Neu auf DVD: Orange is the new Black – Staffel 2

Die weiße, blonde Frau ist noch immer im Frauengefängnis und ihre Geschichte geht weiter – aber nicht nur ihre…

Die Weiterführung

War in der ersten Staffel noch Piper Chapman die zentrale Figur der Serie, die „Einstiegsdroge“ gewissermaßen, das weiße Mädchen, das den weißen Zuschauer in eine Welt ziehen sollte, die ihm nicht vertraut war, so ändert „Orange“ in dieser Staffel ein wenig die Richtung und verlagert seinen Fokus. Pipers Geschichte geht zwar weiter, aber sie ist nur Mittelpunkt von ein paar Episoden. Die restlichen widmen sich mehr den anderen Insassinnen und das ist, seien wir ehrlich, auch eigentlich interessanter als das Leben vom verwöhnten, reichen Mädchen, das auf die schiefe Bahn geraten ist, gerne mal falsche Entscheidungen trifft und irgendwie nicht unbedingt die sympathischste Figur der Serie darstellt. Stattdessen bekommen wir ein paar Rückblicke auf andere Personen, erhaschen einen Ausblick darauf, warum sie sich verhalten wie sie sich verhalten – und bekommen sogar bei ein paar einen Grund dafür geliefert, warum sie im Gefängnis gelandet sind. Aber nicht bei allen.

Und das ist streng genommen eine großartige Idee, denn wenn man weiß, warum jemand im Knast sitzt, was er verbrochen hat, was sein Verbrechen war, dann neigt man dazu, ihn anders zu sehen, ihn für das, was er getan hat, zu verurteilen. So weit sind wir bei den meisten noch nicht, und das ist phantastisch. Wir nehmen sie hin, wie sie sind, eben weil wir nur eine unklare Vorstellung davon haben, wessen sie schuldig sind. Da kann man nur hoffen, dass die Macher der Serie diesen Vorteil irgendwann einmal ausnutzen, uns eine Figur richtig sympathisch werden zu lassen – um dann, wenn wir sie wirklich lieben, ihr schreckliches und unverzeihliches Verbrechen zu offenbaren. Das wäre phantastisch, eine Achterbahnfahrt der Gefühle… aber so weit sind wir noch nicht.

Die Straftäterinnen

Nach wie vor ist die Anzahl der Personen recht groß. Haben in der ersten Staffel ein paar der Figuren die Serie verlassen, sind hier neue hinzugekommen – und die sorgen für Konflikte und Intrigen innerhalb der Gefängnismauern. Aber das ist nur einer der roten Fäden der Staffel. Schön ist, wie frühzeitig die Grundlagen für Dinge gelegt werden, die später wichtig sind und sich auszahlen. Ins Rampenlicht werden neben Piper diesmal die Figuren gerückt, die man in anderen Serien – außer „The Wire“ – wohl eher im Hintergrund sehen würde, und nur dort. Wir erfahren ein bisschen etwas über Taystee, was auch für den Handlungsbogen der Staffel wichtig ist, wir lernen endlich etwas mehr über Crazy Eyes, wir lernen Morellos Verlobten kennen, Mendozas Leben vor dem Knast, erfahren, dass Pousséey überraschend gutes Deutsch spricht und wie es um Black Cindys Familie bestellt ist. Natürlich gibt es Einblick in das Leben von Red und Vee, aber auch Schwester Jane lernen wir näher kennen. Höhepunkt für mich war allerdings die Geschichte von Miss Rosa, denn die trockene Art der glatzköpfigen Krebskranken ist einfach nur herrlich.

Das Bonusmaterial

Die beiden Autokommentare mit den Schauspielerinnen sind ganz unterhaltsam, die kleinen Dokus zeigen uns ein paar der Darstellerinnen, aber auch die Autorinnen der Serie und untermauern einmal mehr, wie unwahrscheinlich es ist, dass es eine so großartige Serie wie diese überhaupt geben kann.

Das Fazit

Die zweite Staffel von „Orange is the new Black“ steht der ersten in nichts nach. Sie schlägt eine andere Richtung ein und schöpft ein bisschen von dem Potential, das man in der ersten Staffel bereits erkennen konnte und das leicht noch für ein paar weitere Staffeln interessante Geschichten bieten kann. Es bleibt tragisch, witzig, intensiv, aufregend, spannend und einfach gut! Ab 2. Juli 2015 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: Minions

Die Geschichte der kleinen, gelben Kerle, die gerne für Meisterverbrecher arbeiten (und aus „Ich – einfach unverbesserlich“ bekannt sind), ihre Anfänge und ihr erster großer Coup…

Start

Der Film fängt grandios an mit einem Einblick in die Evolution, der Welt und auch der Minions. Da steckt so viel Spaß und Phantasie drin – doch leider ebbt beides schnell ab. Nach einer fulminanten Eröffnung nehmen sich die Originalität und die guten Einfälle für den Rest des Films frei und das ist… schade. Ein Animationsfilm über die beliebtesten Verbrechergehilfen der letzten Jahre sollte mehr zu bieten haben, sollte überborden vor Einfällen, schrägen Ideen, in einer Welt, in der alles möglich ist und alles möglich gemacht werden kann. Das bleibt der Film in meinen Augen ein wenig schuldig, die Handlung wirkt trotz extrem aktuellem Bezug – die Königin von England, eben noch auf Besuch in Deutschland, jetzt auch auf der großen Leinwand – irgendwie recht konventionell, ebenso die Lösungsmöglichkeiten, die sich für einen Einbruch in den Tower von London so bieten würden, wenn einem dafür nichts anderes im Wege steht als die eigene Vorstellungskraft.

Die Animation ist professionell, das 3D eher schwach, die deutsche Promi-Synchro okay. Fachlich also durchaus kompetent, in Sachen Phantasie und Verspieltheit aber weit hinter dem, was hier möglich gewesen wäre.

Ende

Wie bei den meisten Animationsfilmen (oder inzwischen Filmen überhaupt) bin ich hier nicht die Zielgruppe, die Kinder sind’s und denen, so hatte ich das Gefühl, scheint es gefallen zu haben. Ob das für die begleitenden Erwachsenen auch gelten wird, kann ich nicht sagen, das kann dann ab 2. Juli 2015 jeder für sich selbst entscheiden.

Neu auf DVD: Orange is the new Black – Staffel 1

Weiße, blonde Frau kommt ins Frauengefängnis. Hier wird sie nicht nur mit dem Gefängnisalltag konfrontiert, sondern auch mit verschiedenen anderen Problemen…

Der Knast

Die Serie basiert auf einem Buch, das wiederum auf den Erfahrungen einer Frau basiert, die den gleichen Vornamen hat wie die Hauptperson der Serie – man kann also davon ausgehen, dass vieles von dem, was wir zu sehen bekommen, auf der Wirklichkeit beruht… und möglicherweise auch sehr dicht an der Realität ist. Dafür scheinen einige der weiblichen Figuren – und davon hat die Serie eine ganze Menge zu bieten – vielleicht eine klitzekleine Spur zu nett zu sein, aber vielleicht entspricht auch das der Realität?!

Die Figuren

Hier fängt es an, großartig zu werden, denn „Orange is the new Black“ hat ein Ensemble, das so groß wie das von „Game of Thrones“ sein dürfte, eine Unmenge an Figuren, bei denen man zwar, wie bei „Game“, nicht unbedingt den Namen weiß, bei denen man aber genau weiß, wer sie sind. Was wir bisher nur in wenigen Fällen erfahren, ist, warum man sie ins Gefängnis gesteckt hat, aber vielleicht kommt das ja später. In der erste Staffel lernen wir sie erst einmal ein wenig kennen, für ein paar ausgesuchte Charaktere gibt es kleine Rückblicke, für die meisten gibt es die Definition über ihre Handlungen. Es gibt jede Menge Figuren und damit ein unerschöpfliches Potential an Geschichten, das in der ersten Staffel nur grob angerissen werden kann. Alle Figuren haben Kontur und Tiefe, möglicherweise mehr, als man von einer Frauenknastserie erwarten würde.

Die Besetzung

Dass wir immer wissen, mit wem wir es zu tun haben, liegt an der herausragenden Besetzung der Serie. Damit ist nicht ein immenses Staraufgebot gemeint, sondern „echte Typen“, Gesichter, die nicht austauschbar sind und dadurch im Gedächtnis bleiben. Und sie sehen nicht nur alle unverwechselbar aus, sie spielen auch hervorragend und vor allen Dingen echt, was den Realismus der Serie noch unterstützt. Zu den wenigen bekannteren Darstellern gehören Jason Biggs aus „American Pie“ und Kate Mulgrew aus „Star Trek: Voyager“ – nun hat man Captain Janeway also doch endlich für die Brechung der Zeitlinie, das Fratanisieren mit den Borg und was sie sonst noch so für Mist gebaut hat verdientermaßen ins Gefängnis gesteckt. Leider empfinde ich sie in diesem wunderbaren Ensemble eher als den Schwachpunkt, weil ich sie trotz gegenteiliger Beteuerungen ihrer Kollegen im Zusatzmaterial einfach nicht wirklich überzeugend finde und mir ihr russischer Akzent nicht so ganz schmecken will – so wie der Hauptfigur ihr Essen.

Die Serie

Orange“ wurde nicht für einen Fernsehsender geschaffen, sondern für eine Onlineplattform. Das bedeutet, dass sie sich nicht den Regeln des Amerikanischen Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens halten müssen und Gewalt und Nacktheit zeigen können – was sie auch tun. Es ist eine moderne Serie, d.h. sie besteht nicht aus einzelnen, für sich stehenden Folgen, sondern wie bei einem Roman sind die Folgen Kapitel, die aufeinander aufbauen und bis zum Ende des ersten Buches, der ersten Staffel führen. Wer Serien gerne am Stück sieht, diese hier ist perfekt dafür geschaffen!

Das Zusatzmaterial

In den kurzen Dokus und den zwei Audiokommentaren erhält man einen kleinen Einblick in die Produktion, aber auch ein wenig in die wahren Hintergründe der Serie. Schade, dass man nicht mehr der Darstellerinnen als sie selbst erleben kann, um so die Unterschiede zwischen Schauspielerin und Rolle besser zu erkennen.

Das Fazit

Großartige Fernsehserie mit einem wunderbaren Ensemble, sehr gut geschrieben, mal tragisch, mal witzig, mal spannend, immer gut! Schon jetzt eine der besten Serien der letzten Jahre und ein Muss für alle, die sich schon immer gutes Fernsehen gewünscht haben. Ab 25. Juni 2015 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Jacky im Königreich der Frauen

Frauen an die Macht. Das ist bereits geschehen. Frauen an der Macht. Ein Land, in dem die Frau herrscht und Pferde heilig sind. Männer sind begehrt, aber eher als Ehemänner und Sexspielzeug. Der junge Junge Jacky möchte die Tochter der Diktatorin heiraten, also versucht er, zu dem Ball zu kommen, auf dem sich die Landesfürstin ihren neuen Gatten auswählt…

Nuuun…

Das Cover wirbt mit „Monty Python“ oder Frankreichs würdige Antwort darauf, doch das scheint mir dann doch ein wenig hoch gegriffen. Obschon es durchaus Ansätze gibt. Die Pythons waren, besonders in ihrer Fernsehserie, großartig darin, Dinge umzudrehen (zum Beispiel der Sohn aus der Schriftstellerfamilie, der unbedingt im Kohlebergbau arbeiten möchte). Ansätze davon sieht man hier auch, die Umkehrung der Gesellschaft, wo Männer und Frauen ihre Rollen tauschen – aber es scheint nicht ganz so perfekt und konsequent umgesetzt zu sein, wie es die großen Meister aus dem großen Britannien gemacht haben. Ein bisschen fühlt man sich an „Das Leben des Brian“ erinnert, was aber größtenteils an den Kostümen und dem Fremdkörper liegt, der an die Unterdrücker des Landes gerät. Näher als mit den Pythons liegt da eigentlich der Vergleich mit deren Mitglied Terry Gilliam und seinen Filmen, da hier, wie bei ihm, eine eigene Welt geschaffen wird, die von Merkwürdigkeiten und abwegigen Ideen nur so strotzt. Auf dem Gebiet bietet „Jacky“ ein paar schöne Dinge, bleibt dann im Vergleich aber zwangsläufig hinter Gilliam zurück. (Und ich habe dieses Thema überhaupt nur deshalb angeschnitten, weil es auf dem Cover steht!)

Fazit…

Ein durchaus interessanter Film, der eine eigene, relativ gut durchdachte Welt präsentiert, in der die Frauen das Ruder übernommen haben. Trotz allem bleibt das Ganze aber irgendwie zu zahm, um eine herrlich beißende Satire zu sein, manches scheint eher in den Ansätzen steckenzubleiben, anstatt es bis zur Sch(m)erzgrenze durchzuexerzieren. So gesehen ist es mehr Fantasy als Satire, was ein wenig schade ist, da da noch viel nach oben offen gewesen wäre. Ab 26.6.2015 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Rodencia und der Zahn der Prinzessin

Zauberlehrling-Maus muss aus dem Land Rodencia in die Welt hinausziehen, um den Zahn der Prinzessin zu finden und damit das Land vor der Invasion der Ratten und ihrem bösen Anführer zu retten…

Fabelhaft

Das ist weniger als Wertung als vielmehr als Beschreibung gemeint, denn früher nannte man Geschichten, in denen Tiere wie Menschen auftraten noch „Fabeln“ – und nicht „Disney“. Dieser Film erinnert in einigen Aspekten an „Antz“ und in anderen an „Der Herr der Ringe“, nur eben etwas kindlicher und mit Mäusen in den Hauptrollen. Die hat man konsequent nach Käsesorten benannt, was eine nette Idee ist. So geht denn also der junge und unerfahrene Zauberer Edam mit seiner Freundin Brie und zwei Kriegern auf eine abenteuerliche Reise, die ihn und seine Begleiter in eine andere Welt führt – in die der Menschen. Aber wird er seine Aufgabe erfüllen, wird er sein Land retten können?

Animationsfilm für Kinder

Es ist ein Kinderfilm und die sollten eigentlich ihre Freude daran haben können. Es geht nicht zu brutal zu, es gibt gut und böse, hell und dunkel, schwarz und weiß, es gibt einen jungen Helden und ein bis zwei Prinzessinnen, sogar Fußballfans kommen in einer Szene kurz auf ihre Kosten. Das müsste also eine gute Unterhaltung für Kinder im entsprechenden Alter sein, und vielleicht ist es sogar der Einstieg in eine größere Welt der Fantasy, an deren Ende „Der Herr der Ringe“ und, wenn sie alt genug sind, „Game of Thrones“ stehen wird? Aber bis es soweit ist können sie mit „Rodencia“ erstmal in dieses Genre hineinschnuppern. Die Möglichkeit haben sie dazu ab 23.6.2015 auf DVD und Blu-ray. Und auf jeden Fall den Nachspann bis zu Ende gucken!

Neu auf DVD: The Loft

Fünf Männer, eine Leiche, jede Menge Probleme… Ein Ehebrecherquintett findet in seinem Liebesnest eine Frauenleiche. Nach und nach erfahren wir, was passiert ist…

The Loft vs. Loft

The Loft“ ist Regisseur Erik Van Lodys amerikanisches Remake von Erik Van Lodys belgischem Film „Loft“. Und wenn man die beiden miteinander vergleicht, dann sind die Unterschiede gar nicht mal so groß. Die Handlung ist essentiell die gleiche, die Szenen sind eigentlich die gleichen, die Lauflänge unterscheidet sich um ein paar Minuten, was darauf hinweist, dass man das Remake wahrscheinlich ein wenig gestrafft hat. Ansonsten ist es eigentlich merkwürdig, dass bei dieser Version ein anderer Autor für das Drehbuch genannt wird, denn Struktur, Szenenabfolge, Dialoge sind alle so dicht an der flämischen Variante, dass die Bezeichnung „basierend auf dem Drehbuch“ des Originalautors eigentlich ein Affront gegen ihn ist, da es mehr wie eine Übersetzung ins Englische wirkt als wie eine eigenständige Arbeit. Es ist ein bisschen wie „Nikita“ und „Codename: Nina“, es ist ein Film, der fast 1:1 für den amerikanischen Markt neu gedreht wurde, und zwar lediglich aus dem Grund, dass die keine Untertitel mögen und nicht synchronisieren können. So gesehen wäre ein Remake für den deutschen Markt nicht nötig gewesen. Und wenn man’s genau nimmt, bleiben sich beide Versionen ziemlich gleich. Die amerikanische Version ist vielleicht eine Spur geleckter, und da, wo Schwimmbad und Tiefgarage in Belgien unterirdisch sind, hat man in USA Ausblick auf andere Hochhäuser. Aber das war’s auch eigentlich schon – und, dass aus Düsseldorf San Diego wurde, aber das fällt eigentlich auch nicht ins Gewicht. So gesehen ist „The Loft“ ein gut umgesetzter Film, der seinem Original in nichts nachsteht, aber außer für eine US-Auswertung auch nicht zwingend notwendig gewesen wäre.

Die Zweitbesetzung

Als ich das Original gesehen habe, habe ich mich gefragt, ob es vielleicht zwei Figuren gegeben hat, bei denen Regisseur Van Lodys für sein Remake vielleicht andere Schauspieler im Kopf gehabt hatte. In „Loft“ gibt es einen Schauspieler, der sehr an „Dexter“ Michael C. Hall erinnert und einen, der wie die belgische Version von Robert Sean Leonard (aus „House“) aussieht. Ob man die beiden wohl besetzen wollte? Wäre durchaus interessant gewesen. Wie dem auch sei, statt ihrer spielen nun Wentworth Miller und James Marsden, die ihre Sache aber auch ganz gut machen. Da es heutzutage keine Trennung mehr zwischen Film- und Fernsehschauspielern gibt, hätten wir mit ihnen schon zwei Serien vertreten, „Prison Break“ und „30 Rock“. Durch Karl Urban kommt dann noch „Almost Human“ dazu, Eric Stonestreet wirft „Modern Family“ in die Runde und da Kristin Lehman („The Killing“) und Robert Wisden („Supernatural“) ebenfalls mitspielen, liegt es nahe, dass der Film in Kanada, wahrscheinlich Vancouver gedreht wurde, auch wenn die Schauspieler behaupten, es wäre New Orleans gewesen. Matthias Schoenaerts darf seine Rolle aus der Originalfassung noch einmal spielen und macht dies auch hier wieder sehr gut (den Beweis, dass er mehr drauf hat als den durchgeknallten Kokser tritt er demnächst in „Am Grünen Rand der Welt“ an).

Loft in Translation

Randnotiz für Synchronfreunde: Auch wenn die Typen im Remake ähnlich besetzt sind wie in der Originalfassung, gibt es in der Synchronfassung jedoch nur eine Überschneidung. Während Tobias Kluckert im Original noch den Dexter-ähnlichen Schauspieler spricht, leiht er hier einmal mehr Karl Urban seine Stimme – und beweist, dass er in zwei sehr unterschiedlichen Rollen überzeugend sein kann.

Bonus

Umfangreiche Interviews, die einen schönen Blick auf die Produktion geben und vor allem darauf, was die Schauspieler so voneinander halten.

Fazit

Verzwickt, undurchsichtig, nicht linear erzählt, ein Puzzle, das sich dem Zuschauer Stück für Stück zusammensetzt und bei dem am Ende nicht unbedingt das herauskommt, was er erwartet hat. Ein gut durchdachter Krimi, der atmosphärisch gefilmt, gut inszeniert und gespielt ist und am Ende mit einer überzeugenden Auflösung daherkommt. Ab 19. Juni 2015 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: Big Game

Finnisches Kind soll seine Reifeprüfung als Jäger machen, doch dann fällt ihm im wahrsten Sinne des Wortes der amerikanische Präsident in den Schoß, der von bösen Leuten verfolgt wird und die Jagd beginnt…

Und Action!

Es hat ein paar Elemente von „Die Klapperschlange“, es hat ein paar Elemente von „Mörderischer Vorsprung“ und es hat eine herrliche Landschaft. Die Handlung ist stringent und gleitet nur einmal in „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels Nachbar mit dem Hut aus einem anderen Film und irgendwie ganz ohne Nazis aber dafür mit Russen und so“ ab, was irgendwie zuviel ist, aber ansonsten funktioniert eigentlich alles. Vor allem

Die Besetzung

Onni Tommila als junger Jäger macht seine Sache sehr gut, vor allem wenn man bedenkt, wer ihm in diesem Film zur Seite steht. Zum Beispiel Samuel L. Jackson als Präsident. Der dürfte pro Jahr soviele Filme machen wie Michael Caine in seiner Bestzeit und so ist es nach „RoboCop“, „Kingsman“ und „Avengers: Age of Ultron“ bereits das vierte Mal, dass wir ihm in einer dieser Besprechungen begegnen – und natürlich gibt es an ihm nie wirklich was zu bemängeln, auch wenn er hier weniger der motherfucking Präsident on a motherfucking Plane mit Schreien und Sprüchen ist, sondern der Rolle angemessen zurückhaltend. Auch freue ich mich immer wieder, wenn ich Ray Stevenson zu sehen bekomme (außer in den „Divergent“, „Insurgent“, „Incontinent“ Filmen, wo er mehr als verschwendet ist), der wunderbar in „Rom“ und das einzig gute an der siebten Staffel „Dexter“ war (auch wenn er in der deutschen Fassung von „Big Game“ leider nicht von Torsten Michaelis gesprochen wird).

Und dann ist da noch Mehmet Kurtulus, wahrscheinlich (für alle Nicht-„Tatort“-Gucker) bekannt durch seine Filme mit Regisseur Fatih Akin (ich empfehle hier „Im Juli“), der… nun, was darf ein dunkel aussehender Mann, der Moslem sein könnte, heutzutage spielen? Richtig! Die deutschen Schauspieler haben es endlich auf dem internationalen Markt geschafft, wenn sie denn Türken sind. Wurden entgegen anders lautender Gerüchte die Rollen von deutschen Schurken und Nazis eben nicht von deutschen Darstellern verkörpert, sondern vornehmlich von Briten (Alan Rickman, Jeremy Irons, Ralph Fiennes, Liam Neeson) und fielen lediglich die Brotkrumen der kleineren Handlange und Hintergrundgesumse an Deutsche ab, so haben es die deutsch-türkischen Darsteller geschafft, dank dem noch immer sehr erfolgreichen internationalen Terrorismus, an größere Rollen zu kommen, von denen ihre nicht-türkischen Kollegen nur träumen können. Schön ist, dass Kurtulus seine Rolle fern der Klischees spielt und eigentlich mit Alan Rickman in „Stirb langsam“ mithalten könnte, schade also, dass sie letztlich nicht größer ist, da hätte man gern mehr von gesehen.

Big Fazit

Sieht man mal von dem a) wenig aussagekräftigen, b) austauschbaren und c) eigentlich eher irreführenden Titel ab, der eher auf einen Sportfilm schließen lässt, ein solider Action/Agentenfilm in rauer aber schöner Landschaft mit guter Besetzung und nur wenigen Ausrutschern in absurdes Territorium. Ab 18. Juni 2015 im Kino.

Neu im Kino: Jurassic World (3D)

Ein futuristischer Vergnügungspark, doch plötzlich beginnen die Attraktionen, Menschen umzubringen. Willkommen in „Westworld“… oder nicht?

JurassicPark 2.0 in 7.1 auf 08/15

Nachdem uns drei Filme gezeigt haben, dass die Wiederauferstehung von Dinosauriern ein eher tödlicher Spaß für die Menschen ist, hat nun doch endlich jemand Mr. Hammonds großen Traum in die Tat umgesetzt: Ein Park, in dem man lebende, echte, Fleisch fressende Dinos erleben kann. Wie könnte da irgendwas schief gehen?

Die Dinos sind zurück…

und diesmal haben sie einen Plan? Nein. Aber der Park ist da, es gibt neu zusammengewürfelte Arten, die garantiert tödlich sind und wir haben zwei Kinder, die wild durch den Park tollen. Unbeaufsichtigt. Wie die Dinos. Wie im ersten Teil. Böse Geldmacher, die hinter allem stecken und die Dinos als Waffen einsetzen wollen, aber Ripley weiß, dass es eine Königin ist und… sorry, falsches Franchise. Starlord… Chris Pratt, er spielt die Hauptrolle. Und Bryce Dallas Howard spielt einen Roboter. Oder wie ein Roboter? Bei ihrer Figur hatte ich erst gedacht und später gehofft, dass sie sich am Ende als Roboter entpuppen würde und das hier „Delos – die Welt von übermorgen“ wäre, Michael Crichtons erster Vergnügungspark, in dem ein paar Dinge ein wenig aus dem Ruder gelaufen sind. Das wäre ein schöner Twist gewesen und ein schönes Crossover… das aber leider ausbleibt. So wie die Logik, aber das wäre vielleicht auch ein wenig viel verlangt. Es gibt eine Menge Dinosaurier und höher schneller weiter als im Grundstein legenden Erstling, das wird für das Publikum, das auf Lärm und Explosionen und sich kabbelnde Dinos steht, wahrscheinlich genau das Richtige sein – wer zu diesem Hauptgang noch eine vernünftige Handlung als Beilage haben möchte, sollte vielleicht etwas anderes ordern. In der Tat ist es einzig Chris Pratt, der nicht nur die wenigen guten Texte abbekommt, sondern auch ein bisschen Spaß in die Sache bringt. Ob das allein den Film sehenswert macht, das muss dann jeder mit sich selbst ausmachen.

Und da sind die Kinder…

Genau, die Blagen, die dürfen in einem solchen Film ja nicht fehlen. Und es hätte zwei vernünftige Wege gegeben, mit diesem Thema umzugehen: a) man killt eins der Kinder ganz zu Anfang, so dass man weiß, dass es jeden treffen könnte, denn so was, meine Freunde in Hollywood, erzeugt Spannung. Oder, was ich bevorzugt hätte, man setzt sie b) in ein Fahrgeschäft und man denkt immer, gleich holen sie die Saurier, doch Pustekuchen, die kommen nichtmal in ihre Nähe, die Kinder kriegen von all dem Treiben und Tod nichts mit und am Ende fragen sie ganz erstaunt, was denn passiert sei. Doch JuWorl (so der Kosename) nimmt leider keinen dieser Wege und so ist es wie beim ersten Teil, dass man sich nie so richtig Sorgen um sie macht, denn das ist doch ein Steven Spielberg Film und der hat seit „Der weiße Hai“ keine Kinder mehr umgebracht, das Weichei, also so long, Spannung, wir wissen, wer überleben wird!

Ansonsten folgt der Film komplett dem Handbuch für derartige Filme, die „Überraschungen“, die sich das Heer von Drehbuchautoren ausgedacht hat, sind irgendwie keine und die Endschlacht am Ende gerät wie so gerne zu lang und damit ein wenig langweilig. Wie gesagt, der Masse wird’s gefallen, wenn’s kracht und zischt, doch mir tut’s nischt!

Oh, es gibt sogar ein Wiedersehen mit einer Figur aus dem ersten Teil. Leider ist es nicht Samuel L. Jackson (hey, nur weil man seinen Arm gefunden hat, heißt das noch lange nicht, dass er tot ist!) sondern BD Wong, dem Doktor, der all das geschaffen hat… vielleicht kommt im nächsten Teil ja Goldblum zurück?

Jurassic Fazit

Prädikat: Jetzt mit noch mehr Dinosauriern. Wenn Sie der Meinung sind, dass mehr und mehr besser ist als das Original, dann könnte diese Dino Welt nach Ihrem Geschmack sein. Das Grundschema ist etwa wie „Jurassic Park“, nur eben mit a) Park und b) vieeeeeeeel meeeeeeeeehr Dinos. Technisch ist das gut gemacht, inhaltlich eher fragwürdig und an manchen Stellen ein wenig lächerlich (als der arme Pflanzenfresser in Pratts Armen stirbt und man fast erwartet, dass er „Räche mich, Starlord!“ flüstert, ja, an der Stelle bin ich eigentlich ausgestiegen), das 3D hab ich nichtmal richtig wahrgenommen… aber wer’s gerne Dinotastisch hat, der wird wohl nicht drum rumkommen und hat ab 11. Juni 2015 im Kino die Gelegenheit dazu.

Neu im Kino: Miss Bodyguard

Unerfahrene Polizistin muss Mafiabraut beschützen, die von Killern verfolgt wird, um eine Aussage vor Gericht zu machen…

Und alles hätte so schön sein können

Der Film fängt sehr schön an, mit der Jugend der Protagonistin, welche sie quasi im Polizeiwagen ihres Vaters verbringt, was sie für ihren zukünftigen Beruf nahezu prädestiniert (selten wurde dieser Begriff treffender eingesetzt). Und dann kommen wir zu… Reese Witherspoon („wie der Löffel auf englisch“, um „Arsen und Spitzenhäubchen“ zu zitieren). Sie ist die erwachsene Frau und mit ihr fangen die Probleme an. In mehrfacher Hinsicht. Einerseits scheint ihre Figur nicht wirklich durchdacht angelegt zu sein. Sie ist nicht die Vollblutpolizistin, die sie sein sollte, aber das ist okay. Sinnvoll wäre es gewesen, wenn sie extrem clever, aber auch extrem ungeschickt wäre. Damit hätte man eine Figur, die funktioniert. Sie ist irgendwie von beidem ein bisschen und das ist eine Rechnung, die nicht so ganz aufzugehen scheint. Außerdem verhält sie sich ein wenig wie ein Roboter, was auch angesprochen wird, die Sache aber nicht besser macht. Denn das Hauptproblem ist… Reese Witherspoon (der ich in Anbetracht ihrer Spielweise in „Natürlich blond“ ihren Oscar sofort wieder aberkannt hätte). Die gute Frau ist irgendwie… nicht sympathisch. Die Typen, die sie verfolgen sind sympathischer als sie, und das sollte so nicht sein. Und bevor jetzt jemand sagt, dass ihre Figur so angelegt ist – nein! Mayim Bialik spielt mit Amy in „The Big Bang Theory“ ebenfalls eine etwas merkwürdige Frau, und sie ist dabei sympathisch! Es ist also möglich – es sei denn, man hat einen Oscar.

Buddy Movie mit Frauen

Ist ein Buddy Movie, in dem zwei Frauen die Hauptrollen spielen, ein dann „Body Movie“? Oder ist das zu sexistisch? Ach, das ist Hollywood, das ist sexistisch! Falls sich der Begriff durchsetzt, oder „Boddy Movie“, dann möchte ich bitte Prozente dafür. Frau Witherspoon zur Seite steht, sitzt und fährt Sofia Vergara. Die ist a) ganz wunderbar in „Modern Family“ und b) dazu gezwungen, hier mehr oder weniger genauso zu spielen. Das ist ein bisschen schade, ein bisschen Typecasting und ein bisschen Verschwendung. Und das ist einmal mehr das Traurige, dass es hier durchaus Potential zu einem guten Film gegeben hätte, das man aber einfach nicht genutzt hat. Wenn Witherspoon schon der Roboter ist, dann hätte Vergara das Naive Dummchen sein müssen, das am Ende eine überraschende Wendung durchmacht, Withy ist clever aber ungeschickt, Vergy ist naiv aber geschickt, zusammen sind sie das perfekte Team… aber das hat man nicht gemacht. Einzig John Carroll Lynch als Vorgesetzter… kommt ein wenig zu kurz.

Die heißblütige Lady und der Roboter begeben sich also auf eine Reise durchs die Land, die am Ende ein wenig mehr Sinn ergibt, als am Anfang und es gibt auch ein paar schöne Momente, aber leider nicht genug, um das Ganze zu einem wirklichen Vergnügen zu machen. Gegen Ende wird es dann sogar ernster, als es die Komödie am Anfang zugelassen hätte, und dann gibt’s noch Versprecher im Nachspann. Ende.

Miss Fazit

Body Movie, der ein bisschen an der mangelnden Sympathieausstrahlung seiner Hauptdarstellerin und einer nicht ganz durchdachten Figur (nicht der von Frau Vergara) krankt. Ab 11. Juni 2015 im Kino.

Neu auf DVD: Good Kill – Tod aus der Luft

Die Arbeit von Soldaten, die mit Drohnen ferngesteuert Menschen töten – und wie sie mit dieser Arbeit umgehen…

Nix für USA-Fans

Sagen wir’s direkt, wenn Sie den „Krieg gegen den Terror“ für gerecht und gerechtfertigt halten, ebenso wie den Krieg gegen den Irak, und, wo wir schon mal dabei sind, wenn Sie sich dem Gedanken verwehren, dass es den IS (the terrororganisation formerly known as ISIS) überhaupt nur deshalb gibt, weil die USA den 11. September missbraucht haben, um einen ungerechtfertigten Angriffskrieg zu führen und damit eine komplette Region destabilisiert haben – dann ist dieser Film wahrscheinlich nichts für Sie! Und da Sie jetzt genau wissen, wie meine Meinung zu diesem Thema ist, können Sie davon ausgehen, dass ich „Good Kill“ sehr genossen habe. Denn er ist kritisch – und dürfte in Amerika wohl kaum dafür geschätzt werden.

Man zeigt uns, wie Krieg heutzutage funktioniert. Ein paar Leute sitzen in einem Container, der offiziell nicht amerikanisches Territorium ist, obwohl er sich in der Nähe von Las Vegas befindet, und töten per Fernbedienung Menschen in fernen Ländern. Kalt, effizient und unpersönlich. Fast wie ein Schreibtischjob. So sieht Krieg heute aus – wenn man reich ist. Die Armen, auch das wird gesagt, schicken ihre Kinder mit Sprengstoffgürteln auf den Marktplatz – die Reichen töten wie in einem Videospiel. Und, was sehr schön ist, es wird auch eine wichtige Frage gestellt: Was unterscheidet die einen noch von den anderen? Wenn gleichermaßen auf die Menge draufgehalten wird, wenn man den Tod Unschuldiger nicht nur billigend in Kauf nimmt, sondern fast schon einklagt, weil, was haben die denn auch da zu suchen, nur, weil sie da vielleicht wohnen?

Befehl ist Befehl

Die eine Frage, die ebenfalls angebracht wäre, wird eher zwischen den Zeilen beantwortet: Muss man jeden Befehl ausführen? Und, nun, früher war das mal so (und der hervorragende Film „Eine Frage der Ehre“ zeigt uns das auch), dass man als Soldat wissen muss, wann man einen Befehl verweigern darf, ja, muss, dass man eigentlich nicht blind Befehlen gehorchen darf, doch all das scheint seit dem 11. September und Guantanamo ein wenig vergessen zu sein. Hier bekommen die Soldaten Befehle, deren Richtigkeit sie zwar anzweifeln, aber sie werden dennoch gezwungen, sie auszuführen. Auch das sollte so nicht sein – aber in einer Welt, in der wir uns diesen Luxus der ethischen Befehlshinterfragung leisten können, leben wir offensichtlich nicht mehr. Ausgesprochen wird das von Bruce Greenwood als kommandierendem Offizier, der am Anfang die Situation eigentlich extrem sachlich und korrekt einschätzt, Befehle und deren Ethik auch anzweifelt, gegen Ende aber die Wende macht mit einer Begründung, die man den Soldaten bestimmt so auftischt – was die Sache gleichermaßen realistischer wie trauriger macht. Buch und Regie stammen von Andrew Niccol, der auch für den von mir sehr geschätzten „Lord of War“ verantwortlich ist, die Hauptrolle spielt Ethan Hawke.

Bonus

Ein Behind the Scenes Bericht, in dem die Beteiligten über den Film und ihre Einstellung dazu berichten, was durchaus interessant ist.

Fazit

Hervorragender Film über die moderne Kriegsführung, der moralische Fragen stellt, die kein Kriegstreiber gerne beantwortet bekommt. Ab 9.6.2015 auf DVD und Blu-ray.