Der Mann mit dem goldenen Colt

Die große James Bond Retrospektive

Ein neuer Bond, ein neuer Teaser – und wieder ist Bond nicht drin. Außer sein Ausstellungsstück von Madame Tussauds, vielleicht ein subtiler Hinweis darauf, dass Bond inzwischen nicht mehr ist als eine Wachsfigur, eine Kopie seiner selbst? Nun, der Film hält was dieser Hinweis verspricht.

Der Fluch des zweiten Films

Nachdem sich Moore in „Leben und sterben lassen“ ganz gut eingeführt hat, reicht man schnell einen neuen Film nach – leider zu schnell. Irgendwie scheint diesem Bond alles zu fehlen… obwohl alles da ist. Man hat exotische Orte, Asien, hübsche Frauen und einen Draculaerprobten Gegenspieler. Selbst John Barry ist zurück. Da kann doch eigentlich gar nichts schief gehen… also warum ist der Film so eine Enttäuschung geworden?

Nach dem Teaser, der, da ja Bond eigentlich nicht enthält, offensichtlich etwas mit der Handlung des Films zu tun haben muss, ist Bond sogar gezwungen, ein wenig zu ermitteln, Dingen nachzugehen, Spuren zu folgen. Es ist ganz nett, ihn bei der Arbeit zu sehen, und doch wirkt das alles ein wenig uninspiriert.

John Barry ist zwar wieder dabei, aber auch er scheint dem Ganzen nicht viel abgewinnen zu können und so wirkt auch sein Soundtrack zwar ein wenig bondig, reicht aber an andere Filmmusiken von ihm nicht heran. Der Titelsong ist okay, aber, wie alles in diesem Film, eigentlich auch nur irgendwie mittelmäßig.

Kollege stirbt gleich

Wir erfahren über 002 nicht nur, dass er tot ist, sondern auch dass er Bill Fairbanks hieß und dass Dracula, äh, Scaramanga ihn totgebissen… schossen hat. Fliegende Hüte gibt es diesmal keine – kommt, glaube ich, eh nur noch ein einziges Mal vor – und die wenigen Rückprojektionen sind fast gut, reichen aber ebenfalls nicht an den Standard des Schlechten heran, an den wir uns schon gewöhnt haben.

Die schlimmsten Bondgirls aller Zeiten

Und Moore hat sie beide! Hier die erste der beiden, Britt Ekland (oder Eklund, ganz wie Sie wünschen) als Miss Goodknight, blond, blöd und inkompetent. Zwar ganz hübsch anzusehen und oft wenig bekleidet, aber trotzdem eine der furchtbarsten Frauenfiguren, die die Bond Reihe je hervorgebracht hat. Wenn Frauenrechtlerinnen sich über Bond aufregen, dann sollten sie sich vor allem über diese blonde Dumpfbacke echauffieren! Sie ist extrem nervig – und auf Deutsch ist das ganze sogar noch viel schlimmer! Und wer die andere nervige Bondine ist… erfahren wir später!

Franzisko Draculamanga

Natürlich ist es immer hervorragend, wenn man einen Schauspieler wie Christopher Lee bekommen kann, eine Legende. Warum zur Hölle gibt man ihm dann nicht auch eine anständige Rolle? Scaramanga, dritte Brustwarze hin oder her, erweist sich im Laufe des Films als fast ein ebenso großer Kretin wie Miss Goodknight. Ich meine, mal ehrlich, er tötet mit einer goldenen Kugel? Die extra für ihn hergestellt wird? Wie bescheuert muss man denn für so was sein? Ein Killer mit einem Markenzeichen, da kann er doch auch gleich seine Visitenkarte da lassen!

Dann unterhält er auf seiner kleinen Insel irgendwo am Arsch der Welt nicht nur einen Solarreaktor, der ein kleines Städtchen mit Strom versorgen könnte, obwohl er da nur mit einem Handwerker, einem Zwerg und einem Betthäschen lebt – das ist jawohl Overkill, Herr Killer. Aber vielleicht braucht er den ganzen Strom ja, um da sein Killer-Disneyland zu betreiben, zu dem er sich Killer aus aller Welt einladen lässt, nur um die dann umzulegen. Und da haben wir wieder einen der großen Fehler dieses Films: Es ist ein Bond Film! Und das bedeutet: höher, schneller, weiter. Ein Killer muss seine eigenen Kugeln und sein eigenes Spieleparadies inklusive Wasserrutsche haben (die sieht man zwar nicht, aber sie ist bestimmt da, irgendwo in einem Raum hinter Al Capone – der offensichtlich ein echter Schauspieler ist und keine Wachsfigur, wahrscheinlich ein Dinnertheaterschauspieler, der, als er sich auf diesen Gig eingelassen hat, nicht das Kleingedruckte gelesen hat: Spielort auf kleiner Insel in Rotchina, Möglichkeit während des Auftritts erschossen zu werden).

Eine sinnvolle Handlung dagegen wäre gewesen: Wir sehen Scaramanga bei der Arbeit, draußen, in der Welt, wo er, wie Bond, einen Job erfüllen muss. Dann können wir sehen: Ah, der ist wie Bond, nur böse. Das würde dem ganzen diesen idiotischen Spielparkcharakter nehmen. Und dann kann das Duell auf einer kleinen Insel stattfinden, aber ohne Schnickschnack – und das meine ich im doppelten Sinne!

Alles Schnickschnack

Auch wenn der Zwerg (Kleinwüchsige, vertikal herausgeforderte) im Original Nick Nack heißt – er ist genauso nervig und unnütz wie Goodknight. Denn letztlich ist er nur der Knecht von Dracula, hätte man ihn auch gleich Renfield nennen können, denn er bedroht zwar Leute, aber umbringen tut er keinen, womit sein Wert stark sinkt. Gut, das ist wohl das, was ihm das Leben rettet – oder, weil es politisch korrekt ist, ihn einen Zwerg zu nennen, aber umbringen geht dann doch nicht? Nein, damals gab’s ja zum Glück noch keine Political Correctness – was die Anwesenheit von Sheriff Pepper erklärt. Ganz ehrlich, man schafft es nicht, zweimal den gleichen Darsteller für Felix Leiter zu buchen, aber den rassistischen Sheriff bekommt man auch für den nächsten Film? Falsche Welt!

Kommen wir zum Ende: Und das sollte das Duell zwischen Bond und dem Mann mit dem goldenen Colt sein. Danach muss nicht noch idiotisches Explosionsgedöns kommen (doch, muss es, denn es ist ja ein Bond Film) und auch kein lächerlicher Zweikampf mit dem Zwerg! Das Duell sollte der Höhepunkt sein, dann noch Goodknight flach legen, damit sie endlich die Klappe hält und gut. Aber nein…

Ach ja, Maud Adams spielt mit, das erste Bondgirl, das auch in einem zweiten… aber ich denke, den Punkt hatten wir schon geklärt. Ihr Verhalten in diesem Film ist auch unlogisch, da sie erst Bond dazu einlädt, Dracula den Pflock durchs Herz zu rammen (ach ja, es heißt „pfählen“ und nicht „pflöcken“, nur mal so für’s Protokoll), bei einem Aufeinandertreffen mit ihm dann aber auf unschuldig macht… und wen zur Hölle ruft M am Ende eigentlich an, als er dann doch mit Bond auf, wohlgemerkt Scaramangas Boot verbunden wird? Das ergibt nun wirklich überhaupt keinen Sinn! Aber so ist das eben mit den zweiten Filmen…

— Martin Cordemann alias Null Null PeeWee Ende —

— es folgt Sonderbericht von Tillmann Courth alias Null Null Tilly —

Markenzeichen des Hitmans Scaramanga ist ein klobiger, hässlicher, mies designter goldener Colt. Damit möchte er gerne James Bond umbringen (wieso eigentlich?). Bond kommt ihm zuvor. Das war’s auch schon mit der Filmhandlung.

Gilt als einer der missratensten Bondfilme. Zu recht. Schon der Vorsetzer ist vollkommen Banane: Scaramanga erledigt einen Abzieh-Mafioso in einer Art Geisterbahn, die bei ihm zu Hause steht. Sein asiatischer Zwergenbutler namens „Schnick-Schnack“ schickt ihm solche Prüfungen auf den Hals um ihn zu testen. Kommt das nicht straight aus „Pink Panther“?

Schnickschnack ist übrigens auch der komplette Film. Wobei ich ein Geständnis machen muss: Ich mag den spatzigen Titelsong von Lulu („The Man With The Golden Gun“)!

Naja, schauen wir mal rein, was uns so auffällt. Zum Beispiel ein goldener Dialog in Filmminute 11. Scaramanga kündigt die Jagd auf Bond an, der fragt ungerührt: „Wer würde wohl für meinen Tod eine Million Dollar bezahlen?“ – worauf sein Chef M wie aus der goldenen Pistole geschossen antwortet: „Eifersüchtige Ehemänner, wütende Chefs, verzweifelte Schneider – die Liste ist endlos.“ Leider geil!

Bond verfolgt die Spur der Kugeln und belästigt sehr unfein Scaramangas Girl (Miss Anders) – alles Schnickschnack.

26. Minute: Weshalb ist Bond so pissig gegenüber Miss Goodnight, dem scharfen skandinavischen Geschoss? Wie im letzten Film auch raucht Bond wieder Zigarren. War mir gar nicht in Erinnerung.

33. Minute: Bond macht Bekanntschaft mit der geschrumpften Version von Goldfingers Oddjob. Und jetzt alle: Schnick-Schnack! Man weiß schon jetzt: Dieser Film funktioniert nicht! Hier fehlt die Leichtigkeit, die das Team (Drehbuch und Regie) bei „Goldfinger“ und „Leben und sterben lassen“ so brillant an den Tag legte. Der Ton ist völlig schief. M ist rüpelhaft, Bond ist uncharmant, Scaramanga ist humorlos, die Frauen sind reine Staffage.

Nichts zündet wirklich, sondern wirkt plump und gewollt: Bonds Begegnung mit den Sumo-Ringern (50. Minute), die asiatische Kampfschule, alles ist überfrachtet mit Asien-Schnickschnack (jawohl). Beeindruckend ist allein, dass Moore seine Fights offenbar selber durchführt.

58. Minute: Bond stößt ein Kind ins Wasser! Man möchte beinahe abschalten. Dann taucht auch noch Sheriff Pepper als Tourist auf. Spätestens jetzt ist klar: Dieser Film hat ein Problem mit seinem Humor. Wie konnte das so schiefgehen? Alle Komik hat so einen verbissenen Touch. Ist dieser zweite Moore-Bond zu schnell nach dem ersten produziert worden (ein knappes Jahr)?!

68. Minute: Skurril – Scaramangas Freundin will Bond bezahlen, um Scaramanga zu töten. Gleichzeitig boulevardeskes Sich-im-Schrank-Verstecken von Miss Goodnight. Nicht komisch!

72. Minute: Miss Anders sitzt tot in einer prallgefüllten Kickbox-Sporthalle (auch ne Leistung), Scaramanga langweilt mit seiner Lebensgeschichte. Und dann geht er einfach.

78. Minute: Sheriff Peppers zweiter Auftritt. Als Bonds Beifahrer muss er für weiteres erzwungenes „comic relief“ sorgen. Die obligatorische Verfolgungsjagd endet in einem wahnsinnigen echten Stunt (83. Minute): Das Auto fliegt eine Luftrolle über eine zerstörte Brücke. Fand ich als Kind schon Pipifax – dabei isses wahrscheinlich höllisch schwer zu machen. Schwachsinnig ist auch Scaramangas Flucht mit dem Düsenauto. Mieser Trick diesmal.

In der 87. Minute glotzt Geheimdienstchef M, als wolle er einen stummen Kommentar nicht nur zum Geschehen, sondern zum neunten Bondfilm an sich liefern. Oje, noch ne halbe Stunde…

92. Minute: Comedyeinlage seitens Scaramanga, er schießt den Korken vom Champagner, den Schnick-Schnack serviert. Bond schaut nur zu. Dabei könnte er die zwei Knallchargen JETZT GLEICH BITTE ERSCHIESSEN und wir könnten Feierabend machen.

Es folgt Solarkraftwerks-McGuffin-Techno-Schnickschnack. Laaaangweilig. Hat bisher niemanden interessiert und tut es weiterhin nicht!

(hab den Film angehalten, war was essen, mir ein Bier und Chips geholt, kann nicht schaden…) Wir sehen noch Duell, mampf, Geisterbahn, gluck, das kennen wir schooon, grunz, Bond verliert seine Pistole, der Tölpel, hat sie plötzlich doch wieder, wieso, erschießt Scaramanga, der null aufgepasst hat, Britt Ekland muss im Bikini herumlaufen, damit noch wer hinguckt, angeblich fliegt das Kraftwerk noch in die Luft, huhuhu, spannend, oder, da geht auch schon die Set-Deko kaputt, was macht eigentlich Schnick-Schnack? Hätt‘ ich doch nicht gefragt! Denn wir beenden dieses Machwerk mit dem dümmsten Henchman-Finale (115. Minute) das es je gab (Schienbeintreten, Flaschenwerfen, In-Koffer-Sperren).

Fazit: Schockierend, welche Schieflage „Der Mann mit dem goldenen Colt“ aufweist. Trotz Moore, Christopher Lee, schöner Frauen wie Maud Adams und Britt Ekland passt so gar nichts zusammen in dieser Bond-Ausgabe. Schlimm. Dieser Film ist leider… Schnickschnack. Es ist Bond mit der Brechstange. Ich vermute, die Autoren waren nach mehreren vorherigen Bonds „leer“ und mussten dieses Buch zu schnell abliefern.

Die Musik gefällt mir hingegen ausnehmend gut. John Barry variiert diesen spatzigen Titelsong sehr vornehm. Das absolut Beste am Film!

Der Mann mit dem goldenen Colt (1974)

Originaltitel: The Man with the golden Gun

Regie: Guy Hamilton

Musik: John Barry / Titelsong: Lulu

James Bond: Roger Moore / Niels Clausnitzer

Scaramanga: Christopher Lee / Herbert Weicker

Goodnight: Britt Ekland / Dagmar Heller

Adrea: Maud Adams / Helga Trümper

Schnickschnack: Hervé Villechaize / Kurt Zips

Hip: Soon-Tek Oh / Jürgen Clausen

Sheriff Pepper: Clifton James / Benno Hoffmann

und

M: Bernard Lee / Wolf Ackva

Q: Desmond Llewellyn / ???

Moneypenny: Lois Maxwell / Emely Reuer

Popkulturelle Differenzen

kehrt zurück

mit

The Spy Who Loved Me

DoubleDOHSexy10Maennertraeume

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