Neu im Kino: Kind 44

Russland 1953. Ein Polizist, der an das Recht glaubt, sucht den Mörder vieler Kinder. Doch die Politik des Landes arbeitet gegen ihn…

Zeitgemälde und Krimi

Der Film malt ein Bild, wie die Sowjetunion zu dieser Zeit ungefähr ausgesehen haben dürfte, und dabei sind nicht nur die wunderschönen Dampfloks gemeint, sondern vor allem das politische Klima. In dieser Zeit gegenseitiger Bespitzelung nach Stalins Säuberungsaktion ist niemand sicher und auch das Recht hat es schwer, zu seinem Recht zu kommen. Prinzipiell hat das also das Potential zu einem spannenden und zeitkritischen Krimi… aber Potentiale werden ja leider nicht immer ganz ausgeschöpft.

Auf dem Papier klingt das super

Und ich weiß nicht genau, wo das Problem liegt, aber ich denke, es war, dass mir das alles zu distanziert vorkam. Das wird lediglich eine persönliche Einschätzung sein, andere mögen das anders empfunden haben, aber für mich hatten die Figuren irgendwie eine Distanz zu mir, was eigentlich das Meiste des Films an mir hat anprallen lassen. Wenn man nicht mit den Figuren mitfühlt, ist es schwierig, in die richtige Stimmung zu kommen. Das hätte so ein wundervoller Film sein können, ein düsteres Regime, in dem ein einsamer Ermittler unterwegs ist, eine Art Film Noir der Stalin-Ära, ein geschundener Detektiv, der in der kalten Welt des Kommunismus ermittelt… so, wie „Gorky Park“ in etwa. Doch auch wenn hier die Kälte Russlands nicht personalisiert wird, die Distanziertheit der Personen hat es dann doch geschafft. Und auch das ist traurig, denn der Film ist grandios besetzt – und zwar mit so ziemlich allem, was aus Skandinavien nach Hollywood ausgewandert ist (außer Stellan Skarsgard… und andere Skarsgards).

Besetzung 44

Beginnen wir mit den großartigen Briten: Tom Hardy zeigt immer wieder, dass er nie ein Star werden wird, weil er einfach ein zu guter Schauspieler ist, ein Chamäleon, das zwar weniger als Klon von Patrick Stewart („Star Trek: Nemesis“) überzeugt, dafür aber als „Bronson“ eine perfekte Leistung abliefert. Was bei Bane in „The Dark Knight Rises“ schief gelaufen ist, werden wir wohl nie erfahren, ansonsten ist Hardy aber eine sichere Bank – ebenso wie Gary Oldman, mit dem er nun zum dritten Mal die Leinwand teilt (nach „Dark Knight Rises“ und „Dame, König, Ass, Spion“). Der hatte eine Zeit, in der er immer auf den Bösen verschwendet wurde, davor hatte er aber eine Zeit, in der er ein Chamäleon war wie Hardy heute – und ich wiederhole mich gern, wenn ich sage, dass er in „Rosenkrantz und Güldenstern“ zeigt, was für ein großartiger Komödiant er wäre, wenn ihn die Leute doch auch mal für so was einsetzen würden.

Und dann sind da die Skandinavienexporte: Noomi Rapace („Millenium“ Trilogie), das Ermittlerteam aus „Erbarmen“ und „Schändung“ Fares Fares und Nikolaj Lie Kaas (der hier auch nicht lächelt) sowie Joel Kinnaman. Der zeigt hier, dass er wirklich eine schöne Bandbreite hat, denn er ist so völlig anders als in der US-Serie „The Killing“, die ihn bekannt gemacht haben dürfte (mehr als „RoboCop“, in dem u.a., welche Überraschung, auch Gary Oldman mitspielt… der auch in „Planet der Affen: Evolution“ dabei war, von dem sich hier Jason Clarke die Ehre gibt). Schauspielerisch braucht sich der Film also nicht zu verstecken. Und doch…

FazitSSR

Trotz hervorragender Besetzung und guter Geschichte irgendwie nicht so gelungen, wie er eigentlich hätte sein müssen. Die Spannung, sowohl was die politische Situation der Hauptfiguren als auch was die der Mordserie angeht, hat sich auf mich leider nicht übertragen – hoffen wir, dass das nur eine Einzelmeinung ist. Ab 4. Juni 2015 im Kino.

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