Neu im Kino: Selma

Damit Schwarze in Amerika endlich problemlos wählen können, geht Martin Luther auf die Straße…

Bürgerrechte vs. Rassentrennung

Wir alle kennen die Geschichte von Martin Luther King, erst schlägt er seine 99 Thesen an die Kirchentür, dann „hat er einen Traum“ und wird später von einer Frau namens „Selma“ erschossen… und natürlich ist diese Geschichte falsch. Wobei ich mich immer gefragt habe, ob es Zufall war, dass der Spalter der katholischen Kirche und ein Prediger für die Gleichheit der Rassen einen derart ähnlichen Namen hatten – doch darauf gibt uns der Film keine Antwort.

Natürlich ergibt die Wahl des Filmtitels „Selma“ einen gewissen Sinn, ist es doch mitnichten die Attentäterin, sondern vielmehr ein Örtchen in den USA, an dem sich wichtige Dinge in Sachen Gleichberechtigung abspielen – und doch ist er, für sich betrachtet, leider eher austauschbar und nichtssagend. Das hätte man besser hinbekommen können. Zum Beispiel:

King of the Black“

Traurig ist bei diesem Film das eine oder andere. Vor allem die Geschichte – im historischen Sinne. Es ist, streng genommen, traurig, dass ein solcher Film überhaupt nötig ist, dass die Geschehnisse in diesem Film überhaupt nötig waren. Und ich frage mich mehr und mehr, warum die Amerikaner eigentlich mal „die Guten“ waren? Liegt es daran, dass der Ostblock einfach noch schlimmer und böser war? Oder dass nach Aufstieg und Fall der Nazi-Verbrecher so ziemlich jedes Land als „gut“ daherkommen musste, weil es sich schon verdammt anstrengen musste, um derart böse Dinge zu tun? Ich weiß es nicht, doch dieser Film zeigt uns einmal mehr, dass „das Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, „das Land der Freien“ diesen Namen nur dann verdient, wenn er höhnisch oder ironisch gemeint ist. Da hat Amerika also in einem Krieg gegen einen Staat von Verbrechern gekämpft – und hat selbst nichts draus gelernt. Denn, ganz ehrlich, liebe Geschichte, wie kann man denn, nachdem man in Deutschland gesehen hat, wie schwer Rassismus schief gehen kann, allen Ernstes die Rassentrennung aufrecht erhalten und einen Teil seiner Mitbewohner wie Bürger zweiter Klasse behandeln? Wie ist das rein rational möglich? Hätte da nicht ein Aufschrei erfolgen müssen: „Wir haben die Juden befreit und jetzt befreien wir die Schwarzen?“ Doch nein, kein Aufschrei, nichtmal einer der Empörung, stattdessen Misshandlung von Schwarzen, so, als wäre nichts gewesen – und als hätte man nichts aus der Geschichte und ihren Fehlern gelernt. Also exakt das, was offensichtlich der Fall ist. Und, bevor jetzt jemand Einspruch erhebt und behaupten möchte, das wären ja nur die Taten von Einzelnen gewesen – der Film zeigt uns mehrmals, wie die Staatsgewalt, die eigentlich ihre Bürger, alle ihre Bürger, schützen sollte, mit Brutalität gegen sie vorgeht. Land der Freien… außer, man ist schwarz!

Erfreulich ist natürlich, dass der Film in keiner Weise durch Ereignisse aus der nahen Gegenwart an Aktualität gewinnt und man sagen kann, das ist etwas, das Amerika schon lange hinter sich hat, inzwischen kann man als Schwarzer problemlos auf die Straße gehen, ohne Gefahr laufen zu müssen, dass man von einem Polizisten erschossen wird, was für den dann keinerlei Konsequenzen hat… oder?

Wir erleben im Film also, dass es nahezu unmöglich für eine Person schwarzer Hautfarbe ist, wählen zu dürfen. Einigen Schwarzen ist das nicht egal und so beginnt der Widerstand dagegen, ein friedlicher Widerstand, der trotzdem Tote fordert. Ein – von schwarzer Seite aus – gewaltfreier Kampf beginnt…

Gut besetzt

Der Film ist hervorragend besetzt, David Oyelowo überzeugt als Martin Luther King und an (britischen) Schauspielern wie Tom Wilkinson (als Präsident) und Tim Roth (als Gouverneur) kann man eigentlich immer seine Freude haben. Schauspielerisch hat der Film also eine Menge zu bieten – der andere traurige Punkt, den ich angedeutet habe, ist aber folgender: Eine Geschichte, selbst wenn sie wichtig ist, muss nicht unbedingt spannend sein. Und das ist dieser Film dann auch leider nicht so richtig. Er ist nicht heftig genug, als dass man die ganze Zeit einen Hass auf die weißen Unterdrücker schieben würde, er ist… solide. Eher vom geschichtlichen Hintergrund interessant als vom filmischen her. Das ist kein großer Kritikpunkt, denn es ist durchaus ein wichtiger Film, aber es ist einer.

Interessant waren übrigens die Untertitel in der Pressevorführung. Im Film wurde mehrmals das Wort „Negro“ benutzt, auch von Herrn King selbst – doch die UTs waren verdammt politisch korrekt. Außer, wenn das Wort in wenigen Ausnahmen abfällig verwendet wurde, wurde es konsequent als „schwarze“ übertragen und nicht als „Neger“. Das ist ein kleiner Fall von Verfälschung durch Political Correctness, denn es negiert die Tatsache, dass auch Schwarze von sich selbst als „Neger“ gesprochen haben und bügelt über diese Tatsache drüber – ich hoffe, dass die deutsche Synchronfassung hier näher am Original ist und nicht verfälschend in die Geschichte eingreift.

Fazit

Interessant als Zeitgemälde, als historisches Drama, das uns zeigt, was damals im Freiheitskampf der Schwarzen passiert ist und passieren musste, traurig, dass die Gegenwart zeigt, wie wenig Früchte es in Wirklichkeit getragen hat, hochkarätig besetzt, gut gespielt, aber leider nicht ganz so spannend, wie es sein sollte. Ab 19.2.2015 im Kino.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s