Neu auf DVD: Borgman

Merkwürdig! Einfach merkwürdig!

Nuuun…

Infoblatt und Cover der DVD haben den gleichen Text… mich dünkt, die Hersteller wussten möglicherweise auch nicht viel mit dem Film anzufangen. Wobei das eine unsaubere Formulierung ist, „nichts anzufangen“. Anfangen kann man damit wohl einiges, aber vielleicht haben sie ihn genauso wenig verstanden wie ich.

Ein Film kann mysteriös sein und unverständlich und etwas aufbauen und man wünscht sich, dass man am Schluss belohnt wird und all das, was man zuvor gesehen hat, plötzlich einen Sinn ergibt, dass aus dem unverständlichen Puzzle ein verständliches Bild entsteht, mit dem man etwas anfangen kann. Die Hoffnung hat man hier den ganzen Film über – aber in Sachen Auflösung wird man enttäuscht. Der Moment der Erkenntnis, der Freude, die Belohnung für das Warten, das Durchhalten, bleibt aus. Und das wäre das Element gewesen, das diesen Film durchaus sehenswert gemacht hätte. So bleibt ein Gefühl der Unvollständigkeit, des Nicht-befriedigt-seins. Hmm, David Lynch-Fans werden diesen Film wahrscheinlich lieben – aber alle, die gerne auch mal wissen, worum es eigentlich gegangen ist, werden wahrscheinlich genauso unbefriedigt bleiben wie ich.

Die Handlung?

Auf der Flucht vor einer Gruppe brutaler Männer“, sagt uns das Cover, „sucht der geheimnisvolle Landstreicher Borgman Unterschlupf bei der wohlhabenden Familie van Schendel.“ Das kann man so oder so sehen. Es ist nicht ganz falsch, und eigentlich können wir annehmen, dass diese Männer brutal sind, aber wenn wir den Film gesehen haben, sind sie das vielleicht nicht ganz ohne Grund. Was aber egal ist, da nie wieder auf sie eingegangen wird. Stattdessen rückt Borgman in den Vordergrund und… tut Dinge. Es gibt viele Szenen, eigentlich fast alle, die zu normal sind um wirklich surreal oder verstörend zu sein, sie werfen aber die Frage auf: Was sehen wir hier? Was ist das für eine Person? Wer sind die anderen Personen? Warum tun sie, was sie tun? Wie tun sie es? Und, ja, wirklich, warum???

Der Film selbst bleibt diese Antwort schuldig. Es geschieht einfach. Dinge geschehen. Wenn Ihnen das reicht, wenn Sie sich auf eine Reise voller merkwürdiger Szenen und Situationen begeben möchten, ohne am Ende wirklich zu erfahren, warum diese Reise stattgefunden hat und was Sie da miterlebt haben, dann kaufen Sie sich ein Ticket und Sie werden in eine Welt voller seltsamer Figuren und merkwürdiger Handlungen eintauchen. Visuell ist das gut gemacht und wenn es entweder a) witziger, b) gruseliger oder c) irgendwie aufgelöst wäre, hätte das wohl ein phantastischer (im doppelten Sinne) Film werden können. So faselt die Kritik von „herausfordernd“ (Stern), „kühn“ (Variety) und „Unikat“ (Kulturnews), was mir eins sagt: Die haben den Film auch nicht verstanden!

Fazman

Ich dachte erst, ich würde nicht wissen, was ich über den Film schreiben soll – ich habe mich geirrt. Wer glaubt, dass ein Film dann Kunst ist, wenn er nur möglichst unverständlich ist, der sieht in „Borgman“ sicher ein Meisterwerk. Freunde von unverständlichen Filmen, Freunde von David Lynch, möglicherweise Freunde von „Donnie Darko“, mögen hier ein weiteres Werk vorfinden, an dem sie ihre Freude haben. Der Film hat interessante Ideen und setzt sie visuell ansprechend um, aber wer mehr als das braucht, der bleibt wahrscheinlich unbefriedigt zurück. Ab 17. Februar 2015 auf DVD.

Neu im Kino: Inherent Vice – Natürliche Mängel

Verkiffter Detektiv macht sich auf die Suche nach einer Freundin und gerät in ein Abenteuer nach dem anderen…

Negative Vice

Es ist ein bisschen komplizierter als das. Und unübersichtlicher. Und länger. Recht schnell ist einem klar, dass es sich nur um eine Romanverfilmung handeln kann, denn es gibt einfach zu viele Figuren, die zu wenig zur Handlung beitragen… wenn es denn eine gibt. Streng genommen ist es schön, wenn ein Plot durch etwas in Gang gesetzt wird. Das ist zwar hier auch irgendwie der Fall, aber wahrscheinlich ist die einzige Erklärung dafür, dass der Detektiv ein Kiffer ist und deshalb wohl nicht alles so ganz mitkriegt – was übrigens auch dem Konsum des Films zugute kommen könnte. Vielleicht weiß man ihn dann einfach besser zu würdigen. Jedenfalls beginnt die Handlung und es passieren diverse Dinge, die irgendwo teilweise keinen Sinn zu ergeben scheinen – nicht für die Hauptfigur, sondern für mich als Zuschauer. Das ist, besonders bei einer Art Krimi, mitunter wenig hilfreich. Ebenso wie eine Handlung, die irgendwie keine rechte Struktur zu gewinnen scheint und hin und her geht, was dem bekifften Zuschauer bestimmt gefallen wird, dem nüchternen aber möglicherweise nicht so sehr.

Positive Vice

Drücken wir uns nicht um die positiven Dinge herum. Der Film hat einige Szenen, die wunderbar sind. Teils schön geschrieben, teils in wunderbaren Bildern. Manches ist sehr komisch – und die Darsteller sind gut. Joaquin Phoenix ist überzeugend wie immer und Josh Brolin hat schon lange bewiesen, dass er besser spielen kann als er in „Hollow Man“ zeigt. Da ist es dann schon ein wenig schade, dass er nur noch durchweg für den selben Typ besetzt wird, den er zwar großartig bringt, bei dem aber die Gefahr besteht, dass er irgendwann nicht nur nur noch solche Rollen bekommt, sondern auch andere nicht mehr anders spielen kann. Typecasting in Hollywood war schon immer mehr Fluch als Segen. Benicio del Toro ist leider viel zu wenig im Film – und Reese Witherspoon viel zu oft. Ein kleines Glanzlicht ist der Auftritt von Martin Short, der jede Menge Spaß hat und Spaß macht.

The Big Lebowski

Irgendwann ist es mir dann aufgegangen: Dieser Film hier wirkt wie das Original, auf das „The Big Lebowski“ eine Parodie ist – nur, dass es den eben etwas früher gab. Und das Buch zu „Inherent Vice“ stammt von 2009, also kam Lebowski so oder so früher. Ansonsten gibt es viele Ähnlichkeiten und Parallelen – nur, dass der Film der Coens irgendwie stringenter ist. „Vice“ wandelt zwischen ernst und witzig, ohne dabei aber eine konsequente Linie zu verfolgen. Mal so mal so, wie es gerade passt. Also weder eine reine Komödie noch ein reiner Krimi, denn das wiederum gibt die Handlung nicht her. So ist er also irgendwo dazwischen, was völlig okay wäre, wäre er mit seiner Lauflänge von 148 Minuten nicht arg zu lang geraten.

Inherent Fazit

Nachträglich gemachter Vorläufer von „The Big Lebowski“, der durchaus surreale Szenen bietet, aber leider ein wenig zu lang ist. Teils schön komponierte Bilder, teils absurd komische Szenen, alles in allem aber irgendwie nicht so ganz stringent, wie man sich das vielleicht gewünscht hätte. Ab 12. Februar 2015 im Kino.

Neu im Kino: Wild Card

Problemlöser und Detektiv will eigentlich sein Leben genießen, aber erstens fehlt ihm das Geld dazu und zweitens muss er für eine alte Flamme einen Job erledigen, der dazu führt, dass er bald die beliebteste Person von Las Vegas wird, zumindest für Killer…

Statham

Bei Jason Statham weiß man eigentlich mehr oder weniger, was man bekommt. Action. Mal mit einer besseren Handlung, mal nicht. Dies hier ist ersteres. Denn das Buch stammt von William

Goldman

der u.a. auch die Drehbücher zu „Zwei Banditen“ und „Maverick“ schrieb, zwei meiner Lieblingswestern. „Die Braut des Prinzen“ könnte sein bekanntestes Werk sein, „Der Marathon-Mann“ (beide auf einem Buch von ihm basierend, wenn ich nicht irre) sollte auch sehr hoch rangieren. Was mich allerdings bei den genannten Western begeistert hat, war der Humor – der hier ein wenig zu kurz kommt. Aber er ist durchaus da, zum Glück, denn hin und wieder wird es ziemlich hart – und brutal. So dürfen wir zum Beispiel erleben, dass man für einen guten Kampf keine Pistole braucht, sondern dass da ein einfacher Löffel oder eine Kreditkarte schon ausreichen – wenn sie in fachkundigen Händen sind. Und das sind sie offenbar nicht zum ersten Mal, denn es gibt bereits eine Verfilmung von Goldmans Buch „Heat“, in der Burt

Reynolds

die Hauptrolle spielt. Hier wäre es interessant, einen Vergleich zwieschen beiden Verfilmungen anzustellen. Wie ähneln sich die beiden Bücher, wie unterscheiden sich die beiden Hauptdarsteller. Wobei man sagen muss, dass die Besetzung von „Wild Card“ ziemlich gut ist. Zwar sind Sofia Vergara und Jason Alexander ein wenig verschwendet, dafür aber ist Milo Ventimiglia (wir erinnern uns an „Heroes“, eine Serie, die eine phantastische erste Staffel hatte und dann mehr und mehr wirklich beschissen wurde) perfekt als schmieriger Mafia-Typ, der eigentlich für den ganzen Schlamassel verantwortlich ist. Ein kleiner Glanzpunkt des Films, wie nicht anders zu erwarten, ist der Auftritt des immer großartigen Stanley Tucci – und wie üblich ist es eine Freude, ihn spielen zu sehen. Doch das ist nicht die einzige Freude, denn Regisseur Simon

West

der auch den sehr guten Krimi „Die Tochter des Generals“ mit John Travolta inszenierte, legt hier einen Detektiv-Thriller vor, der nicht nur gut durchchoreographierte Action aufweist, sondern auch einen sehr interessanten Schnitt. Sowas fällt mir für gewöhnlich nicht auf, hier ist es aber sehr deutlich und schön gemacht, wie sich die Szenen überlappen und dadurch ineinander fließen.

Wild Card“ macht seinem Namen alle Ehre und ist ein guter, harter Thriller mit einer guten Handlung, jeder Menge Action, toll gemachten Kampfszenen und einer perfekten Besetzung. Ab 12. Februar 2015 im Kino.