Neu im Kino: Die Sprache des Herzens

Das Leben der Marie Heurtin

Ein Nonnenkloster, in dem größtenteils taubstumme Nonnen leben. Ein Mädchen, das taub und blind ist, soll in dieses Kloster kommen, doch es wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen. Doch eine Nonne, die selbst todkrank ist, nimmt sich des Mädchens an…

Seufz!

Anders. Anrührend. Zu Herzen gehend. Aber auch anstrengend und frustrierend. Das dürfte die Emotionen der Hauptpersonen gleichermaßen beschreiben wie die des Publikums. Oder die Emotionen, die es dabei empfinden sollte. Denn was wir zu sehen bekommen, ist weit entfernt von der üblichen Kinokost. Ein Film, der dank seines Themas, sehr sparsam mit seinen Worten umgeht.

Frage an Gehörlose

Da ich in diesem Fall nicht vom Fach bin, wäre es interessant, von Gehörlosen zu erfahren, ob a) die von ihnen verwendete Gebärdensprache international ist und b) ob sie im Film richtig angewendet wird. Sollte dem nämlich so sein, müsste dies eigentlich ein angenehmer Film für Gehörlose und Taubstumme sein, nicht, weil sie das Thema des Films sind, sondern weil der Großteil der Kommunikation über die Gebärdensprache (mit Untertiteln) abläuft – unter Umständen also ein Film, in dem diese Gruppe quasi direkt angesprochen wird.

Frustration

Aber warum kann ein anrührender Film denn frustrierend sein? Weil das, was passiert, bisweilen frustriert. Und das mag auch daher rühren, dass das taubblinde Mädchen ebenfalls frustriert sein muss – was sich so darstellt: Die Nonne, versucht, dem Mädchen etwas beizubringen, doch das Mädchen flippt in einer Tour aus und schreit, was dazu führt, dass das alles zu nichts führt. Frustrierend, weil alle Anstrengungen im Sande verlaufen. Aber auf der anderen Seite spiegelt die Frustration, die man als Zuschauer fühlt, sei es nun vom Filmemacher bewusst so angedacht oder nicht, die Frustration wieder, das das Mädchen empfinden muss: einschlossen in einem Körper ohne wirklichen Kontakt zur Außenwelt, alles, was sie kann, ist fühlen, nicht hören, nicht sehen, dadurch keine Sprache entwickeln… Es ist eigentlich nicht wirklich umzusetzen, wie man in einer solchen Situation die Welt wahrnehmen, wie man über sie denken muss, wenn man eigentlich kein Vokabular dafür hat, wenn man Dinge fühlen, aber sich mit niemandem richtig darüber austauschen kann. Man kann es nicht umsetzen – aber es muss frustrierend sein.

Natürlich ist es auch aus einem anderen Grund nicht möglich, den Film aus der Perspektive des Mädchens zu zeigen, denn dann hätte man eine schwarze Leinwand und keinen Ton – und solange das von den Zucker-Brüdern erfundene Gefühlskino noch keinen Einzug bei uns genommen hat, dürfte eine solche Umsetzung wohl auch ausbleiben. So sehen wir das meiste aus der Perspektive der Nonne, die in diesem Kind eine, ihre Lebensaufgabe sieht. Also versucht sie, zu dem Kind durchzudringen und ihm eine neue Welt zu öffnen, mit viel, viel Geduld… und Frustration. Auch die Schauspielerinnen seien an dieser Stelle gelobt, die alle sehr gut und sehr überzeugend spielen. Ein rundum gelungener Film.

Fazit

Sehr schön, ich sagte es schon. Nicht unbedingt etwas für jeden, aber wer sich mal ein bisschen vom großen Strom lösen und ein wenig abseits des Weges in etwas Exotischeres hineinschnuppern möchte, der fährt gut mit diesem französischen Film. Die Frustration gehört bei dieser Geschichte (nach einer wahren Geschichte) dazu – und sie macht den Abschluss des Films umso süßer. Ab 1.1.2015 im Kino.

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