Galaktische Genüsse

– aus unserer Reihe: „Es muss nicht immer Nörgeln sein“

Leider sind wir inzwischen an einem Punkt angelangt, an dem die großen, teuren, megateuren, phantastilioteuren Science Fiction Filme meist einfach nur noch hirnlose Scheiße sind. Oder schlicht zusammengeklaut. Oder beides. Umso widersinniger erscheint es da, dass man gute Science Fiction eigentlich fast nur noch in relativ günstig produzierten Filmen zu finden scheint…

„Pitch Black“

 Manchmal sind es die kleinen, preiswerten Filme, die die großen, teuren ausstechen. Das beweist „Pitch Black“ auf zweierlei Weise. Zum einen ist es ein günstig gemachter SF-Horrorfilm, der gute, aber nicht überbordende Effekte aufweist, bei dem die Handlung und die Personen wichtiger sind, als die bombastischen Spezialeffekte, die bei vielen Filmen inzwischen zum reinen Selbstzweck zu verkommen scheinen. Also einfach ein kleiner, gut gemachter Film, der Spannung über Stil setzt und sich damit von der üblichen Hollywoodmasse abhebt.

Zum anderen gab es, durch den Erfolg dieses Films bedingt, eine Fortsetzung – die das genaue Gegenteil davon ist. Bombastisch, geradezu monströs, prätentiös, mehr Inhalt vorgebend als beinhaltend, statt auf eine Hauptperson (Vin Diesel mit der herrlich tiefergelegten Stimme von Martin Keßler) beschränkt nun mit einem Staraufgebot, ein Epos sein wollend, ohne dafür wirklich die nötige Tiefe zu haben.

Zwei Filme, die im gleichen Universum spielen und doch weiter nicht auseinander liegen könnten. Ein kleines Meisterwerk des SF-Horrors und ein langweiliges Pseudo-Epos. Wenn Sie also dem gut gemachten Horror im Sinne eines „Alien“, bei dem kaum eine der Figuren das Ende des Films erleben wird, den Vorzug geben, dann sind Sie mit „Pitch Black“ gut bedient. Ziehen Sie das monumental hohle Epos vor, bei dem ich kaum das Ende des Films erleben werde, dann sollten Sie sich lieber an „Riddick – Chroniken eines Kriegers“ halten. Inzwischen gibt es einen dritten Teil, der sich angeblich eher am ersten Teil orientieren soll. Nun, wir werden sehen… besonders im Dunkeln!

„District 9“

Ein Film, der scheinbar nicht viel gekostet hat, aber besser aussieht als mancher Film, dessen Budget wahrscheinlich das Hungerproblem in Afrika hätte lösen können. Und damit ist „District 9“ wieder einmal der Beweis dafür, dass Effekte, in die die Macher ihr Herzblut stecken, die mit Liebe gemacht sind, einfach weit besser wirken, als die synthetische Scheiße aus Hollywood. Die Außerirdischen hier sind weder knuffig noch lieb, sie sind so, wie Menschen halt auch, teils Arschlöcher, teils ganz normale Leute, die einfach nach Hause wollen. Das Schöne ist, dass sie nicht wie Menschen aussehen, oder wie ein Typ im Gummianzug, sondern so, wie man sich Wesen von einem anderen Planeten durchaus vorstellen könnte. Das ganze ist dreckig, aber kein Wunder, sie müssen ja auch in einem Slum leben. Eine gewisse Sozialkritik – der Film spielt in Johannesburg – ist da nicht zufällig, sondern beabsichtigt.

Sicher, die Grundidee ist nicht ganz neu. Dass Außerirdische zur Erde kommen, hatten wir schon in „V“, dass sie hier gestrandet sind und selbst Teil der Erdbevölkerung werden, gab es in „Alien Nation – Spacecop L.A. 1991“. Und doch scheint dieser Film neue Aspekte aufzuzeigen, und all das durchaus realistisch. Was als Dokumentarfilm beginnt, endet zwar in einer Gewaltorgie, aber trotzdem scheint das hier irgendwie zu passen. Das Ende eröffnet zwar die Möglichkeit für eine Fortsetzung, aber da die bei einer großartigen Vorlage ja doch meist enttäuschend ausfallen, ist es vielleicht besser, wenn der Regisseur („Elysium“) so erfolgreich wird, dass er keine machen muss!

„Moon“

Ein kleiner Film, ein Science Fiction Kammerspiel, das größtenteils mit einem Schauspieler und der Stimme eines anderen auskommt. Sam Rockwell verrichtet Dienst auf dem Mond, mehr oder weniger nur unterstützt von einem Roboter, der im Original von Kevin Spacey gesprochen wird (und in der deutschen Fassung dankenswerterweise von dessen deutscher Stimme Till Hagen). Rockwells „Schicht“ auf dem Mond ist so gut wie abgelaufen, doch dann passieren Dinge, die gewissermaßen sein Universum erweitern, zusammenbrechen lassen und wieder neu zusammensetzen. Mit wenigen Mitteln erreicht der Film, was andere mit vielen nicht schaffen. Das ist spannend, clever und natürlich ein Vergnügen, Sam Rockwell bei der Arbeit zuzusehen. Der schauspielerischen. Ein Wohlfühlfilm ist es allerdings nicht!

„Galaxy Quest“

Zum Abschluss noch ein bisschen Spaß. Eigentlich liegt auch dieser Film noch nicht soooo lange zurück – aber da heutzutage ja schon nächstes Jahr das Reeboot zum Remake von diesem Jahr gemacht wird, ist der Film ja vielleicht schon vergessener, als es ihm gebührt. Genau genommen gebührt es ihm nämlich gar nicht vergessen zu werden. Er schafft es, gleichermaßen Parodie und selbst Science Fiction Film zu sein, der beste „Star Trek“ Film, der kein „Star Trek“ Film ist. Und, leider, irgendwie auch mehr „Star Trek“ als es die neuen Filme von J.J. Abrams sind.

Es geht um eine alte Serie und deren Darsteller, die sich noch immer im Ruhme ihrer alten Rollen sonnen – denn sonst haben sie auch nichts im Leben. Heimwerker Tim Allen (herrlich arrogant gesprochen vom oben genannten Martin Keßler) gibt hier einen wunderbar selbstverliebten Kirk (oder Shatner?!), man erfährt, dass die Kombination Alan Rickman/Lothar Blumhagen einen hervorragenden Spock abgegeben hätte und selbst „Alien“-Kämpferin Sigourney Weaver wirkt hier regelrecht sexy. Ein Film, der sowohl als Parodie auf „Star Trek“ und auf dessen Fans als auch als Science Fiction Abenteuer prima funktioniert. Also, „niemals aufgeben, niemals kapitulieren!“

DoubleDSexy09Gegnerueberstellung

von Martin Cordemann

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.