Starke Einflüsse, starke Charaktere

– Star Trek: Deep Space Nine, Teil 3

Es gibt zwei Serien, die gerne miteinander verglichen werden: „Star Trek: Deep Space Nine“ und „Babylon 5“. Gut, beide Serien spielen auf Raumstationen und beide Titel haben am Ende eine Nummer. Aber ist das nicht schon alles? Nein, irgendwie nicht.

J.S.

„Babylon 5“ hat, wie auch DS9, eine durchgehende Handlung… oder sagen wir so: B5 hat eine durchgehendere Handlung. Lassen Sie mich das erklären. Während „Star Trek“ immer irgendwie traditionell und in seinen eigenen Klischees verhaftet war, war B5 von Anfang an als Serie mit fünf Staffeln geplant, als Serie mit Anfang, Hauptteil und Schluss. Ich möchte mal unterstellen, dass sich das bei DS9 eher ungeplant so entwickelt hat – und das unterstützt durch „Babylon 5“.

Geschaffen wurde B5 von einem Mann namens J. Michael Straczynski (ein Name, den ich nachschlagen muss, bevor ich ihn schreiben kann). Man erzählt sich, dass Straczynski den Machern von „Star Trek“ vorgeschlagen habe, doch mal eine Serie auf einer Raumstation zu machen und dass die dankend abgelehnt haben (ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es dankend war, möglicherweise nicht, Sie kennen ja diese Hollywoodtypen). Das ist zwar einerseits traurig für Straczynski, andererseits beschert es uns aber zwei großartige Science Fiction Serien – die in meinen Augen beide zu den besten SF-Serien zählen, die es jemals gab.

Bei „Babylon 5“ geht es auch um Menschen und Außerirdische und Schatten und Kriege, Mord und Intrigen, eine unheimliche Macht, einen auserwählten Captain… man kann da einige Parallelen zu DS9 finden. Und zum „Herrn der Ringe“! (Es gibt einen Ort, an dem jemand in die Tiefe stürzt (und wiederkommt), dessen Name dem von HdR recht ähnlich klingt – und dass die „Waldläufer“ Tolkiens im Original „Ranger“ heißen, die es bei B5 auch gibt, ist mir erst aufgefallen, als ich beides im Original kennen gelernt habe.)

Ich möchte unterstellen, dass B5 DS9 durchaus befruchtet hat. Ob die Produzenten der einen bei der anderen Serie schlicht geklaut haben, sei dahingestellt, dafür ist jede der Serien eigentlich zu sehr in ihrem eigenen Universum. Aber es gibt unbestreitbare Ähnlichkeiten – aber, wie gesagt, das hat die „Star Trek“ Serie wirklich aufgewertet! Denn dies ist das erste „Star Trek“, in dem wirklich mutige Entscheidungen getroffen werden – so, wie das auch bei B5 der Fall ist.

Danken wir also J. Straczynski, dessen Initialen wir komischerweise bei seinen Figuren Jeffrey Sinclair und John Sheridan wieder finden… aber das ist sicher nur Zufall!

Konsequent und Konsequenzen

Mit DS9 – und der freundlichen Unterstützung von „Babylon 5“ – entsteht ein neues „Star Trek“. Bisher waren die Serien immer sauber, die Menschen waren gut und man konnte über alles reden. Bei DS9 ändert sich das. Die Menschen zeigen sich auch mal von ihrer schlechten Seite. Ja, selbst Sisko, der Captain, der der reine, saubere Held sein sollte, tut Dinge, die er vor sich selbst kaum verantworten kann.

Handlungen haben jetzt Konsequenzen. Zumindest einige. Manchmal wird das auch hier vergessen, aber das meiste was passiert, hat Folgen. Auch die Folgen des Krieges, die hier aufgezeigt werden – mit dem klaren Hinweis darauf, dass das kein Spaß ist. Wenn Nog sein Bein verliert und danach psychische Probleme hat, dann sagt das: Trotz all unserer tollen Spezialeffekte von Weltraumschlachten ist Krieg etwas, das dich verändert – und das nicht unbedingt zum Positiven hin. Menschen (und Außerirdische) tun im Krieg Dinge, die man nicht tun sollte – und DS9 schreckt nicht davor zurück, das auch zu zeigen.

Aber nicht nur die Handlung entwickelt sich – die Figuren tun es auch! Machen wir uns nichts vor, bei DS9 hat Morn mehr Charakterentwicklung, als alle Figuren bei „Voyager“ zusammen. Morn, für alle, die sich nicht so auskennen, ist der Typ an der Bar mit den Hundeaugen, der in sieben Jahren DS9 nicht ein Wort gesagt hat (auch wenn man in der Serie über ihn sagt, dass er nie die Klappe halten würde). Ihm ist sogar eine eigene Folge gewidmet – in der er auch nichts sagt. Und doch…

Die Besatzung nach der Besatzung

Beginnen wir mit den Hauptcharakteren. Da ist Commander Benjamin Sisko, ein Novum für „Star Trek“! Denn er ist kein Captain. Und schwarz, ja, stimmt, das auch! Am Anfang will er dort nicht sein, natürlich wächst er in seinen Job und seine Position als religiöses Verehrungsobjekt der Bajoraner hinein und gegen Ende drehen es die Autoren sogar so hin, dass die Propheten im Wurmloch überhaupt erst dafür gesorgt haben, dass er geboren wurde… aber es gab einen Vater und eine Mutter, also driftet das ganze nicht zu so einer schmierigen Space-Jesus Nummer ab. Am Schluss kehrt er ins Wurmloch „zurück“, kann aber nicht sagen, wann er wiederkommt… das ist mal ein offenes Ende!

Er hat einen Sohn namens Jake, dessen Aufwachsen wir miterleben und der nicht den Weg seines Vater zur Sternenflotte einschlägt, sondern Schriftsteller wird. In einer Kriegssituation zeigt er, dass nicht alle Helden sind – oder dass es klüger ist, bei explodierenden Granaten in Deckung zu gehen, Sie entscheiden. Er bleibt zurück auf der Station, als die vom Feind übernommen wird und er hat die erste lang anhaltende Freundschaft zwischen einem Menschen und einem Ferengi. (Zum Vergleich: Chakotay bekommt am Ende von „Voyager“ Seven of Nine… ohne nachvollziehbaren Grund. Super Serie!)

Erster Offizier der Station ist die streitbare Major Kira Nerys – das ist eine starke Frauenrolle. Am Anfang arbeitet sie noch ab und an gegen Sisko, aber irgendwann sind die beiden Freunde und Kollegen, die sich aufeinander verlassen können. Sie hat eine Beziehung mit Vedek Bareil, dann mit dem ersten Minister Shakar, hat keine Probleme damit, dem religiösen Oberhaupt ihre Volkes entschieden entgegen zu treten, trägt Chief O’Briens Kind aus, findet in Odo die große Liebe und erklärt ihrem Erzfeind den Cardassianern am Ende, wie man richtig als Terrorist arbeitet. Das ist eine Entwicklung!

Der Doktor und der liebe Freund

Sisko hat noch einen alten Kumpel, der auch zum Team dazu stößt – nur ist der inzwischen eine junge Frau. Jadzia Dax. Die beiden müssen sich auch erst aneinander gewöhnen, aber dann sind sie ein prima Team. Dax ist eine von den Leuten, die nicht alles so machen, wie man es von ihnen erwartet. Sie gehört einer lustigen Spielerrunde der Ferrengi an, zieht mit ihren alten Freunden Kor, Kang und Koloth (nicht von den „Smipsons“) auf einen Rachefeldzug und heiratet später Worf. Noch später stirbt sie und wird durch Ezri Dax ersetzt, die sich erst mit allem Neuen zurechtfinden muss – was leider in der letzten Staffel ein bisschen Zeit von der großen Geschichte abzweigt, die anderswo besser benutzt worden wäre, aber so ist es nun mal bei „Star Trek“: Jeder Charakter muss seine eigenen Episoden bekommen. Steht wahrscheinlich im Vertrag. Und doch ist das Zusammenspiel zwischen ihr und Sisko entzückend.

Doktor Bashir geht einem am Anfang ziemlich auf den Sack. Er soll das jugendliche, noch grün hinter den Ohren seiende Element darstellen, aber das nervt bisweilen ein wenig. Doch dann findet man einen Weg, ihn weiterzuentwickeln: durch eine Männerfreundschaft. Er und Chief O’Brien entwickeln sich im Laufe der Serie zu den besten Freunden, was beiden Figuren gut tut. Nebenbei kommt über den Doktor ans Licht, dass er genetisch verändert wurde und dann wirbt ihn auch noch eine obskure Geheimorganisation als Agenten an, was passt, da er doch liebend gerne mit der obskursten Person auf der Station speist, Garak dem Schneider – und echten Geheimagenten. Dem Chief dagegen wird immer ein bisschen übel mitgespielt. Er landet für gefühlte 20 Jahre im virtuellen Knast, seine Frau wird von Pah-Geistern übernommen und seine Tochter kommt als verwildertes Wesen nach 10 Jahren Einsamkeit auf einem leeren Planeten zu ihm zurück… Schicksalsjahre einer Sternenflotte. Das wichtigste bleibt aber die Freundschaft, die die beiden verbindet – bis zum Schluss!

Selbst Worf darf sich entwickeln. Und Dax heiraten. Und wieder verlieren. Und Gowron umbringen – endlich! Er findet die Liebe seines Lebens (die Sache mit Troi hat man da wohl irgendwie vergessen) und einen Freund fürs Leben, General Martok, der durch ihn zum Führer des klingonischen Reiches wird. (Tom Paris heiratet B’Lanna Torres… aber ich glaube, sie haben kein Kind. Nur so zum Vergleich!)

Eine Männerfeindschaft

Das letzte Paar auf der Station ist natürlich das mit der längsten gemeinsamen Vergangenheit: Quark und Odo.

Quark ist Ferengi, besitzt eine Bar und dreht so ziemlich jedes krumme Ding, das er kann, ohne dass Odo ihm dabei auf die Schliche kommt. Die beiden haben irgendwie eine Art Hass-Freundschaft, aber, ganz ehrlich, das hätte man besser machen können, weil, so ganz will das nicht passen. Irgendwie ist es unhomogen. Naja, egal, Quark macht zwar auch die eine oder andere Entwicklung mit… aber irgendwie bleibt am Ende alles für ihn gleich: In derselben aussichtslosen Position, in der er schon zu Beginn der Serie war, ohne Hoffnung auf Beförderung.

Odo dagegen… am Anfang weiß er nicht, wo er herkommt und traut sich nicht, Kira seine unsterbliche Liebe zu gestehen. Im Laufe der Zeit findet er heraus, dass sein Volk eine Bande massenmordender Herrengestaltenwandler ist, tötet als erster seines Volkes einen Verwandten, wird deswegen seiner Wandlungskräfte beraubt und zum Menschen degradiert, erlangt sie zurück, wird als Gott verehrt, kommt mit Kira zusammen, erfährt, dass Wandler-Sex besser ist, wird mit einem für sein Volk tödlichen Virus infiziert und später geheilt und kehrt dann als Heilung und Heiland zu seinen Leuten zurück.

(Zum Vergleich: Janeway hatte mal einen Hund!)

Und beim nächsten Mal gehen wir dann auf die Nebenfiguren ein!

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von Martin Cordemann

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