Pamphlet der Affen

– aus unserer Reihe: „Filmverriss“

Dass man aus einem guten Film ein beschissenes Remake machen kann, haben wir ja schon gesehen. („Der Tag, an dem die Erde stillstand“!) Nun, hier ist noch eins!

Ganz ehrlich, sollte man von einem Kultfilm, einem Meisterwerk, ein Remake machen? Gut, das Gegenargument wäre dann wohl: Sollte man von einem Scheißfilm ein Remake machen? Nun, unterm Strich werden beide Remakes wahrscheinlich beschissen sein – aber bei dem vom Scheißfilm tut es nicht so weh. Und es ist nicht so peinlich. Also warum greift man sich nicht einfach einen Klassiker des Science Fiction Films heraus – und verhunzt ihn…

So ein Affentheater

Das Original, so kann man wahrscheinlich sagen, hat Filmgeschichte geschrieben. Charlton Heston in Bestform, oscarwürdige Affenmasken, eine clevere Handlung und ein überraschendes Ende – was will man mehr von einem guten Science Fiction Film? Der Film war so gut, dass er nicht nur eine Fortsetzung bekam (die furchtbar ist), sondern noch eine (die klasse ist), eine weitere (die so mittelmäßig ist) und einen beschissenen fünften Teil, nicht zu vergessen eine Fernsehserie. Der Vollständigkeit halber…

  • Planet der Affen (1967) – R: Franklin J. Schaffner
  • Rückkehr zum Planet der Affen (1970) – R: Ted Post
  • Flucht vom Planet der Affen (1971) – R: Don Taylor
  • Eroberung vom Planet der Affen (1972) – R: J. Lee Thompson
  • Die Schlacht um den Planet der Affen (1973) – R: J. Lee Thompson
  • Planet der Affen (Serie) (1974)
  • Planet der Affen (2001) – R: Tim Burton

Da man aber alles, was irgendwann mal irgendwie gut war, neu machen muss, mit der Begründung, „die Jugend kennt das ja nicht“ (weil es ja leider nicht durch so was wie DVDs verfügbar ist), aber eigentlich mit dem Hintergedanken „damit können wir noch mal ordentlich Kohle machen“, kam man also offenbar nicht umhin, auch den „Planet der Affen“ in eine dunkle Gasse zu zerren, zusammenzuschlagen und ordentlich zu vergew… neu zu verfilmen. Und wer wäre dafür geeigneter als…

Tim Burton?

Nun, wenn man sich den Film ansieht, möglicherweise jeder. Oder eine ganze Menge. Einige. Der eine oder andere.

Ach, machen wir uns nichts vor, der Film ist keine komplette Katastrophe. Er ist nur eben nicht besonders gut. Und absolut überflüssig. Die Effekte sind ganz gut, die Affen sehen ganz gut aus, also für alle, die sich bei einem Kinofilm mit hübschen Bildern zufrieden geben und keinen großen Wert auf eine brauchbare Handlung legen, ist der Film wahrscheinlich ein Genuss.

Oh, bevor ich es vergesse, wenn Sie keinen der Filme gesehen haben und sich noch überraschen lassen wollen, sollten Sie vielleicht nicht weiter lesen, denn ich werde Ihnen die Enden von beiden Filmen verraten, also sagen Sie hinterher nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt!

Wo waren wir? Tim Burton. Ja. Muss wohl der Film gewesen sein, bei dem er Helena Bonham Carter kennen und lieben gelernt hat, denn seitdem taucht sie in jedem seiner Filme auf, in etwa in immer derselben Rolle. So wie Johnny Depp. Der fehlt hier noch, aber würde Burton den Film heute machen, dann hätte Depp wahrscheinlich die Rolle von Tim Roth als General Thade und würde daraus eine Mischung aus schwulem Piraten und Michael Jackson machen – was einmal lustig ist, danach aber irgendwann nur noch peinlich wirkt. Andererseits würde das zu diesem Film aber vielleicht ganz gut passen…

Planet der Idioten!

Und es ist nicht nur der Planet, es ist auch die Crew der Raumstation. Zunächst mal erspare ich mir die Frage, warum eine RaumSTATION in einen Sturm hinein fliegt, um jemanden zu suchen. Das ist eine STATION und ich glaube, der Begriff kommt von „stationär“, weil sie an einer Position bleibt und nicht dauernd durch die Gegend eiert. Man schickt auch keine Bohrinsel auf eine Suchaktion, um da mal einen halbwegs angemessenen Vergleich zu basteln.

Jedenfalls bekommen die einen Notruf rein, sind aber offensichtlich zu dämlich, festzustellen, dass er von ihnen selbst kommt, nur, dass sie da um einiges älter aussehen. Ganz ehrlich, eine derart unfähige Crew verdient ihr Schicksal!

Bevor es aber dazu kommt, schickt man einen Affen in einer Kapsel hinaus. Die Enterprise hatte für so was immer unbemannte Sonden, aber hey, wir müssen ja irgendwie die Handlung ins Rollen kriegen. Der Affe trägt einen schicken Raumanzug in seiner Größe – aber ohne Schuhe oder Handschuhe, was den ganzen Anzug völlig sinnlos macht, da der Affe bei einem Riss in der Außenhülle der Kapsel trotzdem einen grausamen Tod sterben würde. Nichts, wirklich nichts in diesem Film ergibt einen Sinn!

Dann wird der andere Affe, also Marky Mark, der König der Remakes, hinter ihm hergeschickt bzw. macht das auf eigene Faust, erweist sich aber auch als zu blöd, um die Gesamtsituation zu kapieren und legt eine Bruchlandung hin, die selbst dem Affen später im Film peinlich ist, sollte der doch von Marky ausgebildet werden.

Die Gesellschaft der Affen

Dann kommen wir langsam zu den Affen. Ganz schön ist es immer, wenn Klischees und Situationen umgedreht werden. „Monty Python’s Flying Circus“ hat das immer sehr gut gemacht und hier finden sich im Film nun ein paar Dinge, die recht gelungen sind. Die Äffin vom Menschenschutzverein ist eine nette Idee – doch das ganze hakt an einer Stelle. Der Entwicklungsstand der Affen ist für so etwas viel zu primitiv. Da sieht man keine Hochhäuser, keine technischen Errungenschaften, eher so was wie Holz- und Lehmhütten. Ich würde mal unterstellen, um so etwas wie einen Menschenschutzverein zu gründen, müsste die Entwicklung weiter sein – aber ich lasse mich da gerne von einem Anthropologen eines Besseren belehren.

Und schon sind wir bei einer immensen Fehlentscheidung dieses Films: Die Menschen können sprechen! Mit dieser Idiotie beraubt sich der Film eines der stärksten Elemente, die das Original hat. Dort ist Heston, der Zugereiste, der Mann von den Sternen, der einzige Mensch, der sprechen kann, der einzige, der zeigt, dass sich Menschen weiterentwickeln können, dass sie den Affen an Evolution in nichts nachstehen. Das ist ein Bruch, eine Überraschung für die Affen. Da hier aber jeder Mensch sprechen kann, ist Marky Mark nur einer unter vielen und damit nichts Besonderes. Man hätte das ganze natürlich zu einer richtigen Analogie auf Sklaverei aufbauen können, aber dafür ist das einfach nicht gut genug herausgearbeitet. Dass die Menschen sprechen können, nimmt dem Film die Stärke.

Bimbo vs. Affe

Kommen wir zum „Love Interest“ des Films. Für Regisseur Tim Burton wurde das Helena Bonham Carter, für Marky Marks Figur hatte man dann aber leider nicht den Mut, so weit zu gehen. Das hätte dem Film eine neue Stärke verliehen, wenn er mit der Affendame angebandelt hätte. Stattdessen stellt man ihm einen blonden Bimbo zur Seite, mit leerem Gesichtsausdruck und aufgespritzt wirkenden Lippen von Estella Warren zur Schau getragen. Ihre einzige Fähigkeit: Irgendetwas „bedeutungsschwangeres“ zu sagen, sich umzudrehen und wegzulaufen. Für eine Wilde sieht sie immer zu sauber und gepflegt aus und die interessantere Figur bleibt einfach Affenlady Carter.

Eine weitere interessante Frage ist: Wo kommen eigentlich die Pferde her? Beim Original hat das einen gewissen Sinn, da es – ich hatte Sie gewarnt – auf der Erde spielt. Aber ich meine Pferde wären auch nicht immer auf jedem Kontinent heimisch gewesen, z.B. Australien, also wenn neben den blöden Affen auf der Raumstation nicht auch noch ein kompletter Reitstall gewesen ist, wo kommen die Zossen dann her??? Ja, ich weiß, das ist mal wieder zu weit gedacht, zu viele Fragen gestellt, die sich sonst keiner stellt.

Was uns zur nächsten Frage bringt: Wieso kommt man vom Triebwerk direkt auf die Brücke? In der Endschlacht zündet Wahlberg das Triebwerk als Waffe, kurz danach laufen sie aber genau durch diesen Schacht hinein und gelangen auf die Brücke. Wo sie kurz zuvor eine Szene gespielt haben, die aus „Star Trek: The Slow Motion Picture“ geklaut war. Denn die Affen sprachen von diesem Ort als „Calima“, doch wie seinerzeit bei „V’ger“ stellt unser Held nun fest, dass sich dahinter eigentlich die Warnung „CAution LIfe aniMAls“ (o.ä.) verbirgt, die nur teilweise vom Dreck verdeckt war.

Das Ende

Was bleibt noch zu sagen, als dass Wahlberg entweder a) einen Idioten spielt oder b) einfach nur schlechte Texte hat? Nun, das Ende. Tjaaaaaaaa… das ist genauso schwachsinnig wie der Rest des Films und ergibt schlicht und ergreifend keinen Sinn. Im Original entdeckt Heston am Ende die Spitze der Freiheitsstatue und stellt damit fest, dass er nicht auf einem fremden Planeten mit unterschiedlicher Entwicklung war, sondern auf der Erde. Das ist ein super Ende, eine schöne Überraschung… aber wohl anders als im Buch. Nichtsdestotrotz ein Ende, das völlig stimmig ist und Sinn ergibt.

Anders als hier. Denn hier schafft es Wahlberg, den Planeten der Affen zu verlassen, fliegt mit der einzigen verbliebenen Kapsel zurück in den Zeitsturm, wobei man ganz klar sieht, dass er nicht auf der Erde war, durch den Sturm, dann auch noch durch den Weltraum auf die Erde zu, landet dort – und stellt fest, dass aus dem Lincoln Memorial ein Affen Denkmal geworden ist und alle Erdbewohner, die sich kleiden wie Menschen aus dem Produktionsjahr des Films, Polizei und Autos eingeschlossen, jetzt Affen sind. Und das ist… völliger SCHWACHSINN! Denn das Denkmal ist General Thade gewidmet, den wir zuletzt eingeschlossen auf der Brücke des Raumschiffs gesehen haben, ohne eine Kapsel, mit der er den Planeten hätte verlassen und die Erde finden und den Zeitfluss verändern können und das ganze ist einfach nur ärgerlich! Und außer für den visuellen Effekt, dass sich alles verändert hat, ist dieses Ende einfach… affig!

DoubleDOHSexy16MeineSuesse

von Martin Cordemann

Ein Gedanke zu “Pamphlet der Affen

  1. Pingback: Neu im Kino: Planet der Affen: Revolution | Popkulturelle Differenzen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.