Die Welt ist nicht genug

Die große James Bond Retrospektive

Benannt nach dem Familienmotto, das wir freundlicherweise von Sir Hilary Bray in „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ erfahren. Der Teaser hat einmal mehr direkten Bezug zum Film – und dürfte der längste aller bisherigen Bond Teaser sein. Normalerweise hätte er wohl nach der sehr schönen Szene in Bilbao geendet, dann Vorspann, dann MI6 und Explosion und Verfolgungsjagd, doch merkwürdigerweise packt man all dies vor den Vorspann – und verpulvert mal wieder eine der besten Actionszenen, bevor der Film überhaupt richtig losgeht. Auch die Einblendungen von Ortsnamen haben sich inzwischen eingebürgert und damit wohl den Hut endgültig aus den Filmen verdrängt – auch wenn man da schwerlich nach einem kausalen Zusammenhang suchen wollte.

Hand und Fusslung

Ich habe bereits erwähnt (und werde es da auch noch mal erwähnen), dass die Bond Macher, auch wenn sie auf ihn herabzublicken scheinen, doch einige Elemente aus dem nicht von EON produzierten und damit nicht „echten“ Bond „Sag niemals nie“ abgeschaut haben. Jener Film beginnt mit einer Mission, in der Bond eine Geisel befreien soll, doch diese ersticht ihn dann, weil sie inzwischen umgedreht wurde… was exakt die Handlung dieses Films ist! Und so wie Bond es erst durch das Messer in seinem Rücken merkt, erfährt es der Zuschauer auch hier erst, als es bereits zu spät ist. Womit wir wieder einmal vom Schema des Oberschurken abgewichen sind und den eigentlichen Hintermann erst später offenbaren – so wie in „In tödlicher Mission“ und in „GoldenEye“. In letzterem war jedoch Sean Bean dieser Hintermann, was ein kleines Problem aufwirft: Sean Bean war zu dem Zeitpunkt schon ein bekannter Schauspieler. Da nimmt man es den Filmemachern, nicht ab, dass dieser Star nach einem Miniauftritt schon vor dem Vorspann stirbt. Man musste also damit rechnen, dass er wieder auftauchen würde – was dieses Auftauchen weniger überraschend machte! Hier ist das ganze etwas besser ausgetüftelt.

Davon abgesehen vereint der Film einige der inzwischen bondtypischen Probleme: Er ist zu lang und er hat zu viele überflüssige Figuren. Das Finale ergibt diesmal tatsächlich einen gewissen Sinn, wenn es auch zu lang ist. Der Angriff auf Zukovskys Kaviarfarm ist aber völligst überflüssig und eine reine aber unnötige Actionszene. Es gibt auch eine Actionsequenz im Schnee, doch die macht eigentlich nur eins deutlich: das Fehlen von Willy Bogner!

Kollege stirbt gleich

009 erfährt die Ehre einer Erwähnung, er war auf Renard angesetzt, hat den Job aber offensichtlich nicht ordentlich ausgeführt.

Wir sehen nicht nur, wie Bond verletzt wird, sondern wir sehen ihn auch einen Verband tragen – wer also behauptet, wir hätten Bond nie verletzt gesehen… aber das haben wir ja eh schon in „Feuerball“.

Das Verhältnis von Bond und M rückt zwangsläufig ein wenig in den Vordergrund. M gesteht, dass sie Bond für den Besten hält – aber das tut eigentlich jede Frau, die ihm begegnet, selbst die angeblich lesbischen wie Pussy Galore. Ist also keine wirkliche Überraschung. Bond rettet M, aber er rettet ja auch ständig die Welt, also auch das ist nicht neu. Und doch hat man ein bisschen das Gefühl, dass die beiden einander schätzen – was ihm die Motivation geben würde, sie zu beschützen und sie zu rächen. Und das ist genau das, was der Daniel Craig Bond tut, aber ohne dass er die Grundlage des Brosnan Bonds hat. Will heißen: Bei Brosnan hätte das Sinn ergeben, bei Craig tut es das nicht!

Doctor Jones

Wie sagt man das am besten: Es gibt Leute, denen nimmt man den Doktor einfach nicht ab. Und auf dieser Liste steht Denise Richards ziemlich weit oben. Ich meine, das wäre so glaubwürdig, als würde man sagen „Dr. Daniela Katzenberger“ oder als würde man Steven Seagal als Doktor besetzen… Moment! Das ist passiert! Oh mein… aber er war da auch nicht glaubwürdiger. Und Dr. Christmas Jones ist es leider auch nicht.

Eine gute Figur – in jeder Hinsicht – macht dagegen Sophie Marceau. Sie sollte hier genannt werden als bislang einzige Superschurkin! Es gab zwar die eine oder andere Gegenspielerin für Bond (wobei die einzigen beiden, mit denen er nicht ins Bett gegangen ist, Rosa Klebb und Irma Bunt sein dürften), aber die hatten eher Handlanger(innen) Status.

Bevor wir zum großen Abschied kommen, noch ein kleiner Schlenker auf die Musik. Sie stammt wieder von David Arnold und ist sehr ordentlich. Arnold hat einen anderen Stil als Barry, aber er hat einen Stil und schafft damit eine gute Mischung aus Titelsong und Bond Thema. Auch der Song selbst kann sich hören lassen. Ein wenig überraschend ist, dass der Film jedoch nicht, wie so oft, mit einer Variation des Titelliedes endet, sondern mit dem James Bond Thema… aber auch das soll uns in Zukunft noch öfter begegnen.

Danke, Q!

Nun, in Bezug auf Q gibt es ein paar Dinge, die keinen Sinn ergeben. Oder sagen wir mal so: Dass er Bond im Einsatzgebiet trifft und dort austattet, das ist ja noch logisch. Dass er aber an einem Ort, an dem Bond sich zufällig gerade im Einsatz befindet und an dem M zufällig gerade seine Zelte aufgeschlagen hat, auch auftaucht und seine ganze Forschungs- und Explosionsabteilung mitbringt, das ist eigentlich eher Quatsch. Auch wenn er das u.a. in „Moonraker“ und „Octopussy“ tut, ist es doch eigentlich völliger Blödsinn. Und so ist es auch hier Blödsinn, dass er, nur weil M gerade in einem schottischen Schloss weilt zwecks Beerdigung eines alten Freundes, mit seiner ganzen Mischpoke hinterher reist und statt in London seine kleinen Tricks hier zusammenbastelt. Aber das ist Bond, also hinterfragen wir das nicht.

Fast, als hätten es die Bond Produzenten geahnt, führen sie hier einen neuen Assistenten von Q ein, gespielt von Monty Python Urgestein John Cleese (womit die Dreieinigkeit der britischen Kultur komplett wäre [Bond/Beatles/Monty Python]). Q, der diesen Nachfolger dem Publikum vorgestellt hat, gibt Bond und uns noch einen letzten Rat auf den Weg und verschwindet dann langsam im Fußboden. Es ist ein Abschied – und es ist ein Abschied für immer. Desmond Llewellyn, der uns seit dem zweiten Bond Film mit einer Ausnahme immer mit seiner Anwesenheit beglückt hat, wird nie wieder zu Bond zurückkehren, denn er starb wenig später bei einem Autounfall. Deshalb bedanken wir uns an dieser Stelle bei dem Urgestein mit den meisten Auftritten innerhalb der Bond Reihe, dem Mann, der eine Spur Humor in jeden Film gebracht hat, und wünschen ihm, dass er auch in der himmlischen Q-Abteilung noch immer so großartige Arbeit leistet wie hier. Danke, Q, wir werden dich vermissen!

— Martin Cordemann alias Null Null PeeWee Ende —

— es folgt Sonderbericht von Tillmann Courth alias Null Null Tilly —

Der dritte Brosnan-Bond, und nach den beiden vorherigen habe ich ein bisschen Angst. Erstmal aber gibt es Entwarnung: der Vorsetzer (Geldbeschaffung aus einer Bank in Bilbao und Motorboot-Jagd die Themse hinab) ist erfreulich bodenständig und nachgerade realistisch. Man wundert sich zwar, mit welcher Artillerie das Boot der Attentäterin ausgestattet ist, aber Bond schluckt tüchtig Wasser und knallt noch aufs Dach des Millennium Domes. Wobei er sich tatsächlich mal verletzt, denn eine Szene lang trägt Bond den Arm in der Schlinge (Schulter ausgerenkt). Er ist aber sofort wieder fit, nachdem er mit seiner Ärztin geschlafen hat.

Der Titelsong der Band Garbage („The World Is Not Enough“) ist okay, aber nichts, was ich vor mich hinpfeifen würde.

In Minute 20 stellt uns der alte Q seinen Nachfolger vor: den… naja… nächsten alten Q. John Cleese serviert uns (was sonst?) Comedy und verschwindet in einer Jacke, die sich zum Rettungsballon aufbläst.

Zur Handlung: Bond wird als Leibwache für Elektra King abgestellt, deren Vater vom „Anarchisten“ Renard in London getötet wurde. Renard ist eine Art Supermensch, der keinen Schmerz verspürt (aber dennoch im schmächtigen Körper des Schauspielers Robert Carlyle steckt). Der Clou ist natürlich, dass Elektra (Achtung, Spoiler!) mit Renard gemeinsame Sache macht, denn sie ist ihm auf ungute Weise hörig.

Auf den kargen Ölfeldern Aserbaidschans gerät Bond in eine Demo der Einheimischen gegen Kings Pipeline-Bau und lernt Elektra persönlich kennen (30. Minute). Die umwerfende Sophie Marceau bekommt ihre Chance, zur stärksten Bond-Frau zu werden – wird sie sie nutzen?

Ab Minute 33 ist wieder mal der gute alte Bond-Ski-Zirkus auf Tournee! Und nachdem Elektra mit Bond kurz verschüttet war, scheint sie schon heiß auf ihn zu sein. Hübscher Gag in der 41. Minute: im Spielkasino von Baku ist wirklich JEDER Gast bewaffnet, wie Bond durch seine Röntgenbrille feststellt. Dort treffen wir Robbie Coltrane als Valentin Zukovsky wieder, Bonds Informanten (und cineastischen Lichtblick) aus „GoldenEye“. Der hat aber noch keine Fakten zur Hand, also zerrt Elektra Bond ins Bett (48. Minute) – dabei fällt ein bemerkenswerter Satz. Sie: „Wie schaffst du es zu überleben?“ – Er: „Ich labe mich an Anmut und Schönheit.“ Eine interessante Erklärung für Bonds Schürzenjägerei. Erotik als Therapie gegen seinen mörderischen Alltag!

Dann hupfen wir nach Kasachstan, wo sich Bond in Renards Organisation einschmuggelt und lauter Akademiker trifft: Einser-Abiturient Claude-Olivier Rudolph als deutschen Henchman sowie Dr. Christmas Jones (im Körper von Lara Croft, halt, Denise Richards, die total misstrauisch gucken kann). Freue mich schon jetzt auf einen Gag wie „Christmas comes early this year“… Harhar. Rasche erste Konfrontation mit dem Psycho Renard (58. Minute), der jedoch nach einer feurigen Schießerei in einem (wat is dat eigentlich?) unterirdischen Atombunker entkommt – mit einem Nuklearsprengkopf. Drunter machen’s Bondschurken einfach nicht. Was wäre der Agentenfilm ohne Atomsprengköpfe?!

Bond schwant mittlerweile, dass Elektra genauso ballaballa wie Renard sein könnte und weiht M darin ein (70. Minute). Bond und Dr. Jones gucken in die Röhre, d. h. sie rasen in einem Inspektionsschlitten durch die Pipeline und entschärfen dabei die Atombombe, mit welcher Renard das Ölterminal vernichten und den Westen von der Versorgung abschneiden will. Derweil outet sich Elektra vor M als Miststück und bekommt dafür von M den Hosenboden versohlt (76. Minute). Fortan ist M Elektras Geisel, und in Instanbul tickt die zweite Hälfte der Atombombe.

In der 84. Minute will Bond den Alleswisser Zukovsky (zweiter Einsatz für Robbie) verhören, da hetzt ihm Elektra den Hubschrauber mit der Baumsäge auf den Hals! „Es kommt der Tag, da muss die Säge sägen!“ (wie es in einem alten deutschen Film heißt). Das Sägen ist des Henchmans Lust. Das muss ein schlechter Henchman sein, dem niemals fiel das Sägen ein. Und jetzt alle: Ein Haus wird zersägt, Stahlrohre werden zersägt, Bonds BMW wird zersägt („Das wird Q nicht gefallen“).

93. Minute: Das „endgame“ wird vorgestellt. Zukovsky hat Renard ein sowjetisches Atom-U-Boot nach Istanbul geschmuggelt. Mit dem Rest des Plutoniums wollen Elektra und er den Schiffsreaktor sprengen und den Bosporus atomar verseuchen. Dann besitzt Elektra die einzig noch verbleibende Pipeline in den Westen und hat ein Wirtschaftsmonopol. Wer kann sie noch aufhalten? M baut in Gefangenschaft einen Sender und ruft damit Bond zu Hilfe. Doch zunächst verrät Zukovskys Henchman Goldie die Gesellschaft – und Bond und Dr. Jones fallen in Elektras Hände.

Bond landet im Würgestuhl (99. Minute). Der Würgestuhl! Ein originelles wie elegantes Foltermöbel, auf dem die böse Elektra noch Bond aufreitet und auf eine Erektion per Strangulation hofft! Pustekuche, denn in Minute 103 stürmt der überlebende Zukovsky auf die Szene und scheint den Tag zu retten, doch Elektra macht ihn kalt. Bonds Fesseln aber sind gelöst, er befreit M, stellt Elektra und muss sie erschießen, als sie den im U-Boot abtauchenden Renard nicht zurückpfeift. Dann simmer auch schon in Finale, das Geschieße im absaufenden U-Boot (ab 108. Minute). Böse Schlägerei Renard – Bond in querstehenden Reaktorraum und glückliche Torpedierung des Bösewichts durch den fatalen Plutoniumstab. Und wir haben den Christmas-Gag ganz zum Schluss, Bond zu Dr. Jones (wähähärend des Beischlafs): „Ich habe mich in Dir getäuscht“. – „Inwiefern?“ – „Ich dachte, Christmas kommt nur einmal im Jahr“. Yes! Willkommen in der Bondschen Wortspielhölle!

Fazit:

Uff! Großes Aufatmen. Es gibt einen guten, ja sogar hervorragenden, Brosnan-Bond. “Die Welt ist nicht genug“ ist der Bondfilm mit dem Kammerspiel-Tiefgang. Das Quartett Bond, M, Elektra und Renard verhandelt essentielle Fragen von Schuld und Sühne, Rache und Verantwortung. Elektra und Renard gebärden sich wie eine moderne Version von Bonnie und Clyde. Michael Apteds Inzenierung (dickes Lob an den Regisseur von „Gorky Park“ und „Nell“!) konzentriert sich wohltuend und ausführlich auf dieses Kleeblatt exzellenter Darsteller. Die Action ist ausnahmsweise kein Selbstzweck, der Finalkampf bleibt übersichtlich und geht voll in Ordnung, die Nebenfiguren sind nur dienstbare Kleingeister, die keine Handlung zerfasern oder sonstwie vom Geschehen ablenken. Apteds Sicht auf Bond ist erfreulicherweise auch nicht so gelackt wie die beiden letzten Versuche seiner Kollegen Campbell und Spottiswoode.

Ich bin beeindruckt: Brosnan in Topform, Dench glaubhaft, Marceau tänzelt toll entlang der Grenze Egomanin/Göre. Und ich verneige mich auch vor Carlyles „Renard“, der mir weitaus schwächer in Erinnerung war. Tolle Leistungen im ganzen Team, grazie a tutti.

 

Die Welt ist nicht genug (1999)

Originaltitel: The World is not Enough

Regie: Michael Apted

Musik: David Arnold / Titelsong: Garbage

James Bond: Pierce Brosnan / Frank Glaubrecht

Renard: Robert Carlyle / Martin Keßler

Elektra King: Sophie Marceau / Judith Brandt

Dr. Christmas Jones: Denise Richards / Claudia Urbschat-Mingues

Dr. Warmflash: Serena Scott Thomas / Cornelia Meinhardt

Cigar Girl: Maria Grazia Cucinotta / Anke Reitzenstein

Sir Robert King: David Calder / Gerhard Paul

Davidov: Ulrich Thomsen / Jan Spitzer

Col. Akakievich: Claude-Oliver Rudolph

Valentin Zukovsky: Robbie Coltrane / Jürgen Kluckert

Bill Tanner: Michael Kitchen / Klaus Dieter Klebsch

Robinson: Colin Salmon / Detlef Bierstedt
und

M: Judy Dench / Gisela Fritsch

Q: Desmond Llewellyn / Manfred Schmidt

Moneypenny: Samantha Bond / Anita Lochner

R: John Cleese / Thomas Danneberg

Popkulturelle Differenzen

kehrt zurück

mit

Die Another Day

DoubleOhSexy11Flachlegen

Neu auf DVD: Der Abenteurer – Der Fluch des Midas

Es ist ein bisschen schade. Die Sets sind gut, die Ausstattung ist gut, die Musik ist gut, die Effekte sind gut, die Schauspieler sind gut. Also was kann mit all dem leider nicht mithalten? Die Handlung und die Figuren.

Die Handlung und die Figuren

Da… passiert am Anfang das eine oder andere. Und Michael Sheen arbeitet für eine Art „Warehouse 13“ im 19. Jahrhundert. Irgendwie so. Worauf es aber letztendlich hinausläuft, ist, dass der eine Bruder den anderen suchen muss… oder nebenbei suchen darf, während er eigentlich nach der Kiste des Midas suchen soll, oder sie finden, bevor der Böse sie findet… womit wir bei einem der Probleme sind: die Handlung ist irgendwie, nicht zu verworren, aber auch irgendwie nicht dicht. Man hat das Gefühl, es wird irgendwie eine Menge angerissen, aber das hilft der Sache nicht, sondern es hält sie nur auf. Von hier nach da, und dann dorthin, ohne dass das alles einem gut geplanten Plot folgen würde. Liegt vielleicht daran, dass es die Umsetzung eines Romans ist? Ich weiß es nicht. Jedenfalls springt der Film zunächst von einem Schauplatz zum anderen, was aber fast ein wenig unmotiviert und abgehackt wirkt. Dann irgendwann landet man im Hotel… und es bleibt ähnlich abgehackt. Am Ende finden sich dann noch Elemente aus „Dr. No“ und „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ sowie eine Szene, die geradezu 1:1 aus „Jäger des verlorenen Schatzes“ übernommen zu sein scheint. Unterm Strich kann man sagen, dass eine stringentere Handlung, die geradliniger auf ein gewisses Ziel zuführt, der ganzen Sache sicher gut getan hätte.

Was uns zu den Figuren bringt. Da ist der großartige Michael Sheen als schillernder Charakter, aber die Hauptfigur ist er nicht, denn das ist „Mariah Mundi“ (Männername! und Namensgeber des Originaltitels), der Sohn, dessen Bruder entführt und Eltern verschwunden sind, der nun, gewissermaßen im Auftrag von Sheen, das Hotel unter die Lupe nehmen soll. Eigentlich wünscht man sich, mehr von Michael Sheens Charakter zu sehen – aber leider auch nur, weil es eine Freude ist, Sheen zu sehen. Die Figur selbst ist, wie nahezu alle Figuren in diesem Film, irgendwie unfähig. Niemand scheint etwas zustande zu bringen, dass am Ende doch etwas erreicht wird, scheint mehr Zufall zu sein. Hätte man hier eine schöne Geschichte gesponnen, in der Mariah Mundi selbst Dinge herausfindet (und nicht in Lösungen hineinstolpert), dann hätte das ein guter Film werden können. Wäre Sheens Figur a) die Hauptfigur und b) kompetent in dem, was sie tut, hätte das ein grandioser Film werden können. So liegt es aber nur am Schauspieler Sheen und seiner Spielfreude, dass man gerne mehr von ihm gesehen hätte, denn sein Beitrag zur Handlung ist dann eher vernachlässigbar.

Vom Standpunkt einer guten Erzählung, einer guten Geschichte, einer guten Handlung, einem guten Abenteuer, bleibt der Film also leider weit hinter dem zurück, was hier möglich gewesen wäre, was wirklich schade ist. Da es sich offensichtlich um eine Buch-Reihe handelt, auf der der Film basiert, endet er dann mit einer Möglichkeit (Nötigkeit) für einen nächsten Teil. Hoffen wir, dass da die Handlung ein bisschen besser ist und die Figuren ein bisschen mehr dazu beitragen.

Die Besetzung

Die vielleicht britischste Besetzung, die nicht wie eine wirkt. Michael Sheen, wie so oft hervorragend, hat nach seiner Darstellung als britischer Premierminister in „Die Queen“ schillernde Auftritte in „Twilight“-Filmen und „Tron Legacy“ gegeben und inzwischen im amerikanischen Fernsehen Fuß gefasst. Gegenspieler des Films ist Sam Neill, bekannt aus „Reilly, Spion der Spione“… na gut, mir bekannt daraus, den meisten anderen wohl eher aus „Jagd auf Roter Oktober“ mit Sean Connery oder „JurassicPark“ mit Dinosauriern. Wenn ich nicht irre, ist er Australier, also weniger britisch, aber dafür ziemlich gut. Ihm zur Seite steht Lena Headey, die glaube ich, auch Britin ist, aber im amerikanischen Fernsehen auch schon Sarah Connor (die aus „Terminator“, nicht aus der Musikbranche) in „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ gespielt hat, ebenso wie die Böse in „Dredd“ und seit einiger Zeit eine der vielen Bösen in der hervorragenden Serie „Game of Thrones“. Und dann wäre da noch der Brite Ioan Gruffudd, der in zwei „Fantastic Four“ Filmen der Gummimann war… also alles in allem extrem britisch. Einzig Keelesy Hawes aus „Spooks“ und „Ashes to Ashes“ scheint es noch nicht nach Amerika verschlagen zu haben – aber die kommt im Film auch kaum vor. Die Hauptrolle hat allerdings Aneurin Barnard, von dem wir spätestens im zweiten Teil mehr sehen werden.

Das Making of auf der DVD ist durchaus interessant und informativ, wenn man also mehr über die Hintergründe erfahren möchte, lohnt es sich, dort einmal hineinzuschauen. Die DVD erscheint am 23.5.2014.

Neu im Kino: One Chance – Einmal im Leben

Filme, die „auf einer wahren Begebenheit“ beruhen, sind ein bisschen wie Prequels: Man hat eine ungefähre Vorstellung, wo sie wahrscheinlich enden werden. Also sollte man bei solchen Filmen vielleicht weniger das Ende betrachten, als die Reise, die einen dorthin führt.

Die andere Sache bei derartigen Filmen ist: Man darf nicht alles für bare Münze nehmen. Eckpunkte des Films entsprechen der Realität – der Rest ist irgendwo Fiktion. Das trifft es bei diesem Film ganz gut, denn die Dialoge klingen zu sehr nach Film und nicht nach Realität. Also trennen wir uns gedanklich doch davon, dass es ein „Biopic“ (von dem ich mir ein Selfy für meinen Milf machen kann… ach, ist doch toll, dass es für jeden Mist inzwischen einen Begriff gibt – hmm, das hätte besser in die Besprechung von „Her“ gepasst!), denn wenn man sich den ganzen „wahren Hintergrund“ wegdenkt, hat man eigentlich eine handfeste britische Komödie aus dem Arbeiterleben, und die sind ja meist recht gut.

Aufstieg und Fall von Pol Pot

Ein Film über den kambodschanischen Diktator… ist das hier nicht, denn es geht um Paul Potts! Das schöne ist: Ich habe den Scherz damals, als Potts in aller Munde war, öfter gemacht und die wenigsten haben die Anspielung verstanden. Das schöne ist auch: Der Film weiß um die Namensähnlichkeit und bringt sie selbst gleich zu Beginn, so dass das Thema direkt vom Tisch ist… für die wenigen, die den Gag verstehen.

Es geht also um Paul Potts und seine tragische Geschichte und nicht um Pol Pot und seine mörderische Geschichte. Ein Mann, der eigentlich etwas kann, aber bei dem es irgendwie nicht so recht klappt. Streng genommen also das Gegenteil von vielen Comedians und Castingteilnehmern, die eigentlich nichts können, sich davon aber ums Verrecken nicht abhalten lassen. Und Durchhaltevermögen zahlt sich in der Wirklichkeit eben weit mehr aus als Talent.

Das muss auch Paul Potts erleben, als Kind gehänselt und zusammengeschlagen, doch dann kommt der erste Talentwettbewerb… und ein Auf und Ab bis zum Erfolg (ach komm, Sie wissen doch auch, wie die Geschichte ausgeht). Aber, machen wir uns nichts vor, außer bei „Rocky“ wäre es doch auch in einem rein fiktionalen Film so gewesen. Dass er sich gegen alle Firnisse und Hindernisse durchsetzt und dass am Ende das Talent siegt. „Leider“, muss man fast sagen, ist es aber nicht rein fiktional, was dem Film ein paar Möglichkeiten nimmt. Oder zumindest eine schöne. Bei seinem ersten Auftritt im Talentwettbewerb wird statt der Oper nämlich zunächst was poppiges eingespielt – es wäre eine schöne Reminiszenz gewesen, wenn das am Ende bei seinem erfolgreichen Fernsehauftritt auch so gewesen wäre. Aber hier beugt sich der Film der Realität, doch es hätte schlimmer sein können.

Dem Erfolg von Potts werden immer wieder Steine in den Weg gelegt, teils von sich selbst. Am Ende aber schafft er es… aber das wissen wir ja schon. Eigentlich müsste es schon ein großer Erfolg sein, wenn man es auf eine venezianischer Opernschule schafft, ein so großer Erfolg, dass man von da aus ein Sprungbrett hat – doch irgendwie scheint das nicht so zu sein. Was mir, im Nachhinein, ein wenig merkwürdig vorkommt. Aber wenn das die Realität war, wer bin ich, sie in Frage zu stellen?

BritCom

Wenn man sich ein bisschen mit britischen Fernsehserien beschäftigt, dann begegnen einem immer wieder viele Bekannte. Und die sieht man dann auch mal in Filmen, so wie hier. Zuschauer von „The Office“, „Utopia“, „The Wrong Mans“ und „The Thick of it“ erleben ebenso Bekannte wieder, wie die von „Star Trek: Deep Space Nine“. Colm Meaney hatte es seinerzeit über den Ozean geschafft und als Kleinrolle bei „Star Trek: The Next Generation“ angefangen, die dann später ausgebaut und nach DS9 übernommen wurde, was wahrscheinlich allein der Tatsache geschuldet ist, dass es sich bei Meaney um einen guten Schauspieler handelt. Ebenfalls mit dabei ist Mackenzie Crook, derzeit in der amerikanischen Serie „Almost Human“ zu sehen, den meisten aber wahrscheinlich eher bekannt durch „The Office“ oder die „Fluch der Karibik“ Filme. Er darf das machen, was er immer macht, ein wenig schrägen Humor in die Sache bringen.

Fazit

Wie gesagt, eigentlich ist das ganze eine solide britische Arbeiterkomödie – mit dem amerikanischen Touch, dass ich das Gefühl habe, dass der Film Paul Potts irgendwie eine Spur zu gut aussieht. Und Pavarotti zu dünn. Davon ab ist es aber eine unterhaltsame Komödie, die vielleicht sogar noch besser funktioniert, wenn man Paul Potts und seine Geschichte nicht kennt! Bundesweiter Kinostart ist der 22. Mai 2014.

Nachtrag zu „Hawking“

Da die Presse-DVD diese Dinge nicht enthalten hat, hier noch ein kleiner Nachschlag. Auf der DVD findet sich ein nettes kleines Intro zum Film mit Stephen Hawking. Außerdem gibt es einen Audiokommentar von Regisseur Stephen Finnigan. Der ist sehr hörenswert, da er nicht nur Einblicke in die Entstehung des Films gibt, sondern auch noch ein paar Hintergründe zu Hawking selbst liefert. Dadurch wird das ganze Filmprojekt „Hawking erzählt selbst seine eigene Lebensgeschichte“ schön abgerundet und dem Zuschauer noch eine Spur näher gebracht. Eine schöne Ergänzung zum Film!

Neu auf DVD: MUD – Kein Ausweg

Es gab eine Zeit, da war Matthew McConaughey ein wenig von der Bildfläche verschwunden. Doch dann kehrte er zurück. Nicht in großen Hollywoodstreifen, sondern in kleinen Filmen, in denen Schauspiel mehr gefragt war als Aussehen. Einer davon war „Killer Joe“, ein anderer ist dieser Film aus dem Jahre 2012, der nun endlich auf DVD vorliegt: „MUD – Kein Ausweg“!

Ein Sommer in der Natur

„MUD“ ist ein ruhiger Film, der sich auf seine Figuren konzentriert und sie in einer schön gefilmten Flusslandschaft zeigt. Die Geschichte lässt sich ein wenig vergleichen mit „Stand by me“, zwei Jungen, ein Sommer – und ein paar Ereignisse, die vieles verändern. Erst finden sie ein Boot in einem Baum, dann einen merkwürdigen Mann. Sie lernen ihn und seine Geschichte näher kennen, erfahren, warum er sich auf dieser Insel versteckt und helfen ihm dabei, sein Ziel zu erreichen: die Liebe seines Lebens. Doch natürlich kommt irgendwann eine Geschichte ins Rollen, die ihren Tribut zollt. Ein Abenteuer für Jugendliche, ein Sommer voller Veränderungen.

Wie uns das interessante Making of zeigt, hatte Regisseur Jeff Nichols schon seit langem die Idee, das Leben und Arbeiten am Fluss zu zeigen. In diesem Film macht er das auf visuell interessante Weise, eingepackt in ein Abenteuer, das von Liebesgeschichten begleitet wird. Und bei denen sind die tragischen doch noch immer die interessantesten.

Matthew McConaughey zeigt sich hier – ein paar Jahre vor seinem Oscar für „Dallas Buyers Club“ – schauspielerisch von seiner besten Seite. Ihm zur Seite stehen Reese Witherspoon, Sam Shepard und Michael Shannon. Letzterer wurde nicht – wie es heute wahrscheinlich der Fall sein würde – klischeemäßig auf einen der Bösewichte besetzt, sondern spielt den Onkel von einem der beiden Jungen. Denen gehört großer Respekt gezollt, denn sie bringen gute schauspielerische Leistungen, die denen der Erwachsenen in nichts nachstehen.

Fazit

Wer auf Explosionen und Riesenroboter verzichten kann und sich gerne mal ein ruhiges Sommerabenteuer gönnen möchte, der dürfte bei „MUD“ an der richtigen Adresse sein. Ab 13.5.2014 auf DVD und Blu-ray.

Der Morgen stirbt nie

Die große James Bond Retrospektive

Ein leicht ungelenker deutscher Titel, aber wäre der Film danach benannt worden, wie er eigentlich im Original hätte heißen sollen, wäre „Der Morgen lügt nie“ wahrscheinlich auch nicht viel besser gewesen. Der Teaser verbindet wieder beide Welten, die einer kleinen Actionstory und eines Elementes, das für den restlichen Film wichtig sein wird, sogar eminent wichtig. Es gibt auch wieder Einblendungen von Orten und Schiffsnamen, dafür gibt es aber weder den Hut noch die schlechten Rückprojektionen. Doch die werden in großen Stil zurückkehren… zwei Filme später!

Brosnan, Pierce Brosnan

Während Bond in „GoldenEye“ noch ein wenig geleckt ist und immer nach dem Motto aussieht: „Die Frisur sitzt“, ist Brosnan hier perfekt in der Rolle angekommen. Er macht sich auch mal die Hände schmutzig – und das in vielerlei Hinsicht. Die Haare sind ein wenig kürzer, er wirkt ein wenig härter. Tatsächlich darf Bond sich endlich wieder als kaltblütiger Killer zeigen. Nach seinem Auftritt bei Carver erwartet er einen auf ihn angesetzten Killer, mit Blick zur Tür und Wodka, um gegen den Ärger anzutrinken. Das erinnert ein wenig an Sean Connery in „Dr. No“, der auf Professor Dent wartet – nur, dass er mit dem nicht ins Bett geht, so wie Bond es dann mit Paris Carver tut. Das hätte der Bond Reihe sicher eine völlig andere Richtung verliehen…

Hier ist Bond pissig drauf, später zeigt er seine Trauer über den Tod von Paris – und dann zeigt er den Profikiller in sich, als er Dr. Kaufman kaltblütig umbringt. Er ist eben ein Profi, der nur seine Arbeit macht – wie Kaufman. Eine sehr schöne Szene übrigens, in der es Killer Kaufman peinlich ist, Bond nach einem Weg zum Öffnen seines Autos fragen zu müssen.

Auf der anderen Seite hat Bond aber auch Spaß – mit seinem ferngesteuerten Auto. Man sieht die kindliche Freude auf seinem Gesicht – und wir sehen den Unterschied zu den Craig Filmen. Denn hier hat Bond nicht nur Spaß, Bond macht auch Spaß – im doppelten Sinne! Der Spaß ist inzwischen verloren gegangen, man nimmt sich zu ernst, erreicht dann aber nicht die inhaltliche Qualität, um diesen Ernst auch angemessen zu untermauern.

Es gibt eine Veränderung im Verhältnis zwischen Bond und M. Waren die beiden im letzten Film einander nicht ganz grün, so haben sie inzwischen die Qualitäten des anderen erkannt und zu schätzen gelernt. Das wird sich im folgenden Film weiter ausbauen.

Der dritte Weltkrieg

Wer einen Atomkrieg von Supermächten für eine gute Idee hält, ist ein vollkommener Idiot. Das ist nichts, worüber man diskutieren muss oder kann. Bei so etwas verliert jeder, sei es Blofeld („Man lebt nur zweimal“), sei es Carver hier. Und der hat weder einen Vulkan noch eine Unterwasserstadt noch eine Raumstation, wo er weit von allem Treiben entfernt auf den Ausgang warten kann. Sein Plan ist also bestenfalls idiotisch. Insofern mag die Weise, wie Jonathan Pryce ihn spielt, nämlich leicht verrückt (oder etwas over the top) durchaus angemessen sein. Ob das dem Film hilft, ist eine andere Frage.

Seine rechte Hand, Herr Stamper, weiß dagegen auch nicht ganz zu überzeugen. Er spielt böse, irgendwie nur böse, irgendwie zu böse. Da wäre ein wenig Zurückhaltung wahrscheinlich von Vorteil gewesen – aber da das hier ein Bond Film ist, ist Zurückhaltung einfach nicht gefragt. Also wird übertrieben und verböselt, was das Zeug hält.

Jack Wade gibt sich noch einmal kurz die Ehre, danach werden wir ihn aber wohl nie wieder sehen, da er meines Wissens nicht den Büchern entspringt, sondern eine reine Erfindung der Filme ist. Schade ist es trotzdem!

EON scheint übrigens einen Deutschen im Team zu haben. Im Originalton (möglicherweise auch in der deutschen Fassung) hört man eine männliche deutsche Stimme, die die Durchsage auf dem Flughafen macht und in „Stirb an einem anderen Tag“ die Stimme des Umwandlungsprogramms ist, die dem Mann mit den Diamanten im Gesicht seine Hintergrundgeschichte eintrichtert, das aber nur am Rande.

Bond erhält mit diesem Film einen neuen Stammkomponisten, David Arnold. Der macht seine Sache hier sehr gut und liefert einen schönen bondigen Soundtrack ab. Auch der Titelsong ist in Ordnung.

„Lass dich nicht verarschen“

Diesen Satz sagt Bond auf Deutsch, nachdem er sein Auto dem Einparker übergeben hat – ich habe, glaube ich, drei Ansätze gebraucht, um das zu verstehen. Aber wie wir wissen spricht Bond akzentfrei deutsch!

Sind die Frauen bei Bond hin und wieder reine Staffage, erhält Bond hier eine gleichwertige Mitstreiterin. Schön daran ist, dass die beiden zur Zusammenarbeit gezwungen sind, da man sie aneinander gekettet hat. Das gibt dem Film eine schöne Dynamik und führt zu einer guten Actionszene auf dem Motorrad.

Auch wenn einige Leute die ich kenne nicht soviel von diesem Film halten, so mag ich ihn doch. Jedenfalls bis kurz vorm Schluss. Die ganze Szene auf dem Stealthboot ist mal wieder zu lang, zuviel Geballer, zuviel Schnickschnack und Bummbumm. Hier wäre eine Mäßigung einmal mehr hilfreich gewesen – aber, wie gesagt, wir reden hier über Bond!

 — Martin Cordemann alias Null Null PeeWee Ende —

— es folgt Sonderbericht von Tillmann Courth alias Null Null Tilly —

Das ist der mit Jonathan Pryce als Bösewicht! Das Opfer aus „Brazil“ ist nun der Schurke: Als krimineller (und krankhaft größenwahnsinniger) Zeitungszar Elliot Carver will er globale Deutungshoheit und Manipulationsmacht. Den hab ich als guten Bondfilm abgespeichert, auch wegen markanter Nebendarsteller und origineller Action. Mal schauen, wie sich der 18. Film der Reihe heute ausnimmt. Neugierig macht auch ein komplett neues Team hinter den Kulissen. Regie (Roger Spottiswoode), Drehbuch (Bruce Feirstein) und Musik (David Arnold) werden zum ersten Mal auf ein Bondpublikum losgelassen.

Der knackige Action-Vorsetzer erinnert deutlich an „GoldenEye“: Bond als Ein-Mann-Armee nimmt einen russischen Waffenbasar hoch und muss Nuklearmaterial aus dem Weg schaffen, ehe die britische Rakete einschlägt! Um DAS noch zu steigern, schließt sich ein Duell von Düsenjägern an, während Bond noch mit einem Russen im Cockpit daran arbeitet, von diesem nicht stranguliert zu werden. Also ich weiß nicht. Die Brosnan-Vorsetzer kranken weiterhin an hirnrissig übersteigerter Action.

Ein weiterer sehenswerter Vorspann (hier mal ein Credit: Daniel Kleinman) ist leider unterlegt mit dem Titelsong von Sheryl Crow – und der ist einfach abscheulich. I think we have our winner. In der Kategorie „miesester Bondsong“ ist für mich der Vogel abgeschossen! Krächziges, dünnes Gequäke, das mir in den Ohren weh tut!

Apropos Ein-Mann-Armee: Was Bond kann, kann Zeitungszar Carver schon längst. Er verfügt über fantastische High-Tech-Ausrüstung: a) einen Weltraumsatellit, b) ein Supertarnschiff, c) Unterwasserbohrer, die unbemerkt britische Kriegsschiffe zersägen, d) Boden-Luft-Raketen, die chinesische MIG-Jäger vom Himmel holen, e) Götz Otto.

Carver will einen bewaffneten Konflikt mit China vom Zaun brechen, damit seine Zeitung was zu schreiben hat! Krieg ist halt die beste Schlagzeile, und alles muss man heute selber machen! Moment mal, wir hetzen zwei Feindmächte aufeinander, aber das ist doch die Handlung von „Der Spion, der mich liebte“!

Götz Otto als Mr. Stamper ist der Henchman des Films, ein echt fieser Möpp. In Minute 18 erschießt er nicht nur überlebende Seeleute, er tritt ihnen vorher auch noch auf die Finger. Voll gemein. Wäre das nicht schon die nächste Sensationsschlagzeile für Carvers Blatt „Tomorrow“? Jedenfalls bringt mich Pryce den ganzen Film durch zum Lachen. Die leicht irre deutsche Synchronstimme und sein Chargengehabe erinnern mich an Woody Allen. Ich werde diesen Film nicht ernst nehmen können. “Der Morgen stirbt nie” ist ein Karnevalsbond.

Carver mag zwar ein „weltweit operierender Medienmogul“ sein, macht sich aber beim Geheimdienst sofort und unauslöschlich dadurch verdächtig, dass seine Medien den Chinazwischenfall schon drucken, ehe überhaupt das Militär von den Details erfahren hat! Aaarrgggh! Das ist doch Krimi-Kinderstunde, Herrschaften.

26. Minute. Wir sind in Hamburg, wo Bond sofort von Q (schon wieder in einem Lakaien-Outfit, diesmal dem einer Autovermietung) einen deutschen Wagen ausgehändigt bekommt: ein BMW 750, fernsteuerbar per Handy! Ach, ja, die 90er! Wagen und Handy (von 1997) sehen heute schon verdammt alt aus.

Which reminds me: „Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern“ (alte Presseweisheit) – höchstens vielleicht noch Teri Hatcher, die als Carvers Frau Paris (und Bonds alte Liebschaft) auf einer Party bei Carver in Erscheinung tritt. Nein, böser Gag, Teri Hatcher ist zauberhaft und eine der „most classy“ Bondfrauen.

38. Minute: Bond residiert im „Hotel Atlantic“ und trinkt Smirnoff Wodka (pur, und pure Schleichwerbung). Hätte nicht Udo Lindenberg bei ihm rumsitzen können? Stattdessen schickt Carver seine Frau Paris zu Bond, um ihn auszuspionieren. Hey, Medienmogul! Einfach mal „Bond“ googeln und schnell checken, dass der Mann wohl kaum ein Bankier sein kann. Bond schläft natürlich prompt mit Paris, was noch Ärger geben wird. Es läuft einfach nichts rund für den ambitionierten Carver. Aber er hat ja noch sein High-Tech-Spielzeug – und Hacker Gupta. Der kann Carver nämlich schnell darüber aufklären, dass Bond wohl Agent ist und Paris ein Flittchen.

46. Minute: Bond bricht in die „geheime Etage“ des Zeitungshauses ein. Also, für mich sieht’s wie die Druckerei aus. Dort trifft er auf die chinesische Agentin Wai Lin (Michelle Yeoh) in rassigem Lederoutfit. Die wohl markantesten Szenen beginnen mit Minute 53: Carver hat seine Frau Paris aus Eifer -und Schlagzeilensucht umbringen lassen (Schade, Teri ist raus!). Die Nachricht läuft schon im Fernsehen, ehe noch der Mord entdeckt ist. Und der Killer Dr. Kaufmann („Ich bin Professor für forensische Medizin“) erwartet Bond im Hotelzimmer!
Vincent Schiavelli ist Dr. Kaufmann – ein wunderbarer Besetzungs-Coup! Dessen schräge Visage adelt den sonst sehr gelackten Film mit toller Fallhöhe und beschert uns den makabersten Mordbuben seit dem Killerpärchen Mr. Wint und Mr. Kidd. Leider stirbt Kaufmann rasch, und es folgt die Flucht mit dem BMW durch das Parkhaus. Naja, Action as usual. Bond lässt den Wagen ferngesteuert ins Fenster einer „Avis“-Autovermietung krachen. Schleichwerbe-Auftrag ausgeführt!

67. Minute: Bei der Untersuchung des gesunkenen britischen Zerstörer vor der Küste Vietnams begegnet Bond Wai Lin wieder (und Mr. Stamper, der beide in den Carver-Wolkenkratzer in Saigon verschleppt). Der Mann tut was für die vietnamesische Infrastruktur, so viel ist sicher. Carver bastelt schon wieder an Schlagzeilen, die es noch nicht gibt („Bond tot“, „China macht sich kriegsbereit“, „Sack Reis fällt um“) und will Bond töten lassen, doch Bond und Wai Lin springen aus dem Fenster (74. Minute) und sausen an einem übergroßen Carver-Poster an der Außenwand herab, das sie dabei mittendurch reißen. Schöner Moment für die Ewigkeit!

Weitere Flucht in Ketten auf einem BMW-Motorrad durch den Basar (hier lässt „Octopussy“ grüßen). Dass dabei ein Hubschrauber im Tiefflug mitmischen muss, ist wieder mal das trostlose Quantum ZUVIEL an Aktion. Ab Minute 82 erleben wir die „chinese martial arts“-Einlage von Michelle Yeoh (warum nicht?). Danach geht es an die Jagd nach dem Tarnschiff, mit dem Carver seinen Atomschlag gegen China führen möchte (und das alles für ein bisschen Aufmerksamkeit).

Auf dem „Stealth“-Schiff dann großes Get-Together aller Bösewichter und Einstimmung auf das Finale (ab Minute 90). Anstatt in seinem Büro zu hocken und Meldungen zu tippen, wuselt Carver wieder mal persönlich mitten im Geschehen herum, macht alle nervös – und erschießt sogar noch seinen Henchman Gupta (97. Minute). Was ist denn das für eine Personalpolitik?

Der Rest ist Knallen. Bond lässt Carver in den Unterwasserbohrer laufen. Und Stamper in einer Explosion stehen. Rettet Lin. Und in diesen letzten Minuten… geht meine DVD kaputt! Echt wahr. Selbstzerstörung! Kein Wunder. Danke.

Fazit:

Tolle Frauen, skurrile Henchmen, aber handlungstechnisch die bislang blamabelste Bond-Grütze (denn „Ein Quantum Trost“ kommt schließlich noch… kann man den nicht einfach mit einem langgezogenen Entsetzensschrei kommentieren… ich überleg mir das…).

Mit Brosnan als Bond werde ich nicht richtig warm. Diese Filme sind… SEELENLOS. Alles ist hier so technisiert und effizient und perfekt… Bond fehlt eine Haltung (außer der ein scheißguter DIENSTLEISTER zu sein). Aber so waren auch die 90er Jahre. Der eiskalte Zeitgeist ist der wahre Superschurke der vier Brosnan-Bonds.

“Der Morgen stirbt nie” hat ein Gutes: Er hält sich immerhin mal unter zwei Stunden Laufzeit. Ich frage mich, ob dieser Film als Parodie/Seitenhieb auf die realen Medienbosse Rupert Murdoch und Robert Maxwell gedacht war. Maxwell war sechs Jahre zuvor unter mysteriösen Umständen auf seiner Yacht zu Tode gekommen. In chinesischen Gewässern womöglich?

 

Der Morgen stirbt nie (1997)

Originaltitel: TOMORROW never dies

Regie: Roger Spottiswoode

Musik: David Arnold / Titelsong: Sheryl Crow

James Bond: Pierce Brosnan / Frank Glaubrecht

Eliot Carver: Jonathan Pryce / Lutz Mackensy

Paris Carver: Teri Hatcher / Marion von Stengel

Wai-Lin: Michelle Yeoh / Arianne Borbach

Stamper: Götz Otto

Dr. Kaufmann: Vincent Schiavelli / Eberhard Prüter

Gupta: Ricky Jay / Roland Hemmo

Adm. Roebuck: Geoffrey Palmer / Wolfgang Völz

Jack Wade: Joe Don Baker / Klaus Sonnenschein

Robinson: Colin Salmon / Detlef Bierstedt
und

M: Judy Dench / Gisela Fritsch

Q: Desmond Llewellyn / Manfred Schmidt

Moneypenny: Samantha Bond / Anita Lochner

 

 

Popkulturelle Differenzen

kehrt zurück

mit

The World Is Not Enough

DoubleDSexy01Volltreffer

Die Vorhersage von morgen…

Eigentlich von heute für morgen, aber wer würde so spitzfindig sein? Ich, okay, da haben Sie natürlich recht. Also werfen wir einen kleinen Blick in die Zukunft – im wahrsten Sinne des Wortes. Und sogar im doppelten Sinne. Denn uns stehen mehrere Science Fiction Filme ins Haus und wenn man über etwas hervorragend spekulieren kann, dann doch wohl darüber!

Star Wars 7

Zum derzeitigen Zeitpunkt kann man noch nicht viel über den Film sagen, aber ich wage eine Prognose, wie die Kritiken ausfallen werden. Etwas frühzeitig, finden Sie? Nun, definitiv. Aber ich würde gerne sehen, ob ich recht habe. Abgesehen davon behaupte ich mal – was zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt gegeben wurde – dass Max von Sydow Obi-Wan Kenobi spielen wird, weil seine Besetzung für diese Rolle durchaus einen gewissen Sinn ergeben würde… aber schauen wir mal, ob ich mich da nicht irre.

Kommen wir zu den Kritiken des Films, die da kommen werden. Ich behaupte, sie werden sagen, dass der Film besser ist als Episode I-III. Das ist keine sehr gewagte Behauptung, denn George Lucas hat mit seinen drei Prequels die Latte so dermaßen tief gehängt, dass der Film fast zwangsläufig nur besser sein kann! (Auch da besteht die Möglichkeit, dass ich mich irre… besonders, seitdem wir „Star Trek Into Darkness“ gesehen haben!) Also werden die Kritiken ihn schon (und vielleicht nur) deswegen loben… ob das nun stimmen mag oder nicht.

Da J.J. Abrams Regie führt, wird der Film wahrscheinlich zum Großteil aus Laufen, Springen, Schreien bestehen, aber so sind Filme heute nun mal. Es ist unwahrscheinlich, dass er so schlecht ist wie die Prequels und es ist unwahrscheinlich, dass er so gut ist wie die ersten beiden alten („Jedi“ lassen wir mal außen vor). Das Schlimmeste, was man möglicherweise über ihn wird sagen können, ist, dass er irgendwie… unbedeutend ist. Und die Gefahr ist durchaus da. Zumal sie durch eine andere Gefahr verstärkt wird: Möglicherweise wird man versuchen, es den Fans der alten Filme recht zu machen… und den Fans der neuen Filme… und den Fans der „Clone Wars“. Wir wissen alle, wenn man versucht, es möglichst vielen recht zu machen, kommt meist Murks dabei raus. Also kann es durchaus so kommen, dass man versucht, es allen recht zu machen und macht es dabei niemandem recht. Ein Kompromiss ist eben, wenn anschließend niemand zufrieden ist. Ich bitte das nicht als Vorverurteilung anzusehen, sondern als reine Möglichkeit, was passieren kann. Also, lassen wir uns überraschen… und schauen hinterher, ob ich mit irgendeiner meiner Prognosen richtig lag.

Avatar 2 bis 15

Ganz ehrlich, zu „Avatar“ hab ich eigentlich nicht viel zu sagen. Ich bin kein großer Fan des ersten Teils, aber, obwohl ich die Handlung banal und öde finde, muss ich Cameron hier von einem Standpunkt aus in Schutz nehmen: Er hat eine Menge Geld in etwas gesteckt, dass toll aussehen soll. Und das tut es. Tricktechnisch ist der Film großartig. Wenn man aber eine Menge Geld in etwas investiert, dann will man auch gerne was davon zurückbekommen. Und, seien wir ehrlich, das tut man nicht, wenn man eine originelle Geschichte erzählt! Originelle Geschichten sind Kassengift, wenn man erfolgreich sein will, muss man die Handlung so flach und blöd wie möglich halten. Das hat er hier gemacht und das hat – finanziell – super funktioniert.

Was die Fortsetzungen angeht, so gäbe es eine Möglichkeit, in der sich James Cameron als großartiger… Künstler erweisen könnte. Für gewöhnlich, wenn der erste Teil erfolgreich war und man dann eine Trilogie ins Auge fasst, kann der zweite Teil nicht für sich allein stehen, sondern endet so, dass er durch den dritten Teil aufgelöst werden muss (war bei „Star Wars“ und „Herr der Ringe“ so, dürfte aber auch bei „Fluch der Karibik“ so gewesen sein). Cameron würde unglaublich in meiner Achtung steigen, wenn er dieses Korsett durchbrechen würde. Die Fans gucken sich das sowieso an, also braucht er auf diesen Zug nicht aufzuspringen. Wenn er es also tatsächlich wagen würde, dass Teil 2 eine in sich geschlossene Handlung hat und Teil 3 eine weitere, in sich geschlossene, so dass die Filme auch einzeln stehen könnten, das wäre… wirklich cool.

Star Trek…

Ach komm, machen wir uns nichts vor, bei „Star Trek“ werden sie, weil ihnen nix neues einfällt, obwohl sie sich die Basis dafür geschaffen hatten, neue Wege zu beschreiten (welche Ironie, welche Verschwendung) wahrscheinlich in einem der nächsten Filme die Borg als Gegner auftauchen lassen… seufzzzzz!

Die nackte Kanone

Und dann scheint es noch Gerüchte zu geben, dass Ed Helms in einem neuen „nackte Kanone“ Film möglicherweise die Rolle des Frank Drebin übernehmen soll? Nicht, dass man da gegen Leslie Nielsen nicht nur verlieren kann (es sei denn, man geht in eine völlig andere Richtung und macht daraus einen ersten Film… hmmm), aber ich hätte da einen Besetzungsvorschlag für Nordberg: Oscar Pistorius! Immerhin war es in den anderen Filmen Sportler und Frauenmörder O.J. Simpson, also wäre der Südafrikaner doch der perfekte Kandidat für die Rolle… obwohls vielleicht n bisschen Typecasting wäre. Aber lustig wärs schon – und das wird der Film ja wohl wahrscheinlich eher nicht werden. Naja, schauen wir mal, was die Zukunft so bringen wird!

Halb_Fiction330

von Martin Cordemann