Neu im Kino: The Vatican Tapes

Junge Frau wird vom Teufel besessen… also was sollte man anderes tun, als ihr den wieder auszutreiben?

Der Teufel trägt Prada…

ist offensichtlich falsch, denn er trägt lieber blonde Mädchen. Warum es aber genau dieses blonde Mädel trifft, bleibt genauso im Dunkeln wie vieles andere in diesem Film. Christliche Mythologie als Grundlage für einen Horrorfilm, das ist nicht unbedingt neu – und streng genommen basiert die komplette Serie „Supernatural“ darauf. Nur nehmen die sich dabei nicht ganz so ernst – was dieser Film leider tut. Und wenn man sich schon so verdammt ernst nimmt, dann sollte man auch verdammt gut sein, denn sonst kann das ganze schnell ins Lächerliche abgleiten – wie bei der Szene, in der der Exorzist (nicht verwandt und nicht verschwägert, zumindest der Schauspieler) dem Mädel ein paar Eier aus dem Mund zaubert. Kenner fühlen sich direkt an Leslie Nielsen in „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ erinnert, und das ist keine Assoziation, die man in einem sich sehr ernst nehmenden Horrorfilm haben sollte, jedenfalls nicht, wenn man das laut Auflachen im Kino lieber vermeiden möchte. Ansonsten folgt der Film allen Klischees, von „Der Exorzist“ (welche Überraschung) bis „Die Fürsten der Finsternis“, ohne aber jemals deren Qualität oder Horrorwirkung erreichen zu können. Raben spielen eine große Rolle, denn sie sind „die Boten des Teufels“, also wenn die streiken bleibt die Lieferung aus und der Teufel muss vielleicht doch Prada tragen? Ach, wie schön wäre es gewesen, mit den Klischees zu brechen, den Priester als Abtrünnigen zu haben, der den Exorzismus bewusst vergeigt, um damit Freund Teufel zurück in die Welt zu holen, doch Pustekuchen.

B-Setzung für B-Movie

Die Hauptdarstellerin sieht aus, als hätten Patricia Arquette und Kristen Stewart ein gemeinsames Baby gehabt, ist also komplettes Typecasting, da sie sowohl um den toten Blick als auch um die handelsüblichen Stigmata nicht herumkommt. Ihr Vater wird gegeben von dem, bei dem wir froh sein können, dass er weder Wolverine noch James Bond geworden ist, der blutleere Brite Dougray Scott, der hier aber nichtmal negativ auffällt, was wahrscheinlich mehr über den Film aussagt, als ihm lieb sein kann.

Aber wir wollen nicht nur meckern. Zwischenzeitlich hat man das Gefühl, und der Titel des Films suggeriert es ja auch, dass das ganze vielleicht als Found-Footage-Film gedacht war, da man das eine oder andere auf Video zu sehen bekommt und einige Leute eine Kamera dabei haben. Dem Teufel sei Dank muss wohl aber noch rechtzeitig jemand gemerkt haben, dass das irgendwie wohl vielleicht doch nicht funktionieren würde und so ist der Film dann doch kein ganz so großes Desaster geworden, wie es durchaus möglich gewesen wäre.

The Fazit Tapes

Eher mittel-unterdurchschnittlicher Horrorfilmverschnitt, der die Klischees seines Genres bedient, ihm leider aber nichts neues hinzuzufügen weiß, zum Beispiel, dass das geheime Ziel des Vatikans schon immer gewesen wäre, den Teufel zu erwecken, was eine großartige Pointe gewesen wäre, die aber leider, wie so vieles hier (vernünftige Struktur, Motivation des Teufels, Tarifgruppe der Raben) ausbleibt. Wer die Kirche im Kino vermisst, der sollte natürlich zur schwarzen Messe kommen, die ab 30.7.2015 beginnt.

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