Lügen und Verrat

– Star Trek: Deep Space Nine, Teil 4

Neben einer vielschichtigen Handlung und vielschichtigen Charakteren bietet „Deep Space Nine“ noch etwas anderes: Viele Nebenfiguren. Während sich die wiederkehrenden Figuren bei einer Serie wie TNG an ein bis zwei Händen abzählen lassen, kommt bei DS9 eine stattliche Menge zusammen – selbst wenn man sich auf Figuren beschränkt, die mindestens dreimal aufgetaucht sein müssen. Sowas geht wohl Hand in Hand damit, dass man nicht mit einem Raumschiff durch die Galaxie reist – und dass man eine komplexe Handlung hat. Der Übersicht halber unterteilen wir hier einfach mal nach Völkern bzw. Institutionen.

Bajor

Kai Opaka, religiöse Führerin der Bajoraner. Macht schon in der ersten Staffel den Abgang, taucht aber in Visionen wieder auf.

Kai Winn, ihre Nachfolgerin. Sie ist mit „hinterhältige Schlange“ noch recht wohlwollend umschrieben. „Intrigante Ziege“ wäre auch eine Möglichkeit. Obwohl sie nur das Beste will – für sich – scheitert sie am Ende, als sie einen Pakt mit a) den bösen Pah-Geistern und b) dem bösen Dukat eingeht. Tod durch Flammen.

Vedek Bareil sollte eigentlich die Nachfolge von Opaka antreten, aber (siehe Kai Winn). Stattdessen beginnt er eine Beziehung mit Kira, nimmt aber trotzdem kein gutes Ende.

Li Nalas ist ein Held des Widerstandes aus der Zeit der cardassianischen Besatzung und wird befreit, nimmt, gegen seinen Willen, Kiras Posten ein und stirbt den Heldentod.

Minister Jaro (Frank Langella) arbeitet während der Li Nalas Geschichte zusammen mit Winn an einem „Bajor den Bajoranern“, scheitert aber.

Shakar war einer der Führer des Widerstandes und ist durch eine langjährige Freundschaft mit Kira verbunden. Als Winn dafür sorgt, dass seine Arbeit als Bauer beeinträchtigt wird, kehrt er zunächst zu seinen Wurzeln als Winderständler zurück, sticht Winn dann aber um das Amt des Ersten Ministers aus. Später hat er eine Beziehung mit Kira.

Dann wäre da noch Leeta, ein schnuckeliges Darbo-Mädchen, das u.a. für einen Streik in Quarks Bar mitverantwortlich ist und aktiv für den Widerstand gegen die Besatzer des Dominions arbeitet.

Ferengi

Quarks Bruder Rom arbeitet zunächst in Quarks Bar „Quarks Bar“. Später wird er Teil des Ingenieursteams der Station, heiratet die schnuckelige Leeta, wird wegen seiner Sabotage der Station während der Dominionischen Okkupation zum Tode verurteilt und steigt am Ende zum großen Nagus der Ferengi auf.

Sein Sohn Nog zeigt uns die kulturellen Unterschiede zwischen Ferengi und Föderation (besonders im Umgang mit Frauen). Er bekommt von Jake Sisko das Lesen beigebracht, wird von der Sternenflottenakademie aufgenommen, kämpft an der Seite seiner Kollegen gegen das Dominion, verliert dabei ein Bein und zwischenzeitlich seine psychische Gesundheit und wird es sicher in der Sternenflotte noch weit bringen.

Quarks Mutter Ishka wird von ihren Kindern „Moogie“ genannt. Sie ist eine untypische Ferengi, denn entgegen der Gesetze ihres Volkes trägt sie Kleider und macht Profit – was nur den Männern vorbehalten ist. Später bandelt sie sogar mit dem großen Nagus an und muss von „den glorreichen Ferengi“ unter der Führung Quarks aus den Händen des Dominion befreit werden.

Der große Nagus ist die höchste Person in der Welt der Ferengi, so was wie der Großmeister allen Profits. Er lässt herausfinden, wer im Gamma-Quadranten die Fäden zieht, schickt Quark auf die eine oder andere Mission und verliert mit der Zeit seine geistigen Kräfte, wobei ihm Ishka und Quark aus der Patsche helfen müssen.

Und dann ist da noch „Brunt, FCA“ (Ferengi Commerce Agency, glaube ich), dargestellt von Jeffrey Combs. Er ist hinterhältig, gemein und immer hinter Quark her – aus rein persönlichen Gründen. Brunt macht es sich zum Ziel, Quark zu ruinieren, was aber letztendlich dazu führt, dass er selbst ruiniert wird und sich sogar den „glorreichen Ferengi“ anschließen muss/darf (weil er der einzige ist, der ein Raumschiff hat). Jeffrey Combs wird uns später noch einmal begegnen.

Der Erzfeind der Bajoraner, die bösen Besatzer, der große Gegner… bis ein größerer auftritt, das sind die…

Cardassianer

Man kann sie nie so richtig einschätzen, sie haben – laut eigener Aussage – eine großartige Kultur und man kann nie sicher sein, auf welcher Seite sie nun eigentlich stehen… na ja, eigentlich schon: auf ihrer eigenen! (Im Original heißen sie die Cardassians, nicht zu verwechseln mit den Kardashians!)

Der Diktator und seine Tochter

Siskos erster Widersacher ist Gul Dukat. Er hat bis vor kurzem in dem Büro gesessen, das jetzt Sisko gehört, denn er war Herrscher über „Terok Nor“, denn so hießt „Deep Space Nine“ während der cardassianischen Besatzung. Zunächst sind die beiden Gegner, aber im DS9-Universum ändern sich die Dinge und aus Feinden können Verbündete werden – immer wieder. Eine klare schwarz/weiß Zeichnung sucht man bei DS9 meist vergeblich, hier bestimmen die Grautöne – und das gilt ganz besonders für Dukat. Nachdem man seine uneheliche Tochter Sial nicht getötet hat (er, um genau zu sein, hat sie nicht getötet), fällt er bei seinen Vorgesetzten in Ungnade. Als dann der Krieg mit den Klingonen beginnt, mutiert er zum Freiheitskämpfer. Und wechselt einmal mehr die Seiten, als er einen Pakt mit dem Dominion schließt und Cardassia ein Teil davon wird. Als dann Damar seine Tochter Sial ermordet, verliert er den Verstand, was u.a. dazu führt, dass er eine Sekte gründet, einen bösen Par-Geist in sich aufnimmt, Dax tötet, ein Bajoraner wird, mit Kai Winn schläft und später in den Feuerhöhlen mit Sisko in die Tiefe stürzt. (Vergleich: Bei „Voyager“ fällt die Borg-Königin irgendwann auseinander. Wow, die haben Ideen!)

Dukat hat eine Tochter Sial, zusammen mit einer Bajoranerin und unehelich, was, wenn es herauskommt, Schande über ihn bringen würde. Also fasst er den Plan, sie zu töten, was Kira jedoch verhindert. Sial lebt danach auf DS9 und knüpft Kontakt zu dem einzigen anderen Cardassianer dort, dem undurchsichtigen Garak. Doch später, als Dukat sich nicht von seiner inzwischen geliebten Tochter trennen will, versucht Damar die beiden zu trennen, indem er sie erschießt.

Der Thronfolger

Was uns zu Damar bringt. Er ist erst nur ein Offizier auf dem Schiff, das Dukat führt, nachdem er in Ungnade gefallen ist. Doch zusammen mit Dukat steigt auch er auf. Er wird Dukats rechte Hand, findet einen Weg, das von Sisko errichtete Minenfeld zu entschärfen und neigt zum Trinken. Nachdem er Sial ermordet hat und Dukat wahnsinnig geworden ist, nimmt er dessen Platz als Führer der Cardassianer / Handlanger des Dominions ein, was ihn mehr und mehr in den Alkoholismus treibt. Aber die Cardassianer sind ein stolzes Volk – und es gibt hier viele Graunzonen! So ist überraschenderweise er es, der an einem Punkt die Seiten wechselt und im Untergrund gemeinsam mit der Föderation gegen das Dominion kämpft – was für eine Wendung! Am Ende stirbt er einen verdienten Heldentod.

Nachdem Damar in den Untergrund gewechselt ist, braucht er Hilfe von Leuten, die ihm zeigen, wie man erfolgreich als Terrorist arbeitet. Da sie in diesem Bereich reichlich Erfahrungen hat, übernimmt Major Kira den Job. Hier schwappen die alten Ressentiments zwischen Bajoranern und Cardassianern wieder hoch. Ein Cardassianer namens Gul Rusot gehört dieser kleinen Gruppe von Freiheitskämpfern an, doch seine Abneigung gegenüber Bajoranern im Allgemeinen und Kira im Besonderen führt dazu, dass er das Ende der Staffel nicht mehr erleben soll.

Der Über-Vater

Fast vergessen: Enabran Tain, ehemaliger Führer des Obsidianischen Ordens (eine Art Mischung aus STASI und KGB). Er ist oder ist nicht möglicherweise der Vater von Garak, hat aber auf jeden Fall etwas mit seiner Verbannung ins Exil zu tun. Obwohl er eigentlich schon im Ruhestand ist, organisiert er eine gemeinsame Flotte aus cardassianischen und romulanischen Schiffen, um die Gründer, die Führer des Dominions zu vernichten. Sein Plan geht nicht auf und er landet in einem Gefangenenlager, wo ihn Garak noch kurz vor seinem Tod findet.

Der Lügner

Eine meiner Lieblingsfiguren ist aber Garak selbst. Er ist von Anfang an undurchschaubar – und vielleicht das tiefste Grau in der ganzen Serie. Offiziell ist er ein Schneider, doch eigentlich hat er mal für den Obsidianischen Orden gearbeitet. So richtig trauen kann man ihm nie – was ihn vielleicht zu einer der spannendsten und unterhaltsamsten Figuren der ganzen Serie macht. Im Exil zu leben bereitet ihm keine Freude, ebenso wenig wie die Tatsache, dass sein Vater selbst für dieses Exil verantwortlich ist. Deshalb versucht er alles, sich in dessen Augen zu rehabilitieren, folgt ihm auf seinen Kreuzzug gegen das Dominion, foltert sogar Odo. Später, nachdem er eine Nachricht von Tain entschlüsselt hat, begibt er sich auf die Suche nach ihm. Gul Dukat hasst Garak, und als der und Sial sich anfreunden sogar umso mehr. Garak kämpft gegen das Dominion, das seine Heimatwelt in der Gewalt hat, zusammen mit der Föderation, mit Kira, selbst mit Damar. Am Ende steht er in den Trümmern seiner zerstörten Heimat und hat zwar sein Exil hinter sich, aber alles andere verloren. Ihn umschreibt vielleicht am besten das, was er als die Moral bei der Geschichte „The boy who cried wolf“ vorschlägt: Niemals dieselbe Lüge zweimal erzählen!

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von Martin Cordemann

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