Neu im Kino: Gone Girl

Ein Mann kommt nach Hause. Die Frau ist verschwunden. Was ist passiert? Wurde sie entführt? Ermordet? Vielleicht sogar von ihm? Die Polizei beginnt zu ermitteln…

Ausgang

Das ist die Ausgangssituation von „Gone Girl“. Ab da entwickelt sich der Film, und das nicht immer so, wie man es erwarten würde. Hin und wieder wechselt er die Richtung und Dinge passieren, mit denen man nicht gerechnet hat. Und an dem Punkt, wo andere Filme enden, fängt er erst richtig an.

Mehr kann man nicht sagen, ohne zuviel zu verraten – und man sollte nicht zuviel verraten, denn je weniger man weiß, umso mehr Überraschungen bietet der Film. Was man vielleicht wissen sollte, ist, dass er ein wenig über zwei Stunden lang ist, nur, damit man sich darauf einstellen kann. Ansonsten einfach zurücklehnen und einen cleveren Film mit vielen Wendungen genießen, der sich das

Prädikat: verkorkst

verdient hat. (Auch das würde zuviel verraten, aber wenn Sie ihn gesehen haben, werden Sie wissen, was ich meine… zumal es eine der Personen selbst an- und ausspricht, wenn auch mit leicht verändertem Vokabular.)

Die Hauptrolle spielt Ben Affleck. Das ist so eine Sache. Ganz ehrlich, ich ziehe ihn als Regisseur (von z.B., welch ein Zufall, „Gone Baby Gone“) vor, da er als Schauspieler nun nicht soooo vielseitig und nicht soooo ausdrucksstark ist. Ich bin nicht sicher, ob man sagen kann, dass das hier zur Rolle ganz gut passt, oder ob das mit einem anderen (besseren) Schauspieler anders (besser) ausgesehen hätte, aber, sagen wir mal so, er tut was er kann. Und auch wenn der großartige Neil Patrick Harris („How I Met Your Mother“, „Starship Troopers“, „Doogie Howser“) eine (leider viel zu kleine) Rolle hat, so gebührt das größte Lob doch der weiblichen Riege von Schauspielern. Carrie Coon („The Leftovers“) gibt der Zwillingsschwester Farbe und Kim Dickens („Hollow Man“… und danach?) ist hervorragend als Polizistin, der man eigentlich einen eigenen Film gönnen würde, wo sie anständig und clever ermitteln kann.

Über all dem erhebt sich jedoch strahlend, facettenreich und vielseitig Rosamund Pike. Machte sie in einer ihrer ersten Rollen bei James Bonds „Stirb an einem anderen Tag“ doch schon eine weit bessere Figur (in jeder Hinsicht) als Oscarpreisträgerin Halle Berry und zeichnete sie eine starke Frauenfigur in dem überraschend guten Krimi „Jack Reacher“, so zeigt sie hier, was sie alles kann, wie wandel- und wunderbar sie ist. Von Schönheit bis Mauerblümchen bekommt man alles zu sehen – ein wahrer Genuss.

Finchzit

David Fincher, der zuletzt mit Pseudo-Biopic („The Social Network“) und Remake („The Girl with the Dragon Tatoo“) sowie Fernsehremake („House of Cards“) daher kam, wandelt hier auf Thrillerpfaden – und tut dies mit Präzision und Gespür. Wie dicht der Film an der literarischen Vorlage ist, müssen die Leser entscheiden, der Film selbst ist jedenfalls ausgesprochen gelungen – wenn auch einen klitzekleinen Hauch zu lang. Für Leute, die keinen Bock auf Mitdenken haben, nicht geeignet – für alle anderen ab 2.10.2014 im Kino.

Neu im Kino: The Equalizer

Ein ruhiger Mann ist nicht ganz einverstanden damit, wie die Jungs von der russischen Mafia mit einer ihrer Prostituierten umgehen. Er stattet ihnen einen kleinen Besuch ab und gibt ihnen eine Wahlmöglichkeit. Von da an nehmen die Ereignisse ihren Lauf…

Der Exkursionalizer

Meinen ersten Kontakt mit dem „Equalizer“ hatte ich vor vielen, vielen Jahren bei einer Sprachreise in England. Es muss so um 1987 herum gewesen sein und dort lief die Serie, die es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht nach Deutschland geschafft hatte, jedenfalls nicht in mein Programm. Als ich sie dort sah fand ich sie richtig gut und wollte mehr sehen… aber als es dann irgendwann dazu kam, war die Faszination ein wenig geringer geworden. Heutzutage ist es ein Kinderspiel, sich selbst ein Bild von der Qualität der Serie zu machen, denn diverse Staffeln davon sind bereits auf DVD erschienen. Die Hauptrolle spielte damals Edward Woodward… dessen Platz im neuen Kinofilm nun Denzel Washington einnimmt.

Zwei Oscars, ein Gesichtsausdruck

Ich bin nachweislich kein Fan von Herrn Washington, der aus mir noch immer unerklärlichen Gründen zwei Oscars sein Eigen nennen darf, während weit bessere Kollegen bislang leer ausgegangen sind. Trotzdem muss ich leider gestehen, dass er mich in diesem Film nicht stört. Eigentlich passt seine unmimische Art ganz gut zu der Rolle, die er hier verkörpert. Zwischenzeitlich habe ich mich gefragt, ob der Film mit dem Rache erprobten Mel Gibson vielleicht zu einem meiner Lieblingsfilme hätte werden können, doch möglicherweise ist Washington hier tatsächlich nicht ganz fehlbesetzt… obwohl wir mit Gibson vielleicht um das Gepredige am Anfang herumgekommen wären.

The Taxi Driverliza

Schon an dieser Stelle gebe ich zu: Ich mag den Film. Er ist zwar schweinemäßig brutal an manchen Stellen, er ist hart und hart gesotten, aber er ist wirklich ziemlich gut. Größtenteils. Am Ende hätte man die Szene, die ein wenig so wirkt, als wäre es die Hardcore-Actionversion von „Hör mal, wer da hämmert“ mit einer extrem tödlichen „Tool Time“, schon ein wenig kürzen können… und der Anfang des Films… na ja. Sicher, ich verstehe, was sie da machen wollen, die Figuren einführen, ihn vielleicht als extrem ruhigen Mann zeigen, damit alles, was danach kommt, umso überraschender wirkt… aber so richtig funktioniert das nicht. Washingtons Gepredige über vernünftiges Essen kommt ein wenig von oben herab und ihn als besonderen Gutmenschen zu zeigen, soll vielleicht auch die Fallhöhe bringen, wirkt aber zu sehr wie typische Denzl Rollen.

Abgesehen davon scheint der komplette Anfang eine Nacherzählung von „Taxi Driver“ zu sein, fehlt nur noch, dass einer der Russen sagt: „Hey Freak, du kannst doch hier keine Kohle rausholen.“ All das ist weder originell noch besonders unvorhersehbar – ja, es ist der Anfang, der alles ins Rollen bringt, aber das hätte man evtl. auch einfacher und kürzer lösen können.

Und es bringt noch einen weiteren Schwachpunkt des Films: Chloe Grace Moretz spielt die Jodie Foster Rolle – und ist furchtbar! Sie war wirklich gut in „Kick-Ass“, in „My Name Is Earl“ und in „30 Rock“, aber hier wirkt sie fast, als hätte sie alles, was sie mal zu einer guten Schauspielerin gemacht hat, vergessen. Was schade ist. Bill Pullman ist übrigens auch im Film… aber am Ende fragt man sich, wieso. Was ebenfalls schade ist. Mit ihm hätte man mehr machen können… oder überhaupt was.

Brutale Abrechnung

Relativ früh wird der Film relativ hart. Ziemlich hart. Ich glaube, die angestrebte 16er Freigabe dürfte ein wenig illusorisch sein. Denn zu Beginn gibt es zumindest zwei Szenen, die dem zarter besaiteten Zuschauer an die Substanz gehen könnten. Aber sie erfüllen einen Zweck: Man weiß, wie Washington arbeitet, d.h. mit welchen „Werkzeugen“ er was erreicht. Was den Vorteil hat, dass man später nur noch Andeutungen machen muss, das eine oder andere Gerät zeigen, und man weiß, was da abgelaufen ist – oder ablaufen wird. Und das ist clever und sehr schön.

So richtig angefangen hat der Film für mich, nachdem der „Taxi Driver“ Einstieg abgearbeitet war und sich Held und Bösewicht das erste Mal Auge in Auge gegenüberstehen. Das ist eine klasse Szene, denn sie zeigt die beiden als ebenbürtige Gegner – was alles, was danach kommt, umso spannender macht. Martin Czokas spielt diesen Bösewicht und er ist hier weit charismatischer als in „XXX“, wo er eher so was wie die Prollvariante von dieser Rolle gibt… so wie der ganze Film ja auch eher so was wie eine Prollvariante von Bond ist.

Der Fazitalizer

Hart, brutal, clever, nicht unbedingt subtil, aber auf keinen Fall ärgerlich. Laut Pressematerial haben die Filmemacher nur die Prämisse und den Namen der Serie übernommen, wer also ein 1:1-Remake seiner Lieblingsserie erwartet, dürfte möglicherweise eher enttäuscht werden. Aber: Auf jeden Fall nix für Kinder! Oder Leute, die mit grober Gewalt Probleme haben, denn das ganze mutiert streckenweise zu einem Slasherfilm an Bösewichten. Wer das jedoch mag, könnte eine Menge Spaß haben. Ab 9. Oktober 2014 im Kino.

Neu auf DVD: Open Grave

Eine Gruppe Menschen. In einem Haus. Ohne Erinnerung. Was tun sie da? Wer sind sie? Warum haben sie Waffen? Warum haben sie ihr Gedächtnis verloren? Und wer ist der Mann, der aus einem Massengrab zu ihnen ins Haus kommt? Steckt er hinter allem? Alles deutete darauf hin…

Mysteryyyyyy

Bevor alles „Mystery“ wurde und man damit jedem Mist einen Stempel aufdrücken konnte, in einer Zeit, als man noch nicht jeden englischen Begriff geist- und kritiklos übernahm und man sich noch Mühe machte, zu übersetzen, hätte man das vielleicht eher als „geheimnisvoll“ bezeichnet. Und streng genommen trifft es das ganz gut, denn alles ist ein Geheimnis. Für die Figuren und für den Zuschauer. Gemeinsamen muss man sich langsam erarbeiten, was eigentlich passiert ist, wie sie in diese Situation gekommen sind – und wie sie dort wieder herauskommen. So gesehen nimmt der Film einen mit auf eine Reise, eine Reise in die Ereignisse der letzten Zeit, die sich in dieser Welt zugetragen haben müssen, kurz bevor der Film begann. Als Zuschauer von Horrorfilmen verschiedenster Couleur hat man natürlich den einen oder anderen Verdacht (und das Cover gibt mit dem Hinweis „Für Fans von ‚The Walking Dead’“ recht unsubtil eine Richtung an), doch was genau nun wirklich geschehen ist und in welchem Zusammenhang unsere Hauptfiguren stehen, das erfährt man nur durch den Film selbst (oder natürlich, wenn man irgendwo eine Zusammenfassung liest, die alles verrät).

Besetzunggggg

Ein kleiner Film, der mit einer übersichtlichen Besetzung auskommt. Hier seien besonders zwei erwähnt, die man eigentlich öfter sehen möchte: Sharlto Copley, der großartig war in „District 9“, darf hier einmal mehr sein Können unter Beweis stellen. Ihm zur Seite steht u.a. Thomas Kretschmann. Der war zwar nach seinem Durchbruch in „Das Piano“ auch in „24“ und dem (viel zu langen) „King Kong“ von Peter Jackson zu sehen, in „Wanted“ wurde er aber leider ziemlich verschwendet und scheint er irgendwie nie die Rollen zu bekommen, die ihm gebühren würden. Wirklich schade! Aber als Deutscher in Hollywood bleibt einem eben irgendwann nur noch der Nazi – und der wird dann oft von Briten gespielt.

Bonussssss

Genauso übersichtlich wie die Besetzung. Zeigt uns, wo in Osteuropa gedreht wurde, ist aber nicht unbedingt eine große Bereicherung zum Film, ohne die man ratlos dagestanden hätte.

Fazittttttttt

Stimmiger, gut gemachter Gruselfilm, der nach und nach die Fragen, die Figuren und Zuschauer haben, beantwortet und am Schluss mit einem dem Titel mehr als angemessenen Ende aufwartet. Ab 26. September 2014 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: Sieben verdammt lange Tage

Das Leben zeigt sich von seiner schlechtesten Seite: Beziehung im Arsch, Vater tot. Also geht’s zurück ins Heimatdorf, um mit der Familie sieben Tage lang den Tod des Vaters zu betrauern. Dabei trifft man alte Lieben wieder und das Verhältnis zu den Verwandten ist auch nicht ohne Konfliktpotential…

Wie gehabt

Man kennt die Situation, man weiß, wo das ganze hinführen und man weiß, wie das ganze ausgehen wird. Das könnte man natürlich mit einem brillant geschriebenen Drehbuch oder überraschenden Kniffen wieder ausgleichen… aber davon gibt es leider auch zu wenig. Insofern passt es eigentlich ganz gut ins Bild, dass Jason Bateman so spielt, wie er eigentlich immer spielt. Tina Fey löst sich dagegen schön von ihrer Rolle in „30 Rock“ und zeigt ihre Bandbreite. Der kleine Glanzpunkt des Films ist jedoch Adam Driver. Hatte er in „Spuren“ noch eine sehr zurückhaltende Rolle, hat er hier jede Menge Spaß – und das tut dem Film gut. Zumindest in den (zu wenigen) Momenten, in denen er auftaucht.

Ja, das ist verdammt kurz

Es ist kein Ärgernis, aber es ist auch nichts Besonders. Solide Unterhaltung mit soliden schauspielerischen Leistungen zu einem soliden Drehbuch… aber irgendwie ohne den Kick des Neuen oder Überraschenden. Ab 25.9.2014 im Kino.

Neu auf DVD: Erbarmen

Nach dem Roman von Jussi Adler-Olsen. Ein Polizist wird in den Keller abgeschoben, um alte Fälle zu den Akten zu legen. Doch statt diese langwierige und -weilige Aufgabe auszuführen, wendet er seine ganze Aufmerksamkeit einem bestimmten Fall zu und rollt ihn wieder auf…

Thriller aus dem kühlen Norden

Nach der sehr erfolgreichen „Millenium“-Trilogie schafft es nun eine weitere Thrillergeschichte aus Skandinavien auf die Leinwand. Und auch hier stehen mehrere Bücher zur Verfügung, so dass nach „Erbarmen“ noch lange nicht Schluss sein muss – tatsächlich kommt mit „Schändung“ bereits 2015 die Fortsetzung… und dann wahrscheinlich 2016 das amerikanische Remake.

Die Handlung von „Erbarmen“ ist gut durchdacht und, wie sich das bei einem guten Krimi gehört, am Ende ergibt alles einen Sinn. Selbst der Täter bekommt eine ziemlich gute Motivation für das was er da tut.

Die Figuren sind gut gezeichnet, der arrogante Bulle, der irgendwie nicht so richtig sympathisch erscheinen möchte, aber sich so sehr in dem Fall festbeißt, dass seine Aufklärung schon fast zur Lebensaufgabe wird, sein lockerer Kollege, fast schon zu politisch korrekt ein Moslem, das Opfer, der Täter, alles ist gut dargestellt. Es entspinnt sich eine Handlung, die parallel die Aufklärungsversuche und en Weg des Opfers zeigt, bis alles aufeinander trifft. Ein Krimi, bei dem sich in Sachen Logik und Handlungsführung so mancher „Tatort“ eine Scheibe abschneiden könnte.

Bonus

Das Zusatzmaterial bietet zwei Interviews und ein Making of. Man erfährt ein wenig über die Unterschiede zum Buch, ganz besonders in Bezug auf die Hauptfigur. Zudem bekommt man ein wenig Einblick in die Entstehung des Films, sowohl durch die Aussagen des Regisseurs als auch durch die Bilder des Making ofs.

Fazit

Spannender Thriller, der mit einer gut durchdachten Geschichte und guten Darstellern aufwartet. Ab 25. September 2014 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Jarhead 2: Zurück in die Hölle

Afghanistan. Eine Gruppe Marines soll einen Auftrag ausführen, doch wie so oft kommt es anders und aus einer einfachen Transportaufgabe wird eine viel wichtigere Mission.

Krieg!

Ungeschminkt, nicht geschönt, nicht als Abenteuer dargestellt, sondern als eine dreckige Angelegenheit. Zwar heroisch, aber nicht so übertrieben wie in „Black Hawk Down“ oder „Lone Survivor“, wo eine Handvoll amerikanischer Helden gegen eine Übermacht von gefühlten tausend Gegnern antritt. Hier halten sich die Zahlen auf beiden Seiten in glaubhaften Grenzen – ebenso wie die Verluste. Denn die gibt es. Der Krieg zeigt sein wahres Gesicht – und es ist kein schöner Anblick. Wer danach noch freudig in den Kampf ziehen will, der gehört an die vorderste Front geschickt!

Natürlich haben wir auch den Buddy-Cop-Moment im Film. Wenn der Amerikaner, der dem Afghanen misstraut, erkennen muss, dass der doch ein ganz tofter Typ ist. Dass das Vorurteil gegen ihn Rassismus ist, ist klar – aber ob es als bewusste Brechung des Rassismusklischees gedacht war, dass ausgerechnet ein schwarzer Amerikaner dieses Vorurteil verkörpert, sei dahingestellt.

Besetzung!

Es ist nicht ganz gegen den Strich besetzt, aber auch nicht so klischeehaft, wie es hätte sein können. Cole Hauser als harter Soldat kommt ungeahnt sympathisch rüber. Und Steven Lang, der seit „Avatar“ bestimmt dreimal pro Woche eine Rolle als fieser Offiziersarsch angeboten bekommt, kann sich hier von einer etwas wärmeren Seite zeigen – nicht so warm, wie auf dem brennenden Stuhl in Michal Manns „Manhunter“, aber doch wärmer als in Camerons Weltraumindianerepos. Auch der Rest der Besetzung zeichnet sich eher durch gutes Spiel als durch bekannte Namen aus, aber das ist ja auch eigentlich vorzuziehen.

Bonus!

Beim Zappen durch die Tonspuren hab ich einen englischen Audiotrack für Sehbehinderte gefunden, das dürfte es dann aber wohl auch schon gewesen sein.

Fazit!

Durchaus spannend, durchaus schmutzig, durchaus realistisch. Kriegsfilm, der atmosphärisch stimmig und mit guten Schauspielern besser die Negativität des Kriegsgeschehens im fernen Osten wiedergibt, als es so manche weit teurere Hollywoodproduktion tut. Ab 25. September 2014 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: Ein Sommer in der Provence

Ich muss gestehen, ich mache Unterschiede. Und deshalb gibt es Filme, denen ich es nicht übel nehme, wenn sich die Handlung genau so entwickelt, wie man es sich vorgestellt hat und welche, bei denen ich es tue. Dieser hier ist ähnlich wie „Ein gutes Jahr“ mit Russell Crowe (und spielt auch in einer ähnlichen Gegend, also auf dem malerischen Land in Frankreich), bei beiden weiß man, wie sich die Handlung entwickeln wird, wie sie sich nur entwickeln kann – und doch habe ich bei diesen Fällen kein Problem damit. Weil die Filme schön sind, die Darsteller gut und die Figuren interessant. (Tja, ich schätze, damit wär dann auch diese Kritik eigentlich schon mal ganz gut zusammengefasst!)

Was passiert?

Die Enkelkinder müssen aufs Land zu dem mürrischen Großvater, der ihnen vorher nie begegnet ist, weil er seine Tochter damals mehr oder weniger verstoßen hat. Die Stimmung ist auf beiden Seiten erstmal schlecht (Stadtmensch gegen Landmensch, Technik gegen Natur, jung gegen alt), aber dann schafft man es, sich einander anzunähern… bis mal wieder was dazwischenkommt.

Gespickt ist das ganze mit interessanten Figuren und verschiedenen Handlungselementen, die die Geschichte mit Leben füllen. Dann gibt es natürlich noch den Handlungsort, die Provence, die hier von einer sehr sehenswerten Seite dargestellt wird – und den Mistral, der dem Film seinen Originaltitel verleiht („Avis de Mistral“).

Wer spielt?

Nun, neben Aure Atika (aus dem glorreichen „OSS 117 – Der Spion, der sich liebte“) kannte ich leider nur Jean Reno und mit dem kann man eigentlich nie was falsch machen (Ausnahmen wie „Godzilla“ und „Der rosarote Panther“ einfach mal ausgenommen oder schlicht ignoriert). Reno gibt den mürrischen Großvater, aber wie bei Darth Vader hat man trotzdem das Gefühl, dass „noch Gutes in ihm steckt“. Ob das denn stimmt, muss man selbst herausfinden, darstellerisch ist das jedenfalls alles auf höchstem Niveau – und das gilt sowohl für die beiden genannten, als auch für die anderen, besonders die jungen Darsteller.

Was sagt uns das?

Wer bei dem heißen Wetter auf herumpolternde Roboter verzichten möchte, kann hier einen Hauch von Urlaub in Frankreich genießen. Ein ruhiger, netter, schöner Film, bei dem man sich vielleicht fragt, ob man nächstes Jahr vielleicht nicht doch mal in den Ferien in die Provence fahren sollte. Ab 25. September 2014 im Kino.

Neu im Kino: WALKING ON SUNSHINE

Genau das richtige für den Sommer… wenn man ein 14jähriges Mädchen ist. Liebe am Strand, heiße Sonne, heiße Rhythmen, heißblütige Italiener. Ein 80er Jahre Liebesmusical, ich denke, so könnte man das ganz gut zusammenfassen. Und wenn man 80er Jahre Mucke oder Liebesfilme oder Musicals (oder am besten alles zusammen) mag, dann kann man sich in seinem Sessel zurücklehnen und den Film genießen. Wenn nicht, könnt’s schwierig werden.

„Philomena“

Nein, keine Sorge, das hier soll kein Vergleich mit (dem absolut sehenswerten, also unbedingt sehen!) „Philomena“ (von und mit Alan „Steve Coogan“ Partridge… oder umgekehrt) sein, das wäre mehr als unfair. Aber die gute alte Dame hat in dem Film einen schönen Spruch, der mich wiederum durch diesen Film gebracht hat, denn immer, wenn sie von einem ihrer leicht vorhersehbaren Schundromane berichtet, sagt sie: „I did not see that one coming.“ Well, here you see THEM ALL coming! Es sei denn, möglicherweise, man ist ein 14jähriges Mädchen. Dann vielleicht nicht. Ansonsten aber bietet die Handlung keinerlei Überraschungen, man sieht wirklich ALLES kommen – für Menschen, die sich im Kino gerne mal überraschen lassen, also eher nicht geeignet. Aber es ist ein Liebesfilm und die laufen doch immer nach diesem Muster ab, oder? Also kann man es dem Film vielleicht noch nichtmal vorwerfen.

Music is in the Air

Der Film bietet hübsche Menschen, hübsche Strände, eine malerische italienische Kulisse – und halt Musik. Leider ist es 80er Jahre Musik und mit der konnte ich in den 80ern schon nicht viel anfangen. Leider muss man aber sagen, dass der Film es schafft, seine Liedbeiträge weit organischer in die Handlung einfließen zu lassen, als es „Mama Mia“ tut – und der hat mit ABBA die weit bessere Musik zu bieten! Handlung und Musik gehen also sehr angenehm ineinander über – die Handlung selbst ist aber derart, dass ich annehme, dass der „Planet der Affen“ Film, den ich morgen zu sehen bekomme, wahrscheinlich realistischer sein wird. Aber es ist ein Liebesfilm und da muss es dann so sein, dass man a) für den Rest seines Lebens am Ort des Sommerurlaubs bleiben kann/wird, man b) in einem Haus mit Bedienung lebt, das sich kein Normalsterblicher leisten könnte und c) direkt einfach mal so heiratet, weil es ist Sommer und Liebe und überhaupt. Wenn man diese Details akzeptieren kann: Viel Spaß beim Film!

Leider wird dann aber auch keine Möglichkeit für Klischees ausgelassen. Ich meine nicht die bereits angedeuteten Liebesfilmklischees, sondern vor allem die in der Besetzung. Denn die beste Freundin (oder eine davon) ist „die lustige Dicke“, eine britische Commedienne, die eigentlich zur Überarbeitung des Drehbuchs abkommandiert war, dann aber direkt (als Klischeebesetzung) für diese Rolle gecastet wurde. Ja, sie hat nette und lustige Sprüche, aber wäre es nicht viel interessanter gewesen, hätte man ihre und die Rolle des „verliebten Pärchens“ getauscht? Sie wäre die verliebte Freundin gewesen und die andere die mit den cleveren One-Linern. Wäre eine schöne Brechung gewesen.

Nomen est omen

…wie es so schön heißt. Ironischerweise ist es aber ausgerechnet das titelgebende Lied, das als einziges im Film nicht wirklich sinnvoll eingesetzt zu sein scheint. Man könnte jetzt behaupten, das wäre die ironische Brechung, die ich mir bei der Besetzung gewünscht hätte, aber dann kommt sie einfach an der falschen Stelle und mit dem falschen Song. Denn den hätte man auf dem Höhepunkt, wenn alles gut ist (Vorsicht: Spoiler!) einsetzen sollen, als großes Finale, nicht zweckentfremdet in der Mitte und dann noch mal zum Abspann. Schade.

Schauspielerisch und gesanglich ist das ganze jedoch sehr gut, und auch wenn mir Greg Wise für Annabel Scholey (und das Sujet des Films) vielleicht eine kleine Spur zu alt erscheint, so ist sie jedoch alles von knackig bis hinreißend. Eine Augenweide für die wenigen Männer, die nicht wegen der leicht bekleideten Italiener und der leicht zu durchschauenden Handlung ins Kino gehen. Ach, wären die Klamotten von Frau Scholey doch so durchschaubar gewesen wie die Handlung…

Fazit

Liebesfilmmusical mit hübschen Menschen in hübschen Gegenden bei hübschem Wetter mit Liedern aus den 80ern. Ab 25. September 2014 im Kino.

Neu auf DVD: Snowpiercer

Die Menschheit hat es geschafft… also, die Erde zu zerstören. Eine Eiszeit ist über den Planeten hereingebrochen und fast alle sind gestorben. Nur eine Handvoll Menschen hat überlebt – in einem Zug, der ununterbrochen um die Erde rast. Wie jeder Zug hat auch dieser Klassen und die unterste befindet sich am Ende. Doch nun ist es an der Zeit für die Unterschicht, aufzubegehren und eine Revolution anzuzetteln…

Die Fahrkarten, bitte

Im Prinzip… Also… Ach, es ist schwierig. Beginnen wir dort, wo auch „Snowpiercer“ seinen Anfang genommen hat: im Comic. Denn darauf basiert der Film, auf dem französischen Comic „Schneekreuzer“. Und, ganz ehrlich, als Comic kann ich mir das ganze besser vorstellen. Die Welt eines Comics ist prinzipiell ein wenig weggerückt von der Wirklichkeit und da kann man sich auch einen Zug ausmalen, der durch die Eiszeit rast. Setzen wir das ganze dann als Realfilm um, wobei wir mal Wert auf das Wort „real“ legen wollen, dann wachsen bei mir ein klein wenig die Probleme.

Natürlich weiß ich auch, dass das ganze mehr eine Metapher oder Allegorie sein soll. Die Menschheit sitzt im Zug, die Armen, Geknechteten sind hinten und machen nichts anderes, als sich zu vermehren, doch vorne sitzen die Reichen und lassen es sich gut gehen. Doch dagegen muss man revoltieren… all das verstehe ich und all das ist auch weder sonderlich falsch noch sonderlich subtil. Das Problem ist nur, dass auch eine Metapher gut durchdacht sein sollte, und wenn sie das nicht ist, bleibt sie zwar eine Metapher, aber eben keine besonders clevere. Und das ist das Problem, das ich mit „Snowpiercer“ habe: Ich halte die Gesellschaft, wie sie der Film darstellt, für nicht gut durchdacht. Ich halte das Konzept nicht für gut durchdacht. Und das ist schade.

Zurücktreten, der Zug fährt jetzt ein

Trennen wir uns mal vom Sinn. Ja, dass man einen Zug für die Rettung der Menschheit auswählt, klingt irgendwie idiotisch. Ganz ehrlich, würde das ganze auf einer Art Kreuzfahrtschiff spielen, würde nahezu alles funktionieren und einen Sinn ergeben. Die Linearität würde zugunsten der Glaubwürdigkeit flöten gehen, aber die ist es ja wahrscheinlich, die hier den Reiz ausmacht. Die Menschheit, die Zweiklassengesellschaft, wunderbar verbildlicht in einem Zug. Womit wir wieder beim Problem sind. Oder den Problemen. Denn die Armen erfüllen, auch wenn Ed Harris am Schluss (oder vielmehr am Anfang, zumindest des Zuges) etwas anderes behauptet, keinen wirklichen Zweck. Sie sind nur da, um da zu sein. Angeblich, weil man sie gerettet hat, aber das wirkt ein wenig bemüht. Sie sind dreckig und sie tun nichts anderes, als sich zu vermehren. Wirklich, solche Leute hält man sich nicht in einem Zug, außer als Organspender. Oder als Nahrung. Aber nicht einmal das sind sie. Wären sie Arbeiter, deren Aufgabe es ist, sich dabei tot zu schinden, den Zug am Fahren zu halten, das würde Sinn ergeben. Dann würde alles einen Sinn ergeben. Aber dem ist nicht so, denn der Zug ist vollautomatisch und versorgt sich selbst. Ergo haben diese Leute keinen Sinn, die Balance, von der Harris quatscht, ist nur herbeigeredet, sie ist nicht durch die Situation gegeben.

Auch die Aufteilung des Zuges, die wir im Laufe des Films zu sehen bekommen, ergibt keinerlei Sinn. Die Wagen scheinen ohne Sinn und Verstand aneinandergekoppelt zu sein, und auch wenn wir Aquarium, Schule, Friseur und Disko sehen, die Apartments, in denen die Oberschicht (oder die erste Klasse) nächtigt, bekommen wir nicht zu sehen. Und das ist ein großer Fehler, denn da uns der Film sonst so gut wie alles zeigt, drängt sich der Verdacht auf, dass sie nicht existieren. Selbst Ed Harris hat zwar ein nettes Esszimmer, aber weder ein Bett noch eine Aussicht. Auch wenn der Zug in der Welt des Films vielleicht funktioniert, in der Wirklichkeit tut er das nicht. Was die Metapher eben zu einer schlecht durchdachten Metapher degradiert.

Die Ankunft des Zuges verspätet sich um 60 Minuten

Manchmal ist es der Rahmen, in dem etwas erscheint, der wichtig ist. Wie bereits gesagt, als Comic könnte ich mir das ganze gut vorstellen. Als Film, oder als der Film, den man daraus gemacht hat, will mir das ganze nicht so recht zusagen. Denn dafür ist es mit zwei Stunden zu lang und nimmt sich auch leider viel zu ernst. Dreckige Gesichter in dreckigen Wagons, die auf dreckige Taten blicken. Njäää. Als einstündige Episode einer Serie wie „Twilight Zone“ wäre das alles perfekt gewesen, ein kurzer Einblick in eine Parallelwelt, in der die Erde zugefroren ist und die Menschheit in einem Zug überlebt hat. Das wäre eine großartige Episode gewesen – und „Twilight Zone“ der perfekte Rahmen für diese Geschichte. Aber auf dem Gleis, auf dem der Zug fährt, kann er mich nicht so ganz mitnehmen.

Fazit in Fahrtrichtung rechts

Es ist kein schlechter Film, es ist eigentlich mehr Gesellschaftskritik als Science Fiction, aber es nimmt sich ein wenig zu ernst und ist ein wenig zu lang. Wer französische Comics mag, oder Allegorien, Metaphern auf die Gesellschaft, wer nicht allzu großen Wert auf Realismus legt und der von einer phantastischen Geschichte gerne begeistert wird, ohne sie zu hinterfragen, der sollte auf seine Kosten kommen. Ab 23.9.2014 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: NOWITZKI. DER PERFEKTE WURF.

Überspringen wir das Vorgeplänkel: Es geht um Dirk Nowitzki. Den gibt es wirklich. Er ist 2,13m groß und Basketball-Spieler. Diese Dokumentation zeigt, wie es dazu kam, dass er von Deutschland in die USA kam, um dort zu spielen… aber wird er seine Mannschaft in den Untergang stürzen oder zum Erfolg zu führen?

Es ist eine interessante Dokumentation, über den Sport, über den Sportler, aber auch über den Menschen. Zu Wort kommen Menschen, die mit Basketball zu tun haben, aber auch seine Familie. Sie zeichnen ein Bild der Person… oder der Personen.

Die Hauptpersonen

Dirk Nowitzki steht natürlich im Mittelpunkt des Films, aber an seiner Seite gibt es noch eine weitere wichtige Person (und seine Mutter, ja, die auch): Holger Geschwindner. Nowitzki bringt für seine Arbeit die notwendige Größe, das notwendige Talent und die notwendige Hingabe mit, ständig an sich zu arbeiten – und Geschwindner ist der Mann, mit dem er das tut. Er hat Nowitzki von Anfang an begleitet und dabei mitgeholfen, dass der Spieler stets das Beste aus sich herausgeholt hat, dass aus einem guten Spieler ein großartiger wurde. Poetisch gesprochen ist er der Mann, der dabei geholfen hat, aus Nowitzki das spielerische Kunstwerk zu formen, das er heute ist. Wer also Nowitzki Respekt für das zollt, was er da leistet, der schuldet diesen Respekt ebenso Holger Geschwindner.

Die Geschichte

Wie es das Zusatzmaterial (das Presseheft) zum Film so schön sagt, eine Doku kann man nicht genau planen, denn man weiß nie, was passieren wird und was man letztendlich daraus machen kann. Man nimmt tagelanges Filmmaterial auf und muss dann im Schneideraum entscheiden, ob daraus eine brauchbare Geschichte entstehen kann. Bei diesem Film hat es geklappt. Wir können erleben, wie Dirk Nowitzki langsam in seine Berufung hineinwächst, hören, was dafür nötig ist und was andere von ihm halten und sehen, wie er mit all dem umgeht.

Der Mensch

Was uns der Film aber nicht zeigt, ist ein Mensch, dem der eigene Erfolg zu Kopfe steigt, der abdreht, Drogen nimmt, auf die schiefe Bahn gerät und in diesem Film seine Rückkehr propagieren möchte. Das Gegenteil ist der Fall! Nowitzki ist so menschlich, wie man überhaupt nur sein kann. Ehrlich, bescheiden, freundlich, sympathisch. Dass er Altkanzler Helmut Schmidt „was vorgelogen hat“ ist eher lustig. Er ist, trotz seiner Größe und seines Erfolges, völlig auf dem Boden geblieben. Und sind das nicht genau die Menschen, denen man den Erfolg auch wirklich gönnt?!

Das Fazit

Interessant und sympathisch – ein Film über eine wahre Größe des Sports, die ihre Größe auch dadurch beweist, dass sie es nicht nötig hat, sich wie ein Star zu gebärden. Sehr sehenswert, auch wenn man sich für Basketball nicht interessiert! Ab 18. September 2014 im Kino.