Warum TOP 10 Listen bescheuert sind…

und was meine Favoriten und das Gegenteil davon dieses Jahres sind. Aber muss man so was wirklich in einer TOP 10/5/1 Liste machen? Sind wir hier bei den Olympischen Spielen? Warum sollte man sich für einen ersten Platz entscheiden, wenn es keinen gibt? Warum sollte man nur 10 Filme auswählen, wenn es 12 wirklich gute gab? Oder nur 6? Es ergibt alles keinen Sinn, es ist alles idiotisch – und jeder macht mit. Ich nicht. Deshalb gibt es in diesem Filmischen Jahresrückblick einfach das, was mir dieses Jahr gefallen hat und was nicht so sehr…

Ich beginne mit einem in mich gehenden Hmmmm. Auch wenn ich 2014 mehr Filme im Kino gesehen habe, als möglicherweise in den 10 Jahren davor zusammen, so ist eigentlich kaum was dabei, von dem ich so wirklich unumstößlich sagen würde, dass es ein cineastisches Meisterwerk ist, das man unbedingt im Kino gesehen haben muss – oder überhaupt. Ein paar Sachen waren gut, ein paar Sachen waren überraschend – und ein paar Sachen waren Schrott. Aber beginnen wir mal im positiven Bereich.

Mit Denken

Ich denke, mein Favorit des Jahres bleibt „Her“, weil der eine interessante Idee konsequent durchdacht und verfolgt hat. Sowas ist eher selten und deshalb bin ich dankbar, wenn man es mal geboten bekommt. In einer ähnlichen Kategorie spielt „All is Lost“ (was bedeutet, dass ich auch Filme, die ich auf DVD gesehen habe, in diesen Rückblick mit aufnehme). Dieser Film ist ein schönes Beispiel dafür, wie man auch mit reduzierten Mitteln eine Geschichte erzählen kann – und dass es möglich ist, dem Zuschauer nicht ALLES unter die Nase zu reiben, so dass er selbst nachdenken und zu seinen Schlußfolgerungen kommen muss. Ebenfalls ein großes Danke! dafür, dass es noch Leute gibt, die den Zuschauer nicht als kompletten Idioten sehen.

Comiker

Die Blockbuster der letzten Jahre waren besonders Comic-Verfilmungen. Marvel hat gezeigt, wie man es halbwegs richtig macht – Ausnahmen wie „Iron Man 2“ sind da durchaus nachvollziehbar – indem man langsam und Film für Film ein Universum aufbaut, in dem man spielen kann und das man Film für Film erweitert. Neustes Stück in dem großen Filmpuzzle, das sie aufbauen, ist „Guardians of the Galaxy“, der zwar nur lose mit der Marvel-Welt zusammenzuhängen scheint, aber das wird sich dann spätestens mit einem der nächsten „Avengers“-Filme ändern, bei dem dann wahrscheinlich alles auftritt, was bei Marvel so kreucht und fleucht – vorausgesetzt, man hat die Rechte daran. „Guardians“ ist mehr oder weniger ein Spaß-Film, der Spaß hat und Spaß macht. Das ist erfrischend… und macht Spaß. Ebenfalls sehr schön war „X-Men – Days of Future Past”, der die alten Säcke mit den neuen Säcken zusammenbringt, also die Besetzung der ersten Filme mit ihren jüngeren Ichs aus “First Class”. Und obwohl dieses Konzept laut das Wort “DESASTER!!!” schreit, ist dabei ein richtig guter Film mit einer Handlung herausgekommen, bei der sich nicht alle im Weg stehen und man sich gewünscht hätte, sie hätten die Gruppen auf unterschiedliche Filme verteilt. Einzig der Starruhm von Jennifer Lawrence, der die Produzenten dazu gezwungen zu haben scheint, ihre Rolle in den Vordergrund zu rücken, denn man will mit som Film ja auch ne Menge Kohle machen, sorgt ein wenig für Abstriche, da das Ganze mit einer anderen Figur im Fokus vielleicht noch etwas interessanter geworden wäre.

Am meisten Spaß hatte ich allerdings, so traurig das ist, bei „Die Pinguine aus Madagascar“. Schöner Humor, schöne Brechungen, einfach lustig. Muss auch mal sein!

Crimi

Stammt Krimi eigentlich von „Crime“? Nun, es würde nahe liegen. Sehr schön zwischen Komödie und Tragödie liegt dieses Jahr „Am Sonntag bist du tot“ mit Brendan Gleeson. War für mich einer der Höhepunkte, gute Handlung, gut gespielt – einfach gut. Überraschend gut gefiel mir „Veronica Mars“ (obwohl ja alle Filme mit Mars im Titel Flops werden, wie man hört), der sich weniger durch einen ausgefeilten Plot, als vielmehr durch wunderbare Dialoge auszeichnet. Wer die Joss Whedon School of Young Girls with Snappy Dialogue besucht hat, kann hier auf seine Kosten kommen. Ebenfalls eine Überraschung war der afrikanische „CON GAME – Kenne deine Feinde“, der der Austauschbarkeit seines Titels nicht gerecht wird und sich als guter, harter Thriller entpuppt… der es irgendwie geschafft hat, einen afrikanischen Doppelgänger von Samuel L. Jackson aufzutreiben. Und das ist NICHT NUR Rassismus, schauen Sie es sich an!

Man spihlt deutsch

Ja, zu den deutschen Filmen kommen wir dann bei den Verrissen. Einzig „Einmal Hans mit scharfer Soße“ sei hier positiv hervorgehoben als eine schöne, deutsch-türkische Komödie, die mit einem guten Buch und noch besseren Darstellern aufwartet. Davon könnte sich so mancher deutsche Film eine paar Frames abschneiden!

Die Überraschungen

Der Preis für die größten Überraschungen geht mit wenigen Ausnahmen an den Bereich Dokumentation. Filme, von denen ich nichts erwartet habe, über Themen, mit denen ich nichts am Hut habe, erwiesen sich als kleine Höhepunkte und machten es wirklich wert, diese ganze Kolumne überhaupt begonnen zu haben, weil ich diese Werke sonst wahrscheinlich nie gesehen hätte. „WACKEN 3D“ zeigt uns, welche Freude Fans an ihrer Leidenschaft haben können, wie sie diese mit anderen teilen – und widerlegt ein paar Vorurteile gegenüber Heavy-Metal-Fans. „NOWITZKI. DER PERFEKTE WURF.“ zeigt uns die menschliche Seite des (in mehrfachem Sinne) vielleicht größten deutschen Exportsportlers. Das ist nicht nur interessant, sondern bisweilen auch witzig. Wie leicht hätte „Finding Vivian Maier“ eine dröge Reportage über eine langweilige alte Jungfer sein können, die gerne mal n paar Fotos gemacht hat? Statt dessen entpuppt sich der Film als spannende Detektivgeschichte über eine merkwürdige und irgendwie schräge Frau.

Da die Ausnahme die Regel bestätigt, sollen hier auch zwei Spielfilme nicht unerwähnt bleiben. „Mister & Pete gegen den Rest der Welt“, ein kleiner Film über zwei kleine Menschen, die vor eine große Aufgabe gestellt werden. Und dann ist da noch die Rückkehr des großen Nonnenfilms: „Die Sprache des Herzens“. Ein Film über eine Nonne, die einem taubblinden Mädchen die Welt eröffnen will, indem sie ihm die Gebärdensprache beibringt. Frustrierend und anrührend zugleich – und sehenswert!

Mist!

Ich weiß, man wird mir das ankreiden, aber die meisten Filme dieser Kategorie könnte man wohl auch als „Frauenfilme“ bezeichnen, mit Frauen, über Frauen, von Frauen. Aber das bedeutet nicht, dass sie nicht trotzdem schlecht sind – und in dieser Kolumne gibt es keine Quote! Beginnen wir mit „Endless Love“, der uns beweist, wie schlecht a) geschrieben, b) besetzt und c) gespielt Liebesfilme sein können. Da empfehle ich doch eher die Werke von Hugh Grant, die sind wenigstens gut. „Die Bestimmung – Divergent“, Science Flirtfiction für Mädchen, Abklatsch von „Hunger Games“, die Abklatsch von „Battle Royle“ waren, bedient sich bei allem, lässt kein Klischee aus, kann man getrost drauf verzichten… freuen wir uns auf die Fortsetzungen. „Tammy – voll abgefahren“ zeigt uns, dass Melissa MacCarthy, die wunderbar war in „Gilmore Girls“ und „Milke & Molly“, offenbar selbst der Meinung zu sein scheint, dass dick zu sein lustig ist und so geben weder sie noch der Film sich Mühe, über dieses Klischee hinauszugehen. „Schoßgebete“, den man auch in „Scheißgebete“ umbenennen könnte, ist… ärgerlich. Wenn man nicht gut schreiben kann, oder witzig, dann lässt man seine Figuren eben ganz oft „Ficken“ sagen, denn dann zeigt man, dass man so total angedreht und cool und respektlos ist – oder eben einfach ein schlechter Autor. Und da wir gerade bei deutschen Filmen sind, „Coming In“ darf da nicht fehlen. Was eine witzige Umkehrung des „Coming out“ hätte sein können, ist leider nur banal, oberflächlich und durch die gecasteten Püppchen auch nicht unbedingt überzeugend gespielt. Wieder einmal eine Chance vertan. Homosexualität ist übrigens auch Thema einer kleinen Serie, die hier eigentlich nicht reingehört, weil die nicht neu ist, sondern ich sie für 1 Euro im Tedi gekauft habe… aber was solls? „Sordid Lives“ soll wohl lustig sein, die Frage ist, für wen? Nervige Figuren, nervige Akzente, nervige Handlung, nervige Darsteller. Man bereut jeden Cent dieses Euros…. und das will was heißen!

Spoil my Day

Oh, eins noch, wie ich hörte, sind inzwischen Details über die Handlungen des nächsten Star Wars und Bond-Films ans Licht gekommen? Ganz ehrlich, als Kind hab ich auch immer rausgekriegt, was ich zu Weihnachten bekomme, aber heute lass ich mich lieber überraschen. Auch von Filmen. Also welchen Sinn hat es bitte, herausfinden zu wollen, was in diesen Filmen passiert, bevor sie erscheinen? Echt, ich versteh euch nicht, Leute, lasst euch doch mal überraschen! Macht das Leben etwas… unvorhersehbarer. Naja, abgesehen von miesen, vorhersehbaren Drehbüchern!

Damit endet für mich das filmische Jahr 2014. Es war nicht grauenvoll, es hatte einige Überraschungen zu bieten, aber wirklich brillant war es nicht. Hoffen wir also, dass es 2015 eher nach oben geht als nach unten. In diesem Sinne,

a) guten Rutsch

oder

b) frohes neues Jahr

Je nachdem, wann Sie das hier lesen!

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