Neu im Kino: Exodus – Götter und Könige

Oh Moses… Er ist der Kumpel von Ramses, dem nächsten Chef von Ägypten. Aber dann gibt es eine Prophezeiung und die Freundschaft beginnt zu kriseln… so sehr, dass Moses letztenendes für eine Person namens „Gott“ arbeitet und „sein Volk“ aus dem Land der Pharaonen hinausführen will…

Über 7 Plagen musst du gehen

Und damit meine ich nicht das 3D! Aber der Film bietet eine moderne Verfilmung der Moses-Geschichte – wie akkurat er sich dabei an die Romanvorlage („Die Bibel“, vermutlich der Band „Altes Testament“) hält, kann ich leider nicht sagen. Doch es gibt viele Dinge, die man wieder erkennt. Und da sind die 7 Plagen… Ach, die deutsche Sprache ist doch so viel biblischer als die englische. Ganz ehrlich, manche Dinge funktionieren auf Deutsch einfach besser. Die hervorragende Serie „Rom“ zum Beispiel (aus der wir hier Indira Varma wieder sehen), die ist auf Englisch zwar gut, aber wirkt doch manchmal irgendwie ein wenig deplaziert. Hier ist es ähnlich, wenn im Original von „General“ die Rede ist und ihn der Untertitel als „Feldherr“ ausweist – und dass die schönen „Plagen“ zu „Katastrophees“ degradiert werden, nimmt ihnen auch ein wenig die biblische Poesie. Wobei das bei einem schlechten Synchronautor auch in der deutschen Fassung passieren kann… aber muss ja nicht.

Nun, um auf die Plagen zurückzukommen – und überhaupt auf den Kontakt mit Gott – so bemüht sich der Film größtenteils, beide Möglichkeiten offen zu halten: War es eine Naturkatastrophe oder war es das Werk Gottes? Das klappt eigentlich bei allem, außer bei den Killerkrokodilen im Nil und bei der Dunkelheit, die alle Kinder tötet. Alles andere jedoch funktioniert recht gut in beide Richtungen – und bei der „Teilung“ des Meers kam mir gleich der Gedanke, mit dem sie es umgesetzt haben. Auch wenn die Umsetzung ein wenig an der Grenze des Realistischen knabbert, aber die Möglichkeit wäre da durchaus da. Was uns leider um die Mauern aus Wasser bringt, durch die die Israeliten wandern – aber man kann ja nicht alles haben.

Man kann aber alles sehen

Und das ist ein Problem des derzeitigen Gigagantismus (falls das ein Wort ist – ich weiß, es ist keins), der viele Filmemacher dazu zwingt, alles größer, schneller, weiter, voller zu machen. Der Computer macht’s möglich – und bezahlbar. Das führt dann dazu, dass einzelne Ansichten mit zuviel Bildinformation vollgeschissen werden. Mag der Masse gefallen, aber für mich führt es dazu, dass die Menschen in den Bildern eher aussehen wir Armeisen, die durch ein Sanddiorama kriechen. Mehr ist nicht immer mehr, durch mehr wird es oft unübersichtlich, das Auge weiß nicht mehr, worauf es sich eigentlich konzentrieren soll und das macht das Bild eher schlechter als besser.

Außerdem kommt da noch etwas anderes hinzu. Ich habe das dieses Jahr gemerkt, als ich meinen neuen Science Fiction Roman geschrieben habe. Wann ist eine Schlacht interessant? Wenn 1.000 Schiffe/Krieger aufeinandertreffen und man keine Ahnung hat, wer was macht, aber alles laut und bunt um die Wette kracht? Find ich langweilig. Weil man keinen Bezug hat und auch nicht unbedingt weiß, worum es geht und was wichtig ist. Deshalb halte ich die Raumkampfszenen in „Krieg der Sterne“ und „Star Trek 2: Der Zorn des Khan“ für sehr gelungen, denn da weiß man a) worum es geht, b) was auf dem Spiel steht und c) wer die Protagonisten sind. Es gibt ein Ziel, das erreicht werden muss. Viele anderen Schlachten, bei denen man keinen Protagonisten hat, mit dem man wirklich mitfühlt, werden dadurch unbedeutend und kommen über ein rein visuelles Spektakel nicht heraus.

Wer spielt sich ab

Es gab wohl eine Diskussion darüber, dass mal wieder nur Weiße in einem afrikanischen (Ägypten) Film spielen – aber bei einem Film, der 18 Trillionen Dollar kostet und 9 Milliarden Fillionen einspielen soll, setzt man eher auf Stars als auf Unbekannte. Was durchaus nachvollziehbar ist. Joel Edgerton ist als Ramses denn auch so geschminkt, dass er dem Klischee eines Pharaonen durchaus entsprechen würde. Bei Christian Bale als Moses wirkt der Haarschnitt zu Beginn ein wenig zu modern, aber das gibt sich dann. Ob er dagegen als Ägypter durchgeht, darf angezweifelt werden. Dann sind da auch noch Ben Kingsley, der einen alten, weisen Mann spielt (wie originell) und Sigourney Weaver… die nahezu nix zu tun hat, außer zweimal oder so im Bild zu stehen und die böse Mutter rauszukehren. Ist ein bisschen Verschwendung von Material. Aber kommen wir zum heiklen Teil…

Ist Gott Rassist?

Tja, irgendwann musste diese Frage ja mal gestellt werden, oder? Schön ist, dass auch Ramses seinen Ex-Kumpel Moses fragt, was das denn für ein Gott sei, der Kinder umbringt. Eine mehr als berechtigte Frage, die kein wirklich gutes Licht auf diesen Gott wirft. Moses antwortet, dass er keine hebräischen Kinder umgebracht hätte – und da kommt meine Frage ins Spiel: Macht ihn das nicht zum Rassisten? Dass er sich nur um ein Volk kümmert und die anderen nach Belieben mit Plagen und Kindstod überschüttet? Sollte einem echten Gott, der alle Menschen geschaffen hat (und angeblich liebt), Parteilichkeit nicht fremd sein? Sollte er nicht alle gleichermaßen lieben und keinen bevorzugen? Ist diese Arbeitsweise Gottes nicht seit Erfindung der Religionen Grundlage dafür, dass religiöse Fanatiker der unterschiedlichsten Lager glauben, ihr Gott sei besser und wolle das so und damit sei ihr verschissenes Verhalten gerechtfertigt? Das ist nicht unbedingt die Frage, die der Film stellt – aber das ist die Frage, die ich stelle. Also was meinen Sie, ist Gott ein Rassist? Finden Sie Ihre eigene Antwort!

Fazitus

Ridley Scott wird wohl nie ein schlechter Regisseur sein – aber seine Werke sind mal so mal so. Diesem hier würde ich 50:50 anrechnen. Er ist nicht schlecht, auf jeden Fall keine intellektuelle Bankrotterklärung wie „Proletheus“, aber weit davon entfernt, ein Meisterwerk wie „Alien“ zu sein. Ägypten wird uns als von Armeisen bewohnter außerirdischer Planet gezeigt, es gibt eine schöne Konfliktgeschichte am Anfang, die dann in einer Art epischen Streit ausartet, bei dem beide Seiten vor wenig zurückschrecken – und Gott vor gar nichts. Wenn man Bibelverfilmungen mag, sollte man die hier nicht verpassen. Durchaus spannend, durchaus interessant, mit 2einhalb Stunden durchaus lang. Ab 25. Dezember 2014 im Kino.

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