Eine Serie mit Charakter und Charakteren

– Star Trek: Deep Space Nine, Teil 5

Jede Menge Handlung, jede Menge Nebenfiguren. Da fällt es schwer, die Übersicht zu behalten, also teilen wir auch hier in die verschiedenen Fraktionen, Rassen oder Arbeitgeber auf.

Dominion

Da gibt es zunächst den weiblichen Formwandler. Sie ist gewissermaßen die Vertreterin der „Gründer“, der Schöpfer des Dominions. Ihr Ziel ist es, die Macht der „Festen“, der Nicht-Wandler, zu zerstören, sie zu unterwerfen – aber Familie geht ihr über alles. Deshalb behauptet sie, dass es ihr umso wichtiger sei, dass Odo zurück nach Hause komme. Wie die meisten Formwandler ist auch sie von einem Virus infiziert, doch am Ende werden alle geheilt – und Odo schließt sich der „großen Vereinigung“ an. Plan aufgegangen, bis auf die Unterdrückung der Nicht-Wandler.

Ihr zur Seite steht Weyoun, womit wir wieder bei Jeffrey Combs wären. Er dürfte der einzige Schauspieler sein, der nicht nur zwei wiederkehrende Rollen hat, sondern der diese auch beide in einer einzigen Folge spielt. Weyoun ist ein Vorta, ein Volk, das irgendwann vom Dominion unterworfen wurde und nun als deren Handlanger arbeitet. Das erste Zusammentreffen mit ihm haben wir in einer Episode, in der Sisko gezwungen ist, mit dem Vorta und den Jem’Hadar, den gezüchteten Soldaten des Dominion, zusammenzuarbeiten. Weyoun überlebt diese Folge nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Produzenten mit der Arbeit von Combs so zufrieden waren, dass sie in Zukunft auf Weyoun nicht verzichten wollten. Oder sie hatten schon vorher geplant, dass die Vorta geklont sind, aber irgendwie klingt meine Version glaubwürdiger. Versuchen Sie es doch einfach herauszufinden, das Internet gibt uns sicher eine Antwort darauf. Wie dem auch sei, Weyoun kehrt zurück… und zurück… und zurück. Nun ist er aufgestiegen zum Berater der weiblichen Formwandlerin und stellt die Verbindung zwischen dem Dominion und den Cardassianern dar, so dass er viel mit Dukat und Damar interagiert. Wie bei Andrew Robinson als Garak macht es einfach Spaß, ihm bei der Arbeit zuzusehen. Auch er ist nicht einfach böse, auch er hat verschiedene Schattierungen, einmal gibt es sogar eine Version von ihm, die überlaufen möchte. Weyoun manipuliert, schleimt und biedert sich an. Als die Formwandlerin am Ende sagt, hier wäre gerade der letzte Klon Weyouns gestorben und es würde keine weiteren geben, quittiert Garak das mit einem: „Ich hatte gehofft, dass Sie das sagen würden.“ Beliebt war er also nicht!

Klingonen

Beginnen wir mit Gowron. Er wurde in „The Next Generation“ eingeführt und mit Hilfe Picards auf den Thron des Klingonischen Reiches gehievt. Sein Verhältnis zu Worf, dem einzigen Klingonen in der Sternenflotte, ist gespalten. Unterm Strich ist Gowron ein overactender Clown, der sich als so kurzsichtig erweist, dass er nicht nur eine falsche Kriegsstrategie führen will, sondern auch einen Kampf mit Worf nicht ausschlägt. Schwerer Fehler, Abtritt Gowron.

General Martok tritt zunächst als Widersacher auf den Plan. Aber wie wir wissen kann sich so was bei DS9 schnell ändern. Erst spielt er eine Rolle im heraufziehenden Krieg gegen Cardassia und die Föderation, dann entpuppt er sich als Formwandler, er echte Martok wird aber zusammen mit Enabran Tain und Dr. Bashir von Garak und Worf in einem Gefangenenlager des Dominion entdeckt und von dort befreit. Dort entsteht auch die Freundschaft zwischen ihm und Worf, die sich bis zum Ende der Serie zieht. Sie drückt sich dadurch aus, dass Martok den ehrlosen Klingonen Worf in sein Haus aufnimmt, die beiden auf diverse Kampfeinsätze gehen und Worf, nachdem er Gowron getötet hat, Martok zum neuen Herrscher des Klingonischen Reiches macht.

Und dann waren da noch die drei Klassiker. Falls Sie sagen „Kor, Kang und Koloth – das haben die doch von den ‚Simpsons’ geklaut!“, dann haben Sie unrecht. Denn diese drei Herren können von sich sagen, dass sie ein gemeinsamer Gegner vereint: Captain James T. Kirk. Und das war, auch wenn es uns erscheint, als gäbe es die „Simpsons“ schon immer, dennoch davor! (Kirk begegnet Kor in „Kampf um Organia“, Kang in „Das Gleichgewicht der Kräfte“ und Koloth in „Kennen Sie Tribbles?“) Zusammen tauchen die drei auf, um Dax zu einer Blutrache abzuholen, was aber für zwei von ihnen tödlich endet.

Kor dagegen kommt wieder, um das Schwert von Khaless zu finden und um sich im Heldentod zu rehabilitieren. Seine Darstellung weicht allerdings ein wenig von der beim klassischen „Star Trek“ ab. Dort war Kor kalt und hart. Der Kor von DS9 ist alt und versoffen. Falls jetzt jemand daherkommen und behaupten sollte, die drei wären nicht die Charaktere aus der Originalserie, nun, da gibt es Gegenbeweise. In der Tribbles-Episode spricht Dax davon, dass das hier das Zusammentreffen von Kirk und Koloth gewesen wäre und sie ihren klingonischen Freund gerne mal in seinen besten Zeiten erleben würde. (Sisko lehnt ab, denn das wäre doch ein bisschen zu viel Spaß!) In einer anderen Folge, als er Kor kennen lernt, zählt Worf ein paar von dessen Abenteuern auf, u.a. die Begegnung mit „Kirk auf Organia“. (Hinweis: Das Buch, das der Übersetzung vorlag, muss schlampig gewesen sein, denn was er in der deutschen Fassung sagt, klingt mehr nach „Kurn und Irgendwas“ und hat mit der Originalanspielung leider nichts mehr zu tun.) So finden bei DS9 die drei klassischen Klingonen, die selbst die „Simpsons“ inspiriert haben (und jedes Jahr in einer Halloweenfolge auftauchen), eine angemessene Würdigung und einen ebensolchen Abschluss.

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von Martin Cordemann

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