Neu im Kino: The Program – Um jeden Preis

Lance Armstrong, Trompetenspieler, erster Mensch auf dem Mond und Radrennfahrer… Naja, diese Aussage ist genauso wahr, wie seine zu der Frage, ob er gedopt hat. Er hat siebenmal die Tour de France gewonnen – und kein einziges Mal clean. Er hat sein Leben lang bestritten, mit unrechten Mitteln gearbeitet zu haben – bis er es dann irgendwann zugegeben hat. Ein Mann, auf dessen Wort man sich verlassen kann, es sei denn, er gibt es einem. Nun spendiert ihm Stephen Frears einen Film, der den Radfahrer von seiner besten Seite zeigt. Ehrlich. Ungelogen!

Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort!“

Spannend, unterhaltsam, großartig gespielt. Ja, noch zu früh für das Fazit, aber was soll’s? Und das war nicht gelogen. Hinter dem mit „The Program“ zwar zutreffend aber trotzdem austauschbar betitelten Film über Radrennlegende Lance Armstrong verbirgt sich ein wirklich guter Film. Er zeigt uns die Geschichte Armstrongs, seine Anfänge, aber auch die Entscheidungen, die er danach getroffen hat. Man sieht, wo er vom rechten Weg abgekommen und auf der Überholspur gelandet ist. Und selbst, wenn sich nicht alles haargenau so abgespielt haben sollte… Armstrong wäre wohl der letzte, der anderen Falschaussagen vorwerfen sollte, oder?

Der Foster vom Silberwald

Dass Chris O’Dowd auf einen Iren eine Klischeebesetzung ist, wäre gleichermaßen richtig wie albern. Er ist sehr überzeugend als Journalist, der dem plötzlichen Erfolg Armstrongs auf den Grund gehen will, weil er Zweifel daran hat. Jessy Plemmons, der „Meth Damon“ aus „Breaking Bad“, gibt eine starke Performance als Floyd Landis.

Einfach und schlicht und ergreifend großartig ist allerdings Ben Foster als Lance Armstrong. Doch das ist nicht überraschend und dies ist der Zeitpunkt, um Ben Foster einmal die Anerkennung zukommen zu lassen, die er verdient. Foster zählt in meinen Augen nicht nur zu den wandelbarsten, sondern auch zu den mutigsten Schauspielern seiner Generation. Damit sind die Entscheidungen gemeint, die er trifft – sowohl in Bezug auf die Rollen selbst, als auch auf die Art, in der er sie spielt. So wird es mit Foster niemals langweilig. Seine Anfänge feierte er bei „Six Feet Under“, danach folgte ein umfangreiches Oevre, das ihn u.a. als engelsgleichen Mutanten in „X-Men 3“ zeigt, als durchgeknallten Mörder in „Todeszug nach Yuma“, als Punker „Specker Dave“ im „Punisher“ und als nicht ganz vertrauenswürdigen Killeranwärter in „The Mechanic“. Immer anders, immer gut. Also verwundert es nicht, dass er als Lance Armstrong einfach großartig ist. Es mag die Maske ihren Teil dazu beitragen, aber während Stars wie Tom Cruise immer wie Tom Cruise wirken, wirkt Foster nie wie Foster – und hier sehr stark wie Armstrong. Es ist das Spiel, die Körperhaltung, die Haltung, die aus dem Schauspieler die Figur machen. Deshalb sollte Ben Foster für diesen Film endlich mal seinen ersten Oscar bekommen – den ersten von vielen!

The Fazit

Schon allein wegen Ben Foster sehenswert und bislang einer der besten Filme des Jahres. Es sei denn, man kann Lance Armstrong nicht leiden. Oder vielleicht dann umso mehr! Ab 8. Oktober 2015 im Kino.

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