Vergessenes Vergnügen

– aus unserer Reihe: „Es muss nicht immer Nörgeln sein“

Eine gute Komödie mit Robert de Niro? Gibt es nicht? Oh doch, die gibt es. Denn lange, bevor er glaubte, „richtige“ Komödien machen zu müssen und darin nicht wirklich überzeugend war, gab es:

„Midnight Run“

De Niro als Kopfgeldjäger, der Charles Grodin nach L.A. bringen soll, am besten, ohne, dass ihn John Ashton um seine Prämie bringt – oder Dennis Farina ihn umlegen lässt. Und dann ist da noch FBI Agent „heißen jetzt bei euch alle“ Mosley, gespielt von Bond Bösewicht Yaphet Kotto, der Ashton stets die Zigaretten klaut. Da es eigentlich eher eine Art Actionfilm ist, kam de Niro nicht auf die Idee, den „Komödianten“ herauszukehren, wie er das dann später in verschiedenen Werken tat, und so funktioniert das ganze mit dem Humor sehr gut. Es gibt Action, Charaktermomente und nette Sprüche („Ich gehöre nicht zu denjenigen, die sagen: Ich hab’s Ihnen ja gesagt!“). Wem der Actionmist von heute inhaltlich zu dünn ist, der sollte hierbei eigentlich auf seine Kosten kommen.

„Octalus“

Klingt nach einem schlechten Horrorfilm. Aber wenn man die Story hört von einem riesigen Kraken, der sich ein riesigeres Kreuzfahrtschiff schnappt… klingts noch mehr danach. Und doch ist es das nur auch, also ein Horrorfilm. Denn was der Film vor allem macht, ist Spaß! Er nimmt sich nicht zu ernst, hat schräge Figuren und auch wenn man weiß, dass die alle nach und nach draufgehen werden, schmälert das nicht das Vergnügen. Ein Film, in dem selbst der heroische Selbstmord mit der eigens dafür aufgesparten Kugel in die Hose geht – allerdings nicht im wahrsten Sinne des Wortes. Wahrscheinlich kein Meisterwerk, aber alles in allem in sich stimmig und vielleicht ein kleines Juwel im Bereich des schlichten und schlechten Horrors.

Bei näherer Betrachtung fällt allerdings auf, dass der Film in vielen Dingen große Ähnlichkeit mit dem ein Jahr früher erschienen „Alien: Die Wiedergeburt“ hat, sei es eine schräge Gruppe von Söldnern, die mit einem Schrottschiff auf einem riesigen Schiff landen, sei es der Zeitpunkt, wo die Gruppe einen Ort an Bord findet, wo Alien/Octalus seine Eier/Überresten der Leichen ausgebreitet hat, sei es eine komplette Szene, in der die übrig gebliebenen der Gruppe tauchen müssen, um einen anderen Teil des Schiffs zu erreichen – inklusive dem Teil, in dem es einen aus der Gruppe unter Wasser erwischt. Die Parallelen sind einfach zu groß, um hier auf reinen Zufall schließen zu können. Naja…

„Sprengkommando Atlantik“

Klingt wie ein billiger Actionfilm – aaaaaaaber vielleicht ist er das irgendwie auch. Und doch hat er seinen Charme. So ziemlich jeder Bond Darsteller hat nach seinem Ausscheiden aus der Bond Reihe mindestens einen Film gemacht, mit dem er sich irgendwie von Bond lösen wollte… bevor er irgendwann mit einem anderen Film irgendwie wieder ins Agentengenre zurückgefunden hat. Außer George Lazenby, der eigentlich nie wieder Filme gemacht hat… zumindest keine, die irgendjemand gesehen hat. Nein, das stimmt nicht, selbst der war in dem „Solo für ONKEL“ Film-Revival-Wiederaufnahme-Dings, der dann bei uns auch noch bondenesk „Thunderball“ heißt, wohl weil der Name im deutschsprachigen Raum nicht geschützt war, und in dem Lazenby offenbar als „J.B.“ mit einem Aston Martin einen Gastauftritt hat… aber das ist ja auch egal.

In diesem Film hier löst sich Roger Moore von seinem Bond Image, indem er als Ffolkes nicht nur einen Bart trägt, sondern auch Frauen verabscheut, weil er viele Schwestern hatte und deren Kleider auftragen musste. Er trinkt Whisky aus der Pulle und stickt, um besser nachdenken zu können. All das hat eine gewisse Ironie und einen netten Witz. Nachdem ein Psycho (Anthony Perkins, leider nicht gesprochen von Eckart Dux sondern klischeemäßig von Bösensprecher Christian Rode, wohl dem Vorläufer des heutigen Klischeebösensprechers Udo Schenk) ein paar Bohrinseln vermint hat und droht, sie in die Luft zu jagen, wenn er nicht eine Unsumme Lösegeld bekommen würde, ist es nun an Moore, den Tag (und die Bohrinseln) zu retten. Lustigerweise trifft er dabei auch einen alten Bekannten wieder, nämlich David Hedison alias Felix Leiter aus seinem ersten (und Timmy Daltons letztem) Bond Film… aber das dürfte außer mich eigentlich niemanden interessieren. Aber was wollen Sie machen? Mir einen Killerroboter auf den Hals hetzen?

„Westworld“

Maschinen, die rebellieren und beginnen, Menschen umzubringen – das klingt wie „Terminator“, ist es aber nicht! Dieser Film stammt aus der Feder von „JurassicPark“-Autor Michael Crichton, der es wie kaum ein anderer versteht, Technik und Spannung miteinander zu verbinden. Die meisten seiner Bücher beschäftigen sich mit diesen Themen: Was ist in der Wissenschaft möglich, was könnte man damit machen – und wie beißt es uns dann in den Arsch? In diesem Film baut er, ähnlich wie später in „JurassicPark“, einen Vergnügungspark für die Reichen, in dem man Abenteuer als Ritter erleben kann, im alten Rom oder auch im Wilden Westen. Was das ganze a) faszinierender und b) wahrscheinlich billiger macht, ist, dass man neben einem Heer von Technikpersonal nur mit Robotern arbeitet, die man nach Lust und Laune vögeln oder auch umlegen kann.

Unnötig zu erwähnen, dass das ganze irgendwann schief geht und die Maschinen beginnen, die Besucher umzubringen. Unser Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Revolverhelden, der von Yul Brynner gespielt wird, und der es sich zum Ziel gesetzt hat, Richard Benjamin zu jagen und zu erschießen, wie er vorher schon James Brolin erschossen hat. Brynner ist dabei so bedrohlich, dass er locker den ganzen Film trägt, und das, ohne viel zu sagen.

Warum man ausgerechnet einem schießwütigen Roboter ein besonders gutes Zielsystem einbaut, wie einer der Mitarbeiter prahlt, inklusive Infrarotaugen, damit er auch ja jeden Gegner finden kann, ist natürlich ein bisschen fragwürdig, ist doch seine eigentliche Aufgabe, nicht zu erschießen, sondern erschossen zu werden – und das wieder und wieder. Doch das tut der Spannung keinen Abbruch, „Westworld“ ist und bleibt ein Klassiker des intelligenten Sci-Fi-Horrors und funktioniert auch heute noch hervorragend!

„Schatten der Vergangenheit“

Und da es hier um vergessene Filme geht, zum Abschluss ein Film, bei dem es auch ums Vergessen geht. Oder eigentlich ums wieder erinnern. Oder Seelenwanderung. Oder Karma. Oder so was. Ein sehr schöner Thriller, bei dem sich am Ende alle Puzzlesteine perfekt zusammenfügen, der immer wieder mit Überraschungen aufwartet und auch eine Prise Humor aufweist.

Auch die deutsche Fassung bietet einen schönen Rückblick in die Vergangenheit. Kenneth Brannagh wird hier noch gesprochen von dem hervorragend passenden Ulrich Matthes, der sich dann leider irgendwann aus dem Synchrongeschäft zurückgezogen hat, was insbesondere in Bezug auf Brannagh ein großer Verlust war.

Dann haben wir Robin Williams, der einmal mehr von Peer Augustinski kongenial übertragen wird. Dieser, der als deutsche Stimme für Williams immer großartig war und dem Original schauspielerisch in nichts nachstand, war nach einem Schlaganfall zwischenzeitlich ausgefallen, wurde dann aber später, wie man sagt, aus „versicherungstechnischen Gründen“, von den Studios nicht mehr gebucht. Kein schöner Umgang mit einem hervorragenden Sprecher.

Zu guter Letzt sei noch Eckart Dux für Derek Jacobi erwähnt, den zu hören immer eine Freude ist und bei dem mir erst jetzt beim Sehen auffiel, dass seine Besetzung eigentlich völliges Typecasting ist. Das wird besonders klar, wenn er „Mutter!“ ruft. Wenn Ihnen das als Hinweis noch nicht reicht… dann vielleicht einfach mal anschauen!

Halb_Fiction445

von Martin Cordemann

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