Neu im Kino: Endless Love

Irgendwie macht es ja mehr Spaß, Verrisse zu schreiben. Nicht, weil man ein so großes Vergnügen an schlechten Filmen hat, vielleicht nicht einmal, weil man es so dem Film heimzahlen kann, dass er einem zwei Stunden seines Lebens geraubt hat, sondern, weil es einfach mehr hergibt, sich über etwas auszulassen, das schlecht ist, als bewundernd aufblickend zu attestieren, dass man gerade ein Meisterwerk gesehen hat. Bei positiven Kritiken braucht man eigentlich nur zu schreiben, dass der Film toll war, sich darüber zu ergehen, warum das so ist, ist eigentlich wenig ergiebig. Ein Verriss dagegen… aber, machen wir uns nichts vor, ein Verriss macht auch dann mehr Spaß, wenn man neben zwei Stunden Zeit auch noch Geld für Kinokarte oder DVD investiert hat. Wurde man aber zu einer Pressevorführung eingeladen, dann hat man fast Skrupel, dem Werk das angedeihen zu lassen, was man anderen Filmen möglicherweise zumuten würde. Aber… vielleicht ist das ein Schatten, über den man springen muss.

Endlose Liebe

Das Problem ist… irgendwie ist der gesamte Film so oberflächlich wie das Spiel seiner Hauptdarstellerin. Sie ist blond, sie ist jung, sie hat nur einen Gesichtsausdruck – und den der Überraschung. Wäre sie ein schwarzer älterer Mann und hieße Denzel Washington, würde sie dafür einen Oscar bekommen. So darf sie nur hin und wieder mal im Badeanzug herumlaufen und schmachtend durch die Kameralinse schauen.

Alles bleibt an der Oberfläche. Es gibt Potential für Konflikte, aber irgendwie wird das nie wirklich umgesetzt. Weil nicht in die Tiefe gegangen wird. Weil die Handlung nicht in Bewegung gebracht wird, in die Tiefe stürzt und dann durch die alles heilende Liebe aufgefangen wird. Da hätte man was draus machen können, aber so verraucht alles. Wenn es um Liebe geht, sollte man die Dinge fühlen, mit den Figuren mitfühlen, am Verlust des toten Bruders teilhaben, aber das geschieht nicht. Da, wo Gefühle das Steuer übernehmen sollten, regiert Sterilität. Das hilft bei einer Liebesgeschichte nicht und bei einer romantischen schon gar nicht. (Wenn Sie eine romantische Liebesgeschichte sehen wollen, schauen Sie sich „About Time – Eine Frage der Zeit“ von Richard Curtis an, das ist eine!)

Nun, was ist die Geschichte? Ein Typ, der aussieht wie 30, verliebt sich in ein Mädchen, das aussieht wie 14. Das wäre eine andere Geschichte gewesen. Irgendwie Woody Allen, oder? Also Wirklichkeit, nicht Film! Jedenfalls wird eine Liebe zwischen den beiden vom Zaun gebrochen, die ein wenig an den Haaren herbeigezogen wirkt und nur deshalb stattfindet, weil das Drehbuch danach verlangt. Sie sagen zwar, dass sie sich lieben, aber ich spüre es nicht, die Chemie stimmt nicht, wie man so schön sagt. Und, wie gesagt, das wäre das, worauf es bei einem Liebesfilm ankommen sollte.

Die Motivation stimmt auch nicht. Wären es zwei Menschen, die sich seit Jahren nacheinander verzehren, aber durch die Schranken der Gesellschaft voneinander ferngehalten wurden… Montagues und Capulets. Sowas wird hier angedeutet (sie: reich, er: arm), aber vertieft wird es nicht.

Wenn sie schon zueinander finden, dann sollte irgendetwas passieren, das die beiden trennt, das die Beziehung wirklich erschwert, das ihr eine Möglichkeit gibt, über die Lippenbekenntnisse hinauszuwachsen und zu zeigen, dass es wirkliche wahre Liebe ist, doch all das driftet an der Oberfläche vor sich hin, die Ansätze zu wahrem Konflikt verpuffen, die vorhandenen Konflikte erscheinen fast lächerlich, die Wandlung am Schluss zwar notwendig aber kaum motiviert.

Schauwerte

Da es Liebe ist und nicht Porno wird auf Nacktheit natürlich verzichtet, aber man gönnt dem Zuschauer junge Mädchen in knappen Bikinis, das hat ja schon bei „Baywatch“ ganz gut funktioniert.

Das von niemandem herbeigesehnte Zusammentreffen zwischen Captain Pike und dem T-1000 (Bruce Greenwood und Robert Patrick) ist dann auch dementsprechend wenig interessant. Davon ab versucht man, jedes Klischee eines Liebesfilms in diesen hineinzuquetschen und hat dabei großen Erfolg.

Die deutsche Fassung des Films ist völlig okay, wenn man das Spiel von Joely Richardson sieht, liegt es nahe, dass die deutsche Sprechweise von Christin Marquitan also eher dem Original geschuldet ist als einer schlechten Regie. Verschiedene Klugschwätzer ereifern sich ja gerne darüber, dass bei Aaron Sorkin, der einen pfiffigen, schnellen Dialogstil hat, alle Personen gleich klingen und finden es total gut, ey, wenn jede Figur „ihre eigene Sprache hat“. Man übersieht ja gerne mal, besonders, wenn man keine Ahnung hat, dass so eine eigene Sprache auch durch Sprech- und Spielweise des Schauspielers mitbestimmt wird, aber hey, wen störts? In diesem Film jedoch können sich all diese Spinner freuen, denn die Figur von Joely Richardson hat definitiv ihre eigene Sprache im ganzen Film – leider hat sie die schlimmsten, banalsten, dümmsten, naivsten Texte bekommen, die man sich so vorstellen kann, was dann von ihrer Spielweise leider nicht gebrochen wird. Hat also nicht nur Vorteile, wenn ein Autor so was für einen tut!

Tja, wer also oberflächliche Teenyromanzen mag und gerne mal blonde Mädels in knappen Bikinis oder kurzgeschnittenen roten Kleidern sieht, der kommt hier vielleicht auf seine Kosten. Und machen wir uns nichts vor, es gibt ein Publikum für so was! Nur fürs Protokoll, die junge Dame mit der ich den Film gesehen habe, war noch weniger davon angetan als ich. Und die ist halb so alt wie ich und eine Frau, also weit näher am Zielpublikum als ich! Daran, dass ich ein romantikverdrossener Mann bin, kann es also nicht liegen. Oder sagen wir, nicht nur!

Fazit

Deutscher Filmstart ist der 27. März 2014.

Halb_Fiction253

von Martin Cordemann

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