Neu auf DVD: Orange is the new Black – Staffel 2

Die weiße, blonde Frau ist noch immer im Frauengefängnis und ihre Geschichte geht weiter – aber nicht nur ihre…

Die Weiterführung

War in der ersten Staffel noch Piper Chapman die zentrale Figur der Serie, die „Einstiegsdroge“ gewissermaßen, das weiße Mädchen, das den weißen Zuschauer in eine Welt ziehen sollte, die ihm nicht vertraut war, so ändert „Orange“ in dieser Staffel ein wenig die Richtung und verlagert seinen Fokus. Pipers Geschichte geht zwar weiter, aber sie ist nur Mittelpunkt von ein paar Episoden. Die restlichen widmen sich mehr den anderen Insassinnen und das ist, seien wir ehrlich, auch eigentlich interessanter als das Leben vom verwöhnten, reichen Mädchen, das auf die schiefe Bahn geraten ist, gerne mal falsche Entscheidungen trifft und irgendwie nicht unbedingt die sympathischste Figur der Serie darstellt. Stattdessen bekommen wir ein paar Rückblicke auf andere Personen, erhaschen einen Ausblick darauf, warum sie sich verhalten wie sie sich verhalten – und bekommen sogar bei ein paar einen Grund dafür geliefert, warum sie im Gefängnis gelandet sind. Aber nicht bei allen.

Und das ist streng genommen eine großartige Idee, denn wenn man weiß, warum jemand im Knast sitzt, was er verbrochen hat, was sein Verbrechen war, dann neigt man dazu, ihn anders zu sehen, ihn für das, was er getan hat, zu verurteilen. So weit sind wir bei den meisten noch nicht, und das ist phantastisch. Wir nehmen sie hin, wie sie sind, eben weil wir nur eine unklare Vorstellung davon haben, wessen sie schuldig sind. Da kann man nur hoffen, dass die Macher der Serie diesen Vorteil irgendwann einmal ausnutzen, uns eine Figur richtig sympathisch werden zu lassen – um dann, wenn wir sie wirklich lieben, ihr schreckliches und unverzeihliches Verbrechen zu offenbaren. Das wäre phantastisch, eine Achterbahnfahrt der Gefühle… aber so weit sind wir noch nicht.

Die Straftäterinnen

Nach wie vor ist die Anzahl der Personen recht groß. Haben in der ersten Staffel ein paar der Figuren die Serie verlassen, sind hier neue hinzugekommen – und die sorgen für Konflikte und Intrigen innerhalb der Gefängnismauern. Aber das ist nur einer der roten Fäden der Staffel. Schön ist, wie frühzeitig die Grundlagen für Dinge gelegt werden, die später wichtig sind und sich auszahlen. Ins Rampenlicht werden neben Piper diesmal die Figuren gerückt, die man in anderen Serien – außer „The Wire“ – wohl eher im Hintergrund sehen würde, und nur dort. Wir erfahren ein bisschen etwas über Taystee, was auch für den Handlungsbogen der Staffel wichtig ist, wir lernen endlich etwas mehr über Crazy Eyes, wir lernen Morellos Verlobten kennen, Mendozas Leben vor dem Knast, erfahren, dass Pousséey überraschend gutes Deutsch spricht und wie es um Black Cindys Familie bestellt ist. Natürlich gibt es Einblick in das Leben von Red und Vee, aber auch Schwester Jane lernen wir näher kennen. Höhepunkt für mich war allerdings die Geschichte von Miss Rosa, denn die trockene Art der glatzköpfigen Krebskranken ist einfach nur herrlich.

Das Bonusmaterial

Die beiden Autokommentare mit den Schauspielerinnen sind ganz unterhaltsam, die kleinen Dokus zeigen uns ein paar der Darstellerinnen, aber auch die Autorinnen der Serie und untermauern einmal mehr, wie unwahrscheinlich es ist, dass es eine so großartige Serie wie diese überhaupt geben kann.

Das Fazit

Die zweite Staffel von „Orange is the new Black“ steht der ersten in nichts nach. Sie schlägt eine andere Richtung ein und schöpft ein bisschen von dem Potential, das man in der ersten Staffel bereits erkennen konnte und das leicht noch für ein paar weitere Staffeln interessante Geschichten bieten kann. Es bleibt tragisch, witzig, intensiv, aufregend, spannend und einfach gut! Ab 2. Juli 2015 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: Minions

Die Geschichte der kleinen, gelben Kerle, die gerne für Meisterverbrecher arbeiten (und aus „Ich – einfach unverbesserlich“ bekannt sind), ihre Anfänge und ihr erster großer Coup…

Start

Der Film fängt grandios an mit einem Einblick in die Evolution, der Welt und auch der Minions. Da steckt so viel Spaß und Phantasie drin – doch leider ebbt beides schnell ab. Nach einer fulminanten Eröffnung nehmen sich die Originalität und die guten Einfälle für den Rest des Films frei und das ist… schade. Ein Animationsfilm über die beliebtesten Verbrechergehilfen der letzten Jahre sollte mehr zu bieten haben, sollte überborden vor Einfällen, schrägen Ideen, in einer Welt, in der alles möglich ist und alles möglich gemacht werden kann. Das bleibt der Film in meinen Augen ein wenig schuldig, die Handlung wirkt trotz extrem aktuellem Bezug – die Königin von England, eben noch auf Besuch in Deutschland, jetzt auch auf der großen Leinwand – irgendwie recht konventionell, ebenso die Lösungsmöglichkeiten, die sich für einen Einbruch in den Tower von London so bieten würden, wenn einem dafür nichts anderes im Wege steht als die eigene Vorstellungskraft.

Die Animation ist professionell, das 3D eher schwach, die deutsche Promi-Synchro okay. Fachlich also durchaus kompetent, in Sachen Phantasie und Verspieltheit aber weit hinter dem, was hier möglich gewesen wäre.

Ende

Wie bei den meisten Animationsfilmen (oder inzwischen Filmen überhaupt) bin ich hier nicht die Zielgruppe, die Kinder sind’s und denen, so hatte ich das Gefühl, scheint es gefallen zu haben. Ob das für die begleitenden Erwachsenen auch gelten wird, kann ich nicht sagen, das kann dann ab 2. Juli 2015 jeder für sich selbst entscheiden.

Neu auf DVD: Orange is the new Black – Staffel 1

Weiße, blonde Frau kommt ins Frauengefängnis. Hier wird sie nicht nur mit dem Gefängnisalltag konfrontiert, sondern auch mit verschiedenen anderen Problemen…

Der Knast

Die Serie basiert auf einem Buch, das wiederum auf den Erfahrungen einer Frau basiert, die den gleichen Vornamen hat wie die Hauptperson der Serie – man kann also davon ausgehen, dass vieles von dem, was wir zu sehen bekommen, auf der Wirklichkeit beruht… und möglicherweise auch sehr dicht an der Realität ist. Dafür scheinen einige der weiblichen Figuren – und davon hat die Serie eine ganze Menge zu bieten – vielleicht eine klitzekleine Spur zu nett zu sein, aber vielleicht entspricht auch das der Realität?!

Die Figuren

Hier fängt es an, großartig zu werden, denn „Orange is the new Black“ hat ein Ensemble, das so groß wie das von „Game of Thrones“ sein dürfte, eine Unmenge an Figuren, bei denen man zwar, wie bei „Game“, nicht unbedingt den Namen weiß, bei denen man aber genau weiß, wer sie sind. Was wir bisher nur in wenigen Fällen erfahren, ist, warum man sie ins Gefängnis gesteckt hat, aber vielleicht kommt das ja später. In der erste Staffel lernen wir sie erst einmal ein wenig kennen, für ein paar ausgesuchte Charaktere gibt es kleine Rückblicke, für die meisten gibt es die Definition über ihre Handlungen. Es gibt jede Menge Figuren und damit ein unerschöpfliches Potential an Geschichten, das in der ersten Staffel nur grob angerissen werden kann. Alle Figuren haben Kontur und Tiefe, möglicherweise mehr, als man von einer Frauenknastserie erwarten würde.

Die Besetzung

Dass wir immer wissen, mit wem wir es zu tun haben, liegt an der herausragenden Besetzung der Serie. Damit ist nicht ein immenses Staraufgebot gemeint, sondern „echte Typen“, Gesichter, die nicht austauschbar sind und dadurch im Gedächtnis bleiben. Und sie sehen nicht nur alle unverwechselbar aus, sie spielen auch hervorragend und vor allen Dingen echt, was den Realismus der Serie noch unterstützt. Zu den wenigen bekannteren Darstellern gehören Jason Biggs aus „American Pie“ und Kate Mulgrew aus „Star Trek: Voyager“ – nun hat man Captain Janeway also doch endlich für die Brechung der Zeitlinie, das Fratanisieren mit den Borg und was sie sonst noch so für Mist gebaut hat verdientermaßen ins Gefängnis gesteckt. Leider empfinde ich sie in diesem wunderbaren Ensemble eher als den Schwachpunkt, weil ich sie trotz gegenteiliger Beteuerungen ihrer Kollegen im Zusatzmaterial einfach nicht wirklich überzeugend finde und mir ihr russischer Akzent nicht so ganz schmecken will – so wie der Hauptfigur ihr Essen.

Die Serie

Orange“ wurde nicht für einen Fernsehsender geschaffen, sondern für eine Onlineplattform. Das bedeutet, dass sie sich nicht den Regeln des Amerikanischen Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens halten müssen und Gewalt und Nacktheit zeigen können – was sie auch tun. Es ist eine moderne Serie, d.h. sie besteht nicht aus einzelnen, für sich stehenden Folgen, sondern wie bei einem Roman sind die Folgen Kapitel, die aufeinander aufbauen und bis zum Ende des ersten Buches, der ersten Staffel führen. Wer Serien gerne am Stück sieht, diese hier ist perfekt dafür geschaffen!

Das Zusatzmaterial

In den kurzen Dokus und den zwei Audiokommentaren erhält man einen kleinen Einblick in die Produktion, aber auch ein wenig in die wahren Hintergründe der Serie. Schade, dass man nicht mehr der Darstellerinnen als sie selbst erleben kann, um so die Unterschiede zwischen Schauspielerin und Rolle besser zu erkennen.

Das Fazit

Großartige Fernsehserie mit einem wunderbaren Ensemble, sehr gut geschrieben, mal tragisch, mal witzig, mal spannend, immer gut! Schon jetzt eine der besten Serien der letzten Jahre und ein Muss für alle, die sich schon immer gutes Fernsehen gewünscht haben. Ab 25. Juni 2015 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Jacky im Königreich der Frauen

Frauen an die Macht. Das ist bereits geschehen. Frauen an der Macht. Ein Land, in dem die Frau herrscht und Pferde heilig sind. Männer sind begehrt, aber eher als Ehemänner und Sexspielzeug. Der junge Junge Jacky möchte die Tochter der Diktatorin heiraten, also versucht er, zu dem Ball zu kommen, auf dem sich die Landesfürstin ihren neuen Gatten auswählt…

Nuuun…

Das Cover wirbt mit „Monty Python“ oder Frankreichs würdige Antwort darauf, doch das scheint mir dann doch ein wenig hoch gegriffen. Obschon es durchaus Ansätze gibt. Die Pythons waren, besonders in ihrer Fernsehserie, großartig darin, Dinge umzudrehen (zum Beispiel der Sohn aus der Schriftstellerfamilie, der unbedingt im Kohlebergbau arbeiten möchte). Ansätze davon sieht man hier auch, die Umkehrung der Gesellschaft, wo Männer und Frauen ihre Rollen tauschen – aber es scheint nicht ganz so perfekt und konsequent umgesetzt zu sein, wie es die großen Meister aus dem großen Britannien gemacht haben. Ein bisschen fühlt man sich an „Das Leben des Brian“ erinnert, was aber größtenteils an den Kostümen und dem Fremdkörper liegt, der an die Unterdrücker des Landes gerät. Näher als mit den Pythons liegt da eigentlich der Vergleich mit deren Mitglied Terry Gilliam und seinen Filmen, da hier, wie bei ihm, eine eigene Welt geschaffen wird, die von Merkwürdigkeiten und abwegigen Ideen nur so strotzt. Auf dem Gebiet bietet „Jacky“ ein paar schöne Dinge, bleibt dann im Vergleich aber zwangsläufig hinter Gilliam zurück. (Und ich habe dieses Thema überhaupt nur deshalb angeschnitten, weil es auf dem Cover steht!)

Fazit…

Ein durchaus interessanter Film, der eine eigene, relativ gut durchdachte Welt präsentiert, in der die Frauen das Ruder übernommen haben. Trotz allem bleibt das Ganze aber irgendwie zu zahm, um eine herrlich beißende Satire zu sein, manches scheint eher in den Ansätzen steckenzubleiben, anstatt es bis zur Sch(m)erzgrenze durchzuexerzieren. So gesehen ist es mehr Fantasy als Satire, was ein wenig schade ist, da da noch viel nach oben offen gewesen wäre. Ab 26.6.2015 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Rodencia und der Zahn der Prinzessin

Zauberlehrling-Maus muss aus dem Land Rodencia in die Welt hinausziehen, um den Zahn der Prinzessin zu finden und damit das Land vor der Invasion der Ratten und ihrem bösen Anführer zu retten…

Fabelhaft

Das ist weniger als Wertung als vielmehr als Beschreibung gemeint, denn früher nannte man Geschichten, in denen Tiere wie Menschen auftraten noch „Fabeln“ – und nicht „Disney“. Dieser Film erinnert in einigen Aspekten an „Antz“ und in anderen an „Der Herr der Ringe“, nur eben etwas kindlicher und mit Mäusen in den Hauptrollen. Die hat man konsequent nach Käsesorten benannt, was eine nette Idee ist. So geht denn also der junge und unerfahrene Zauberer Edam mit seiner Freundin Brie und zwei Kriegern auf eine abenteuerliche Reise, die ihn und seine Begleiter in eine andere Welt führt – in die der Menschen. Aber wird er seine Aufgabe erfüllen, wird er sein Land retten können?

Animationsfilm für Kinder

Es ist ein Kinderfilm und die sollten eigentlich ihre Freude daran haben können. Es geht nicht zu brutal zu, es gibt gut und böse, hell und dunkel, schwarz und weiß, es gibt einen jungen Helden und ein bis zwei Prinzessinnen, sogar Fußballfans kommen in einer Szene kurz auf ihre Kosten. Das müsste also eine gute Unterhaltung für Kinder im entsprechenden Alter sein, und vielleicht ist es sogar der Einstieg in eine größere Welt der Fantasy, an deren Ende „Der Herr der Ringe“ und, wenn sie alt genug sind, „Game of Thrones“ stehen wird? Aber bis es soweit ist können sie mit „Rodencia“ erstmal in dieses Genre hineinschnuppern. Die Möglichkeit haben sie dazu ab 23.6.2015 auf DVD und Blu-ray. Und auf jeden Fall den Nachspann bis zu Ende gucken!

Neu auf DVD: The Loft

Fünf Männer, eine Leiche, jede Menge Probleme… Ein Ehebrecherquintett findet in seinem Liebesnest eine Frauenleiche. Nach und nach erfahren wir, was passiert ist…

The Loft vs. Loft

The Loft“ ist Regisseur Erik Van Lodys amerikanisches Remake von Erik Van Lodys belgischem Film „Loft“. Und wenn man die beiden miteinander vergleicht, dann sind die Unterschiede gar nicht mal so groß. Die Handlung ist essentiell die gleiche, die Szenen sind eigentlich die gleichen, die Lauflänge unterscheidet sich um ein paar Minuten, was darauf hinweist, dass man das Remake wahrscheinlich ein wenig gestrafft hat. Ansonsten ist es eigentlich merkwürdig, dass bei dieser Version ein anderer Autor für das Drehbuch genannt wird, denn Struktur, Szenenabfolge, Dialoge sind alle so dicht an der flämischen Variante, dass die Bezeichnung „basierend auf dem Drehbuch“ des Originalautors eigentlich ein Affront gegen ihn ist, da es mehr wie eine Übersetzung ins Englische wirkt als wie eine eigenständige Arbeit. Es ist ein bisschen wie „Nikita“ und „Codename: Nina“, es ist ein Film, der fast 1:1 für den amerikanischen Markt neu gedreht wurde, und zwar lediglich aus dem Grund, dass die keine Untertitel mögen und nicht synchronisieren können. So gesehen wäre ein Remake für den deutschen Markt nicht nötig gewesen. Und wenn man’s genau nimmt, bleiben sich beide Versionen ziemlich gleich. Die amerikanische Version ist vielleicht eine Spur geleckter, und da, wo Schwimmbad und Tiefgarage in Belgien unterirdisch sind, hat man in USA Ausblick auf andere Hochhäuser. Aber das war’s auch eigentlich schon – und, dass aus Düsseldorf San Diego wurde, aber das fällt eigentlich auch nicht ins Gewicht. So gesehen ist „The Loft“ ein gut umgesetzter Film, der seinem Original in nichts nachsteht, aber außer für eine US-Auswertung auch nicht zwingend notwendig gewesen wäre.

Die Zweitbesetzung

Als ich das Original gesehen habe, habe ich mich gefragt, ob es vielleicht zwei Figuren gegeben hat, bei denen Regisseur Van Lodys für sein Remake vielleicht andere Schauspieler im Kopf gehabt hatte. In „Loft“ gibt es einen Schauspieler, der sehr an „Dexter“ Michael C. Hall erinnert und einen, der wie die belgische Version von Robert Sean Leonard (aus „House“) aussieht. Ob man die beiden wohl besetzen wollte? Wäre durchaus interessant gewesen. Wie dem auch sei, statt ihrer spielen nun Wentworth Miller und James Marsden, die ihre Sache aber auch ganz gut machen. Da es heutzutage keine Trennung mehr zwischen Film- und Fernsehschauspielern gibt, hätten wir mit ihnen schon zwei Serien vertreten, „Prison Break“ und „30 Rock“. Durch Karl Urban kommt dann noch „Almost Human“ dazu, Eric Stonestreet wirft „Modern Family“ in die Runde und da Kristin Lehman („The Killing“) und Robert Wisden („Supernatural“) ebenfalls mitspielen, liegt es nahe, dass der Film in Kanada, wahrscheinlich Vancouver gedreht wurde, auch wenn die Schauspieler behaupten, es wäre New Orleans gewesen. Matthias Schoenaerts darf seine Rolle aus der Originalfassung noch einmal spielen und macht dies auch hier wieder sehr gut (den Beweis, dass er mehr drauf hat als den durchgeknallten Kokser tritt er demnächst in „Am Grünen Rand der Welt“ an).

Loft in Translation

Randnotiz für Synchronfreunde: Auch wenn die Typen im Remake ähnlich besetzt sind wie in der Originalfassung, gibt es in der Synchronfassung jedoch nur eine Überschneidung. Während Tobias Kluckert im Original noch den Dexter-ähnlichen Schauspieler spricht, leiht er hier einmal mehr Karl Urban seine Stimme – und beweist, dass er in zwei sehr unterschiedlichen Rollen überzeugend sein kann.

Bonus

Umfangreiche Interviews, die einen schönen Blick auf die Produktion geben und vor allem darauf, was die Schauspieler so voneinander halten.

Fazit

Verzwickt, undurchsichtig, nicht linear erzählt, ein Puzzle, das sich dem Zuschauer Stück für Stück zusammensetzt und bei dem am Ende nicht unbedingt das herauskommt, was er erwartet hat. Ein gut durchdachter Krimi, der atmosphärisch gefilmt, gut inszeniert und gespielt ist und am Ende mit einer überzeugenden Auflösung daherkommt. Ab 19. Juni 2015 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: Big Game

Finnisches Kind soll seine Reifeprüfung als Jäger machen, doch dann fällt ihm im wahrsten Sinne des Wortes der amerikanische Präsident in den Schoß, der von bösen Leuten verfolgt wird und die Jagd beginnt…

Und Action!

Es hat ein paar Elemente von „Die Klapperschlange“, es hat ein paar Elemente von „Mörderischer Vorsprung“ und es hat eine herrliche Landschaft. Die Handlung ist stringent und gleitet nur einmal in „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels Nachbar mit dem Hut aus einem anderen Film und irgendwie ganz ohne Nazis aber dafür mit Russen und so“ ab, was irgendwie zuviel ist, aber ansonsten funktioniert eigentlich alles. Vor allem

Die Besetzung

Onni Tommila als junger Jäger macht seine Sache sehr gut, vor allem wenn man bedenkt, wer ihm in diesem Film zur Seite steht. Zum Beispiel Samuel L. Jackson als Präsident. Der dürfte pro Jahr soviele Filme machen wie Michael Caine in seiner Bestzeit und so ist es nach „RoboCop“, „Kingsman“ und „Avengers: Age of Ultron“ bereits das vierte Mal, dass wir ihm in einer dieser Besprechungen begegnen – und natürlich gibt es an ihm nie wirklich was zu bemängeln, auch wenn er hier weniger der motherfucking Präsident on a motherfucking Plane mit Schreien und Sprüchen ist, sondern der Rolle angemessen zurückhaltend. Auch freue ich mich immer wieder, wenn ich Ray Stevenson zu sehen bekomme (außer in den „Divergent“, „Insurgent“, „Incontinent“ Filmen, wo er mehr als verschwendet ist), der wunderbar in „Rom“ und das einzig gute an der siebten Staffel „Dexter“ war (auch wenn er in der deutschen Fassung von „Big Game“ leider nicht von Torsten Michaelis gesprochen wird).

Und dann ist da noch Mehmet Kurtulus, wahrscheinlich (für alle Nicht-„Tatort“-Gucker) bekannt durch seine Filme mit Regisseur Fatih Akin (ich empfehle hier „Im Juli“), der… nun, was darf ein dunkel aussehender Mann, der Moslem sein könnte, heutzutage spielen? Richtig! Die deutschen Schauspieler haben es endlich auf dem internationalen Markt geschafft, wenn sie denn Türken sind. Wurden entgegen anders lautender Gerüchte die Rollen von deutschen Schurken und Nazis eben nicht von deutschen Darstellern verkörpert, sondern vornehmlich von Briten (Alan Rickman, Jeremy Irons, Ralph Fiennes, Liam Neeson) und fielen lediglich die Brotkrumen der kleineren Handlange und Hintergrundgesumse an Deutsche ab, so haben es die deutsch-türkischen Darsteller geschafft, dank dem noch immer sehr erfolgreichen internationalen Terrorismus, an größere Rollen zu kommen, von denen ihre nicht-türkischen Kollegen nur träumen können. Schön ist, dass Kurtulus seine Rolle fern der Klischees spielt und eigentlich mit Alan Rickman in „Stirb langsam“ mithalten könnte, schade also, dass sie letztlich nicht größer ist, da hätte man gern mehr von gesehen.

Big Fazit

Sieht man mal von dem a) wenig aussagekräftigen, b) austauschbaren und c) eigentlich eher irreführenden Titel ab, der eher auf einen Sportfilm schließen lässt, ein solider Action/Agentenfilm in rauer aber schöner Landschaft mit guter Besetzung und nur wenigen Ausrutschern in absurdes Territorium. Ab 18. Juni 2015 im Kino.