50 Shades of Gay

Es gab mal die Zeit, in der Dinge, die in Amerika im Fernsehen liefen, in Europa in die Kinos kamen. Zum Beispiel „Kampfstern Galactica“, eigentlich eine Fernsehserie, lief bei uns in zusammen geschnitten in drei Filmen („Kampfstern Glacatica“, „Mission Galactica: Angriff der Zylonen“, „Galactica III: Das Ende einer Odyssee“) im Kino und schaffte es erst in den 80ern bei uns ins Fernsehen. Sowas wäre heute natürlich unmöglich, dass hier etwas im Kino läuft, das in Amerika ein Fernsehfilm wird…

Es sei denn natürlich, der Film war in seiner Produktion einfach zu billig. Also zu günstig. Es hat zu wenig gekostet, ihn herzustellen. Sowas kann man dann natürlich nicht ins Kino bringen. Weil die Werbekosten für den Film offensichtlich größer wären als seine Herstellungskosten… was in Zukunft wohl dazu führen wird, dass man in Kinos nur noch massentauglichen Mist zu sehen bekommt, der sich aber merchandisingtechnisch (T-Shirts, Actionfiguren, Bettwäsche) ordentlich ausschlachten lässt. Wobei… gerade das hätte doch auch bei „Liberace“ möglich sein müssen! Spielzeugklaviere, CDs mit seinen Aufnahmen, Perücken und Kokainzubehör wäre doch schönes Merchandising für den Film. Unverständlich, warum Hollywood das nicht macht!

„Behind the Candelabra“

So trifft es also Steven Soderberghs Film, der bei uns schlicht (und nicht ganz unzutreffend) „Liberace“ heißt, dass man ihn in Amerika nicht ins Kino gebracht hat, sondern sich der Bezahlsender HBO, der sich durch hervorragende Fernsehproduktionen wie „Rom“ und „Game of Thrones“ ausgezeichnet hat, dazu bereit erklärte, ihn in sein Programm zu nehmen. In Deutschland und wahrscheinlich in ganz Europa wird man um dieses Fernseherlebnis betrogen, denn hier kann man das Werk auf der großen Leinwand sehen… so, wie es eigentlich gedacht war.

Warum ist es wert, darauf einzugehen? Nun, das ist eine hervorragende Frage. Aus einem ganz einfachen Grund: Michael Douglas ist in diesem Film hervorragend! Eine schauspielerische Glanzleistung – behaupte ich. Da ich leider mit Liberace nicht vertraut genug bin, um einen echten Vergleich ziehen zu können, ob er auch wirklich angemessen portraitiert wird, kann ich da nur spekulieren. Ungeachtet dessen spielt Douglas großartig – aber eben nicht in einem Kinofilm. Jedenfalls nicht in Amerika. Und darauf kommt es an. Denn wäre es dort ein Kinofilm gewesen, hätte man Douglas für den Oscar nominieren können, sollen und müssen! Durch die Degradierung zum Fernsehfilm bleibt ihm das jedoch erspart, was man nur mit einem „armes Hollywood“ kommentieren kann.

Schwulverweis

Natürlich hört man auch, dass der eigentliche Grund dafür, dass der Film nicht in die Kinos kam, der ist, dass er einfach zu schwul ist (Liberace war schwul, ja, wer hätte das gedacht?) und man wohl der Meinung war, dass sich dafür wohl kein genügend großes Publikum finden lassen würde – aber „300“ war noch weit schwuler als das hier und der hat sogar ne Fortsetzung bekommen, also ist das doch wohl ein fadenscheiniges Argument!

Neben Douglas spielt Matt Damon, der sich, wie ich zugeben muss, inzwischen sehr gemacht hat. Verdient er noch für den langweiligen Minghella Film „Der untalentierte Mr. Damon“ genau diese Bezeichnung, so ist er hier durchaus gut und scheint in den Jahren etwas dazugelernt zu haben.

Ein kleiner Höhepunkt des Films ist allerdings Rob Lowe als bis zum Gehtnichtmehr gelifteter Schönheitsdoktor, der nicht mal mehr seine Augenlider richtig schließen kann – die Verbindung von seiner Maske und seiner Performance fassen die Schönheitsindustrie eigentlich ganz gut zusammen.

Lieber Ace

Zusammenfassend können wir also sagen, dass es dieser Film durchaus verdient hätte, in die amerikanischen Kinos zu kommen, und wenn es nur zu dem Zwecke wäre, dass Michael Douglas dafür mit einem Oscar ausgezeichnet wird. Beides wird aber nicht passieren… tja, ein schwuler Pianist ist eben kein Roboter, der sich in ein Auto verwandeln kann!

DoubleDOHSexy21Schoenheit

von Martin Cordemann

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