Neu im Kino: WALKING ON SUNSHINE

Genau das richtige für den Sommer… wenn man ein 14jähriges Mädchen ist. Liebe am Strand, heiße Sonne, heiße Rhythmen, heißblütige Italiener. Ein 80er Jahre Liebesmusical, ich denke, so könnte man das ganz gut zusammenfassen. Und wenn man 80er Jahre Mucke oder Liebesfilme oder Musicals (oder am besten alles zusammen) mag, dann kann man sich in seinem Sessel zurücklehnen und den Film genießen. Wenn nicht, könnt’s schwierig werden.

„Philomena“

Nein, keine Sorge, das hier soll kein Vergleich mit (dem absolut sehenswerten, also unbedingt sehen!) „Philomena“ (von und mit Alan „Steve Coogan“ Partridge… oder umgekehrt) sein, das wäre mehr als unfair. Aber die gute alte Dame hat in dem Film einen schönen Spruch, der mich wiederum durch diesen Film gebracht hat, denn immer, wenn sie von einem ihrer leicht vorhersehbaren Schundromane berichtet, sagt sie: „I did not see that one coming.“ Well, here you see THEM ALL coming! Es sei denn, möglicherweise, man ist ein 14jähriges Mädchen. Dann vielleicht nicht. Ansonsten aber bietet die Handlung keinerlei Überraschungen, man sieht wirklich ALLES kommen – für Menschen, die sich im Kino gerne mal überraschen lassen, also eher nicht geeignet. Aber es ist ein Liebesfilm und die laufen doch immer nach diesem Muster ab, oder? Also kann man es dem Film vielleicht noch nichtmal vorwerfen.

Music is in the Air

Der Film bietet hübsche Menschen, hübsche Strände, eine malerische italienische Kulisse – und halt Musik. Leider ist es 80er Jahre Musik und mit der konnte ich in den 80ern schon nicht viel anfangen. Leider muss man aber sagen, dass der Film es schafft, seine Liedbeiträge weit organischer in die Handlung einfließen zu lassen, als es „Mama Mia“ tut – und der hat mit ABBA die weit bessere Musik zu bieten! Handlung und Musik gehen also sehr angenehm ineinander über – die Handlung selbst ist aber derart, dass ich annehme, dass der „Planet der Affen“ Film, den ich morgen zu sehen bekomme, wahrscheinlich realistischer sein wird. Aber es ist ein Liebesfilm und da muss es dann so sein, dass man a) für den Rest seines Lebens am Ort des Sommerurlaubs bleiben kann/wird, man b) in einem Haus mit Bedienung lebt, das sich kein Normalsterblicher leisten könnte und c) direkt einfach mal so heiratet, weil es ist Sommer und Liebe und überhaupt. Wenn man diese Details akzeptieren kann: Viel Spaß beim Film!

Leider wird dann aber auch keine Möglichkeit für Klischees ausgelassen. Ich meine nicht die bereits angedeuteten Liebesfilmklischees, sondern vor allem die in der Besetzung. Denn die beste Freundin (oder eine davon) ist „die lustige Dicke“, eine britische Commedienne, die eigentlich zur Überarbeitung des Drehbuchs abkommandiert war, dann aber direkt (als Klischeebesetzung) für diese Rolle gecastet wurde. Ja, sie hat nette und lustige Sprüche, aber wäre es nicht viel interessanter gewesen, hätte man ihre und die Rolle des „verliebten Pärchens“ getauscht? Sie wäre die verliebte Freundin gewesen und die andere die mit den cleveren One-Linern. Wäre eine schöne Brechung gewesen.

Nomen est omen

…wie es so schön heißt. Ironischerweise ist es aber ausgerechnet das titelgebende Lied, das als einziges im Film nicht wirklich sinnvoll eingesetzt zu sein scheint. Man könnte jetzt behaupten, das wäre die ironische Brechung, die ich mir bei der Besetzung gewünscht hätte, aber dann kommt sie einfach an der falschen Stelle und mit dem falschen Song. Denn den hätte man auf dem Höhepunkt, wenn alles gut ist (Vorsicht: Spoiler!) einsetzen sollen, als großes Finale, nicht zweckentfremdet in der Mitte und dann noch mal zum Abspann. Schade.

Schauspielerisch und gesanglich ist das ganze jedoch sehr gut, und auch wenn mir Greg Wise für Annabel Scholey (und das Sujet des Films) vielleicht eine kleine Spur zu alt erscheint, so ist sie jedoch alles von knackig bis hinreißend. Eine Augenweide für die wenigen Männer, die nicht wegen der leicht bekleideten Italiener und der leicht zu durchschauenden Handlung ins Kino gehen. Ach, wären die Klamotten von Frau Scholey doch so durchschaubar gewesen wie die Handlung…

Fazit

Liebesfilmmusical mit hübschen Menschen in hübschen Gegenden bei hübschem Wetter mit Liedern aus den 80ern. Ab 25. September 2014 im Kino.

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Neu auf DVD: Snowpiercer

Die Menschheit hat es geschafft… also, die Erde zu zerstören. Eine Eiszeit ist über den Planeten hereingebrochen und fast alle sind gestorben. Nur eine Handvoll Menschen hat überlebt – in einem Zug, der ununterbrochen um die Erde rast. Wie jeder Zug hat auch dieser Klassen und die unterste befindet sich am Ende. Doch nun ist es an der Zeit für die Unterschicht, aufzubegehren und eine Revolution anzuzetteln…

Die Fahrkarten, bitte

Im Prinzip… Also… Ach, es ist schwierig. Beginnen wir dort, wo auch „Snowpiercer“ seinen Anfang genommen hat: im Comic. Denn darauf basiert der Film, auf dem französischen Comic „Schneekreuzer“. Und, ganz ehrlich, als Comic kann ich mir das ganze besser vorstellen. Die Welt eines Comics ist prinzipiell ein wenig weggerückt von der Wirklichkeit und da kann man sich auch einen Zug ausmalen, der durch die Eiszeit rast. Setzen wir das ganze dann als Realfilm um, wobei wir mal Wert auf das Wort „real“ legen wollen, dann wachsen bei mir ein klein wenig die Probleme.

Natürlich weiß ich auch, dass das ganze mehr eine Metapher oder Allegorie sein soll. Die Menschheit sitzt im Zug, die Armen, Geknechteten sind hinten und machen nichts anderes, als sich zu vermehren, doch vorne sitzen die Reichen und lassen es sich gut gehen. Doch dagegen muss man revoltieren… all das verstehe ich und all das ist auch weder sonderlich falsch noch sonderlich subtil. Das Problem ist nur, dass auch eine Metapher gut durchdacht sein sollte, und wenn sie das nicht ist, bleibt sie zwar eine Metapher, aber eben keine besonders clevere. Und das ist das Problem, das ich mit „Snowpiercer“ habe: Ich halte die Gesellschaft, wie sie der Film darstellt, für nicht gut durchdacht. Ich halte das Konzept nicht für gut durchdacht. Und das ist schade.

Zurücktreten, der Zug fährt jetzt ein

Trennen wir uns mal vom Sinn. Ja, dass man einen Zug für die Rettung der Menschheit auswählt, klingt irgendwie idiotisch. Ganz ehrlich, würde das ganze auf einer Art Kreuzfahrtschiff spielen, würde nahezu alles funktionieren und einen Sinn ergeben. Die Linearität würde zugunsten der Glaubwürdigkeit flöten gehen, aber die ist es ja wahrscheinlich, die hier den Reiz ausmacht. Die Menschheit, die Zweiklassengesellschaft, wunderbar verbildlicht in einem Zug. Womit wir wieder beim Problem sind. Oder den Problemen. Denn die Armen erfüllen, auch wenn Ed Harris am Schluss (oder vielmehr am Anfang, zumindest des Zuges) etwas anderes behauptet, keinen wirklichen Zweck. Sie sind nur da, um da zu sein. Angeblich, weil man sie gerettet hat, aber das wirkt ein wenig bemüht. Sie sind dreckig und sie tun nichts anderes, als sich zu vermehren. Wirklich, solche Leute hält man sich nicht in einem Zug, außer als Organspender. Oder als Nahrung. Aber nicht einmal das sind sie. Wären sie Arbeiter, deren Aufgabe es ist, sich dabei tot zu schinden, den Zug am Fahren zu halten, das würde Sinn ergeben. Dann würde alles einen Sinn ergeben. Aber dem ist nicht so, denn der Zug ist vollautomatisch und versorgt sich selbst. Ergo haben diese Leute keinen Sinn, die Balance, von der Harris quatscht, ist nur herbeigeredet, sie ist nicht durch die Situation gegeben.

Auch die Aufteilung des Zuges, die wir im Laufe des Films zu sehen bekommen, ergibt keinerlei Sinn. Die Wagen scheinen ohne Sinn und Verstand aneinandergekoppelt zu sein, und auch wenn wir Aquarium, Schule, Friseur und Disko sehen, die Apartments, in denen die Oberschicht (oder die erste Klasse) nächtigt, bekommen wir nicht zu sehen. Und das ist ein großer Fehler, denn da uns der Film sonst so gut wie alles zeigt, drängt sich der Verdacht auf, dass sie nicht existieren. Selbst Ed Harris hat zwar ein nettes Esszimmer, aber weder ein Bett noch eine Aussicht. Auch wenn der Zug in der Welt des Films vielleicht funktioniert, in der Wirklichkeit tut er das nicht. Was die Metapher eben zu einer schlecht durchdachten Metapher degradiert.

Die Ankunft des Zuges verspätet sich um 60 Minuten

Manchmal ist es der Rahmen, in dem etwas erscheint, der wichtig ist. Wie bereits gesagt, als Comic könnte ich mir das ganze gut vorstellen. Als Film, oder als der Film, den man daraus gemacht hat, will mir das ganze nicht so recht zusagen. Denn dafür ist es mit zwei Stunden zu lang und nimmt sich auch leider viel zu ernst. Dreckige Gesichter in dreckigen Wagons, die auf dreckige Taten blicken. Njäää. Als einstündige Episode einer Serie wie „Twilight Zone“ wäre das alles perfekt gewesen, ein kurzer Einblick in eine Parallelwelt, in der die Erde zugefroren ist und die Menschheit in einem Zug überlebt hat. Das wäre eine großartige Episode gewesen – und „Twilight Zone“ der perfekte Rahmen für diese Geschichte. Aber auf dem Gleis, auf dem der Zug fährt, kann er mich nicht so ganz mitnehmen.

Fazit in Fahrtrichtung rechts

Es ist kein schlechter Film, es ist eigentlich mehr Gesellschaftskritik als Science Fiction, aber es nimmt sich ein wenig zu ernst und ist ein wenig zu lang. Wer französische Comics mag, oder Allegorien, Metaphern auf die Gesellschaft, wer nicht allzu großen Wert auf Realismus legt und der von einer phantastischen Geschichte gerne begeistert wird, ohne sie zu hinterfragen, der sollte auf seine Kosten kommen. Ab 23.9.2014 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: NOWITZKI. DER PERFEKTE WURF.

Überspringen wir das Vorgeplänkel: Es geht um Dirk Nowitzki. Den gibt es wirklich. Er ist 2,13m groß und Basketball-Spieler. Diese Dokumentation zeigt, wie es dazu kam, dass er von Deutschland in die USA kam, um dort zu spielen… aber wird er seine Mannschaft in den Untergang stürzen oder zum Erfolg zu führen?

Es ist eine interessante Dokumentation, über den Sport, über den Sportler, aber auch über den Menschen. Zu Wort kommen Menschen, die mit Basketball zu tun haben, aber auch seine Familie. Sie zeichnen ein Bild der Person… oder der Personen.

Die Hauptpersonen

Dirk Nowitzki steht natürlich im Mittelpunkt des Films, aber an seiner Seite gibt es noch eine weitere wichtige Person (und seine Mutter, ja, die auch): Holger Geschwindner. Nowitzki bringt für seine Arbeit die notwendige Größe, das notwendige Talent und die notwendige Hingabe mit, ständig an sich zu arbeiten – und Geschwindner ist der Mann, mit dem er das tut. Er hat Nowitzki von Anfang an begleitet und dabei mitgeholfen, dass der Spieler stets das Beste aus sich herausgeholt hat, dass aus einem guten Spieler ein großartiger wurde. Poetisch gesprochen ist er der Mann, der dabei geholfen hat, aus Nowitzki das spielerische Kunstwerk zu formen, das er heute ist. Wer also Nowitzki Respekt für das zollt, was er da leistet, der schuldet diesen Respekt ebenso Holger Geschwindner.

Die Geschichte

Wie es das Zusatzmaterial (das Presseheft) zum Film so schön sagt, eine Doku kann man nicht genau planen, denn man weiß nie, was passieren wird und was man letztendlich daraus machen kann. Man nimmt tagelanges Filmmaterial auf und muss dann im Schneideraum entscheiden, ob daraus eine brauchbare Geschichte entstehen kann. Bei diesem Film hat es geklappt. Wir können erleben, wie Dirk Nowitzki langsam in seine Berufung hineinwächst, hören, was dafür nötig ist und was andere von ihm halten und sehen, wie er mit all dem umgeht.

Der Mensch

Was uns der Film aber nicht zeigt, ist ein Mensch, dem der eigene Erfolg zu Kopfe steigt, der abdreht, Drogen nimmt, auf die schiefe Bahn gerät und in diesem Film seine Rückkehr propagieren möchte. Das Gegenteil ist der Fall! Nowitzki ist so menschlich, wie man überhaupt nur sein kann. Ehrlich, bescheiden, freundlich, sympathisch. Dass er Altkanzler Helmut Schmidt „was vorgelogen hat“ ist eher lustig. Er ist, trotz seiner Größe und seines Erfolges, völlig auf dem Boden geblieben. Und sind das nicht genau die Menschen, denen man den Erfolg auch wirklich gönnt?!

Das Fazit

Interessant und sympathisch – ein Film über eine wahre Größe des Sports, die ihre Größe auch dadurch beweist, dass sie es nicht nötig hat, sich wie ein Star zu gebärden. Sehr sehenswert, auch wenn man sich für Basketball nicht interessiert! Ab 18. September 2014 im Kino.

Neu auf DVD: The Killing – Staffel 1

Ein Mädchen verschwindet. Doch, wie leider so oft, erweist sich der schlimme Verdacht als Wirklichkeit: sie wurde ermordet. Nun beginnt die Suche nach dem Täter…

„Twin Peaks“

In manchen Punkten erinnert „The Killing“ doch ein wenig an „Twin Peaks“ – nur ohne die übernatürlichen Elemente. Eine junge Frau wird ermordet und ein ganzes Dorf ist verdächtig. Hier ist es die Stadt Seattle, aber das scheint keinen großen Unterschied zu machen, denn nicht nur wurde die Leiche in einem der umliegenden Wälder gefunden, auch scheint jeder, der auch nur entfernt damit zu tun haben könnte, verdächtig. So zum Beispiel der Politiker, der Bürgermeister werden möchte. Irgendwie wirkt sich der Fall immer wieder auf seinen Wahlkampf und damit sein Leben aus, selbst wenn es keine direkten Berührungspunkte gibt. Seattle (dargestellt von Vancouver) ist eben auch nicht größer als Twin Peaks.

Und dann ist da natürlich die Musik. Die erinnert an einigen Stellen schon sehr an die der anderen Serie. Und dann ist da die Stimmung. Auch die ist recht ähnlich. Denn obwohl das alles in einer größeren Stadt spielt, ist die grüne Landschaft doch nie so ganz vergessen. Doch die Natur hat noch ein weiteres Element, mit dem sie sich in den Vordergrund spielt, quasi einen weiteren Darsteller, eine Hauptfigur, die in jeder Folge der Serie omnipräsent ist: der Regen! Vom Anbeginn der Staffel bis zu ihrem Ende tropft, gießt und schüttet es vom Himmel, dass man sich auf der Couch zusammenrollen und den Kamin anmachen will, um wenigstens in der Wohnung ein Gefühl der Wärme zu bekommen.

Mehr als Krimi

„The Killing“ basiert auf / ist ein Remake von der dänischen Serie „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“. Leider kann ich da keine Vergleiche herstellen, da ich das Original nicht kenne. Was man der Serie jedoch hoch anrechnen muss, ist, dass sie sich nicht nur mit dem Verbrechen und seiner Aufklärung beschäftigt, sondern auch mit den Personen, die sonst in einem Krimi für gewöhnlich ein bisschen auf der Strecke bleiben: den Opfern. Nicht dem Opfer, dem Opfer des Täters, sondern den anderen Opfern, den Verwandten, die unter dem Mord an einem geliebten Menschen zu leiden haben. Auch die stehen bei dieser Serie im Vordergrund und man kann miterleben, wie der Mord an der Tochter sie zerstört und was die Folgen davon sind.

Dann gibt es noch den Politiker. Da man die Leiche in einem Wagen seines Wahlkampfes gefunden hat, ist auch er in den Fall involviert. Doch das gibt sich sehr schnell – zumindest der direkte Kontakt zur Polizei. Dennoch aber bleibt der Fall geschickt mit seiner Geschichte, die parallel erzählt wird, verwoben, da er immer wieder Einfluss auf seinen Wahlkampf hat.

Die Besetzung

Neben dem Regen (als er selbst) sind noch weitere überzeugende Darsteller in der Serie zu sehen. Mireille Enos ist perfekt als Polizistin, die eigentlich ihren letzten Tag hat, dann aber doch noch mal an einen Fall muss, der sie nicht loszulassen scheint. Der perfekte Gegenpart dazu ist Joel Kinnaman als ihr neuer Partner. Leider ein wenig zu kurz kommt aber ihr Verlobter, der von Callum Keith Rennie verkörpert wird, so eine Art begabter Daniel Craig, der in „Battlestar Galactica“ brillierte und auch in der zweiten Staffel von „Californication“ zeigen konnte, dass er für blasse Parts eigentlich eher verschwendet ist. Besonders hervorgehoben sei auch noch Michelle Forbes. Die hatte sich bisher durch eher harte Figuren wie Fähnrich Ro in „Star Trek – The Next Generation“ oder Admiral Cain in „Battlestar Galactica“ hervorgetan, ist hier aber als zerbrechliche Mutter, die am Tod ihrer Tochter verzweifelt, absolut überzeugend. (Als Nerd kann man natürlich nicht auslassen zu erwähnen, dass sie eine ihrer ersten größeren Rollen in „Kalifornia“ an der Seite von David Duchovny hatte, welcher wiederum seinen großen Durchbruch in „Akte X“ feiern durfte, was zu Beginn auch im regnerischen Vancouver gedreht wurde, womit sich quasi ein Kreis schließt.)

Bonus

Die Abschlussfolge der Staffel liegt in einer erweiterten Fassung vor und es gibt zwei Audiokommentare, einen mit Autorin und Produzentin Veena Sud und einen mit Hauptdarstellerin Mireille Enos und einer weiteren Autorin, die ein wenig Einblicke in den Hintergrund und die Entstehung geben.

Fazit

Düstere Krimiserie auf hohem Niveau, bei der ein Fall über eine Staffel von 13 Folgen bearbeitet wird, die aber leider auch in Bezug auf die Auflösung innerhalb der ersten Staffel ein wenig von „Twin Peaks“ übernommen hat. Tipp: Am besten schauen, wenn der Herbst anfängt und es draußen grau und regnerisch ist, dann hat man die Stimmung der Serie perfekt eingefangen. Ab 11.9.2014 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: Sin City 2: A Dame to Kill For

Wiedersehen mit alten Freunden und neuen Filmmethoden. Robert Rodriguez kehrt in die sündige Stadt zurück – mit viel Stil, aber wenig Humor.

Sin City

Robert Rodriguez gehört zu den Regisseuren, die nicht ständig auf einer Stelle verharren und versuchen, den Status quo zu erhalten, sondern die versuchen, sich weiterzuentwickeln und neue Dinge auszuprobieren. „Sin City“ war damals ein solcher Versuch: Eine Comicverfilmung, bei der man quasi die Bilder aus dem Comic auf die Leinwand gebracht hat, nicht ganz Animation, nicht ganz Realfilm, sondern eine geschickte Mischung aus beidem. In schwarz/weiß mit farbigen Einsprengseln – eben so wie der Comic selbst. Der stammt aus der Feder von Frank Miller – und mit der ist natürlich „die“ gemeint, denn „Sin City“ ist eine Comicreihe. So wird im ersten Film dem Zuschauer denn auch keine durchgehende Handlung vorgegaukelt, sondern das ganze in einen hübschen Episodenfilm verwandelt, bei dem sich die Episoden berühren, sie aber nicht chronologisch sind. In diesem zweiten Teil kehrt Rodriguez zu dieser Methode zurück.

Die Handlung…en

Wir beginnen mit einem kurzen Intermezzo mit Marv (Mickey Rourke) und lernen dann neue Figuren und alte mit neuen Gesichtern kennen. Joseph Gordon-Levitt darf es als Glücksspieler mit Powers Boothe aufnehmen, Josh Brolin übernimmt die Rolle von Clive Owen, die auch hier wieder den Mittelteil des Films darstellt. Und dann gibt es natürlich noch die Geschichte um Jessica Alba und Bruce Willis aus dem ersten Film, die hier wieder aufgegriffen wird. Auch diesmal wird die Handlung nicht chronologisch erzählt – was auch in Bezug auf den ersten Film gemeint ist. Aber wenn man ein bisschen aufpasst, kann man dahinter kommen, wo man sich zeitlich gerade ungefähr befindet. Ungefähr.

Kommen wir zum Aber: Ein Episodenfilm ist nur so gut wie seine Episoden. Natürlich hat man sich für den ersten Teil die stärkeren Episoden herausgepickt, alles andere würde ja auch keinen Sinn ergeben. Comickenner können wahrscheinlich eruieren, dass sich die Filme ziemlich dicht an der literarischen Vorlage bewegen, was ja kein Wunder wäre, da Miller auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. Alles ist hart und bitter und düster – aber ich hatte das Gefühl, der erste Teil hatte mehr Humor. Selbst in den düsteren Szenen. Und das fehlt hier ein bisschen – mir zumindest. Eine Spur mehr hätte dem Ganzen gut getan.

Die Bilder

Worin der Film allerdings unschlagbar ist, ist die Umsetzung von Rodriguez. Genau wie im ersten Teil bringt er Comicbilder auf die Leinwand – und scheint dabei eine Menge Spaß zu haben. Er spielt herum und gibt dem ganzen seinen eigenen Stil. Laut Infomaterial gab es diesmal nicht mal wirkliche Kulissen, so ist denn wohl so ziemlich alles, was kein Schauspieler ist, nachträglich ins Bild eingefügt. Hat so was bei Filmen wie „Star Wars“ eher nachteilige Folgen, weil es oft einfach unecht aussieht, merkt man es hier nicht einmal. Im Gegenteil, es fügt sich hervorragend in das Gesamtbild ein. Selbst das 3D kann sich sehen lassen – wäre bei einem visuellen Meister wie Rodriguez sonst aber auch eher eine Überraschung gewesen.

Facity

Solide und handfeste Fortsetzung von „Sin City“, die vielleicht stärker wäre, wenn man das Original nicht kennen würde, so aber leider nicht ganz an den ersten Teil heranreicht. Optisch großartig gemacht. Ab 18. September 2014 im Kino.

Neu im Kino: Schoßgebete

Hier wächst nicht zusammen, was nicht zusammen gehört. Wenn Sie positiv aus dieser Kritik herauskommen wollen, gehen Sie jetzt. Ansonsten…

(B)anal

Glücklicherweise bezeichnet das Pressematerial den Film nicht als Komödie, denn dann hätte ich jetzt mein Messer gezückt. Stattdessen spricht es von „radikal offen“ und „voller grimmigem Humor“. Naja… Das ganze ist eher banal als anal und bis zum letzten Drittel auch eigentlich eher prüde als rüde. Wenn es das Ziel war, eine interessante Geschichte schlecht und unpassend zu erzählen, dann ziehe ich meinen Hut, denn dann haben die Filmemacher ihr Ziel erreicht. Wäre die Prämisse (möglicherweise auch des Buches), ein „schlüpfriges“, „anstößiges“, „radikal offenes“ Thema vorzugaukeln und darin versteckt eine interessante Geschichte zu erzählen, also quasi den dummen Zuschauer/Leser anzulocken mit „Titten und Ärschen“ und ihm dann aber „Hamlet“ (oder wohl eher „Hamlet mit Titten und Ärschen“) vorzusetzen, also durch reines Marketing ein Produkt, das besser ist als das, was die Leser/Zuschauer erwarten, zu verkaufen… das wär für mich okay. Aber leider habe ich nicht das Gefühl, dass das hier die Grundlage war.

(P)rüde

Ein wenig erinnert mich das an dumme Autoren, die glauben, wenn sie in ihrer Geschichte das Wort „ficken“ sagen, wäre das irgendwie neu und cool und subversiv und gegen den Strom und abgedreht und radikal offen und nicht einfach ausgelutschte armselige Scheiße und ein Zeichen für mangelnde Originalität. So drängt sich mir dieser Film auch ein wenig auf. Dabei hat er eine brauchbare Handlung – EINE, die ein wenig den Rahmen oder so was bilden soll, aber auch nicht wirklich irgendwohin läuft. Aus dem Unfall, bei dem die Hauptfigur Bekannte und Verwandte verloren hat, aus dem Umgang der Medien mit ihr und sie im Umkehrschluss mit den Medien, da hätte man einen tollen Film draus machen können. Hier dagegen wird diese Geschichte, die man interessant und spannend hätte erzählen können, zersetzt durch Dildos und Arschwürmer, was sie extrem entwertet. Ich meine, ich kann auch einen Film über aidskranke verhungernde Kinder machen und das mit einer Handlung koppeln, wo sich zwei sexy Mädels gegenseitig die Muschis ausschlecken – da haben wir dann Anstoß und Anstößiges, aber ES PASST NICHT ZUSAMMEN!

Ja, und dann geht’s halt um die Beziehung der Hauptperson zu ihrem Mann und Sex und überhaupt und… es ist weder sonderlich witzig noch sonderlich interessant noch sonderlich sexy. Mädchen, wenn du zwar von „ficken“ redest, aber noch nichtmal in den Bereich der „Ausschabungen“ gehst, tja, dann könnte das doch wohl noch viel radikaler und offener sein, hm?

(M)ist

Ich will nicht verhehlen, dass es ein oder zwei ganz nette Ideen gab, aber die gehen in der Banalität des Rests unter. Und in der Analität gleichermaßen. Aber, hey, die Jugend wird es lieben… wahrscheinlich. Brechungen gibt es aber leider genauso wenig wie SINNVOLLE Entwicklung. In einer Nicht-Schlüsselszene am Schluss (Vorsicht: Spoiler!) entscheidet sich die Figur, statt mit dem Lift zu fahren (über den sie sich bei ihrer Therapeutin beschwert hat), die Treppe zu nehmen. Wäre das eine nachvollziehbare Ironisierung des Klischees, wäre das vielleicht großartig, aber so ist die Situation, dass sie nie wirklich Probleme mit dem Aufzug hatte, es einmal erwähnt und IHN DANN MEIDET. Sinnvoll wäre, Angst vor ihm gehabt zu haben und gelaufen zu sein, während man am Ende dann über seinen Schatten springt und in den Aufzug steigt. Aber so ist das einfach nichtig und dumm. Und die Geschichte mit dem Unfall… auch die erfährt keine rechte Entwicklung und Auflösung, wie sie es verdient hätte. Ja, es gibt da was am Schluss, aber das wirkt ein wenig bemüht. Wie der Rest. Und eigentlich alles an und in diesem Film. (Und, seien wir ehrlich, wenn es um Sex geht und man ein bisschen auf Wortwitz steht, hätte „Stoßgebete“ doch auch funktioniert, oder?)

(Ge)schlecht

Sie haben’s gemerkt, ich bin kein Fan. Eher im Gegenteil. Deutscher Film kann gut sein – das hier ist aber kein Beispiel dafür. Wenn man zu den Leuten gehört, die am Stammtisch laut losprusten, wenn einer „Titten“ sagt, dann wird man hier bestimmt eine Riesenfreude haben. Wenn nicht… ab 18. September 2014 im Kino.