch nicht den britischen Streitkräften angehört. Da der Film auf Englisch gedreht ist, hat man hier wohl einfach übernommen statt zu übersetzen.

Fast schon schlimmer macht sich die Anglifizierung aber in dem Film „Pathfinder“ aus. Der spielt Wasweißichwann in der Vergangenheit irgendwo im kühlen Skandinavien und doch ist von dem „Pathfinder“ die Rede. Gut, der „Pfadfinder“ würde wahrscheinlich irgendwie weniger cool klingen, aber was wäre denn bitte gegen den „Fährtensucher“ oder „-leser“ einzuwenden gewesen? Aber nein, es muss amerikanisch sein – und dadurch wird es unstimmig und streng genommen auch schlicht falsch.

Weniger ein Fehler aber irgendwie schade ist dann die Verwendung von Begriffen, die eigentlich nur über eine gewisse Zeitspanne verwendet werden, aber möglicherweise irgendwann wieder aus dem Sprachgebrauch verschwinden. Schade deshalb, weil sie einem Film das Zeitlose nehmen und ihn durch die Verwendung des Wortes direkt in einer Zeit verankern. Mein Beispiel hierfür wäre der Begriff „Weichei“ im ersten „X-Men“ Film.

DreiStripsSchreib

Ein positives Beispiel für eine stimmige Übersetzung sind zum Beispiel die „Star Wars“ Filme… die alten, natürlich! Die neuen übersetzen den Count ja nicht mal mehr in einen Grafen, was schon recht schwach ist. In den alten dagegen reden sich die altvorderen Kampfgegner in sehr ritterlicher Weise an, oder sagen wir, ritterlich klingender Weise, indem sie statt „Sie“ oder „du“ die altertümliche Form des „Ihr“ benutzen, was der Sache eine gewisse Klasse verleiht.

Zum Abschluss schleppe ich Sie nun vor den Altar. Sagt man bei uns schlicht „ja“ (oder „nein“, je nachdem), so ist es in den Übersetzungen der Filme immer ein enthusiastisches: „Ich will!“ Bei dieser Übersetzung drängt sich irgendwie der Verdacht auf, dass sie in erster Linie auf die Lippensynchronität zurückgeht. Im Englischen lautet die Antwort nämlich „I will“, was aber, wie wir wissen, nicht „Ich will“ heißt, sondern „Ich werde“ bzw. „Das werde ich“… aber ich denke, wenn man mal genauer darüber nachdenkt, dann ist die Bedeutung, die hinter den Worten steht, bei der deutschen Fassung doch eigentlich einen Hauch schöner.

NullNullSexy17Bettgeschichten

von Martin Cordemann

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