Neu im Kino: Project: Almanac

Jugendlicher findet heraus, dass sein Vater möglicherweise eine Zeitmaschine gebaut hat, baut sie mit seinen Freunden nach und reist dann mit ihnen durch die Zeit…

Zurück in die…

Ach, wir erinnern uns an unsere Jugend, in der das Jahr 2015 noch in weiter Ferne lag und Marty McFly dorthin reiste, um die Geschichte zu verändern… nachdem er vorher nach 1955 gereist war, um die Geschichte zu verändern… wohin er wieder reist, um die Geschichte zu verändern, um dann in den Wilden Westen zu reisen… eigentlich, um die Geschichte so zu verändern, dass sie wieder normal ist, auf jedem seiner Trips, mehr oder weniger. Die Filme haben Kultstatus, sie haben auch ihre Macken (wie fast jeder Zeitreisefilm), aber sie haben diesem hier mindestens eins voraus: Bei der Zeitreise ging es um etwas!

Fucking Found Footage Film

Project: Austauschbarer Titel“ verschwendet die erste Hälfte damit, dass die Jugendlichen ihre Zeitmaschine erstmal bauen müssen. Gut, das wäre interessant, wenn es Zeitmaschinen wirklich gäbe! Dann wäre das eine tolle Anleitung, so, wie man in einem Film lernen könnte, wie man den Motor eines Autos ausbaut und repariert. Da die Zeitmaschine hier aber genauso erfunden ist wie der Fluxgenerator in einem Delorean, ist es prinzipiell scheißegal, wie man das Ding zusammenbaut. Da könnten auch ein paar Geeks den Warp-Antrieb der Enterprise zusammenzimmern, man hat nix davon, weil, wenn mans nachbaut, das Teil nicht funktioniert.

Anschließend begeben sich die Jugendlichen auf Zeitreisen, um… Dinge zu tun, die sie mehr oder weniger auch ohne Zeitmaschine hätten tun können, zum Beispiel auf ein Konzert gehen. Wo sie ganz toll behandelt werden, weil… sie Zeitreisende sind, was aber keiner weiß?

Das Ganze ist dann auch noch ein Found Footage Film, was definitiv nicht notwendig gewesen wäre und bestenfalls an zwei Stellen zum Tragen kommt, was man aber auch anders hätte lösen können. So wirkt es, wie bei den meisten Filmen dieser Art, ein wenig bemüht und streckenweise blödsinnig.

Projekt: Albernach

Ich habe mein Problem mit Filmen, die schlecht bis gar nicht durchdacht sind und bei einer Zeitreise sollte das schon der Fall sein. (Hier empfehle ich neben „Alles eine Frage der Zeit“ auch den Film „Predestination“, der das Konzept der Zeitreise perfekt und bis zuende durchdenkt und durchlebt – ein wahrer Leckerbissen für Zeitreisefans!) Und der Film sollte clever sein. Sie können sich schon denken: Das ist er nicht. Denn nachdem die Kinder ihren Spaß hatten, kommt endlich mal ein Problem, das gelöst werden will… nur wäre es wünschenswert gewesen, dass dieses Problem auch durch ihre Handlungen in der Vergangenheit ausgelöst worden wären und nicht nur, weil sie die Zeitmaschine benutzen! (Vielleicht hab ich da ja was nicht mitgekriegt, aber wenn ich den Film richtig verstanden habe, geschieht etwas, nur, weil sie die Maschine angeworfen haben – und das wäre denn ja in der Gegenwart und hat mit der Zeitreise an sich gar nix zu tun!) Das ist für so einen Film schon schwach (um nicht zu sagen: dämlich), aber dann wird noch mal das Wort „Regeln“ in die Runde geworfen, nur, um zu zeigen, dass der Film a) keine hat oder sie b) nicht versteht, jedenfalls „passiert“ etwas, das vorher in ähnlicher Form eigentlich mehrmals passiert ist, da aber ohne jegliche Konsequenzen. Für den Fortlauf der Handlung muss es aber jetzt welche haben, was zu zwei Finalen führt, die völlig sinnlos sind. Zum einen führt die Aktion, die der Held am Ende macht, streng genommen nicht dahin, wo sie hinführt… bzw. würde da nicht hinführen, aber da das hier alles nicht gut durchdacht ist… Und dann kommt das „überraschende“ Ende oder was, das ebenfalls keinerlei Sinn ergibt, aber „cool“ ist… oder so.

SPOILER FÜR DAS ENDE!

Tut mir leid, aber ich möchte das dann doch nicht unkommentiert stehen lassen. Heldenboy reist dahin, was uns der Film am Anfang gezeigt hat (und was bedeutet, dass er seine Hemden nicht wäscht) und hier wäre das sinnvolle Ende, dass er, um alles in den Urzustand zu versetzen, seinen Vater überredet, die Zeitmaschine a) niemals zu bauen oder b) direkt zu zerstören. Da hätte man eine zu Herzen gehende Szene mit dem verlorenen Vater haben können und dann das Opfer, das beide bringen für eine bessere Zukunft. Stattdessen zerstört er aber (wie es scheint) nur die Zeitmaschine, die er mitgebracht hat – und das ändert nix, meine Freunde, denn dann verläuft die Geschichte genauso, wie der Film es uns gezeigt hat. Dass er dann selbst verschwindet und sich angeblich alles regelt ist also nur der Unfähigkeit der Autoren zu verdanken, nicht aber einem cleveren Plot. (Und, Rückblendenspoiler, erst malt sich der eine Kollege auf sein anderes Ich ein Gesicht, was aber keinerlei ernsthafte Folgen hat, als sich später Miss Loveinterest aber nur auf Entfernung sieht, entschwindet sie aus der Zeit – wenn sich dann aber die Kamera aus der Gegenwart und die aus der Vergangenheit [bei denen es sich um einunddieselbe Kamera handelt] berühren, tut sich nix… Also löscht man sich aus, nicht, wenn man sich berührt, sondern wenn man sich sieht…??? Ach, das ist einfach schlecht durchdacht!)

Zurück in das Fazit

Njäää, wenn man nicht unbedingt dazu neigt, viel nachzudenken, wenn man gerne leicht bekleidete Jugendliche sieht, dann ist das wahrscheinlich der richtige Film. Wer aber eine clever durchdachte Zeitreise sehen möchte, bei der man das Gefühl hat, dass die Handlung eine Bedeutung hat und auch wirklich funktioniert… na ja, ich denke, das können Sie sich selber denken. Ab 5.3.2015 im Kino… oder war es der 5.3.1985?

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