Neu im Kino: Ant-Man

Ganz ehrlich? Ameisenmann? Klingt albern. Ein Mann in der Größe einer Ameise oder so was. Mit Ameisen als seine treuen Soldaten. Und dann noch Paul Rudd, der Ben Affleck für Arme… oder war das Edward Burns? Ach, egal, es gibt so Sachen, von denen braucht man einfach nichts zu erwarten – und dann wird man enttäuscht. Und zwar POSITIV!

Häh?

Okay, positiv enttäuscht zu werden klingt irgendwie quatschig, aber irgendwie klingt es auch kunstvoller, als zu schreiben: angenehm überrascht! „Ant-Man“ ist mehr als eine angenehme Überraschung, er ist ein großer Spaß und ein Film der das Independent-Kino wieder mal schlecht aussehen lässt. Denn wo sind denn bitte die Filme der unabhängigen Filmemacher, die sich nicht durch ein großes Budget, sondern durch große Phantasie oder wunderbaren Humor auszeichnen? Ein gutes Drehbuch ist keine Frage des Geldes, sondern des Talents. Also warum stürmen nicht die unabhängigen Filmemacher mit brillanten Komödien, die vor (kostengünstig zu produzierendem) Wortwitz nur so strotzem die Leinwände und erobern sie von den Comic-Verfilmungen zurück? Und, ganz im Ernst, wer jetzt wirklich behauptet, man brauche ein großes Budget, um eine gute Komödie zu drehen, der ist EIN IDIOT! In Versalien.

Mit „Ant-Man“ ist es also mal wieder so weit, ein Sommer-Blockbuster-Studio-Comic-Film zeigt den anderen, wie’s gemacht wird. Mit jeder Menge Witz und Phantasie. Ja, es ist albern, einen Menschen auf die Größe einer Ameise zu schrumpfen – aber die Filmemacher haben so viele Ideen in diese Geschichte gesteckt, dass das ganze auf einmal unheimlich unterhaltsam ist und einfach Spaß macht. Ein Film kann Spaß machen und sich nicht ganz so ernst nehmen, Mr. Bond, etwas, das ihr schon lange vergessen habt. Muss Marvel euch wirklich zeigen, wie’s geht? Nun, offensichtlich schon.

A-Stars als B-Setzung

Paul Rudd funktioniert, wird aber neben einem guten Buch und schönen ironischen Brechungen auch von einer guten Schauspielriege unterstützt, allen voran Michael Douglas. Wer nicht zu jung ist, um sich noch an „Die Straßen von San Franzisko“ zu erinnern, Hand hoch! Er scheint am Drehbuch genauso viel Vergnügen gehabt zu haben, wie ich, so, wie er die Rolle spielt. Und dann gibt es noch jede Menge schräge Nebencharaktere mit Wiedererkennungswert – und wunderbare stilistische Einfälle. Zum Beispiel die Art und Weise, wie Michael Penas Figur ihre Geschichten erzählt – einfach herrlich. Sogar die Gesamtwelt des Avenger-Universums wird geschickt und organisch in den Film integriert – und am Ende des Nachspanns gibt es auch wieder einen kleinen Ausblick auf kommende Attraktionen.

Ant-Zit

Ein großer Kino-Spaß mit guten Schauspielern, witzigen Dialogen, abgefahrenen Ideen, einem guten Schuss Selbstironie, jeder Menge Phantasie und einem Ideenreichtum, der seinesgleichen sucht. So können Filme sein – warum gibt es also nicht mehr davon? Ab 23. Juli 2015 im Kino.

Neu im Kino: Magic Mike XXL

Ex-Agent, der sich zur Ruhe gesetzt hat, zieht noch einmal mit seinen alten Kameraden los, um die Welt zu retten…

In etwa

Man ersetze Agent durch Stripper und Welt retten durch strippen, und wir sind in etwa da. Wobei der Film den Begriff „Male Entertainer“ vorzieht, aber wenn ich mich recht erinnere, schlug Nick Nolte in „New Yorker Geschichten“ auch für Hausmeister „Sanitär Ingenieur“ oder etwas ähnliches vor, also muss man das wohl nicht zu genau nehmen.

Tatsächlich habe ich ein wenig Schwierigkeiten damit, was ich über den Film sagen soll. Außer, dass es der Film mit dem meisten Rotlicht sein müsste, den ich kenne. Wenn wir das Ganze zusammenfassen wollen, dann dürfte die Bezeichnung

Roadstrip

eigentlich die treffendste sein, und wenn die eine clevere Marketingabteilung haben, würden sie vielleicht damit werben. Werden sie aber nicht, denn worum es geht, ist, irgendwie, seien wir ehrlich, nackte Haut. Man könnte es also auch als eine Art

Baywatch“ für Frauen

bezeichnen, mit mehr Handlung, da besteht wohl keine Frage, aber doch irgendwie ein Vorwand, um sich ungestraft nackte Haut anzusehen – wie in einem Stripclub, nur scheint das hier irgendwie gesellschaftsfähig zu sein. Ganz ehrlich, würde man das alles komplett umdrehen und es wäre eine Gruppe weiblicher Stripper, die sich so verhalten, wäre bestimmt ein Großteil (des weiblichen) Publikums empört und würde „Sexismus!“ schreien. Ich wage aber irgendwie zu bezweifeln, dass bei diesem Film jemand mit Sexismus anfangen würde – außer mir, natürlich.

Aber egal, Frauen sollen auch ihren Spaß haben, also guckt euch die größte Stripshow der Welt an, mit gut gebauten, schicken Männern, die Körper haben, mit denen sie was machen. Es ist n Frauenfilm, mehr oder weniger. Gut, das ist „Mad Max: Fury Road“ auch, denn wo sonst hat man in letzter Zeit so viele starke, weibliche Charaktere… aber das weiß ja niemand, also rein in den Magischen Michael in Übergröße – aber nicht irgendwann auf empört machen, wenn Menne mal nen Film sehen will, weil sich Angelina Jolie darin mal obenrum frei macht!

Magic Fazit XXL

Film über männliche Stipper, die zu ihrem Jahrestreffen fahren, unterwegs ein paar interessante Leute (Frauen) kennenlernen und am Ende eine ganz passable Show abliefern. Channig Tatum zeigt sich als guter Schauspieler, Jada Pinkett Smith als gute Conferenciere und Andie MacDowell als Gegenteil von ihrer Rolle in „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“. Es gibt ein paar wunderbare Szenen, aber zu wenige, als dass man den Film jetzt über den hohen Klee loben könnte. Durchaus brauchbare Unterhaltung – und für Leute, die gerne sehen, wie alle Szenen in rotes Licht getaucht werden, unverzichtbar. Ab 23. Juli 2015 im Kino.

Neu auf DVD: The Killing – Staffel 3

Gleiche Ermittler, neuer Fall: Junge Straßenmädchen verschwinden und werden ermordet. Die Suche nach dem Mörder beginnt…

Düster

The Killing“ war nie eine Serie des großen Spaßes, ist der Regen doch stets eine der wichtigsten Figuren, die eigentlich in keiner Folge fehlen darf. Diesmal, so hat man das Gefühl, wird es aber noch düsterer als vorher, denn diesmal geht es nicht nur um ein ermordetes Mädchen, sondern gleich um eine ganze Reihe. Junge Frauen sollten Seattle (oder Vancouver, das dafür herhalten muss) also besser meiden!

Wie auch in den ersten Staffeln gibt es neben dem Hauptfall auch eine Nebenhandlung, die aber auch hier mit dem Hauptfall zu tun haben könnte. Die Politiker aus den ersten beiden Staffeln sind nicht mehr dabei – wobei es ein bisschen schade ist, dass es nichtmal einen Hinweis auf sie zu geben scheint – an ihre Stelle ist ein Mann in der Todeszelle getreten. Auch das ist sehr düster, gibt er sich doch gleich zu Beginn als würdiger Anwärter auf den Hannibal Lecter Insassenpreis, bedrohlich, böse, aber irgendwie faszinierend. Großes Lob für seine Darstellung gebührt Peter Sarsgaard (nicht zu verwechseln mit Stellan oder Alexander Skarsgard!), der mit dieser Performance auch durchaus für „Hannibal“ hätte vorsprechen können.

Ihre alten Rollen nehmen Mireille Enos und Joel Kinnaman wieder auf, wobei sie Unterstützung von alten Recken wie Gregg Henry und Elias Koteas bekommen – und allem, was Vancouver so als Schauspielern für die kleinen Rollen zu bieten hat, z.B. Aaron Douglas, bestens bekannt aus „Battlestar Galactica“.

Reden wir übers Wetter

Kleine Anmerkung zu dem Thema, über das man dann spricht, wenn einem sonst nichts mehr einfällt: „The Killing“ ist irgendwie eine Schlecht-Wetter-Serie, alles sieht kühl und verregnet aus, wahrscheinlich, weil es kühl und verregnet ist. Da ist es ein bisschen schwierig, in die richtige Stimmung zu kommen, wenn die Sonne scheint und es über 30 Grad ist – also vielleicht lieber im Herbst oder Winter gucken!

The Fazit – Staffel 3

Gut besetzt, gut gespielt, ein bisschen verwirrend, sehr komplex, düster inszeniert und stets verregnet. Wer Krimis mag, bei denen man bis zum Schluss nie so ganz sicher sein kann, der dürfte mit dieser Serie gut beraten sein. Ab 16. Juli 2015 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: Am grünen Rand der Welt

Im England des 19. Jahrhunderts versucht eine unabhängige Frau unabhängig zu leben – doch das war offensichtlich noch niemals einfach…

Kann eine Frau auch mal die richtige Entscheidung treffen?

Das ist die Frage, die sich einem zwischenzeitlich stellt. Da haben wir eine Frau, stark, unabhängig, die ihren eigenen Weg gehen und sich von niemandem reinreden lassen will – eine tolle Figur. Und dann sind da drei Männer, zwei davon ehrenwert und anständig und der dritte… Sie dürfen raten, für wen sie sich entscheidet. Irgendwie schade, dass sich eine kluge, starke Frau so verhält, wie… eine dumme, schwache! Aber vielleicht wird ja am Ende doch alles gut…?

Tolle Bilder, tolle Darsteller, toller Film

Ich denke, da habe ich mein Fazit ein wenig vorweggenommen. Aber was soll ich hier groß um den heißen Brei herumschreiben, der Film ist getragen von guten Schauspielern, schön in Szene gesetzt, in einer wunderbaren Natur, die in wunderbare Bilder gefasst wird und auch die Handlung ist interessant. Was will man mehr? Roboter und Dinosaurier, aber die gibt’s hier nicht. Pech gehabt!

Carey Mulligan ist perfekt besetzt als die Frau, die eigene Ziele hat. Sie ist nicht nur bekannt als Spielpartnerin von Michael Fassbenders bestem Stück in „Shame“, sie trägt außerdem eine der besten Episoden von „Doctor Who“: „Blink“. Ihr zur Seite stehen der immer eine gute Figur machende Michael Sheen und Matthias Schoenaerts. Der ist bekannt aus „Loft“ und „The Loft“, dem Remake von „Loft“, wo er seine Rolle wiederholen durfte – hier dagegen kann er zeigen, dass er weit mehr drauf hat. Er ist der ruhige, starke Typ, der das Richtige tut und trotzdem das Herz seiner Herzdame an einen Dahergelaufenen Schönling (nicht Schoenaerts) verliert. Er trägt diesen Film mit seiner naturburschigen Ruhe, während Mulligan ihn durch ihre weibliche Zielgerichtetheit trägt. Beide wären ein schönes Paar gewesen… aber die Geschichte will es anders.

Was bleibt also noch zu sagen, als: Ab 16. Juli 2015 im Kino. Wäre mein Tipp, wenn Sie mal was Schönes auf der Leinwand sehen wollen!

Neu im Kino: AMY – The girl behind the name

Das Privatleben und Privatsterben von Amy Winehouse.

Künstler, Drogen, Tod

Aber genug über „Cobain“… Es ist leider mehr als ein Klischee, dass viele Künstler ihr Heil in Alkohol und Drogen suchen, um nicht an ihrem Leben zu zerbrechen – und um dann an Alkohol und Drogen zu zerbrechen. Warum es sie zu diesen Ablenkungen treibt, dafür wird es mehrere Gründe geben, dass es sie in den Abgrund treibt, wird sich kaum ändern.

Traurig und tragisch

So könnte man diesen Film zusammenfassen, denn Amy Winehouse war eine großartige Sängerin. Sie zu verlieren ist ein großer Verlust für die Kulturwelt, denn ihre Stimme und das, was sie damit anstellen konnte, ist einfach meilenweit von dem eintönigen austauschbaren Musikmist entfernt, der heutzutage gern erfolgreich ist. Winehouse war anders, in vieler Beziehung, und das zeigt der Film uns. Wieviel ihr der Erfolg wirklich bedeutet hat, was ihr etwas bedeutet hat, all das kann man hier erahnen. Es ist traurig, dass „ihre Dämonen“, wie man so schön sagt, gesiegt haben und es ist tragisch, dass uns dadurch eine großartige Künstlerin verloren geht. Angeblich soll sie für den Titelsong des „Bond“-Films „Quantum of Solace“ im Gespräch gewesen sein – schade, dass es nicht dazu gekommen ist, denn dann hätte man möglicherweise über den Film etwas Gutes sagen können. Und wie bei jeder Frau, die mit ihrer tollen Stimme gut umgehen kann, hätte ich gerne eine Version von „Goldfinger“ aus ihrem Mund gehört – auch das wird nun nie Wirklichkeit werden.

Winehouse

Ich dachte immer, der Name wäre Programm und damit gut gewählt – doch das kratzt nur die Spitze an. Der Film versucht, uns den Menschen näher zu bringen, die Leidenschaften, die sie hatte und die letzenendes auch zu ihrem Ende geführt haben. Freunde von Blu-rays und High Definition dürften hier aber enttäuscht sein, denn 90% des Materials wirkt so, als käme es von Youtube, zumindest, was seine Auflösung angeht. Man sieht so gut wie nie die Interviewten, man hört nur ihre Stimme aus dem Off, während wir Filme und Fotos von Amy Winehouse sehen. Ihre Liedtexte, ihre persönlichen Texte, die nicht von irgendeinem Texter für sie geschrieben wurden, werden eingeblendet – aber hier hat das eine Bedeutung und ist nicht einfach ein Zukleistern der Leinwand mit Buchstaben wie bei „Cobain – Montage of Heck“.

Das Mädchen, die Frau, die Künstlerin, das Fazit

Interessanter Film, der uns eine interessante Künstlerin nahe bringt, deren Leben viel zu früh vorbei war und der uns traurig darüber machen sollte, dass all das, was sie vielleicht noch vollbracht hätte, nun nie Wirklichkeit werden wird. Ab 16. Juli 2015 im Kino.

Bonus-Kolumne: Das Ende von „Interstellar“

Spoiler!

Erst beim zweiten Schauen von Christopher Nolans „Interstellar“ ist mir die „wahre Bedeutung“ des Films bzw. seines Endes aufgegangen. Ich bin sicher, irgendjemand hat diese Theorie schon irgendwo geschrieben und ich bin sicher, Nolan wird sich darauf berufen, dass das „offen“ und „dem Betrachter überlassen“ ist, d.h. jeder kann sich denken, was er will und gut ist.

Der Film zeigt uns, wie Matthew McConaughey in ein schwarzes Loch fliegt, im Bücherregal seiner Tochter landet, ihr durch die Zeit die Lösung für ihr Problem telegrafiert, dann wird er auf wundersame Weise gerettet, landet auf einer Raumstation, wo ihn seine inzwischen zur Oma avancierte Tochter auf ihrem eigenen Sterbebett nochmal kurz die Hand schüttelt und ihm dann sagt, er soll sich verpissen, um Anne Hathaway zu finden, weil die seit ihrem Haarschnitt für „Les Mis“ ganz allein wäre. Wenn man das mal genau betrachtet, ist das…

VÖLLIGER SCHWACHSINN!!!

Nichts in diesem Szenario ergibt bei näherer – und fernerer – Betrachtung einen Sinn. Man hat sich darauf geeinigt, dass das Wurmloch, durch das man in die entfernte Galaxis kommt, von Menschen geschaffen wurde – aber nicht das verdammte schwarze Loch! Also warum sollte man dann durch letzteres eine Zeitreise machen, die die Menschheit rettet? Weil die achtdimensionalen Nachfahren der Menschheit auch das geschaffen haben? Ich wiederhole mich gerne:

VÖLLIGER SCHWACHSINN!!!

Also kommen wir zu meiner Interpretation des Endes: Alle sterben! Die Menschheit ist verloren! Niemand überlebt! Und wer ist schuld daran? Matt Damon!

?

Oh, das ist ganz einfach. Der Film erklärt es uns sogar, genau genommen erklärt Matt Damons Figur Mann es uns: Wenn man als Familienvater stirbt, zieht die eigene Tochter nochmal an einem vorbei (oder sowas in der Art). Also man denkt an seine Familie, weil die Liebe die stärkste Kraft im Universum ist, stärker noch als die verschissene Gravitation, die aus irgendwelchen Gründen dazu verkommen ist, Bilder in den Sand zu zeichnen – oh Mann, Gravy, wie tief bist du gesunken?

Und das ist, was passiert: Damon hat Scheiße gebaut. Er lockt die Expedition auf seinen Planeten, um gerettet zu werden. Um seine Spuren zu verwischen, prügelt er sich mit Matthew McConaughey. Dabei beschädigt er McConaugheys Helm – und der stirbt langsam an Sauerstoffmangel.

Und das ist der Punkt, Matthew McConaughey stirbt!

Alles, was wir von da an zu sehen bekommen, sind die letzten Gedanken, die sich in seinem Kopf abspielen, bevor er tot ist – und er verbringt die Zeit mit seiner Tochter, rettet sie und die Menschheit… eben genau das, was Matt Damon gesagt hat.

Da Michael Caine (mal wieder) gelogen hat, ebenso wie Damon (passender Name übrigens), können wir also nur davon ausgehen, dass es der Menschheit genauso ergehen wird wie Matthew McConaughey: sie wird langsam ersticken! Kein so positives Ende wie Sie gedacht haben, oder?

Neu auf DVD: Backcountry – Gnadenlose Wildnis

Junges Paar geht in der Wildnis trampen und muss feststellen, dass die Natur damit besser klarkommt als sie…

Nach wahren Begebenheiten

Heißt es. Das kann alles bedeuten, z.B., dass ein Paar irgendwo campen war, der Rest ist dazuerfinden. Oder sagen wir, wenn es einen Rest geben würde. Das ganze wird uns als eine Art naturalistischer Horrortrip verkauft, aber irgendwie kommt das nicht ganz hin. Ein Horrorelement ist da, nämlich

Dumme Leute machen dumme Sachen!

Ohne das würde es wenig Horrorfilme geben, und den hier auch nicht, aber da das auf wahren Begebenheiten beruht, muss man das „nordamerikanische Camper-Paar“ auf dessen Erlebnissen dieser Film angeblich beruht wohl für eine Bande von Bekloppten halten, die man niemals aus der Großstadt hätte herauslassen dürfen.

Dabei ist die Grundidee nicht verkehrt. Mensch gegen Natur, verirrt in der Wildnis, im Kampf gegen die Naturgewalten, gejagt von Wölfen und Bären und Beeren… aber ich glaube, der Film heißt „Into the Wild“? Hier haben wir das Paar, es geht hinaus in den Wald und dann geht es bergab. Nicht wörtlich, das kommt erst später, sondern mit Verstand und Handlung. Dass man sich im Wald verlaufen kann ist absolut glaubhaft, lausche man nur dem hervorragenden Audiokommentar von Sylvester Stallone zu „Rambo“, in dem er sagt, dass im Wald eigentlich alles gleich aussieht und man keinerlei Orientierungspunkte hat. Da kann man dann schon mal verloren gehen. Aber wenn dann der Bär vorbeikommt… vielleicht hab ich ja im Überlebenstraining nicht richtig aufgepasst, aber ist sich im Zelt verstecken wirklich ein wirksames Mittel? Wird er darauf reinfallen?

Ab und an hat man das Gefühl, die Filmemacher hatten Material für eine spannende halbe Stunde, haben es dann aber auf 90 Minuten gestreckt. So gibt es denn viele Nahaufnahmen von Missy Peregryms geschundenem, müdem, ausgelaugtem Gesicht…sausdruck, der sich auch nicht ändert. Und man verwendet Geräusche, um etwas auszudrücken und zu versuchen, sich durch eigene Stilmittel von anderen Filmen dieses Genres abzuheben. Das Problem ist, all das schafft eine Distanz, die trennt uns aber von unseren Hauptfiguren, was bedeutet, dass wir nicht mit ihnen mitfühlen, was bedeutet, dass sie uns am Arsch vorbeigehen, was bedeutet, dass das alles extrem kontraproduktiv ist. Wenn mir die Hauptfigur nichts bedeutet, dann leide ich nicht mit ihr mit – sondern nur unter dem schwachen Film. Als knackiger Kurzfilm mit etwas mehr Grips und etwas weniger „wir tun alles, damit wir auch ja aus der Wildnis nie wieder hinausfinden“ hätte das ein spannender Natur-Horror-Film werden können – leider ist er weit von alledem entfernt.

Backfazit

Leider irgendwie missglückt. Ein langsamer Aufbau lässt sich nur dann rechtfertigen, wenn er dann auch irgendwohin führt. Hier führt nichts irgendwohin, was den Film zwar zu einer perfekten Metapher für das macht, was er zeigt, aber gedacht war das so wohl eher nicht. Ab 10.7.2015 auf DVD und Blu-ray.