Neu im Kino: Magic in the Moonlight

Zauberer will Medium entlarven… und entlarvt sich selbst.

War das Allen?

Nein, das war natürlich nicht alles, aber Allen war es schon. Woody, um genau zu sein. Er ist ein bisschen wie ein Maler, der seine Perioden durchläuft. Waren die frühen Jahre noch a) New York und b) Komödie, wandelte sich das nach einer Ingmar Bergmann Gedächtnisphase zu anderen Städten wie a) London und b) Paris, vielleicht mit einem Intermezzo in c) Rom. In seiner Jugend, oder vielmehr in meiner Jugend, stand von ihm zu lesen, dass er nur in New York drehen und die Stadt niemals verlassen könne – und da halten manche Leute den deutschen Titel „Der Stadtneurotiker“ für unangebracht. Aber Woody wurde älter und seine Adoptivtochter auch und das ist eine völlig andere Geschichte, auf die wir hier nicht näher eingehen werden. (Ob Allen-Ex-Ehefrau Mia Farrow nach ihrem Film „Rosemarys Baby“ lieber auf Adoptieren umgestiegen ist, weil sie Angst davor hatte, eine Ausgeburt der Hölle zu gebären, ob sie gar Woody für den Teufel hält… all das werden wir wohl nie erfahren.)

Aber weg vom Klatsch und zurück zum Werk. Seine frühen Werke zeichnen sich besonders durch eins aus: ihn. (Und seine großartige deutsche Stimme Wolfgang Draeger, der zwar nicht so weinerlich klingt, dafür aber nicht weniger neurotisch… und der mir Woody Allen im Original ein wenig verleidet hat… oder verlitten?) Er hatte einen bestimmten Humor und eine bestimmte Art, diesen in Dialoge zu kleiden. Später hat er versucht, das mit anderen Schauspielern an seiner statt umzusetzen, doch außer Owen Wilson/Philipp Moog sind bisher alle daran gescheitert. Zeit für eine Zwischenüberschrift.

Allen voran

Seine Filme veränderten sich und prinzipiell ist das auch durchaus ein gutes Zeichen. Ein Künstler sollte nie aufhören, sich weiterzuentwickeln. Ein bisschen schade dabei ist nur, dass ich persönlich seine Handschrift nur schwer erkenne, wenn er nicht an der Hand hängt, die den Stift führt. Mit anderen Worten: Ich habe immer das Gefühl, die Filme, in denen er nicht auftaucht, könnte auch jemand anders gemacht haben. Und das ist ein bisschen schade.

Bei diesem Film nun erkennt man seine üblichen „Stilelemente“ wieder, aber nicht unbedingt seinen Humor. Es beginnt mit dem Orion-Logo… nee, die sind pleite. Ja, jedenfalls nach dem Logo kommen weiße Titel auf schwarzem Grund, bei denen sich die Typo seit den 60ern nicht geändert hat, untermalt von Jazzmusik – eben so, wie ein Woody Allen anfängt. Die Musik ist die Art Musik, die er gerne verwendet und eigentlich passt sie auch in die Ära, in der der Film spielt – und doch habe ich das Gefühl, sie ist hier ein wenig fehl am Platze. Vielleicht, weil er sie mehr wie ein Markenzeichen einsetzt und nicht wirklich variiert, um eine Szene angemessen zu untermalen? Jedenfalls erschien sie mir hin und wieder wie ein leichter Fremdkörper – sich treu sein, kann eben auch seine Nachteile haben. Ja, ich weiß selbst, dass ich mir hier hochgradig widerspreche!

Allen geht’s gut

Auch wenn das Allen… alles jetzt vielleicht ein wenig negativ klang, so ist der Film durchaus positiv. Nicht originell, eigentlich komplett vorhersehbar, aber durchaus sehr ansehnlich. Was daran liegt, dass Colin Firth seine Sache sehr gut macht. Er ist zu britisch, um ein Woody Allen Surrogat zu sein, also drängt sich einem der Vergleich, was wäre, wenn Woody die Rolle selbst geschrieben hätte, gar nicht erst auf. Ihm zur Seite steht Emma Stone und macht wie üblich eine gute Figur. Ganz ehrlich, ich finde die Frau eigentlich nicht richtig hübsch – aber Mann, die hat eine Ausstrahlung! Da kann man durchaus verstehen, warum Spider-Man ihr erlegen ist, denn die Frau hat was. Und sie kann spielen. Was sie hier auch tut. Ein echtes Vergnügen.

Der beste von Allen?

(Aufdruck vom „Everybody Says I Love You“-Plakat) Mitnichten. Nicht so lustig wie die frühen – aber auch nicht so Alter-Sack-will-junges-Ding-mäßig wie seine letzten. Nach „To Rome With Love“ und „Moonlight in Paris“ mit „Magic in the Moonlight” ein… Titel… der möglicherweise das Twilight-Publikum abgreifen möchte? Nein. Teil der berühmten Moonlight-Trilogie von Woody Allen? Möglicherweise bald. Fast so, als hätte er gerade eine Biographie von Houdini gelesen und sich gesagt: Hey, daraus kann ich auch n Film machen. Man erkennt die Ähnlichkeiten, man weiß, worauf es hinausläuft, aber durch ein nettes Buch und schönes Spiel ist das alles durchaus charmant. Ab 4. Dezember 2014 im Kino.

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