Neu im Kino: COBAIN – MONTAGE OF HECK

Das Leben des Kurt Cobain.

Künstlerportrait

Zu Beginn ist der Film ein wenig wie „Boyhood“, nur mit einer interessanteren Handlung… oder überhaupt einer Handlung! (Ehrlich gesagt bin ich kein Freund davon, wie sehr sich Richard Linklater in Interviews einen darauf runterholt, dass sein Film keine Handlung hat, denn, Richie, dadurch wird der Film echt nicht besser. Nächstes Mal also bitte etwas mehr Arbeit reinstecken, ja? Aber das gehört nicht hierher.) Beginnen wir mit dem, was ich über Kurt Cobain wusste, bevor ich den Film gesehen habe:

Musiker, Schrotflinte, Courtney Love

Alles außer dem Mittelteil ist im Film auch zu sehen. Bisher, so scheint es, hat es nie einen ausgiebigen Film über Cobain gegeben, von diesem Standpunkt also ist er ein bisschen eine Besonderheit. Man lernt, erstmals, den Menschen hinter dem Musiker kennen, oder zumindest erfährt man etwas mehr von ihm, als man möglicherweise vorher wusste. Der Film ist das Portrait eines Mannes, für den die Musik und das, was er tat, wichtiger war, als der Ruhm und das Herumposieren für Interviews. Es zeigt ihn als sehr menschlichen und auch zerbrechlichen Menschen.

Das Problem ist nicht, was er zeigt, sondern wie er das tut. Denn er vermischt Filme und Tonbänder aus dem Privatarchiv mit aktuellen Interviews und Animationsszenen. Das klingt auf dem Papier sehr gut, hapert aber ein wenig an der Umsetzung. Es werden nämlich viele Ausschnitte aus Zeitungen und den persönlichen Aufzeichnungen Cobains gezeigt – aber leider eher in einer Art und Weise, dass man damit erschlagen wird. Statt Kleinigkeiten herauszupicken, die wichtigen Stellen zu zeigen und dem Zuschauer nur das Wesentliche zu präsentieren, wird man überschüttet mit ganzen Textseiten, handschriftlich wirkend, bei denen man mit dem Lesen kaum nachkommen kann und die uns oft alles vor die Nase klatschen, so dass man nicht weiß, wo man mit dem Lesen anfangen soll und was wirklich von Bedeutung ist. Das Ansinnen dahinter ist richtig, die Umsetzung bedürfte einer starken Überarbeitung.

Ähnlich ist es mit dem Geräuschteppich. Irgendwann wird man nicht nur mit Textblöcken zugeschmissen, sondern unter allem liegt die ganze Zeit Musik, so dass man sich wirklich freut, wenn mal eine Interviewstelle kommt, in der man nicht mit soviel Geräusch behelligt wird. Nun, vielleicht war diese Zusammenstellung von überflutenden Textinformationen und permanenter Beschallung dazu gedacht, den Zuschauer in die Rolle des Kurt Cobain zu versetzen, weil man dadurch genervt wird und man sich ab irgendeinem Punkt gerne ebenfalls eine Schrotflinte in den Mund stecken möchte, um diese Qual zu beenden… aber ich glaube es nicht.

Kurt Cocain

Das wäre eine schöne Zwischenüberschrift, aber sie müsste eher „Kurt Heroin“ heißen. Ja, er hat Drogen genommen, er war eben Musiker. Und, wo wir beim Thema sind, es hilft sehr, wenn man seine Musik mag. Sonst kann der Film schnell zu einem qualvollen Erlebnis werden (siehe Geräuschteppich). Wer aber ein Fan ist, von Cobain, von Nirvana, von ihrer Musik, der sollte sich diese Dokumentation natürlich nicht entgehen lassen. Das Presseheft spricht auch davon, dass nach Cobains Selbstmord (Vorsicht: Spoiler!) „Mythen, Geschichten und sogar Verschwörungstheorien“ entstanden sind. Leider ist davon in diesem Film nix zu sehen. Schade!

Fazit

Für Fans ein unbedingtes Muss – zumal in der Kino-Fassung des Films nach dem Nachspann ein exklusives Interview mit dem Regisseur zu sehen ist, also wer mehr über erfahren möchte, sollte sich das nicht entgehen lassen. Ab 9. April 2015 nur für kurze Zeit im Kino.

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