Neu im Kino: Inherent Vice – Natürliche Mängel

Verkiffter Detektiv macht sich auf die Suche nach einer Freundin und gerät in ein Abenteuer nach dem anderen…

Negative Vice

Es ist ein bisschen komplizierter als das. Und unübersichtlicher. Und länger. Recht schnell ist einem klar, dass es sich nur um eine Romanverfilmung handeln kann, denn es gibt einfach zu viele Figuren, die zu wenig zur Handlung beitragen… wenn es denn eine gibt. Streng genommen ist es schön, wenn ein Plot durch etwas in Gang gesetzt wird. Das ist zwar hier auch irgendwie der Fall, aber wahrscheinlich ist die einzige Erklärung dafür, dass der Detektiv ein Kiffer ist und deshalb wohl nicht alles so ganz mitkriegt – was übrigens auch dem Konsum des Films zugute kommen könnte. Vielleicht weiß man ihn dann einfach besser zu würdigen. Jedenfalls beginnt die Handlung und es passieren diverse Dinge, die irgendwo teilweise keinen Sinn zu ergeben scheinen – nicht für die Hauptfigur, sondern für mich als Zuschauer. Das ist, besonders bei einer Art Krimi, mitunter wenig hilfreich. Ebenso wie eine Handlung, die irgendwie keine rechte Struktur zu gewinnen scheint und hin und her geht, was dem bekifften Zuschauer bestimmt gefallen wird, dem nüchternen aber möglicherweise nicht so sehr.

Positive Vice

Drücken wir uns nicht um die positiven Dinge herum. Der Film hat einige Szenen, die wunderbar sind. Teils schön geschrieben, teils in wunderbaren Bildern. Manches ist sehr komisch – und die Darsteller sind gut. Joaquin Phoenix ist überzeugend wie immer und Josh Brolin hat schon lange bewiesen, dass er besser spielen kann als er in „Hollow Man“ zeigt. Da ist es dann schon ein wenig schade, dass er nur noch durchweg für den selben Typ besetzt wird, den er zwar großartig bringt, bei dem aber die Gefahr besteht, dass er irgendwann nicht nur nur noch solche Rollen bekommt, sondern auch andere nicht mehr anders spielen kann. Typecasting in Hollywood war schon immer mehr Fluch als Segen. Benicio del Toro ist leider viel zu wenig im Film – und Reese Witherspoon viel zu oft. Ein kleines Glanzlicht ist der Auftritt von Martin Short, der jede Menge Spaß hat und Spaß macht.

The Big Lebowski

Irgendwann ist es mir dann aufgegangen: Dieser Film hier wirkt wie das Original, auf das „The Big Lebowski“ eine Parodie ist – nur, dass es den eben etwas früher gab. Und das Buch zu „Inherent Vice“ stammt von 2009, also kam Lebowski so oder so früher. Ansonsten gibt es viele Ähnlichkeiten und Parallelen – nur, dass der Film der Coens irgendwie stringenter ist. „Vice“ wandelt zwischen ernst und witzig, ohne dabei aber eine konsequente Linie zu verfolgen. Mal so mal so, wie es gerade passt. Also weder eine reine Komödie noch ein reiner Krimi, denn das wiederum gibt die Handlung nicht her. So ist er also irgendwo dazwischen, was völlig okay wäre, wäre er mit seiner Lauflänge von 148 Minuten nicht arg zu lang geraten.

Inherent Fazit

Nachträglich gemachter Vorläufer von „The Big Lebowski“, der durchaus surreale Szenen bietet, aber leider ein wenig zu lang ist. Teils schön komponierte Bilder, teils absurd komische Szenen, alles in allem aber irgendwie nicht so ganz stringent, wie man sich das vielleicht gewünscht hätte. Ab 12. Februar 2015 im Kino.

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