Neu auf DVD: THE LAST DAYS ON MARS

Was für den Zuschauer wie eine gewöhnliche Mars-Mission beginnt, wandelt sich schnell zu einem Film, der auch den Titel tragen könnte:

Zombies auf dem Mars

Wir alle kennen die Situation: Da hat man Monate auf dem Mars verbracht und nix ist passiert, aber kaum kommt das Taxi, das einen abholen soll, da geht alles den Bach runter, die Kollegen mutieren zu Zombies und irgendwie versaut einem das dann doch die schöne Abschiedsstimmung. So in etwa passiert es auch Liev Schreiber in diesem Film. Es gibt eine Erklärung, warum die Leute zu Zombies werden, aber es gibt keine dafür, was die Zombies eigentlich vorhaben. Das ist eben das schöne an den Untoten (und ihren nahen Verwandten, denn natürlich fällt der Begriff Zombie nie), die brauchen nämlich keine Motivation für ihr Handeln. Der Hauptunterschied zwischen den meisten anderen Filmen dieses Genres ist jedoch, dass der Mensch diesmal nicht einfach davonlaufen kann, denn der Mars hat ja keine für Menschen atembare Atmosphäre und so ist die Flucht vor der Gefahr selbst mit Gefahren verbunden und dadurch weit schwieriger, als für gewöhnlich.
Wobei ich gestehen muss, dass ich den Schluss des Films nicht mochte. Nichts gegen ein offenes Ende, aber das hier ist mir ein bisschen zu Wischiwaschi.

Effekthascherei

Interessant ist, dass dieser Film unheimlich gut aussieht. Also jetzt nicht sexy, Baby, zieh dich aus mäßig (Nacktheit entfällt leider), sondern dass die Effekte unheimlich gut sind. Setzt man mal voraus, dass die Produktion ein weit geringeres Budget hatte, als, sagen wir mal, der letzte Riddick-Film, dann ist das durchaus beeindruckend. Denn hat man den ersten Film um den nachtsichtigen Mörder noch in ähnlicher Form gedreht, wie „Last Days on Mars“, nämlich in einer richtigen Wüste, hat man für Teil 3 offenbar auch nicht ein einziges Mal einen Fuß vors Studio gesetzt (außer vielleicht, um Kaffee zu holen, aber das sieht man im Film nicht). So sieht der dritte Riddick leider durchweg so aus, als hätte Vin Diesel von einer blauen (oder wahlweise grünen) Wand gestanden und als wären alle Hintergründe erst in der Nachbearbeitung eingebaut worden – was ja wohl auch genau das ist, was man gemacht hat. Leider sieht dadurch alles absolut unecht aus, was das Filmvergnügen durchaus schmälern kann.
Bei „The Last Days of Mars“ dagegen ist man eher vorgegangen wie bei „Pitch Black“: Man hat in einer echten Wüste (oder auf dem echten Mars?) gedreht – und das merkt man auch. Auf eine sehr positive Weise!

Bonus

Das Bousmaterial verrät uns in dem 5-Minüter über die Visuellen Effekte, dass weit mehr Effekte zu sehen sind, als man (ich) gedacht hätte. Denn selbst die Wüstenfahrzeuge stammen größtenteils aus dem Computer und wurden nachträglich eingebaut. Hut ab vor solchen Effekten, die denen von weit teureren Filmen in nichts nachstehen. Die B-Roll zeigt ein wenig was vom Dreh, nicht uninteressant sind aber die Interviews mit Regisseur und Besetzung, bei denen man das eine oder andere über die Handlung erfährt, das uns der Film selbst möglicherweise nicht sagt.

Fazit

Interessanter SciFi-Horrorfilm, der mit wenigen Dingen mehr erreicht, als teure Produktionen wie „Prometheus“. Ab 15. August 2014 als DVD, Blu-ray und Video on Demand erhältlich.

Bonus-Episode: OSS 117

All denjenigen, bei denen bei den Daniel Craig „Bonds“ nicht mehr so das rechte Bond Feeling aufkommen will, seien an dieser Stelle die OSS 117 Filme mit Jean Dujardin empfohlen. Wahrscheinlich verdankt schon der originale OSS 117 seine Existenz einer Figur namens James Bond 007 – seine merkwürdige Nummer lässt so etwas vermuten, doch eider kann ich zu den frühen Filmen dieses Bond Kollegen nicht viel sagen. Die beiden neuen sind jedoch, um es mit einem Wort treffend auszudrücken, herrlich. Und eine gewisse Ähnlichkeit zum frühen Bond ist unverkennbar – vor allem, und das ist das Schöne, bei Hauptdarsteller Jean Dujardin.

Müsste der Darsteller von James Bond nicht Brite sein, Jean Dujardin sollte die Rolle bekommen! Denn Dujardin hat eine großartige Ähnlichkeit mit Connery, man kleidet ihn in ähnliche Anzüge und er schafft es, ähnliche Gesten und Bewegungen zu machen wie der Schotte Ihrer Majestät.

Dabei sind die OSS Filme eher Komödien als Parodien. Teil 1 spielt in den 50ern, Teil 2 in den 60ern und ich hoffe wirklich, dass sie noch einen dritten Teil machen. Die Filme, Teil 1 sogar mit Teaser, sind mit einem guten Blick fürs Detail gemacht und weniger voller Anspielungen als voller guter Gags – obwohl es sogar schlechte Rückprojektionen gibt!

„Der Spion, der sich liebte“

Einerseits ist OSS 117 natürlich ein Superspion – andererseits aber auch ein kompletter Vollidiot. Er löst eigentlich kein Rätsel selbst und hinkt der Handlung stets hinterher, so wie dem Nazi mit dem Rollator… wobei das wiederum dem literarischen Bond eines John Gardner sehr nahe kommt, der eigentlich auch nie selbst irgendetwas herausfindet und dabei auf die Arbeit von anderen angewiesen ist. Im Gegensatz zu 007 weigert sich OSS 117 sogar, mit den schönen Frauen zu schlafen. Er tut es dann doch, aber mehr aus Höflichkeit.

Was man den Filmen hoch anrechnen muss, ist, dass sie ihr Publikum ernst nehmen – oder, um es so zu formulieren, nicht für dumm halten. Sie rechnen mit dem Gedächtnis der Zuschauer, so dass sie die Vorlage für einen Gag (Schnattern der Hühner bei Licht / der Plan eines Enten-Tretboots) am Anfang mal kurz am Rande einführen, dann aber nicht, wie es schlechte Filmemacher heute gerne tun, direkt ausschlachten, sondern erst später wieder darauf zurückgreifen. Da fühlt man sich als Zuschauer endlich mal wieder vernünftig behandelt.

Das ist allerdings etwas, das OSS mit niemandem tut – ihn oder sie vernünftig behandeln. Er ist rassistisch und chauvinistisch – also wahrscheinlich auch wie Bond, nur dass es hier besser herausgearbeitet ist. Die Filme bieten deshalb nicht nur ein herrliches Spiel mit Klischees aus dem Agenten-Genre, sondern auch mit dem Rassismus – wobei eigentlich keiner gut wegkommt! Sei es Franzose, Amerikaner oder Nazi – hier hat keiner die moralische Hoheit. Was wieder mal das schöne ist, jeder kriegt hier sein Fett weg und niemand ist der saubere, strahlende Held.

„Er selbst ist sich genug“

Die Gegner sind, unter anderem, die Nazis. Doch was in amerikanischen Filmen und Serien zum ausgelutschten Klischee geworden ist (finden Sie mal irgendeine amerikanische Serie ohne Nazi-Episode!), wird hier viel cleverer und schöner bearbeitet – was seinen Höhepunkt darin findet, dass ein Nazi den Shylock-Monolog aus dem „Kaufmann von Venedig“ zum Besten gibt und OSS am Ende hofft, dass irgendwann „Nazis und Juden einander vergeben können“. Das ist ein herrlicher Umgang mit diesem Themengebiet, den die Deutschen nie dürften und die Amerikaner nie schaffen. Danke, Frankreich!

Im ersten Film gibt es dann noch einen Schauspieler, der frappierend an einen jungen Peter Ustinov erinnert sowie einen anderen mit leichtem Peter Lorre Anklang, der zweite bietet dann die wohl langsamste Verfolgungsjagd der Filmgeschichte.

Wer also noch einmal einen Hauch von Bond erleben möchte, wie er etwa in den 60ern war, der sollte es vielleicht mal mit diesen Filmen versuchen.

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