Amüsante Abenteuer

– aus unserer Reihe: „Es muss nicht immer Nörgeln sein“

Sagt Ihnen der Name Richard Maibaum irgendetwas? Michael G. Wilson? Joseph Stefano? Dan O’Bannon? Peter Benchley und Carl Gottlieb? Nein? Wenigstens Steven Moffat oder Aaron Sorkin?

Kaum einer kennt sie, die Leute, die die Drehbücher von Filmen schreiben. Ja, Hitchcock kennen wir, oder Spielberg, oder Lucas, oder Scott. Ridley? Tony? Egal, die Namen haben wir schon mal gehört, weil sie die Regisseure sind. Aber wer weiß denn schon, wer die James Bond Filme geschrieben hat? Oder „Psycho“? Oder „Alien“? Oder „Der weiße Hai“?

Kommen Sie mir jetzt nicht mit dem öden „Beim Film zählt aber die Bildsprache, deshalb ist der Regisseur viel wichtiger als der Autor“! Schöne Bilder und lausige Dialoge ergeben oft einen langweiligen Film. Und da ich offensichtlich von der schreibenden Seite komme, halte ich das Buch durchaus für eine wichtige Angelegenheit… die in Hollywood gerne mit Füßen getreten wird.

Zu viele Köche…

…verderben ein Skript. Film ist eine Industrie, also müssen wir uns nicht wundern, wenn Filme industriell hergestellt werden. Und natürlich fließen in einen Film nicht nur die Vision des Autors ein, sondern auch die des Regisseurs, des Hauptdarstellers, der Hauptdarstellerin, ihrer Katze, des Produzenten, dessen Tochter, dessen Frau, deren Liebhaber und dann noch von den 3.000 Leuten von der Presseabteilung, die den Mist später vermarkten müssen. Von dem Standpunkt ist es überraschend, dass überhaupt gute Filme entstehen!

Ich bin auch das „Argument“ leid, dass an einem Film oder einer Serie ruhig mehrere Drehbuchautoren arbeiten sollten, da das die Sache befruchtet. Nun, wenn wir acht beschissene Autoren haben, hilft das der Sache nicht. Oder sieben beschissenen und einen guten, der sich nicht durchsetzen kann. Hatte „Catwoman“ nicht mehr als 20 Autoren? Und, wow, was ist das für ein guter Film geworden! Und wie viel besser wäre der wortgewandte „Rosenkranz und Güldenstern“ geworden, wenn neben Tom Stoppart auch die dialogschwachen Alex Kurtzman und Robert Orci am Drehbuch mitgewirkt hätten?

Und bitte, begründet diese idiotische Theorie nicht mit „beim Fernsehen ist das aber auch so und die Amerikaner machen viel bessere Serien als wir“. Ja, machen sie, aber vor allem aus dem Grund, weil sie einfach so verdammt viel mehr davon machen, dass da schon rein statistisch eine bessere Anzahl bei rauskommen muss. Und auch da gibt es Folgen, die besser und Folgen, die schlechter sind.

Zudem habe ich ein schönes Gegenbeispiel, drei, um genau zu sein: Steven Moffat, Aaron Sorkin, J. Michael Straczinsky. Moffat hat die beiden großartigen Serien „Coupling“ und „Jekyll“ geschrieben, allein nehme ich an. Sorkin schrieb die ersten vier Staffel seiner Serie „The West Wing“ nahezu im Alleingang, dann hat man ihn ausgebootet und die Qualität der Serie hat stark nachgelassen. Und auch Straczinsky schrieb bei „Babylon 5“ den Grossteil aller Episoden. Wenn man also einen guten Autoren hat und man ihm ein paar Freiheiten gibt, dann kann dabei auch eine tolle Serie herauskommen!

Der Herr der Fliegen ihr Herr

Aber zurück zum Thema… oder zum Anfang des Themas, das ja eigentlich noch gar nicht begonnen hatte. Ein weiterer Autor, der für den Film immer wieder gute Arbeit leistet, ist William Goldman. Viele von uns verbinden mit seinem Namen zunächst vielleicht nur unangenehme Erinnerungen, ist er doch Autor des Buches „Lord of the Flies“, „Der Herr der Fliegen“, das man uns im Englischunterricht hat durchkauen lassen. Neben diesem Werk, das einem gleichermaßen den Autoren wie die englische Sprache vermiesen kann, ist er u.a. jedoch auch als Drehbuchautor tätig und hat dabei wunderbare Filme geschaffen. Das Buch des Nazi- und Folter-Thrillers für Zahnarztfreude „Der Marathon-Mann“ stammt von ihm, ebenso wie „Wehrlos – die Tochter des Generals“ und diverse andere Filme. Hier wollen wir aber einen kurzen Blick auf drei seiner Werke werfen, die besonders leicht daherkommen und sich alle durch seine wunderbaren Dialoge auszeichnen.

„Die Braut des Prinzen“

Ein Drehbuch nach seinem Kinderbuch, ein wunderbarer Film. Wenn man mal Bücher, die für Kinder geschrieben sind, miteinander vergleicht, dann stellt man fest, dass es da gute gibt und schlechte. Gut, das sollte wohl auf jedes Genre zutreffen. Aber vielleicht denkt man, wenn es für Kinder ist, muss es nicht gut geschrieben sein, es muss ja reichen, wenn Kinder daran Spaß haben. Enid Blyton, Autorin der „Fünf Freunde“ scheint so zu denken oder zumindest so zu arbeiten. Denn liest man ihre Bücher heutzutage, „könnte man kotzen“, um Erich Kästner zu zitieren. Der wiederum gehört zu der guten Kategorie, denn seine Bücher sind gleichermaßen für Erwachsene wie Kinder ansprechend.

Gleiches trifft auf „Die Braut des Prinzen“ zu. Auch, wenn das ganze wie eine Kindergeschichte daher kommt, die Peter Falk seinem kleinen Enkel erzählt, ist sie doch gespickt mit schillernden Figuren und witzigen Dialogen. Man fragt sich am Anfang, ob es die Rahmenhandlung mit Opa und dem Kind aus „Wunderbare Jahre“ wirklich braucht, aber Goldman macht, wie so oft, etwas Gutes daraus und so verleiht es dem Film einen angemessenen Rahmen.

Die Geschichte: Ein Mann läuft seiner Liebe hinterher, ein anderer seiner Rache. Ob beide am Schluss ihr Ziel finden? Nun, es ist ein Kinderfilm, oder? Es ist allerdings auch nicht „I saw the devil“, so werden die Konsequenzen von Rache dann doch ausgespart. Hätte vielleicht auch nicht ganz gepasst. Alles in Allem ist es ein Film, an dem man viel Spaß haben kann – und einer, wo Wallace Shawn nicht so sehr nervt wie sonst meistens!

„Zwei Banditen

Paul Newman und Robert Redford planen einen Coup… nee, das kam erst später. Hier sind sie „zwei Banditen“, „Butch Cassidy und Sundance Kid“, um genau zu sein. Wir können annehmen, dass Redford sein „Sundance Film Festival“ nach dieser Rolle benannt hat, oder? Ich denke, wir können.

Jedenfalls sind beides Ganoven, die sich mit Zugüberfällen, Banküberfällen und Radfahren zur Musik von Burt Bacharach die Zeit vertreiben. Auch hier zeichnet Goldman für das Drehbuch verantwortlich und auch hier zeichnet es sich durch jede Menge origineller Ideen und geschliffener Dialoge aus. Wie üblich ist es eine Freude, Goldmans Figuren zuzuhören, wenn sie Höflichkeiten oder Bosheiten austauschen. Wer also Spaß an Figuren hat, die sich selbst nicht so ernst nehmen, der setzt mit Goldman meist aufs richtige Pferd… oder den richtigen Spieler:

„Maverick“

Das Remake einer Fernsehserie kann eigentlich nicht gut sein… es sei denn, man lässt Goldman das Drehbuch schreiben und holt sich noch das Team von „Lethal Weapon“ dazu (Mel Gibson, Danny Glover [Cameo-Auftritt], Richard Donner [Regie] und Steve Kahan [Richard Donners Schwager, so ziemlich in jedem seiner Filme in einer kleinen Rolle mit dabei].

Außerdem ehrt man die Originalserie, indem man ihren Hautdarsteller, James Garner, ebenfalls mit in den Film hinein nimmt. Also ist es wirklich ein Remake oder gar eine späte Fortsetzung? Das müssen Sie selbst entscheiden.

Ein bisschen wirkt der Film, als wäre er die leichtfüßige Westernversion von Mel Gibsons „Payback“, da dieser auch hier von einer Patsche in die andere stolpert, doch hier hat das weit weniger düstere Konsequenzen. Goldman erzählt die Geschichte mit leichter Hand, in der Glücksspieler Maverick genug Geld für ein großes Pokerturnier zusammenbekommen muss, das dann den Höhepunkt des Films darstellt… ein bisschen wie „Casino Royale“, nur mit mehr Humor und weniger Folter.

Auch dieser Film sprüht vor Ideen und fließt vor flüssigen Dialogen. Da ist es eine Freude, dem Meister bei der Arbeit zuzusehen… Gibson, Donner, Goldman, suchen Sie sich einen aus!

Nachtrag…

…ender Weise sei natürlich korrigiert, dass „Der Herr der Ringe“ von Tolkien stammt und „Der Herr der Fliegen“ von William Golding und nicht William Goldman – was natürlich einen gewissen Sinn ergibt, aber, wie es so schön heißt, Golding will Weile haben, tja, kann man ja mal verwechseln die beiden.

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von Martin Cordemann

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NSA vs. NSU

Ganz ehrlich, mich wundert, dass sich die Leute da nicht öfter versprechen. Und, ganz ehrlicher, wenn Dienste wie die NSA ihre Sache vernünftiger machen würden, dann würd es solche Probleme wie die NSU vielleicht gar nicht geben. Ja, das ist eine kleine Spitze gegen den Verfassungsschutz, der hier bewusst oder unbewusst Scheiße gebaut hat. Und, wie heißt es in „Muxmäuschenstill“ so schön, wenn so was öfter vorkommt, muss ich Vorsatz vermuten.

Geh heim, Dienst!

Vielleicht bin ich einfach zu zynisch, aber irgendwie hat mich diese ganze Geschichte mit der Überwachung nicht sonderlich überrascht. Meine Güte, das ist der Job von Geheimdiensten! Die sammeln alle Informationen, die sie bekommen können, dass das nicht immer legal ist, sollte uns klar sein – und dass die da nicht groß zwischen „Freund und Feind“ unterscheiden, eigentlich auch. Denn damit kommen wir zu einem weiteren Gedankenfehler in dieser Angelegenheit:

Amerika ist unser Freund!

Ist es nicht! Auch nicht Russland, England, Frankreich, die Schweiz oder Borundi. Länder sind keine Freunde. Länder sind Länder, manchmal führen die Krieg miteinander, manchmal nicht, oft treiben sie Handel miteinander, aber Länder haben keine Gefühle. Paradoxerweise können sie Feinde sein, aber Freunde in dem Sinne doch eigentlich nicht. Man ist vielleicht nicht im Konflikt miteinander, aber wenn ein Land mal all seine Kohle für ein schlechtes System verbraten hat und pleite ist, dann kann man doch sehen, wie gut die Freunde dann sind und ob sie einem aushelfen.

Gut, vielleicht verstehen manche den Begriff Freundschaft einfach anders. Dass man jemandem die Freundin ausspannt oder so und trotzdem sein Freund ist… gut, da fällt mir grad keine vernünftige Analogie in Sachen Ländern ein. Vielleicht, dass man einem anderen Land, einem befreundeten Land, ein Geschäft abgejagt (wahrscheinlich Waffen, denn viele andere große Geschäfte gibt es heutzutage ja nicht mehr – außer vielleicht, den Japanern vernünftige Atomkraftwerke zu verkaufen… aber ich fürchte, das käme jetzt etwas zu spät). Klar, wer so was für Freundschaft hält, der kann auch denken, dass Amerika unser Freund ist – aber dem ist nicht so.

Amerika – oder, präziser, die US of A, also die United States of America (was n das überhaupt fürn Name?), also die Vereinigten Staaten von Amerika – sind eine der letzten verbleibenden Megagroßmächte. Und wenn man der Größte, Stärkste, Mächtigste ist, dann hat man keine Freunde. Bittsteller vielleicht. Untergebene. Leute, die man freundlich behandelt. Von oben herab. Aber Freundschaft sollte doch gleichberechtigt sein, oder? Auf einer Ebene. Und man ist nicht mit einem Gott oder König auf einer Ebene, da ist man immer drunter. Da darf man froh sein, wenn der einen anlächelt – oder, in dem Fall, nicht angreift. Aber, da dürfen wir in Deutschland aufatmen, hier gibt’s ja kein Öl – und die Familie Bush ist ja nicht mehr im Amt, also müssen wir bis zum nächsten ungerechtfertigten Angriffskrieg vielleicht warten, bis die wieder einen ihrer Mannen im Weißen Haus platzieren können.

Freunde ausspionieren

Also Amerika ist einer Supermacht – und die will natürlich wissen, was los ist. Also sammelt sie – oder vielmehr ihre Geheimdienste – alles, was es so zu sammeln gibt. Wie die STASI, nur mit besserer Technik.

Ungebührlich wurde das für den Amerikanischen Staatsbürger erst, als er erfahren hat, dass man auch seine Daten sammelt – bei Ausländern ist ihm das egal, aber bei ihm gibt es da eine Verfassung, die ihn davor schützt, jawohl! Das ist schon fast keine Doppelmoral mehr, das ist Dreifachmoral – zum Preis von einer.

Ich hätte ja durchaus die These vertreten, dass Obama (bin Laden… nee, das war n anderer – auch komisch, dass es da nicht öfter zu Versprechern gekommen ist!) vielleicht über das Ausmaß, wer wie viel abhört, nicht so unterrichtet gewesen ist… aber da wohl eine seiner Mitarbeiterin stolz darauf gewesen sein soll, wie viel Vorinformationen (den Standpunkt des Verhandlungspartners) man bei so manchem Treffen gehabt haben soll und dass die Sicherheitsdienste das besorgt hätten, tja, dann würd ich diese These wohl kippen. Denn er ist nicht dumm – gut, er hat sich seinen Friedensnobelpreis kein Stück verdient – also wird er sich seinen Teil denken können. Man propagiert das dann nicht, das ist klar, aber denken wird man sich das!

Ab gehört

Laut dem Film „Staatsfeind Nr. 1“ von Tony Scott mit Will Smith und Gene Hackman, der übrigens gut zu diesem Thema passt und seiner Zeit um einiges voraus zu sein scheint, meint Hackman übrigens, dass man schon lange bei Telefongesprächen bei bestimmten Reizwörtern wie „Bombe“ und „Anschlag“ automatisch mitschneiden würde. Mag das in diesem Film vielleicht noch wie eine Fiktion erscheinen, so erscheint das heute mehr und mehr wie die Wahrheit. Nur, dass wahrscheinlich nicht mehr so gesiebt sondern direkt alles gespeichert wird, zur späteren Auswertung. (Mein Bruder und ich flechten schon seit Jahren immer mal wieder ein „Bombe“ etc. in unsere Telefongespräche ein, nur, damit sich die Arbeit der Abhörer auch lohnt!) Ein weiterer guter Film zu diesen Thema ist übrigens „Sneakers“ mit Robert Redford – ebenfalls erschreckend aktuell!

Machen wir uns also nichts vor, wir werden wahrscheinlich besser überwacht als uns lieb sein sollte. Aber, machen wir uns ebenfalls nichts vor, das wird auch so bleiben. Nur, weil sich jetzt jemand beschwert und den Botschafter einberuft oder mal zur Präsiaudienz nach Washington fliegt, werden die Geheimdienste jetzt nicht damit aufhören. Wie gesagt, das ist ihr Job! Und würden sie jetzt aufhören – oder so tun, als ob – und dann würde ein großer Anschlag passieren wie der 11. September, dann würden die Geheimdienste sagen: „Wir hätten das verhindern können, aber ihr habt uns ja nicht gelassen!“ Und dann werden die Gesetze geändert und dann wird jeder nach mehr Überwachung schreien. Glauben Sie nicht? Warten Sie’s ab!

Hören ohne Handeln

Ich sehe das Hauptproblem eigentlich weniger darin, dass wir alle überwacht werden – viele „umgehen“ das ja, indem sie ihr langweiliges, uninteressantes Leben bei Facebook breit treten – sondern dass die Geheimdienste die Informationen, die sie da haben – und wir wissen, dass sie die da haben! – nicht nutzen, um Gutes zu tun. Ja, da klingt etwas biblisch, aber darauf lass ich es mal ankommen.

Ich unterstelle mal, dass viele Kinderschänder Kinderpornographie über das Internet verbreiten. Und ihr könnt mir nicht erzählen, dass die NSA mit all den Daten, die sie da hat, diese Leute nicht innerhalb weniger Stunden ALLE finden könnte. Also, so frage ich, warum macht man das nicht und setzt die Daten nicht zumindest in diesem Fall ausnahmsweise mal sinnvoll ein? Dass ihr weiterhin Industriespionage betreibt, das wissen wir doch, aber warum nicht mal was Vernünftiges, Brauchbares tun? Nicht Kleinkriminelle, nicht all die aufspüren, die sich mal irgendwo illegal n Lied runtergeladen haben, nein, die, die mit ihrer „Arbeit“ unschuldigen Menschen schaden?! Und das die Geheimdienste das nicht tun, das nehme ich ihnen wirklich übel!

Halb_Fiction497

von Martin Cordemann

Die machen das nur für die Fans!

Gemeint sind a) Verleihe und b) Ironie. Falls Ihnen gegenüber irgendjemand behaupten sollte, die Verleihe würden etwas „nur für die Fans“ machen, dann können wir relativ sicher sein, dass das gelogen ist. Oder schlicht gelogen… aber das hab ich ja grad schon gesagt.

Verleihe und Herausgeber von DVDs (heute: BluRays) machen, das, was sie machen, nicht, um den Fans etwas zu geben, sondern weil sie etwas von ihnen wollen. Und zwar ihr Geld. So einfach ist das. Und das ist jetzt auch kein großes Geheimnis. Man muss halt nur nicht so tun, als wären sie die großen Gönner, die den Fans einen Gefallen tun würden. Denn was sie tun ist

folgendes:

Sie bringen eine DVD heraus, am besten ohne irgendwelche Extras. Für teuer Geld. Die Fans kaufen. Dann bringen sie, etwas später, eine Neuauflage heraus, diesmal mit Extras. Die Fans kaufen. Dann gibt es vielleicht noch eine Auflage als Steelbook. Und wenn es eine Serie ist, dann gibt es vielleicht sogar irgendwann eine Gesamtbox, mit allen Staffeln. Vielleicht sogar mit noch neuerem Zusatzmaterial als Kaufanreiz (aber vielleicht kommt das auch erst bei der BluRay-Auswertung?!) Und die wird irgendwann… recht günstig. Zu einem Zeitpunkt, zu dem die „Fans“ schon genügend Kohle in die Einzelboxen gesteckt haben, ja, vielleicht sogar in die Einzelboxen von halben Staffeln! Und das machen die nur für die Fans, ein Produkt wieder und wieder herauszubringen, damit sich die Fans das teuer kaufen, anstatt etwas anderes zu tun, was viel angemessener wäre: sich verarscht vorkommen!

Bei einer solchen Veröffentlichungspolitik wäre die Behauptung, man tue das „für die Fans“, eine reine Unverschämtheit. Nur mal so als Hilfestellung, „für die Fans“ wäre das Angebot: „Leute, wenn ihr die Erstauflage habt, kommt damit zu uns, und ihr a) erhaltet Rabatt auf die Neuauflage oder b) wir tauschen eure Disc gegen die neue um.“ Und das würde auch für einen Wechsel auf das andere Medium BluRay gelten. Doch das wäre marktwirtschaftlich natürlich eher kontraproduktiv, denn, wir wissen alle:

Internetdownloads machen Hollywood kaputt

Genau, es sind die Downloads. Es sind nicht die überbezahlten Stars und die überteuren Filme. Ganz ehrlich, bei einem Film, der heutzutage 250 Millionen Dollar kostet, wie kommt diese Summe zustande? Das meiste bei den Filmen sind inzwischen Spezialeffekte und die entstehen im Computer. Also was kostet so verdammt viel? Die neuen Computer? Und wenn man die einmal hat, müsste das die Kosten für den nächsten Film nicht enorm verringern? Ich meine, wenn es die Drehorte wären, Hawaii, Shanghai, Nordpol, Rom, Sydney, okay, das wäre nachvollziehbar. Oder teure Kulissen, wie sie seinerzeit Ken Adam für „Man lebt nur zweimal“ gebaut hat, das könnt ich verstehen. Aber bei Filmen, die größtenteils im Computer zu entstehen scheinen, was zum Henker kostet da so viel Geld???

Also die Preise für die Filme sind es scheinbar nicht, die Hollywood kaputt machen, es sind die illegalen Downloads aus dem Internet. Selbst wenn dies wirklich so wäre, dann möchte ich an dieser Stelle mal darauf hinweisen:

Das Problem ist hausgemacht!

Oder, um es deutlich auszudrücken, Hollywood hat sich da einiges selbst verschuldet. Und das fängt mit Regionalcodes für DVDs an. Da wurde man bei Saturn schon fast wie ein Verbrecher behandelt, wenn man nach einem codefreien DVD-Player gefragt hat. Als ob man dafür ins Gefängnis wandern würde, wenn man mal eine Code 1 DVD schaut.

Also wofür diese selbstgemachte Beschränkung? Viele Leute stehen auf DVDs aus den USA, aus den unterschiedlichsten Gründen. Aber nehmen wir einfach mal einen nachvollziehbaren: Wenn die US-Veröffentlichung eine Menge Zusatzmaterial hat und die deutsche DVD nur nicht ausblendbare Untertitel, dann möchte man vielleicht die Variante, von der man als Filmfreund mehr hat. Nun muss ich die nicht nur über einen obskuren Händler bestellen, sondern mich bei Saturn auch noch schief ansehen lassen, weil ich einen Player haben will, mit dem man die auch abspielen kann. Was, wenn die dritte Variante wäre, dass ich mir all das problemlos aus dem Internet runterladen kann? Somit war der Schritt der Regionalcodes in meinen Augen ein Schritt in die falsche Richtung – und wenn ihr dadurch Verlust gemacht habt, selbst Schuld, Arschlöcher, das nächste mal vorher nachdenken!

Aber es geht noch weiter!

Aber es geht noch wei… aber das ist noch nicht alles! Denn jetzt gibt es BluRay, und die Vertreiber tun weiterhin etwas „für die Fans“. Und zwar: sie verarschen! Oder wie auch immer Sie das nennen möchten. Denn aus irgendwelchen Gründen ist ihnen die DVD nicht mehr gut genug, und auch, wenn sie uns jahrelang dazu gedrängt haben, DVDs zu kaufen, wollen sie jetzt noch mehr Geld mit den (inzwischen nur noch leicht) teureren BluRays machen (oder glauben Sie, die machen das, weil ihnen die Qualität am Herzen liegt – seien Sie doch nicht albern!).

Damit wird die DVD zu einem Medium zweiter Klasse und die DVD-Käufer Kunden zweiter Klasse. Denn um ihre BluRays zu pushen, bieten sie oft die DVDs des gleichen Produkts nur in abgespeckter Form an. Sowohl bei „Prometheus“ als auch bei „Skyfall“ fehlen bei den DVDs z.B. die beiden Audiokommentare, die die BluRays bieten. Das ist ein Dienst am Kunden, ein Dankeschön an die Fans, die sich damals eifrig die Erstauflagen der Bond-Filme oder die schöne „Alien“-Box gekauft haben. Danke, liebe Vertreiber, danke, dass ihr das alles für uns tut, dass ihr euch auf diese Weise für jahrelange Treue bedankt

ihr Arschlöcher!

Wenn ich also bei eurer Art, mit euren Kunden umzugehen, noch einmal so ein ungerechtfertigtes Rumgejammer darüber höre, dass euch eure verschissenen überteuerten beschissenen Drecksfilme… dass das Internet Hollywood kaputt macht, dann tret ich euch gerne in eure verlogenen Ärsche, um euch damit mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Das mag zwar eine fragwürdige Therapie sein, aber zumindest einer von uns würde dabei auf seine Kosten kommen!

Und ihr habt wirklich Glück, dass es nicht daran liegt, dass die meisten Filme heutzutage idiotische Scheiße sind, denn das wäre ja nun ein Problem, das man nicht lösen kann!

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von Martin Cordemann

Überschrift

– oder: Nichtssagende Filmtitel

Wir hatten dereinst darüber gesprochen, dass Namen durch Filme ihre Bedeutung verlieren (Hannibal, Beethoven, Kevin). Heute wollen wir uns einem ähnlichen Thema zuwenden: den nichtssagenden Filmtiteln… und deutschen Untertiteln. Denn da sind wir wieder bei einem Punkt, den viele selbsternannte Cineasten und Originalfassunggucker so gerne ablehnen. Gemeint sind nicht die Untertitel im Gegensatz zur Synchro, sondern die Untertitel unter dem Filmtitel. Ja, die können scheiße sein („The Guard – Ein Ire sieht schwarz“) – aber das können die Filmtitel auch! Und wenn es sich um einen Titel handelt, der absolut nichtssagend ist, dann finde ich einen Untertitel mitunter durchaus hilfreich. Nehmen wir zum Beispiel:

„John Carter“

Was sagt dieser Titel aus? Hm? Hätte man auch

„John Smith“

nennen können, oder, um ein deutsches Äquivalent zu nehmen:

 „Peter Müller“

Austauschbarer geht es kaum. Gut, eigentlich sollte der Film wohl

„John Carter of Mars“

heißen, aber da wohl in den letzten Jahren so ziemlich jeder Film, in dem der Name „Mars“ vorkam, gefloppt ist, hat man sich dann anders entschieden – was man auch hätte lassen können, da „John Carter“ auch so gefloppt ist. Aber das „of Mars“ zeigt einem an, um was es sich bei dem Film ungefähr handeln könnte, anders als das schlichte „John Carter“, das ich als langjähriger ER-Gucker auch als „John Carter of Emergency Room“ hätte interpretieren können. Und auch das deutsche „John Carter – Zwischen zwei Welten“ gibt etwas mehr Informationen als ein austauschbarer Name. Womit wir bei folgenden Titeln wären:

„Michael“

„Paul“

„Hugo“

„Ted“

Jau, worum geht es in diesen Filmen? Die könnten eine Reihe sein, und handeln von… den Beatles. Oder den vier Aposteln. Oder den vier Reitern der Apokalypse. Den vier Musketieren. Den glorreichen sieben, bei denen noch drei Filme fehlen…

Aber nein, diese Namen und Filme stehen ganz für sich allein – und sagen nix aus. Wirklich gar nix. Da könnte man auch einen Titel nehmen wie:

„John“

oder

„Hans“

Zur Auflösung des Rätsels, es geht um einen Erzengel, einen Außerirdischen, einen kleinen Jungen und einen Teddy – finden Sie selbst heraus, welcher Titel wozu passt. Also war man hier einfach zu faul, sich was Besseres einfallen zu lassen, oder was? Und zumindest zwei der Filme haben einen deutschen Untertitel, der eine leichte Hilfestellung gibt. „Ein Alien auf der Flucht“ erklärt ein wenig die komplette Handlung des Films, während das „Cabret“ einen Nachnamen vorgibt, damit man den „Hugo“ nicht verwechselt, mit zum Beispiel „Strasser“ oder, wenn es ein Nachname wäre, „Victor“ – beides durchaus möglich! Wir sehen also, dass deutsche (Unter)Titel dem Original durchaus überlegen sein können, ganz egal was die Klugscheißer und Besserwisser behaupten.

Was uns noch einmal zurück zu den Untertiteln bringt. Wir haben gesehen, dass die bei einem Weltraumhelden durchaus hilfreich sein können, wenig anders verhält es sich beim Spielfilm zur Fernsehserie „Firefly“. Denn, Hand aufs Herz, wem sagt der Begriff

„Serenity“

irgendetwas? Und Leute, die in England oder den USA geboren sind, dürfen jetzt mal nicht mitspielen. Und, streng genommen, wenn die nie was von „Firefly“ gehört haben, dürfte selbst denen der Titel wenig sagen, denn hinter dieser „Gleichmut“ oder „Ruhe“ könnte sich ein Frauendrama mit Susan Sarandon verbergen und kein Science Fiction Film mit Nathan Fillion. Also hilft auch hier die Unterzeile „Aufbruch zu neuen Welten“ durchaus, ein wenig das Genre einzugrenzen.

Ich könnte Ihnen bestimmt noch jede Menge solcher Beispiele nennen, aber mir fallen grad keine ein. Also wenn Ihnen jemand sagt: „Boah, ey, der deutsche Titel is doch total blöd ey“, dann können Sie darauf antworten: „Lern doch erstmal richtig Deutsch, du ungebildeter Sack!“ Ach ja, und einfach nicht alles glauben, was Ihnen sog. Filmkenner sagen!

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von Martin Cordemann

Schlechte Zensur für die Zensur

Wie wir wissen, ist in Amerika alles bunter, lauter, größer. Alles ist doppelt. Man hat nicht nur Moral, man hat Doppelmoral! Und wie wir alle wissen: Gewalt ist okay, aber Sex ist böse. Jedenfalls muss man das annehmen, wenn man sich die Art und Weise ansieht, in der in Amerika Filme freigegeben werden. Gut, in Sachen Zensur können wir uns auch in Deutschland nicht beklagen, denn die Aussage

Eine Zensur findet nicht statt

ist genauso wahr wie

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen

oder

Die Renten sind sicher!

Schon bevor uns die political correctness viele Schimpfwörter vermiest hat, gab es die Möglichkeit, Dinge schön zu reden. Also gab es keine staatliche Zensur mehr, sondern eine „freiwillige Selbstkontrolle“ (so wie später aus Arbeitsämtern Job-Center wurden und es deshalb logischerweise keine Arbeitslosen mehr gibt, sondern bestenfalls Jobsuchende), kurz FSK. Deren interessante Beteiligung findet sich auf dem Cover einer jeden DVD – und denen obliegt es, festzustellen, für welche Altersgruppe ein Film freigegeben wird. Einerseits. Andererseits wurden in Deutschland auch immer wieder Filme zensiert, verboten, beschlagnahmt. Eine Zensur findet… also sehr wohl statt. Wobei man auch hier ein wenig differenzieren muss – obwohl ich weiß, dass das die Leute hassen!

Harry Potter wurde zensiert!

Das ist eine Aussage, die man gerne hört, dass einer der ersten Harry Potter Filme in Deutschland zensiert wurde. In diesem Fall stimmt das aber – hier kommen wir zum Differenzieren – eigentlich nur halb. In diesem Film gibt es wohl eine Szene mit einer Spinne (oder mehreren), bei denen die Freiwilligen Selbstkontrolleure wohl der Meinung waren, dass sie für Kinder eines bestimmten Alters zu gruselig wäre. Die Stelle findet sich in der deutschen Fassung nicht – was die Nichtnachdenker über Zensur maulen lässt. Nun könnte man aber durchaus die Möglichkeit in den Raum stellen, dass die FSKler gesagt haben, die Szene kann drin bleiben, wenn ihr den Film ab 16 Jahren freigebt. Und man könnte sich ebenfalls vorstellen, dass die geldgeilen (darf man das sagen?) Leute vom Verleih „abgewogen“ haben, ob sie lieber eine höhere Freigabe oder ein größeres Publikum (= mehr Einnahmen) haben wollen (also Kommerz vs. künstlerische Integrität) und haben dann die Schere angesetzt. Ist nur so eine Theorie. Würde aber die Sache mit der „Zensur“ ein wenig der anderen Sache mit dem „Gewinn“ unterordnen.

Filme verbieten

Auf der anderen Seite hört man aber auch immer wieder, dass viele Horrorfilme in Deutschland „auf den Index“ gesetzt wurden, was sehr nach „Verbot“ klingt, da solche Filme dann wohl auch „beschlagnahmt“ wurden, was so viel heißt, wie beschlagnahmt. Das wiederum ist Zensur, und da beschlagnahmt „weggenommen“ heißt, schwingt da wenig „freiwilliges“ mit. Da Filme, wenn ich das richtig sehe, auch nicht veröffentlicht werden dürfen, ohne der FSK vorgelegt zu werden, wird auch da der Begriff der Freiwilligen Selbstkontrolle Lügen gestraft. Inzwischen werden mehr und mehr dieser Filme der Kontrolle wieder vorgelegt und teilweise vom Index genommen – doch auch das sehe ich ein wenig kritisch, weil dieses Vorlegen Geld kostet und die Vertreiber abzukassieren für einen solchen „Kundendienst“ klingt auch ein wenig fragwürdig.

Um es an dieser Stelle einmal deutlich zu sagen: Ich bin kein Freund vom Verbieten. Jedenfalls nicht von Filmen. Also von allem, was legal ist. Dafür gibt es die Bezeichnung „ab 18“ und Schluss. Aber bei selbst einem solchen Film, der ohne die Verletzung von Kindern oder Tieren entstanden ist, gibt es hierzulande noch immer Szenen, die geschnitten sind und das geht verdammtnochmal nicht! Denn das ist Bevormundung und die geht mir tierisch auf den Sack. Also, liebe FSK, wenn ihr etwas als „ab 18“ einstuft, dann lasst verdammtnochmal Eure Finger davon, denn mit dieser Einstufung ist der Film (offiziell) nur für alle mündigen Bürger zugänglich, die damit umgehen können – und mehr geht euch schlicht und ergreifend nicht an!

Da ich nicht so der große Horror-Film-Fan bin, ist mein Wissen auf diesem Gebiet eher beschränkt. Aber viele meiner Bekannten wissen um die Filme, die indiziert waren und teils noch immer indiziert sind, obgleich die sich heute wahrscheinlich als lächerlich wirkende Splatterfilme ausnehmen würden. Mich würde an deren Stelle dann wahrscheinlich ziemlich sauer machen, dass so etwas wie die „Saw“-Filme nicht nur nicht indiziert sind, sondern fast schon zum Mainstream gehören. Und das, obwohl einige der früher verbotenen Filme gegen diese Feuerwerke des Folterporno wahrscheinlich wie harmloses Puppentheater aussehen. Also, liebe FSKler, was isn da bei euch schief gelaufen, dass Ihr so einen Mist durchgehen lasst?

Kriterien für die Zensur

Abgesehen davon, geht es in Deutschland mit der Zensur eigentlich relativ „sinnvoll“ zu. Man weiß, was die Steine des Anstoßes sind, jedenfalls größtenteils. Dass die Serie „Californication“ ab 18 ist, hab ich bislang nicht nachvollziehen können, denn meist ist es halt die Gewalt, die für eine Altersbeschränkung sorgt, weniger Nacktheit und Sex. Wäre in einem Land, in dem die „Schulmädchenreporte“ und Oswald Kolle zum erfolgreichen Mainstream gehörten, auch nicht ganz glaubwürdig. Allerdings schreiben sich die Amerikaner auf die Fahne, sie hätten mit Herrn Kinsey einen ungeheuren Durchbruch in Sachen Sex gemacht, doch in Punkto Doppelmoral scheint der leider wenig erfolgreich gewesen zu sein.

Denn in Amerika ist es eher umgekehrt: Gewalt stellt weniger ein Problem dar, Sex dagegen schon. Filme wie der „Swimming Pool“, in dem ein junges Mädel (und eine nicht mehr ganz so junge Charlotte Rampling) über lange Strecken ihre Nacktheit nicht verbergen mögen, ist bei uns ab 12 freigegeben, im Land der Kinseyaner jedoch erst ab 17 in Begleitung Erwachsener (NC-17). Ja, wenn’s zu gewalttätig wird, zuviel Blut, zuviel Abgehacke von Gliedmaßen, dann kann’s auch mal einen Brutalostreifen treffen, aber wenn’s nur n bisschen Rumgehacke gibt, dann wäre das okay, aber die Brustwarze da muss bitte raus – und wir meinen rausschneiden, nicht abschneiden! (Naja, gegen das Abschneiden hätte keiner was, wenn man sie nicht sehen würde, weil, so eine Brustwarze ist ja nichts fürs Auge. Wie sagte doch Jack Nicholson so treffend: “Kiss a breast, you get an R. Lop it off, PG-13.” [http://www.quoteyquotes.com/quotes_by_author/n/quotes_by_jack_nicholson_001.html] oder, laut “This Film Is Not Yet Rated“: „If you suck on a tit the movie gets an R rating. If you hack the tit off with an axe it will be PG.” [http://www.kellimarshall.net/teaching/reading-film/film-not-yet-rated/]) Das klingt jetzt natürlich alles sehr albern… aber glauben Sie mir, das kann ich noch überbieten!

Dem Könich seine Rede

Wir alle kennen „des Kaisers neue Kleider“, aber „The King’s Speach“ durfte nicht jeder sehen. Zumindest nicht Amerika. Zumindest nicht, wenn er unter 17 war. „Häh?“ werden Sie jetzt vielleicht fragen, so brutal war der doch gar nicht und Helena Bonham Carter hat sich auch nicht nackt gemacht, also warum sollte der Film (oooooooscarprämiert, denn es geht um einen Behinderten!) quasi ab 18 sein? Nun, ganz einfach: Fluchen, oder wie der Amerikaner sagt, „bad language“. In Sachen Fluchen scheint „The King’s Speach“ offenbar den Level eines Quentin Tarantino Films erreicht zu haben, denn im Original wird wohl gefühlt eine Million Mal das Wort „fuck“ gesagt. Und das geht nicht! Auch nicht als Sprachtherapie. Sprache ist in Amerika, ebenso wie Titten und Ärsche, ein Grund für Zensur. Und da entblödet man sich nicht, dass es auch einen weitgehend künstlerisch wertvollen Film treffen kann, bei dem jemand versucht, seine Sprachschwierigkeiten zu überwinden. Da kann man der FSK ja schon fast dankbar sein, dass sie auf diesen Schwachsinn noch nicht gekommen ist… verfickt noch mal!

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von Martin Cordemann

Das hat nix zu bedeuten!

Wörter verlieren ihre Bedeutung. Gut, nicht alle – und, gut, das war schon immer so. Aber trotzdem wollen wir an dieser Stelle mal den Verlust der Bedeutung einiger Wörter betrauern, die in unserer Jugend (gut, meiner Jugend) noch etwas anderes meinten, als heute. Oftmals liegt es natürlich an dem Zusammenhang, in dem sie gebraucht werden, dass sie einfach nicht das sagen, was sie sagen sollten. Beginnen wir

JETZT

„Jetzt“ hieß einmal so etwas wie „sofort“ oder „in diesem Moment“. Es gab den Zeitpunkt an, zu dem man sich gerade befand und schloss eine Warteperiode aus. Doch es gibt eine deutsche Organisation, die diese Bedeutung Lügen straft, die das gute „jetzt“ verrät, ja geradezu verspottet. Gemeint ist: die Deutsche Bahn! Oh ja, sie machen das Wort zu einem Lügner, einem Scharlatan. Denn wenn sie durch ihre unverständlichen Lautsprecher verkünden „Zug fährt jetzt ein“, kann man in beide Richtungen des Gleises schauen – und vom Zug keine Spur. Das ist kein „jetzt“, das ist ein „in Kürze“, ein „gleich“, schlimmstenfalls ein „in wenigen Minuten“. Aber wenn man die Ankunft des Zuges als „jetzt“ tituliert, dann sollte er verdammtnochmal auch schon da sein! Doch „jetzt“ ist nicht das einzige Wort, dem man nicht mehr vertrauen kann.

FREE

Und damit ist nicht gemeint „frei“, sondern „umsonst“. Und wer belügt uns auf diese schamlose Art und Weise? Richtig, das Internet. Denn wo immer man dort das Wort „free“ lesen kann, kann man sich darauf verlassen, dass es etwas kostet! Und wenn es schlicht ironisch gemeint wäre, dann muss man leider attestieren, dass sich so etwas in einer rein geschriebenen Botschaft nicht überträgt, obwohl, wäre es so gedacht, wäre das natürlich schlicht

GENIAL

Ein Wort, das inzwischen nahezu jeglichen Wert verloren hat. Früher kam das mal von „Genie“, von jemand oder etwas, das einfach mehr als nur „klug“ war, sondern irgendwie „verdammtklug“ (oder neudeutsch: „scheißklug“), so wie mit verbundenen Augen in einen Wassertank eingesperrt ohne Atemmaske einen Schachcomputer in vier Zügen zu schlagen. Oder Einstein, also sich Erklärungen auszudenken, die so schlau sind, dass sie zu Lebzeiten einfach niemand widerlegen kann. Etwas, das den Horizont der meisten Menschen schlicht und locker einfach weit überschreitet, das war genial. Heute dagegen ist deine Frisur genial, das neue Handy ist genial (klar, als Smartphone ist es eh meist schlauer als seine Besitzer), selbst das Badetuch am Strand kann genial sein. Oh du Wort für das Große, das Unerreichbare, das Unfassbare, oh wie tief bist du gesunken! Ganz ehrlich, dich werde ich wohl am meisten vermissen! Und deshalb bekommst du von mir auch keine

EINLADUNG

Dies wiederum ist einer der Begriffe, der von dem bekanntesten aller sozialen Netzwerke gerade systematisch zerstört wird – ohne, dass sich jemand dagegen auflehnt. Denn wie oft wird man zu einer Veranstaltung „eingeladen“? Und was bedeutet das denn bitte? Nun, prinzipiell gibt es dafür zwei Möglichkeiten. Wenn man Künstler ist, kann es bedeuten, dass man eingeladen wird, bei einer Veranstaltung aufzutreten. Das ist durchaus möglich und eine durchaus korrekte Bezeichnung dafür. Dann gäbe es natürlich noch die Alternative, gerade für die (wahrscheinlich wenigen) Nichtkünstler unter uns, dass man eingeladen wird zu einer Veranstaltung… und das heißt, man zahlt keinen Eintritt. Das, meine lieben Freunde, versteht man unter einer „Einladung“. Wenn ich jemanden zum Essen einlade, dann heißt das ja auch nicht, wir kommen beide und jeder zahlt seine eigene Rechnung. Eine, wie es Facebook und die ganzen Leute meinen, die mich ständig einladen, „Einladung, sich gegen Eintrittspreis einer Veranstaltung anzusehen“ ist also keine EINLADUNG, ich hoffe, ihr kapiert das endlich mal! Und wo wir schon mal bei Facebook sind, ganz ehrlich, davon bin ich nicht wirklich ein

FREUND

Dies ist dann wohl der Begriff, den Facebook am stärksten verwässert hat. Doch, das muss man denen hoch anrechnen, nein, das sollten die sich eigentlich auf ihre Fahnen schreiben, die sie sich nach ihrem misslungenen Börsengang dann vielleicht doch nicht mehr leisten können, aber nichts wurde von diesem „sozialen Netzwerk“ so sehr pervertiert, so sehr entwertet, wie der Begriff „Freund“. Dereinst war das jemand, den man nicht nur gut kannte, sondern eigentlich auch mochte und dem man vertraute. Aber hey, das war vor Handy und Internet, vielleicht ist das ja jetzt anders. Bei Facebook jedoch wird aus dem Vertrauten eine gesichtslose Zahl Halbunbekannter, die einen schlimmstenfalls täglich mit ihrer unerträglichen Selbstdarstellung nerven, die einem vorführen, dass ein langweiliges Leben auch nicht dadurch spannender wird, dass man darüber schreibt und andere daran teilhaben lässt oder die einen mit ihrer Wichtigtuerei behelligen. Das sind also „Freunde“? Na, dann schreiben Sie denen doch mal: „Bin grad völlig abgebrannt und aus meiner Wohnung geflogen, kannst du mir Kohle leihen und kann ich n paar Wochen bei dir wohnen, ich steh nämlich grad unten vor deiner Tür?“ Mal sehen, wie viele Freunde Sie dann noch haben!

Halb_Fiction504

von Martin Cordemann

Herrlicher Horror

– aus unserer Reihe: „Es muss nicht immer Nörgeln sein“

Horrorfilme sollten gruselig sein – viele verfehlen ihr Ziel aber leider. Inzwischen haben Gedärme den Grusel verdrängt… und wurden inzwischen durch das Genre des Folterpornos selbst verdrängt. Es gibt ein paar sehr gute Horrorfilme, die meist mit subtilen Mitteln ihr Ziel erreichen (z.B. „The Innkeepers“ und „When a Stranger calls back“). Das ist die wahre Kunst, mit wenig viel zu erreichen. Ab einem gewissen Zeitpunkt waren dann allerdings Blutfontänen, Gedärme und Zerstückeln in – was man im Englischen als „Gore“ bezeichnet. Das kann sein Ziel erreichen, das kann aber auch wie albernes Kasperletheater aussehen. Natürlich gibt es auch Filme, die sich auf humoristische Weise mit dem Feld des Horrors auseinandersetzen. Schauen wir doch mal, was wir da so im Angebot haben.

„Rubber“

Dieser Film ist für mich ein kleines Meisterwerk. „Rubber“ kommt über lange Strecken völlig ohne Dialog aus und zeigt gewissermaßen Aufstieg und Fall eines Reifen. Dabei geht er alle Stadien durch, von dem Zeitpunkt, wo der Reifen zum Leben erwacht, sich seiner bewusst wird, sich seiner „Macht“ bewusst wird bis hin zu einer Situation, die ihn dazu bringt, auszuflippen und ein Massaker anzurichten. All das ohne Worte und doch so, dass man die ganze Zeit versteht, was vor sich geht – etwas, das viele Hollywoodfilme inzwischen nicht mal mit Worten schaffen!

Der Film zeigt die Klischees des Horrorgenres, spielt aber auch damit. Er ist gleichzeitig Horrorfilm und Parodie darauf. Streng genommen ist es ein Meta-Film, ein Film über Film, der sich dessen, was er da tut, bewusst ist und der auch das Publikum mit einbezieht. Um die Metaebene noch zu unterstreichen, gibt es eine Art Rahmenhandlung mit einem Publikum, das stellvertretend für das Publikum steht. Irgendwann wird auch diese Grenze durchbrochen und das Publikum wird in die Handlung integriert.

„Rubber“ ist ein schöner kleiner Film, der zeigt, dass Kreativität noch immer der beste Weg ist, denn viel gekostet haben wird er nicht. Ich glaube, das Budget lag bei 500.000 Dollar und dafür geht man in Hollywood noch nichtmal aufs Klo, geschweige denn kriegt man einen Film gemacht. Besonders unter diesem Aspekt ist das, was man hier geschaffen hat, extrem beeindruckend.

„Severance”

Es ist die klassische Situation: Eine Gruppe Leute gerät in eine abgelegene Hütte irgendwo in einem Wald oder in Osteuropa (oder, wie hier, beides) und dann beginnt irgendjemand, die Gruppenmitglieder einen nach dem anderen umzubringen. So ist es auch hier, nur, dass es sich diesmal nicht zu ernst nimmt, sonder Horror gespickt mit Ironie ist.

Der Film ist sich seines Genres durchaus bewusst, denn es werden des Öfteren Klischeesituationen mit Spannung aufgebaut und dann mit Ironie gebrochen – nur um kurz darauf wieder in Spannung umzuschlagen. Darüber hinaus ist es ein Film für ein aufmerksames Publikum, für ein Publikum das mitdenkt und sich an Dinge, die vorher passiert sind oder gesagt wurden, erinnert. An verschiedenen Stellen wird auf etwas, das zuvor beiläufig erwähnt wurde, wie z.B. ein Bär als Hinweis auf eine Grenze, zurückgegriffen. Wer also bei Filmen auch gerne mal aufpasst, kommt hier auf seine Kosten.

Trotz der ironischen Anklänge geht es hier für die Leute genauso schlecht aus, wie in einem humorlosen Horrorfilm. Der Tod bleibt, die Verstümmelungen bleiben – und trotzdem ist es witzig. Dass die „Auflösung“ am Schluss genauso unrealistisch ist wie bei einem „echten“ Horrorfilm, spielt dabei keine Rolle. Man merkt dem Film an, dass sich die Macher mit dem Genre auskennen – und dass sie gekonnt damit spielen.

„Tucker & Dale vs. Evil“

Hier haben wir die Umkehrung der Situation des vorherigen Films… und diesmal erleben wir sie aus der Sicht der „Hinterwäldler”. Es ist eigentlich das, was wir bekämen, wenn „Evil Dead“ und „Wrong Turn“ ein gemeinsames Kind hätten – nur eben mit Humor.

Die Handlung ist typisch: Eine Gruppe Jugendlicher fährt in ein amerikanisches Waldgebiet und trifft dort auf zwei Einheimische, die sich merkwürdig verhalten. Für gewöhnlich, das sagen uns die Filme dieses Genres mit steter Regelmäßigkeit, sind die böse, inzestuös und bringen Jugendliche um, wenn nicht schlimmeres. Hier nun ist das ein wenig anders. Denn hier sind die beiden liebe Kerle und wirklich nur missverstanden. Während die Jugendlichen ihre aus vorgenannten Filme begründeten Vorurteile ausleben und die beiden für Mörder halten, sehen wir sehen aus der Perspektive von Tucker und Dale, wie es zu Begebenheiten kommen kann, die man in der Retrospektive völlig anders interpretieren kann und würde.

Es ist ein herrliches Spiel mit den Klischees dieses Horrorgenres und eine wunderbare Brechung: Wenn die Jugendlichen nach und nach alle einen grausamen und originellen Tod finden und die vermeintlichen Hinterwäldler selbst sagen, dass das anders aussieht als es in Wirklichkeit war. „Würdest du uns glauben?“ ist da eine durchaus berechtigte Frage.

Wer von der ständigen Darstellung amerikanischer Waldbewohner als zurückgebliebene mordlüsterne Gesellen genug hat, sollte diesen Film nicht verpassen.

„Dog Soldiers“

Anders als die vorgenannten Filme ist „Dog Soldiers“ kein Film des Humors. Es ist ein Horrorfilm. Ein guter Horrorfilm. Und einer, der wahrscheinlich nicht viel gekostet hat. Und dadurch wieder einmal ein Beweis dafür, dass es nicht das Geld ist, das einen guten Film macht – es sind die guten Leute.

Hier geht es um eine Gruppe Soldaten, die eigentlich nur zu einer Übung soll, welche sich aber schnell als etwas völlig anderes entpuppt – so, wie sich einige Leute als Werwölfe entpuppen. Eine spannende Handlung, die zunächst in den Wäldern Englands spielt und dann später zu einer Belagerungssituation in einem einsamen Haus führt.

Wie die letzte Einstellung des Films zeigt, nimmt er sich nicht zu ernst, bietet aber gut gemachte Unterhaltung für alle, denen es mehr auf Spannung als auf die Literzahl an herumspritzendem Blut ankommt. Vom gleichen Regisseur stammt übrigens auch „The Descent“, der nicht nur guten Horror bietet, sondern auch perfekt mit der Platzangst spielt und einem in mancher Szene das Gefühl vermittelt, selbst unter der Erde eingeschlossen zu sein. Definitiv nichts für Leute, die Angst in engen Räumen haben!

Halb_Fiction145

von Martin Cordemann