Neu auf DVD: Die große Versuchung – Lügen bis der Arzt kommt

Ein kleines Fischerdorf lebt nur noch von Sozialhilfe. Doch es gäbe die Möglichkeit, dass ein Ölkonzern dort eine Fabrik eröffnet. Um das zu ermöglichen, braucht man jedoch einen Arzt. Wie es der Zufall (oder der Ex-Bürgermeister) will, taucht sogar einer auf. Den will man nun dazu „überreden“, länger zu bleiben… und das große Lügen beginnt.

Schiffsmeldungen vom Arbeitsamt

Irgendwie erinnert der Film ein wenig an „Schiffsmeldungen“. Ähnliche Küste, ähnliches Hafendorf, ein gemeinsamer Schauspieler (Gordon Pinsent ist in beiden Filmen vertreten). Und eine durchaus ähnliche Stimmung: Die Dorfbewohner sind alle Typen, das Ambiente ist wettergegerbt und man spürt den Wind über die Klippen wehen. Musikalisch (und wegen Hauptdarsteller Gleeson) hat man ein wenig das Gefühl, das ganze könnte in Irland spielen, doch es ist Kanada, gedreht in Neufundland (wie uns das bescheidene Bonusmaterial sagt), dem Ort, an dem auch „Schiffsmeldungen“ spielt.

Natürlich beschwere ich mich meist, wenn sich die Handlung so entwickelt, wie man es hat kommen sehen – und natürlich tut sie das hier auch. Der Doktor aus der Stadt, der aufs Land kommt… wird er die Dorfbewohner lieb gewinnen und am Ende ihr Problem lösen? Oder zieht er eine Schrotflinte und erweist sich als übler Serienkiller, der endlich einmal eine Tat ohne Zeugen begehen möchte und radiert das ganze Nest aus? Nuuuun… ich denke, Sie können es sich denken. Nichtsdestotrotz ergibt sich dabei ein recht amüsanter Film, der irgendwo zwischen dem erwähnten „Schiffsmeldungen“ und einer britischen Arbeiterkomödie liegt. Plus eine große Spur unverfrorener Lügerei!

Alles Kitsch

Das Schlitzohr des Dorfes ist der hervorragende Brendan Gleeson. Er macht das so, wie man das von ihm kennt, mit Witz und herbem Charme. Den Landarzt in Spe gibt Taylor Kitsch, der nicht nur mit einem ungünstigen Namen gestraft ist (die Bedeutung von Johnny Depp hat sich noch nicht so recht bis Amerika rumgesprochen, aber der Begriff „Kitsch“ dürfte durchaus bekannt sein), sondern in kürzester Zeit gleich zwei Multimillarden-Dollar-Filmen nicht gerade zu Kassengold verholfen hat („John Carter“, vom Mars, nicht aus Emergency Room – und „Battleship“/“Schiffe versenken – der Film“) und dessen Karriere danach ein wenig in kleinere Gänge geschaltet wurde. Er macht seine Sache ganz gut, wirkt aber in manchen Szenen wie Sam Rockwell, nur etwas weniger begabt. Rockwell wäre natürlich ein Traum gewesen, aber der wäre für den Part möglicherweise ein wenig überqualifiziert. So passt alles ganz gut zusammen und die Geschichte entwickelt sich so, wie sie soll.

Bonus

Zusammengenommen etwa sieben Minuten an Interviews. Der Audiokommentar mit den Darstellern Brendan Gleeson und Mark Critch ist ganz amüsant, bringt die eine oder andere Hintergrundgeschichte, aber ein Muss, das man unbedingt gehört haben sollte, ist er nicht.

Fazitmeldungen

Nett, verschmitzt, schlitzohrig, auf dem Boden geblieben und mit dem Herz am rechten Fleck – um es kurz zu sagen. Schöne Unterhaltung, bei der man weiß, was man bekommt, man sich aber trotzdem nicht ärgert. Ab 28.11.2014 auf DVD und Blu-ray.

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