Neu im Kino: The Zero Theorem

Die Zukunft. Ein Mann wartet auf einen überirdischen Anruf. Doch dann gibt ihm sein überirdisch wirkender Chef einen neuen Auftrag und sein Leben verändert sich…

So in etwa

Natürlich fasst es das nur grob zusammen. Beginnen wir also da, wo „das Universum“ anfängt…

Monty Python’s Flying Circus

Okay, vielleicht nicht ganz früh.

Brazil

Das ist es. „Brazil“ dürfte einer der ersten Filme gewesen sein, wenn nicht gar der erste, mit dem der einzige Amerikaner der britischen Komikertruppe „Monty Python“ als Regisseur Aufsehen erregte / für Furore sorgte / auf sich aufmerksam machte (suchen Sie sich eins aus). Damit schaffte Terry Gilliam es ein wenig, die Bizarrheit und Phantasie seiner Cartoons aus der Python-Ära in einem Film auf die Leinwand zu bringen. „Brazil“ ist abgehoben und abgedreht, schräg, merkwürdig, böse und hoffnungsvoll – und möglicherweise Gilliams bester, wahrscheinlich aber sein originellster Film. Das alles macht es schwer, „The Zero Theorem“ nicht mit Gilliams Meisterwerk zu vergleichen – und da hat man es eben schwer, neben einem Meisterwerk zu bestehen. Denn bei „Brazil“ stimmt so vieles – nicht alles, er hat schon seine Längen am Ende, aber so vieles funktioniert so gut. Die größten Unterschiede zum aktuellen Werk sind vielleicht diese: In „Brazil“ ist alles ein wenig verspielter, zwei Spuren surrealer, eher ein Schuss Fantasy – und der Film hat einen grandiosen Soundtrack von Michael Kamen, der wunderbar mit dem Brazil-Thema spielt und es sowohl verliebt wie auch bedrohlich daherkommen lässt. Das bietet der neue Film natürlich

Zero

denn leider ist Michael Kamen vor ein paar Jahren verstorben – und wahrscheinlich gibt es auch kein Musikstück namens „The Zero Theorem“, auf dem man seine Filmmusik hätte aufbauen können. Die starke Musik, die das ganze zusammenhält und ihm das Gefühl eines eigenwilligen Traumes verleiht, fehlt also. Und auch der Rest reicht leider nicht an den alten Film heran. Zwar erhascht man zu Beginn einen kleinen Einblick in die Zukunft und erwartungsgemäß sieht man dort wunderbare Ideen – doch das vergeht schnell und die Handlung beginnt. Die scheint ein bisschen die Umkehrung von „Brazil“ zu sein, denn dort ist die Hauptfigur ein Suchender, hier eher ein Ablehnender. Es gibt ein paar Handlungsstränge, die aber irgendwie nie richtig zusammengeführt werden. Das ist

Schade

da man gehofft hat, einen Gilliam-Film zu sehen, über den man sich freuen kann und an dem man eine surreale Freude hat. Die ist zwar da, kommt aber irgendwie zu kurz. Rein visuell ist er natürlich seinem Schöpfer entsprechend, wirkt er doch stellenweise wie eine Mischung aus „Brazil“ und „12 Monkeys“, doch dann gibt es wieder Dinge, die zu sehr an ersteren erinnern, z.B. die beiden Leibwächter, die Bob Hoskins und seinem Kollegen nachempfunden zu sein scheinen.

Die gilliamanische Umsetzung der Zukunft bringt eigentlich den Gedanken auf, dass man nie die Idee gehabt zu haben scheint, Terry Gilliam die hervorragend schräg futuristisch abgehobenen Comicreihe „Transmetropolitan“ von Warren Ellis umsetzen zu lassen – da hätte er eine gute Geschichte als Grundlage gehabt und die visuelle Umsetzung hätte ihm sicher gelegen.

Fazit

Visuell ein echter Gilliam, inhaltlich leider nicht ganz. Schade, dass das Potential, das der Schöpfer früher gezeigt hat, hier nicht voll zur Geltung kommt. Ab 27. November 2014 im Kino.

Ein Gedanke zu “Neu im Kino: The Zero Theorem

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