Sag niemals nie

Die große James Bond Retrospektive

Der „Nichtoffizielle“, der erste (und bislang einzige) Bond Film mit einem Original Bond Darsteller, der aber nicht von EON produziert wurde. Ja, Sean Connery ist zurück – zum zweiten und endgültig letzten Mal (auch wenn der Titel anderes vermuten lassen könnte). Da dies kein „richtiger“ Bond ist… nein, das würde der Sache nicht gerecht. Dieser Film ist „richtiger“ als alle Craigs zusammen. Also noch mal: Da dies kein „offizieller“ Bond ist, fehlen ihm die Originalschauspieler (zu dieser Zeit Desmond Llewellyn für Q und Lois Maxwell für Moneypenny) und, was schwerer wiegt, die Rechte am James Bond Thema. Was zur Folge hat, dass wir es in diesem Film nicht hören werden. Es gibt auch keinen Teaser in dem Sinne, der Film beginnt mit einer Actionsequenz, über der der Vorspann läuft. Da wünscht man sich doch manchmal, dass man jetzt, wo die Rechte für alle Bonds bei Sony liegen, eine alternative Fassung des Films erstellen würde, mit Gunbarrel, Teaser, Vorspann und Bond Thema… doch das wird wohl immer eine Phantasie bleiben.

Klau niemals nie

Das Titellied ist… na ja, es gibt besseres, sein wir ehrlich. Der ganze Soundtrack erreicht nie die Qualität eines John Barry – aber gut, welcher Bond Soundtrack tut das schon? Und trotz allem, bzw. trotz allem was fehlt, fühlt sich der Film für mich wie ein Bond Film an – was keiner der drei Craigs schafft. Das liegt natürlich vor allem an Connery, der in dem Fall einfach Bond ist. Und, ganz ehrlich, dann kann man es sich erlauben, auf das Bond Thema zu verzichten und erzielt trotzdem das richtige Bond Feeling – bei Craig kann man das nicht!

Wie bereits an anderen Stellen erwähnt, war dieser Film Fundgrube für die Macher der „Originale“. Elemente wie ein neuer, völlig anderer M, eine entführte Frau, die auf die Seite ihrer Geiselnehmer wechselt, der Gag einer Verwechslung mit einem Gadget bei Q, ja, vielleicht sogar ein Action-Einsatz, der sich im Nachhinein als Übung herausstellt (die sehr schöne Ego-Shooter-Sequenz in „Stirb an einem anderen Tag“) – all das findet sich hier, bevor es sich in der „richtigen“ Reihe wieder findet.

Die hat übrigens, ich unterließ, es zu erwähnen, mit „Stirb an einem anderen Tag“ den Kanon beendet. Die Reihe, die mit „Dr. No“ begann ist damit (bislang) offiziell (oder inoffiziell, aber auf jeden Fall) zu ende. Denn „Casino Royale“ macht uns klar, dass dieser Bond mit dem, den wir bis dahin kannten, nichts zu tun hat… aber das klären wir alles beim nächsten Mal. Reichen wir noch eine kleine Übersicht nach:

Die Doppelnull-Agenten in Zahlen und Toden

008 – übernimmt, wenn Bond stirbt (Goldfinger)

002 – Bill Fairbanks, erschossen von Scaramanga (Der Mann mit dem goldenen Colt)

009 – Tod in Ost-Berlin (Octopussy)

003 – Tod im Eis (Im Angesicht des Todes)

002 – Übung auf Gibraltar (Der Hauch des Todes)

004 – stirbt bei Übung auf Gibraltar (Der Hauch des Todes)

008 – „befolgt Befehle“ ohne Fragen zu stellen, befindet sich in Hongkong (Der Hauch des Todes)

006 – Alec Travelyan, Kollege von Bond, dann Verräter, dann tot (GoldenEye)

009 – sollte Renard töten (Die Welt ist nicht genug)

Aber zurück zum Thema

Auch wenn er offiziell keiner ist, so hat „Sag niemals nie“ doch zumindest eine Eigenart eines Original-Bonds angenommen: Er ist eine Spur zu lang. (Die deutsche Fassung war übrigens geschnitten, wenn ich das richtig verstanden habe, weil Filme der Firma Orion damals nicht länger als 120 Minuten sein sollten – damit man sie auf eine 120 Min Videokassette spielen konnte und für den Verkauf des Films keine längeren Bänder brauchte.) Was diesen Film angeht ziehe ich aus irgendeinem Grund die deutsche Fassung vor und finde sie angenehmer als die englische, liegt vielleicht an Gerd Günther Hoffmann.

Schön ist, dass sich dieser Film teilweise selbst ironisiert. M hält zum Beispiel Bonds Erklärung, dass sich jemand eine Kopie des Auges des Präsidenten hätte implantieren lassen, für völlig unrealistisch. Darüber hinaus beschäftigt sich dieser Film noch mit etwas anderem: Einem gealterten Bond. „Skyfall“ gibt auch vor, das zu tun, doch da jener Bond gerade mal seinen dritten Film nach einem Neustart bewältigt, wirkt das dort doch eher unglaubwürdig, während es bei Urgestein Connery perfekt passt. Damit ist dies – auf die eine und die andere Weise – ein Abgesang auf Bond, der letzte Einsatz des alten Helden, der noch einmal ausrückt, um die Welt zu retten und sich dann mit einem Mädel, das halb so alt ist wie er, auf einer sonnigen Insel zur Ruhe zu setzen… was auch der Grund ist, warum dieser Film erst an dieser Stelle besprochen wird. Er schließt die Reihe ab und er schließt sie ab mit dem Bond, mit dem sie begonnen hat. Ein angemessenes Ende.

Verabschieden wir uns also an dieser Stelle von Sean Connery und bedanken uns für seine gute Arbeit, denn ohne ihn würde es James Bond heute möglicherweise gar nicht mehr geben!

 — Martin Cordemann alias Null Null PeeWee Ende —

— es folgt Sonderbericht von Tillmann Courth alias Null Null Tilly —

Der Außer-der-Reihe-Bond von 1983, der seinerzeit parallel zu „Octopussy“ in den Kinos lief. Das sorgte für eine Menge Schlagzeilen und einen unvermeidlichen Vergleich Connery-Moore. Zwei jüngere Umfragen werten diesen inoffiziellen Beitrag zum Bond-Kosmos als mittelmäßig bzw. miserabel. Ich hab den ewig nicht gesehen, bin sehr gespannt. Also… Bitte!

Sehr hübsche Eröffnung: Wir erleben 007 im Einsatz, aber es war nur ein Sondertraining. Anschließend wird Bond von M (dargestellt von Edward Fox, wunderbar, ich liebe den Mann) zusammengefaltet, getriezt und durch eine Ärztemühle gedreht (erwähnt werden „Urinprobe, Darmspiegelung, Petersilien-Tee“). Er sei noch immer nicht wieder bereit für einen echten Einsatz.

In der Klinik vernascht Bond nicht nur die Therapeutin und schmuggelt Kaviar und Foie Gras, sondern bekommt auch vom kriminellen Treiber der Gruppe SPECTRE Wind. Einem englischen Piloten hat man die Netzhaut-Kopie des US-Präsidenten transplantiert. Damit werden später Nuklearsprengköpfe gestohlen (Handlung siehe „Feuerball“).

Die Gymnastikraum-Prügelei mit dem Killer (18. Minute) erinnert mich an „Goldfinger“ und „Liebesgrüße“ bzw. deren Henchmen Oddjob und Mr. Grant. Die Unschädlichmachung des Gegners mit der eigenen Urinprobe ist natürlich pure Comedy. Aber geile Comedy! Ich mag den Film jetzt schon! Irvin Kershners Regie ist so exzellent wie elegant und schließt in Sachen Humor nahtlos bei Guy Hamilton an. Welche Freude!

Die Szene mit dem Augenscan (Minute 23) ist ziemlich creepy und war mir seinerzeit in Erinnerung geblieben (ich hatte sie allerdings in „Feuerball“ erwartet). Kompliment auch an das „bad girl“ des Films, Fatima Blush alias „Nummer 12“ – die hat Spaß am Bösesein und ist toll gestylt (dieser fedrige Pelzumhang!). Fatima ist Barbara Carrera, nicht zu verwechseln mit Tia Carrere (ich kann sie aber auch nicht auseinanderhalten).

Während Blofeld die NATO per Videobotschaft erpresst, ist Bond schon auf der Spur des Verantwortlichen: Largo, „Nummer 1“ bei SPECTRE und außerdem noch Supermime Klaus-Maria Brandauer. Der busselt soeben sein Schätzchen Domino ab (Kim Basinger, die wir als „Jazz Dance“-Mäuschen in Filmminute 36 vorgestellt bekommen. Brandauer legt seinen Schurken als sexuell aktiven Goldfinger an und macht das mit hinterhältigem Charme.

42. Minute: Der junge Rowan Atkinson ist Bonds Helfer auf den Bahamas und beweist mühelos, dass „comic relief“ mit den richtigen Leuten ein Kinderspiel ist. Bond bandelt mit Fatima an (46. Minute), die ihn danach den Haien zum Fraß vorwirft. Wieder mal gut gemachte Unterwasser-Action mit Haifischen, DEM Haustier im Bond-Universum.

Nächste Station ist Nizza, wo sich die „Créme de la Crime“ trifft. Bond macht sich undercover als Masseur an Domino ran (59. Minute). Eine herrliche Überraschung ist die klassische Kasinoszene (Minute 65), die uns in ein Hinterzimmer führt, in dem eine wüste und bunte Spielhalle mit Videogames steckt! Überm Gefiepe aus den Automaten flirtet Bond Domino an. Largo platzt dazwischen – und es folgt die groteske Spielszene an Largos Videogame „Domination“, bei welchem der Verlierer Stromschläge erleidet. In zweitem Anlauf gewinnt Bond und bedingt sich einen Tanz mit Domino aus. Den gibt es groß inszeniert ab Minute 74 (und er lässt mich kurz an die Apachentänze aus der „Addams Family“ denken).

Bond verklickert Domino die Wahrheit über Largo, und Largo gibt Fatima nochmal die Chance für ein Attentat auf Bond. Die Entscheidung fällt nach der Verfolgungsjagd mit dem Supermotorrad. Fatima diktiert Bond einen Schrieb, der sie als beste Liebhaberin seiner Karriere ausweist (84. Minute), doch Bond nutzt den Explosiv-Füllfederhalter von Q und sprengt das böse Weib ins Jenseits. Bizarrster Bond-Tod ever, oder? Tot, weil sie noch ne Quittung wollte?! Aber auch höchst originell…

Unklar ist mir, weshalb Largo Bond (der sich an Bord geschlichen hatte) auf seiner Yacht herumlaufen und frei gewähren lässt (zudem knutscht er mit Domino, um Largos Eifersucht zu provozieren). Aber es geht ins Finale nach Nordafrika, auf Largos Landsitz Palmyra. Jetzt macht Largo Nägel mit Köpfen: Bond festnehmen und in einen Kerker mit Geiern werfen, Frau an den Marterpfahl fesseln und an die wilden Beduinen verkaufen! Geht doch.

Bond kann sich befreien und errettet Domino als Ritter hoch zu Pferde (Minute 102). Achten Sie bitte auf den sich anschließenden Sprung mit Pferd ins Wasser (miese Tricks, Basinger schon wieder halbnackt). Halt, jetzt erst kommt das Finale (hatte ich vergessen/verdrängt): Entschärfung der Atombombe und „Indiana Jones“-artiger Showdown im unterirdischen, antiken Tempel.

Nochmal Halt, JETZT kommt das Finale (Minute 120) – Largo gegen Bond unter Wasser, Mann gegen Mann. Und es erledigt ihn nicht Bond, sondern Domino (wie in „Feuerball“). Das kommt allerdings SEHR überraschend und totally out of the blue, wer hat denn die Frau hier reingelassen?!

Fazit: „Sag niemals nie“ ist ein feiner Spaß für jeden Bond-Fan, auch wenn er die üblichen 15 Minuten zu lang ist. Connery als alternder Agent hat den Bogen noch raus, Brandauer als Bösewicht sehenswert, Carrera als (einziger!) Henchman ist fabelhaft, nur mit Basinger hadere ich. Die ist mir (immer) zu Barbie-haft. Dass sie andauernd viel Haut zeigen muss, vermindert diesen Eindruck nicht gerade. In der alten Fassung schien mir die Figur der Domino schlüssiger und sogar charaktertiefer.

Und noch eine Erkenntnis: „Feuerball“ geht auch ohne Unterwasserschlacht!

Sag niemals nie (1982/83)

Originaltitel: Never say Never again

Regie: Irvin Kershner

Musik: Michel Legrand / Titelsong: Lani Hall

James Bond: Sean Connery / G.G. Hoffmann

Largo: Klaus Maria Brandauer

Domino: Kim Basinger / Traudel Haas

Fatima Blush: Barbara Carrera / Ursula Heyer

Felix Leiter: Bernie Casey / Edgar Ott

Nigel Small-Fawcett: Rowan Atkinson / Andreas Mannkopff

Blofeld: Max von Sydow / Wolfgang Kieling

und

M: Edward Fox / Jürgen Thormann

Q: Alec McCowen / H.T. Branding

Moneypenny: Pamela Salem / ???

Nachsynchro für die DVD-Veröffentlichung:

James Bond: Sean Connery / Engelbert v. Nordhausen

Domino: Kim Basinger / Evelyn Maron

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