Neu im Kino: The Equalizer

Ein ruhiger Mann ist nicht ganz einverstanden damit, wie die Jungs von der russischen Mafia mit einer ihrer Prostituierten umgehen. Er stattet ihnen einen kleinen Besuch ab und gibt ihnen eine Wahlmöglichkeit. Von da an nehmen die Ereignisse ihren Lauf…

Der Exkursionalizer

Meinen ersten Kontakt mit dem „Equalizer“ hatte ich vor vielen, vielen Jahren bei einer Sprachreise in England. Es muss so um 1987 herum gewesen sein und dort lief die Serie, die es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht nach Deutschland geschafft hatte, jedenfalls nicht in mein Programm. Als ich sie dort sah fand ich sie richtig gut und wollte mehr sehen… aber als es dann irgendwann dazu kam, war die Faszination ein wenig geringer geworden. Heutzutage ist es ein Kinderspiel, sich selbst ein Bild von der Qualität der Serie zu machen, denn diverse Staffeln davon sind bereits auf DVD erschienen. Die Hauptrolle spielte damals Edward Woodward… dessen Platz im neuen Kinofilm nun Denzel Washington einnimmt.

Zwei Oscars, ein Gesichtsausdruck

Ich bin nachweislich kein Fan von Herrn Washington, der aus mir noch immer unerklärlichen Gründen zwei Oscars sein Eigen nennen darf, während weit bessere Kollegen bislang leer ausgegangen sind. Trotzdem muss ich leider gestehen, dass er mich in diesem Film nicht stört. Eigentlich passt seine unmimische Art ganz gut zu der Rolle, die er hier verkörpert. Zwischenzeitlich habe ich mich gefragt, ob der Film mit dem Rache erprobten Mel Gibson vielleicht zu einem meiner Lieblingsfilme hätte werden können, doch möglicherweise ist Washington hier tatsächlich nicht ganz fehlbesetzt… obwohl wir mit Gibson vielleicht um das Gepredige am Anfang herumgekommen wären.

The Taxi Driverliza

Schon an dieser Stelle gebe ich zu: Ich mag den Film. Er ist zwar schweinemäßig brutal an manchen Stellen, er ist hart und hart gesotten, aber er ist wirklich ziemlich gut. Größtenteils. Am Ende hätte man die Szene, die ein wenig so wirkt, als wäre es die Hardcore-Actionversion von „Hör mal, wer da hämmert“ mit einer extrem tödlichen „Tool Time“, schon ein wenig kürzen können… und der Anfang des Films… na ja. Sicher, ich verstehe, was sie da machen wollen, die Figuren einführen, ihn vielleicht als extrem ruhigen Mann zeigen, damit alles, was danach kommt, umso überraschender wirkt… aber so richtig funktioniert das nicht. Washingtons Gepredige über vernünftiges Essen kommt ein wenig von oben herab und ihn als besonderen Gutmenschen zu zeigen, soll vielleicht auch die Fallhöhe bringen, wirkt aber zu sehr wie typische Denzl Rollen.

Abgesehen davon scheint der komplette Anfang eine Nacherzählung von „Taxi Driver“ zu sein, fehlt nur noch, dass einer der Russen sagt: „Hey Freak, du kannst doch hier keine Kohle rausholen.“ All das ist weder originell noch besonders unvorhersehbar – ja, es ist der Anfang, der alles ins Rollen bringt, aber das hätte man evtl. auch einfacher und kürzer lösen können.

Und es bringt noch einen weiteren Schwachpunkt des Films: Chloe Grace Moretz spielt die Jodie Foster Rolle – und ist furchtbar! Sie war wirklich gut in „Kick-Ass“, in „My Name Is Earl“ und in „30 Rock“, aber hier wirkt sie fast, als hätte sie alles, was sie mal zu einer guten Schauspielerin gemacht hat, vergessen. Was schade ist. Bill Pullman ist übrigens auch im Film… aber am Ende fragt man sich, wieso. Was ebenfalls schade ist. Mit ihm hätte man mehr machen können… oder überhaupt was.

Brutale Abrechnung

Relativ früh wird der Film relativ hart. Ziemlich hart. Ich glaube, die angestrebte 16er Freigabe dürfte ein wenig illusorisch sein. Denn zu Beginn gibt es zumindest zwei Szenen, die dem zarter besaiteten Zuschauer an die Substanz gehen könnten. Aber sie erfüllen einen Zweck: Man weiß, wie Washington arbeitet, d.h. mit welchen „Werkzeugen“ er was erreicht. Was den Vorteil hat, dass man später nur noch Andeutungen machen muss, das eine oder andere Gerät zeigen, und man weiß, was da abgelaufen ist – oder ablaufen wird. Und das ist clever und sehr schön.

So richtig angefangen hat der Film für mich, nachdem der „Taxi Driver“ Einstieg abgearbeitet war und sich Held und Bösewicht das erste Mal Auge in Auge gegenüberstehen. Das ist eine klasse Szene, denn sie zeigt die beiden als ebenbürtige Gegner – was alles, was danach kommt, umso spannender macht. Martin Czokas spielt diesen Bösewicht und er ist hier weit charismatischer als in „XXX“, wo er eher so was wie die Prollvariante von dieser Rolle gibt… so wie der ganze Film ja auch eher so was wie eine Prollvariante von Bond ist.

Der Fazitalizer

Hart, brutal, clever, nicht unbedingt subtil, aber auf keinen Fall ärgerlich. Laut Pressematerial haben die Filmemacher nur die Prämisse und den Namen der Serie übernommen, wer also ein 1:1-Remake seiner Lieblingsserie erwartet, dürfte möglicherweise eher enttäuscht werden. Aber: Auf jeden Fall nix für Kinder! Oder Leute, die mit grober Gewalt Probleme haben, denn das ganze mutiert streckenweise zu einem Slasherfilm an Bösewichten. Wer das jedoch mag, könnte eine Menge Spaß haben. Ab 9. Oktober 2014 im Kino.

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