Neu im Kino: Nightcrawler

Ein Mann stellt eines Nachts fest, dass man mit Filmaufnahmen von Unfällen mit möglichst viel Blut Geld verdienen kann. Er beginnt, das selbst zu tun…

Verschenkte Gelegenheiten

…und das wäre eine hervorragende Ausgangssituation für eine Satire. Oder einen Krimi. Leider versucht „Nichtcrawler“, irgendwie beides zu sein und ist dann irgendwie nichts so ganz. Man sieht die Ansätze der Satire, man sieht die Ansätze des Krimis, aber letztlich steht eher die kaputte Figur von Jake Gyllenhaal im Fokus, und die ist weit weniger spannend, als die anderen beiden Möglichkeiten gewesen wären. Ja, darin hätte ein dritter Film gesteckt, der Psycho, der einen Traum hat und eine Firma gründet… doch in diesem Eintopf kann sich keine der Geschmacksrichtungen so richtig entfalten.

Ansatzschwierigkeiten

Ach, was hätte man eine großartige Satire machen können. Über skrupellose Medien, den Umgang mit Menschen, den Umgang und die Vermarktung anderer Leute Leid…

Man hätte Gyllenhaals Figur auf eine skrupellose Reise schicken können, eine, in der er selbst es ist, der anfängt, Verbrechen zu schaffen, die er dann selbst filmt… das hätte gleichermaßen in Richtung Satire wie Krimi gehen können.

Oder man hätte Gyllenhaal zufällig ein Verbrechen filmen lassen können, dass er dann selbst auflöst… das ist in Ansätzen drin, aber viel zu spät und viel zu schwach. Man fühlt sich an „Reporter des Satans“ mit Kirk Douglas erinnert, aber nur halbherzig. Immer, wenn der Film eine (für mich) interessante Wendung hätte nehmen können, entscheidet er sich für die andere (falsche) Richtung. Nichtmal den Weg, einen Unfall aus der Perspektive von Gyllenhaal, also aus seiner Kamera zu zeigen, wird gegangen.

Zugegeben, der Showdown vor dem Showdown ist spannend. Aber leider reicht das nicht, um den ganzen Film zu retten. Für viele mag das Endergebnis erfreulich sein (die Videooptik von Los Angeles zum Beispiel, die Michael Mann in „Collateral“ eingeführt – und weit schöner gemacht hat), ich finde es schade, dass dies mal wieder, wie dieses Jahr scheinbar typisch, ein Film der halbherzigen Entscheidungen war. Das macht ihn zwar nicht austauschbar, aber doch weniger stark, als er hätte sein können.

Und wo wir schon mal bei Verschwendung sind: Bill Paxton! Nach „Aliens“ schien es eine Weile ein wenig ruhig um ihn geworden zu sein, aber heutzutage ist es eigentlich immer eine Freude, ihn zu sehen. Schade also, wenn man nicht mehr mit ihm macht.

Fazithausen

Nicht ärgerlich, aber ein Film, der weit hinter den Möglichkeiten zurück bleibt, die die in ihm angerissenen Thematiken durchaus bieten würden. Ab 13. November 2014 im Kino.

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