Neu auf DVD: 7th Floor

Eine Horror-Situation: Kinder und Vater liefern sich ein Rennen Treppe gegen Aufzug – doch die Kinder kommen niemals unten an. Was ist passiert? Wo sind sie? Was ist mit ihnen geschehen? Lange Zeit ist man, Zuschauer und Hauptfigur gleichermaßen, im Ungewissen. Doch nach und nach erfährt man, was passiert ist…

Ort der Handlung

Ein Großteil der Handlung spielt nur an einem einzigen Ort: In dem mehretagigen Haus, in dem die Kinder verschwunden sind. Alles ist auf diesen einen Ort fixiert. Was eine schöne Metapher ist, denn der Schauplatz ist genauso beschränkt, wie es unser Wissen ist. Wir sind umgeben von Wänden und wir wissen nicht, was dahinter ist. Erst, wenn wir die Wände durchbrechen, erfahren wir die Wahrheit…

Ein spanischer Film, der mit relativ geringen Mitteln viel erreicht. Seine Spannung kommt zunächst aus der Ungewissheit, dann aus der Unfähigkeit, mit den Dingen fertig zu werden.

Das Making-of gibt interessante Einblicke in die Entstehung des Films.

Fazit

Lohnenswerter Thriller, der es nicht verdient, dass er einfach sang- und klanglos untergeht, bevor er irgendwann als amerikanisches Remake in die Kinos kommt und sich alle auf die Schenkel klopfen, wie toll sie das doch gemacht haben. Also lieber das Original schauen, das am 22.7.2014 auf DVD erscheint!

Neu auf DVD: House of Cards – Die komplette dritte Mini-Serie

Nein, das ist nicht die dritte Staffel mit Kevin Spacey – es ist die dritte Staffel des ORIGINALS! Theoretisch könnte man an dieser Stelle die Frage stellen, ob es denn ein Remake ist, wenn beides auf der selben literarischen Vorlage basiert. Doch das müssen wir in diesem Fall nicht tun. Denn die amerikanische Fassung von „House of Cards“ orientiert sich so sehr an der BBC-Serie, dass man da nur von einem Remake sprechen kann. Das mag inhaltlich vielleicht in eine andere Richtung gehen, aber die Art, in der die Hauptfigur Francis Urquhart (britisch) / Underwood (amerikanisch) in die Kamera und damit zum Zuschauer spricht, ist einfach von der britischen Fassung übernommen, so dass die Frage nach Original und Fälschung ziemlich leicht zu beantworten ist.

Politthriller, gewürzt mit bösem Humor

Francis Urquhart ist ein Dreckskerl, um es einmal ganz deutlich zu sagen. Und er geht über Leichen, nicht nur im übertragenen Sinne. Während er sich in den ersten beiden Staffeln der BBC-Serie langsam zum Premierminister hochgearbeitet hat, ist er hier nun im Amt und verfolgt das Ziel, länger Landesoberhaupt zu sein als Maggie Thatcher. Nebenbei gibt es noch ein paar Intrigen zu spinnen… und da fängt es an, ein bisschen Angst zu machen. Denn das, was wir hier zu sehen bekommen, ist erschreckend aktuell. Großbritannien, das sich von Europa trennen will – klingt doch irgendwie vertraut. Viel schlimmer erscheint aber noch das, was gegen Ende der Staffel passiert, denn das erscheint aus heutiger Sicht wie eine Art Parodie auf den zweiten Golfkrieg – nur, dass es lange davor geschrieben wurde. Denn um sich im Amt zu sichern, bricht der Premier einen unnötigen Krieg vom Zaun (bei dem auch Öl eine Rolle spielt), weil in Kriegszeiten niemand gegen ihn opponieren wird… Da scheint es fast so, als habe man sich genau diese Episode als Grundlage beim zweiten Golfkrieg genommen und sie exakt imitiert.

Es gibt auch noch eine Hintergrundgeschichte über Kriegshandlungen auf Zypern, in die Urquhart verwickelt war – spekulieren wir mal, dass das in der dritten Staffel von Kevin Spaceys amerikanischer Variante dann ein Ereignis aus dem zweiten Golfkrieg sein wird? Oder Afghanistan? Denn für Vietnam dürfte Spacey wohl zu jung sein. Und davon, dass die grobe Handlungsstruktur dieser Staffel auch für die dritte Staffel des Remakes verwendet werden wird, dürfte man wohl ausgehen können. Gibt es also einen Grund, sie jetzt in dieser Form zu sehen, statt auf die amerikanische Fassung zu warten? Ja, und mehr als einen!

Britische Serien sind von der Episodenanzahl her meist eher kurz. Eine Staffel mit 13 Folgen zu finden dürfte eher die Ausnahme sein (ist bei „Doctor Who“ der Fall, aber das erscheint da schon fast wie eine Anpassung an den amerikanischen Markt). „House of Cards – Das letzte Kapitel“ umfasst 4 Folgen a 50 Minuten. Da ist die ganze Handlung drin, kurz und knackig. Die letzte Staffel der US-Variante umfasste 13 Folgen a ca. 50 Minuten. Man muss also davon ausgehen, dass sie das Material, das hier für 4 Folgen gut ist, so sehr aufblasen müssen, um 13 Folgen zu füllen – und dann kann so was schnell ein wenig dünn werden.

Urquhart vs. Underwood

Und dann sind da noch die beiden Hauptdarsteller. Kevin Spacey ist großartig, keine Frage. Und es ist schön, dass er wieder eine Rolle spielen darf, die etwas vielschichtiger ist, so wie zu Beginn seiner Karriere. In seinen letzten Filmen war er meist eher auf das einfache Arschloch abonniert, was ihn bei seinen Fähigkeiten eigentlich unterfordern sollte. Mit Francis Urquhart, äh, Underwood hat er dagegen wieder etwas, aus dem er mehr herausholen kann. Aber ob er mit Ian Richardson mithalten kann? Nun, er könnte vielleicht gleichauf ziehen, aber Richardson ist in dieser Rolle einfach brillant. Er, der Mann, der Sherlock Holmes war, kann hier seine ganze Bandbreite ausspielen. Freundlich, verführerisch, ironisch und böse – er trifft alle Töne und es scheint ihm eine diebische Freude zu bereiten, durch die Kamera den Zuschauer direkt anzusprechen. Ich glaube, wenn ich die Wahl hätte, in diesem Fall würde ich Richardson den Vorzug geben.

Endlich auf Deutsch

Die Besonderheit dieser DVD-Box ist, dass damit erstmals die dritte Staffel der BBC-Serie auf Deutsch vorliegt. Unter den Titeln „Ein Kartenhaus“ (1990) und „Um Kopf und Krone“ (1996) liefen die ersten beiden Staffeln im deutschen Fernsehen. Doch vom „letzten Kapitel“ keine Spur. Man muss wohl also dem Erfolg des Netflix-Remakes danken, dass es nun endlich auch diese Staffel nach Deutschland geschafft hat. Durch die fast 20jährige Verzögerung in der Bearbeitung kommt es aber leider zu einer drastischen Umbesetzung. Zuvor wurde Ian Richardson von Reinhard Glemnitz gesprochen (der u.a. hervorragend als König Theoden in „Der Herr der Ringe“ war). Das ist hier nun nicht mehr der Fall. Die Gründe für eine derartige Umbesetzung liegen meist irgendwo zwischen „klingt jetzt zu alt“, „ist zu teuer“ oder „lebt in der falschen Stadt“; was es hier war, kann ich leider nicht sagen. Statt seiner hört man für Richardson nun Erich Räuker – was gleichermaßen witzig wie traurig ist. „Keine Nach- oder Neusynchro ohne Erich Räuker“ könnte man fast sagen, ist der Schauspieler, der für Colonel O’Neill bei „Stargate“ wohl am bekanntesten sein dürfte, so ziemlich in jeder Nachbearbeitung von „Star Trek“ bis James Bond, von Clint Eastwood („Zwei glorreiche Halunken“) bis zu Paul Newman (in der DVD-Fassung von „Flammendes Inferno“) zu hören. Er ist ein guter Sprecher, aber für Ian Richardson finde ich ihn nicht perfekt gewählt. Da hätte sich, wenn Glemnitz schon nicht zur Verfügung steht, vielleicht eher jemand wie Holger Mahlich angeboten, der in der Nachbearbeitung der fehlenden Staffeln von „Mit Schirm, Charme und Melone“ Patrick Macnee übernahm. Den britischen Touch und den passenden Humor für diese Rolle hätte er also gehabt. Wobei ich eigentlich fast damit gerechnet hatte, dass man Till Hagen für die Rolle verpflichtet, der die Rolle (wie so viele andere) für Kevin Spacey so grandios ins Deutsche überträgt.

Bonus

Es gibt einen Audiokommentar zur ersten Folge mit Drehbuchautor Andrew Davies und Hauptdarsteller Ian Richardson. Der hat zwar leider einige Lücken, ist ansonsten aber durchaus ganz interessant und gibt ein wenig Hintergrund zu Anspielungen in Zitaten, zur Serie und zum britischen Fernsehen.

Fazit

Spannend, böse, witzig – britischer Politthriller vom Feinsten. Am besten in dieser eher „komprimierten“ Fassung gucken, bevor es für den amerikanischen Markt verwässert wird. Die DVD/Blu-ray ist ab 15.7.2014 im Handel.

Bond Trivia – Die Antworten

Die große James Bond Retrospektive

Und hier die Auflösungen.

Der einzige Bond Darsteller, der im Laufe der Serie keinen Aston Martin fährt, ist Roger Moore – aber er holt es in „Auf dem Highway ist die Hölle los“ dann nach.

Und beim nächsten Mal gibt es eine Bonus-Episode!

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Neu im Kino: Tammy – voll abgefahren

Eigentlich hätte der Film ja „Tammy – fett abgefahren“ heißen müssen, denn… Gibt es wirklich Leute, die glauben, dass dicke Leute lustig sind, weil sie dick sind? Nun, irgendwie drängt sich der Verdacht auf, denn „Cuban Fury“ mit (dem dicken) Nick Frost war nicht witzig und dieser Film (von und) mit Melissa McCarthy ist es leider auch nicht – es sei denn, Ihnen reicht Körperfülle für Humor? Dann fahren Sie mit „Tammy – voll abgefahren“ richtig, denn

Die Handlung

ist: dicke und alte Frau fahren mit dem Auto durchs Land. Also quasi ein Roadmovie für alle Generationen und Körperumfänge. In vieler Hinsicht ist das alles ein wenig traurig. Das Pressematerial gibt es leider als „Komödie“ an. Hätten sie „Film“ geschrieben oder auch „Roadmovie“, hätte man selbst zu seiner Meinung kommen können, ob das ganze witzig gemeint gewesen sein soll. Laut Info soll es und das lässt sich dann leider nicht so einfach übergehen.

Warum ist das traurig? Zum einen, weil der Film eine großartige weibliche Besetzung hat: Melissa McCarthy, Susan Sarandon, Kathy Bates, Allison Janney und Toni Collette. Und was macht er damit? Nix! Die großartige Allison Janney aus „The West Wing“ ist ebenso verschwendet wie die wunderbare Toni Collette. Für beide Rollen hätte man irgendwen nehmen können. Und das tut ein bisschen weh. Dass Dan Aykroyd nur einen kurzen Auftritt hat, lässt sich verschmerzen, aber in einem derartigen Frauenfilm derartige Frauen zu verschwenden, ist eine Schande. Da beschweren sich einige, dass es nicht genug gute Rollen für Frauen gibt – dieser Film hier, der von einer Frau mitgeschrieben wurde, ändert nichts daran.

Und damit sind wir auch schon bei „und zum anderen“: Melissa McCarthy war wunderbar in „Gilmore Girls“ und ist es in „Mike & Molly“ – aber dies ist ihr zweiter Ausflug ins Kino den ich gesehen habe und es war beide Male furchtbar. Das erste Mal war „Voll abgezockt“, ebenfalls als Komödie deklariert, aber eher im Sinne von moderner Neil-Simon-Folter anzusehen, die angeblich witzig ist, aber eigentlich nur weh tut. Dort mochte es nicht ihre Schuld gewesen sein, aber hier ist sie laut Vorspann mit fürs Drehbuch verantwortlich – und das ist schlicht nicht gut. Die Dialoge sind ungeschliffen, da, wo witzige Antworten hätten kommen können, bleiben sie aus, viele Dialoge wirken redundant, ungelenk und unwitzig. Das würde also zu der Schlussfolgerung verleiten, dass McCarthy großartig sein kann, wenn andere für sie schreiben (außer neumodische Neil Simon-Imitatoren). Ihr hier mit dem Drehbuch das Steuer in die Hand zu drücken, erscheint mir wie ein Fehler. Es ist wie bei Comics: Nicht jeder großartige Comiczeichner ist auch ein guter Comicautor! Und nicht jeder gute Schauspieler ist auch ein guter Drehbuchautor! Insofern ist hier ein großer Teil für dieses Desaster (im Englischen würde sich anbieten, zu sagen, dass hier aus „Roadmovie“ „Roadkill“ wird) leider tatsächlich ihr anzulasten.

Einen Link zu einem Making of Clip gibt es hier.

Fazit

Gehen Sie lieber gepflegt essen. Davon wird hier fast so viel weggeworfen wie bei einer Essensschlacht in „Animal House“. Trotz allem ab 3. Juli 2014 im Kino.

Neu auf DVD: Shocking Shorts 2014

Sammlungen von Kurzfilmen verschiedener Regisseure haben meist den Vorteil, dass sie abwechslungsreich sind, aber auch oft den Nachteil, dass man eben alles mit dabei hat: Vom großartigen Film bis hin zu irgendwas, mit dem man gar nichts anfangen kann – oder das einfach Schrott ist. Die „Shocking Shorts 2014“ bilden da eine überraschende Ausnahme, denn hier bewegt sich das meiste auf ziemlich hohen Niveau und man hat bei keinem Film das Gefühl, dass er schlecht oder langweilig wäre – oder, kurz gesagt: Eine ziemlich gute Auswahl ziemlich guter Filme!

10 Kurzfilme zum Preis von einem

langen. Wie der Titel „Shocking“ und die Altersfreigabe ab 18 anzeigen, dürfte es in dem einen oder anderen Film recht blutig zugehen. Schön ist aber, dass es, wie sich das bei einer guten Kurzgeschichte so gehört, oft auch eine Schlusspointe gibt. Das geht über das schiere Zurschaustellen von Spezialeffekten oder Gemetzel hinaus. So muss das sein und so macht Kurzfilmgucken Spaß! Es sind, wie es bei so was immer ist, nicht alle Filme gleich gut (oder sie sprechen einen nicht gleich an), aber es gibt keine starken Ausschläge nach unten und das ist extrem positiv.

Natürlich ist es beeindruckend, zu sehen, was junge Filmemacher heutzutage visuell zustande bringen, aber, machen wir uns nichts vor, das Arbeiten mit digitaler Technik und dem Computer macht das Filmemachen weit einfacher, als wenn man sich mit einer Videokamera und Videorekordern herumschlagen muss – da müssen zwangsläufig bessere Ergebnisse bei herauskommen. Viel wichtiger für einen altmodischen Menschen wie mich ist aber, dass es auch eine Handlung gibt. Und das ist hier bei den meisten Filmen der Fall. Hier und da hätte ich mir noch die eine oder andere Dialogzeile gewünscht (beim ersten Film „Au Pair“ hätte sich ein „Ich liebe französisch!“ quasi aufgedrängt), aber im Großen und Ganzen ist das schon sehr schön. Ein paar Sprengsel Humor wären auch ganz schön gewesen, denn der bleibt hier, bis auf wenige Ausnahmen, ein wenig auf der Strecke – was gerade die Science-Fiction-Zukunfts-Gesellschaftssatire „die Prüfung“ zu einem kleinen Höhepunkt macht, jedenfalls für mich.

Tarantino lässt grüßen

Das (zugegebenermaßen etwas enttäuschende) Zusatzmaterial (ein kurzer Film über das Kurzfilmfestival „Shocking Shorts“ vom Vorjahr) sagt uns, dass Quentin Tarantino bereits für einen anderen Film (und Gewinner) Pate gestanden hat, da ist es also kaum überraschend, dass auch diese Anthologie an ein Werk von ihm erinnert, und wenn ich sage „erinnert“, meine ich: Mehr oder weniger von ihm geklaut ist. Zumindest in der Grundstruktur. Schön, kann man jetzt einwänden, vieles von dem, was er so macht, hat Tarantino selbst bei anderen geklaut – und das stimmt ja auch. Aber wenn man schon klaut, dann a) bei den Besten und b) auch das Beste von ihnen und nicht eine ihrer schlechtesten Arbeiten. So ist einiges des Films „Malik“ also der nicht besonders dollen Tarantino-Episode des nicht besonders dollen Gemeinschaftsfilms „Four Rooms“ entnommen, was die Originalität ein wenig schmälert. Für alle, die wissen wollen, was sie auf der DVD erwartet, hier mal

eine kleine Übersicht:

1) Au Pair

Regie: Marc Schießer

2) Dunkler Wald

Regie: Felix F. Walz

3) Vollnarkose

Regie: Johannes Furrer

4) Revolve

Regie: Andreas Olenberg, Nils Klatt

5) Anti Cupido

Regie: Andreas Pakull

6) Antlitz des Bösen

Regie: Jasmin Lord

7) Malik

Regie: Gregor Bös

8) Rotkäppchen: Eine Erzählung von Blut und Tod

Regie: Florian von Bornstädt, Martin Czaja

9) die Prüfung

Regie: Claudio Franke

10) Abbitte eines Mörders

Regie: Julian Cohn

Fazit

Wenn man Kurzfilme mag, sollte man zugreifen. Wenn man Abwechslung mag, auch. Hier bekommt man eine volle Packung von Filmen, die größtenteils sehr gelungen sind. Ab 10. Juli 2014 auf DVD.