Neu auf DVD: Dirty Trip

Zwei Spieler treffen aufeinander und beginnen einen gemeinsamen Road Trip, um das große Geld zu machen…

Road Trip Spieler Drama

Der Titel stimmt – und stimmt nicht. Vielleicht weil der eigentlich wichtigste Aspekt des Films darin nicht vorkommt: das Spielen. Ja, es ist schmutzig, was hier passiert und ja, es ist ein Road Trip, aber „Dirty Trip“ klingt eher nach einem Porno auf Drogen anstatt nach einem Spielerdrama, das sich durch diverse Bundesstaaten und „Spielorte“ zieht, denn neben dem gängigen Casino gibt es auch Besuche auf diversen Rennbahnen, Pferde- wie Hunde-. Es wird also gespielt, was das Zeug hält, es wird Geld verloren und Geld geschuldet – also alles, was in einen Film über Glücksspiel so reingehört.

Der glücklose Geldschulder trifft zufällig einen jungen Mann, der ihm Glück zu bringen scheint. So kommt es, dass die beiden zusammen losziehen – doch das Glück scheint dem Glücklosen trotzdem nicht immer ganz hold zu sein. Und wie es bei Spielern oft so ist: sie können einfach nicht aufhören. So geht es auch ihm, wodurch sich seine Situation nicht verbessert…

Die Spieler der Spieler

Der charmante junge Mann ist Ryan Reynolds. Der macht das eigentlich ganz gut, aaaaaber, Segen und Fluch, er spielt gegen Ben Mendelsohn an. Was dazu führt, dass es irgendwie einen Bruch zwischen beiden Spielstilen zu geben scheint, denn bei Reynolds wirkt alles irgendwie gespielt, während bei Mendelson alles einfach echt wirkt. Vielleicht unterstützt das auch ein wenig das Gefühl, bei Reynolds Figur handele es sich eigentlich eher um eine Art Engel, der unterwegs ist, das Leben des Glücklosen Spielsüchtigen positiv zu beeinflussen – denn letztendlich ist es das, was seine Figur macht, und was unterm Strich mehr Sinn ergeben würde, wenn er wirklich ein Engel wäre. Nichtsdestotrotz, Mendelsohn ist einfach großartig, so dass es eine Freude ist, ihm zuzusehen – auch, wenn das eigentlich eher deprimierend ist.

Bonus Trip

Sehr redundant, als hätte man die beiden Featurettes recycled und einfach noch mal in anderer Reihenfolge zum Making of zusammengeschnitten. Sieht man beides, hört man alles doppelt – aber wir erfahren, dass Ben Mendelsohn ein Star in Australien ist.

Dirty Fazit

Spielerdrama on Tour, das von einem großartigen Ben Mendelsohn getragen wird, aber, wie sich das für einen solchen Film gehört, streckenweise deprimierend wirken kann, weil man immer hofft, dass der Spieler doch endlich vernüftig wird und aufhört… aber wir wissen, dass sie das nie tun. Ab 1.12.2015 auf DVD und Blu-ray.

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Neu auf DVD: Flug der Schmetterlinge

Das Geheimnis der Monarchfalter wird enträtselt…

Faszination Natur in einer Art Detektivgeschichte

Der Mensch, dumm wie er ist, hat viele Rätsel seiner Umwelt noch immer nicht gelöst, gibt es doch viel wichtigere Dinge, wie zum Beispiel Rohstoffe zu verschwenden, damit man mit einem riesigen Auto in einem riesigen Stau stehen kann. Doch hin und wieder gibt es Menschen, die sich der Natur widmen und die Merkwürdigkeiten entdecken – und versuchen, hinter deren Geheimnisse zu kommen. Dieser Film erzählt eine solche Geschichte. Die Monarchfalter, Schmetterlinge in Amerika, verbringen nicht ihre gesamte Lebenszeit am selben Ort, irgendwann machen sie sich auf die Reise und verschwinden… aber wohin? Wir erfahren über Forscher, die sich dieses Geheimnisses angenommen haben und wie sie ihm nach Jahren endlich auf die Spur gekommen sind. Und wir erleben das Tun der Schmetterlinge anhand von mehreren Generationen der bunten Falter.

Faszinierende Bilder

Vieles ist echt, nicht alles. Als 3D-Film für die IMAX-Kinos gedacht, wird natürlich großen Wert auf die visuelle Umsetzung des Themas gelegt. Dabei sind aber nicht nur die „Originalschauplätze“ gemeint, sondern auch verschiedene Phasen, die im Computer animiert wurden. Das Ergebnis sind großartige Bilder, die uns die Reise und die Entwicklung der Schmetterlinge näher bringen. Und ja, wir erfahren, wohin sie sich begeben…

Ein wesentlicher Zusatz zum Film ist das Making of, und es ist eigentlich schade, dass vieles davon nicht Bestandteil des Films ist, denn es ist eine wichtige Ergänzung. Beim Film drängt sich einem zwangsläufig die Frage auf, wie viel davon echt ist und wie viel im Computer entstanden – das Making of beantwortet diese Frage. Und, was dem ganze mehr Tiefe und Stärke verleiht, es zeigt uns, wie die Crew sich den Schmetterlingen gegenüber verhält, besonders an dem Ort, zu dem sie reisen. Auch gibt es noch ein paar Informationen, die hier deutlicher herausgearbeitet sind als im Film – also nach dem Film zum Abrunden des Gesamtbilds unbedingt noch das Making of schauen!

Fazit der Schmetterlinge

Ein interessanter Naturfilm, erzählt in beeindruckenden Bildern. Ab 1.12.2015 auf DVD und Blu-ray – und in 3D wahrscheinlich besonders faszinierend.

Neu auf DVD: Big Game – Die Jagd beginnt

13-jähriger Finne ist Sohn eines großen Jägers und soll zum Erwachsenwerden seine „Jagdprüfung“ bestehen. Doch statt eines Bären fällt ihm der Präsident der Vereinigten Staaten in den Schoß. Der soll nämlich gejagt werden – und so wird der Jäger zum Gejagten…

Finnige Action

Nach dem schrägen „Rare Exports“, der ein bisschen die Sache mit dem Weihnachtsmann neu definiert und ihr eine interessante Wendung verleiht, kehren der Regisseur und sein jugendlicher Hauptdarsteller mit ihrem zweiten Film zurück auf die Leinwand – oder, in diesem Fall, ins Heimkino. Entstanden ist ein schmissiger Actionfilm, in dem Samuel L. Jackson ausnahmsweise nicht die coole Sau geben darf, sondern den weniger coolen Präsidenten. Was besonders deshalb gut funktioniert, weil er und Onni Tommila ein großartiges Team sind. Der kleine Jägeranwärter, der dem großen Herrscher der Welt sagen muss, wo’s lang geht.

Thema des Ganzen ist das Jagen. Der Junge soll Jäger werden, die Terroristen wollen den Präsidenten jagen, der jagt seinem Amt hinterher und der Geheimdienst jagt die Terroristen. Alles ist immer in Bewegung – in der malerischen Landschaft Finnlands… die, wie wir im Zusatzmaterial erfahren, von deutschen Bergen gedoubelt wird. So wird der Film komplett international, finnisch, amerikanisch, britisch und deutsch. Und neben der Jagd gibt es noch einen schönen Spionageplot. Was will man mehr?

Bonus Game

Jede Menge Interviews mit den Beteiligten, in denen man viel über die Entstehung, aber auch die Orte, an denen sie vollzogen wurde, erfährt.

Mit

Samuel L. Jackson (Engelbert von Nordhausen), Onni Tommila (Marco Eßer), Ray Stevenson (Oliver Siebeck), Victor Garber (Bodo Wolf), Felicity Huffman (Sabine Falkenberg), Ted Levine (Jan Spitzer), Jim Broadbent (F.O. Schenk), Mehmet Kurtulus

Big Fazit

Gute Action mit guten Figuren in sehenswerter Naturumgebung. Nicht nur für angehende Jäger ein amüsantes Filmerlebnis. Ab 1. Dezember 2015 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Doctor Who – Sechster Doktor, Volume 1

Nach „Die fünf Doktoren“ folgt nun der sechste Doktor: Tom, äh, Colin Baker! Es geht weiter, wenn auch nicht direkt. Mangels deutscher Fassung, wie ich annehme, überspringen wir die restlichen Abenteuer des gerade erst kennengelernten fünften Doktors Peter Davison und setzen da an, wo er aussetzt. Scheinbar zum ersten Mal bei „Doctor Who“ wurde der neue Doktor noch vor Ende der laufenden Staffel eingeführt und so beginnen wir unsere Reise mit Colin Baker mit den letzten vier Folgen der 21. Staffel.

Der Inhalt der blauen Box

Die aktuelle DVD-TARDIS enthält Colin Bakers Einführung sowie die ersten Episoden der 22. Staffel, die damals 4-Teiler mit einer Laufzeit von je 25 Minuten oder neuerdings 2-Teiler mit einer Laufzeit von je 45 Minuten pro Folge waren:

  • Zweimal Einstein / The Twin Dilemma (Teil 1-4)

  • Angriff der Kybermänner / Attack of the Cybermen (Teil 1-2)

  • Revolte auf Varos / Vengeance on Varos (Teil 1-2)

  • Die Rache des Meisters / The Mark of the Rani (Teil 1-2)

Wie immer gibt es dazu jede Menge Bonusmaterial und ein ausführliches Begleitheft.

Der neue Doktor

Wie der Doktor sind auch die damaligen deutschen Zuschauer sowie die Betrachter der DVD-Boxen in gewisser Weise Zeitreisende, zumindest, was die Chronologie angeht. Wir begannen mit dem siebten Doktor und endeten kurz vor seiner Umwandlung in Paul McGann, die noch immer aussteht, aber hoffentlich als krönender Abschluss der klassischen Ära nachgeholt wird. Dann machten wir einen Sprung in die Vergangenheit zu den „fünf Doktoren“ und nun wieder einen kleinen Sprung in die Zukunft. Die neuen Abenteuer liegen also zeitlich vor denen, die wir bereits kennen – und Figuren wie die Rani, die hier scheinbar das erste Mal auftauchen, sind uns bereits begegnet. Zeitreise ist eben eine knifflige Angelegenheit.

Da sich aber auch die Geschichte des Doktors ein wenig zu wiederholen scheint, kann uns in dieser Staffel trotzdem eine Entwicklung auffallen. Wir kennen den Doktor als 25-Minüter, die in 3 bis 4 Folgen eine Geschichte erzählen. Zu Beginn der 22. Staffel änderte man dieses Format jedoch. Nun sollte es pro Handlungsblock je einen Zweiteiler a 45 Minuten geben – wie wir in dieser Box feststellen. Nun, wir wissen, dass es irgendwann wieder dorthin zurück gehen wird, bevor Russell T. Davies mit Christopher Eccleston ein neues Zeitalter für den Doktor einläuten sollte, aber schauen wir doch erstmal, was uns Colin Baker so zu bieten hat.

Was passiert?

Wir erleben etwas… das wir hin und wieder nach einer Regenaration des Doktors erleben, in dieser Weise aber am stärksten bei Peter Capaldi. Der Doktor ist neu, aber irgendwie ein wenig neben der Spur. Ähnlich wie später bei Capaldi scheint bei ihm noch nicht alles ganz richtig zu funktionieren, weswegen er sich zunächst sehr seltsam verhält. Vielleicht ist damit auch seine etwas eigene Kleiderwahl zu erklären, die ihn wie einen Lappenclown aus dem Kölner Karneval wirken und jede Unauffälligkeit vermissen lässt. Nicht nur auf dieser DVD, auch auf anderen hat Colin Baker mehrmals zu Protokoll gegeben, dass ihm ein anderes Outfit lieber gewesen wäre, etwas, das mehr in die Richtung geht, die Eccleston seinerzeit eingeschlagen hatte. Nun, dafür ist es dann wohl zu spät… es sei denn, er besitzt eine eigene TARDIS und nutzt sie, um in die Vergangenheit zurück zu reisen und seine Folgen neu zu drehen.

Die Geschichte mit den Zwillingen ist ganz okay, die Cybermänner in der Folge danach fester Bestandteil des Whoniverse, auch wenn sie, wenn der erste Kontakt mit ihnen die Davies-Variante nach dem Neustart war, heute wenig erschreckend daherkommen, dann folgt ein kleiner Höhepunkt mit Varos und ein nettes Gedankengefecht mit Meister und Rani. Die Folge lässt den Meister fast ein wenig blass dastehen, denn sie beweist, wie viel interessanter eigentlich die Figur der Rani ist. Nicht nur sexy, sondern auch clever ist sie ein würdiger Gegner für den Doktor und es ist schade, dass man sie seit Jahren nicht wieder aus der Versenkung geholt hat. Vorher haben wir aber eine Folge, in der nicht nur Sean Connerys Sohn Jason mitspielt, sondern die auch ein paar wunderbare Anflüge von Medienkritik hat und mit einer schönen Pointe endet. Und irgendwie wirkt das alles, trotz der handelsüblichen Steinbrüche und Gesellschaften, die nur aus Korridoren zu bestehen scheinen, durch die Autos oder Roboter gurken, nicht ganz so trashig wie wenig später bei Sylvester McCoy.

Das Whoniversum

Wenn man in die Welt von „Doctor Who“ eintauchen, mehr darüber erfahren, mehr davon sehen möchte, dann sind diese Boxen wirklich das Richtige. Denn neben den Episoden bieten sie soviel mehr, um in das Whoniversum des gallifreyschen Zeitreisenden einzutauchen. Im wie üblich sehr umfangreichen Zusatzmaterial erfährt man meist mehr als nur etwas über die jeweilige Episode, es gibt Einblicke in Jahrzehnte britischer TV-Geschichte, hier zum Beispiel mit der Entstehungsgeschichte der Cybermen. Auch Selbstkritik der Beteiligten kommt dabei nicht zu kurz – und da jede Folge einen Audiokommentar hat, bleiben eigentlich nur wenige Fragen zur damaligen Entstehung unbeantwortet.

Who vadis?

Als nächstes dürfte die zweite Hälfte der 22. Staffel folgen, die Frage ist jedoch, ob man Staffel 23 danach auf zwei Boxen aufteilen wird. Die besteht im Original aus drei Vierteilern (was mich vermuten lässt, dass man bereits dort wieder zum 25-Minuten-Modell zurückkehrt) und einem Zweiteiler, die Folgen heißen in Deutschland jedoch „Das Urteil“ Teil 1-14. Nun, lassen wir uns überraschen.

Fazit Who

Wer vom Doktor einfach nicht genug bekommen kann, für den ist auch diese Box wieder die perfekte Erweiterung des Whoniversums, sowohl was die Geschichten, als auch, was das Zusatzmaterial angeht. Da jeder Doktor anders ist, muss man selbst herausfinden, ob man ihn mag oder nicht. Ab 27.11.2015 kann man das auf DVD.

Neu auf DVD: Survivor

Sicherheitsexpertin der amerikanischen Botschaft in London soll umgebracht werden, bevor sie etwas herausfindet. Doch das geht schief – und dann wird sie von zwei Seiten gejagt. Nach und nach kommt sie dahinter, was gespielt wird… aber wird sie es schaffen, das zu verhindern?

Frauen auf der Flucht

Im Prinzip hat „Survivor“ eigentlich einen ganz spannenden Plot – aber irgendwie will der durch die Umsetzung nicht so ganz zünden. Was ein bisschen an der Herangehensweise liegt. Zwar ist es eine nette Idee, eine Botschaftsangestellte statt einer Geheimagentin zur Hauptfigur zu machen, aber für die Handlung – und die Dinge, die sie in deren Verlauf tut – wäre letzteres hilfreicher gewesen, zumal sie nicht das hilflose Mädchen ist, also warum nicht gleich eine gute Agentin aus ihr machen. Ein großer Anteil des bitteren Beigeschmacks kommt wohl aber davon, dass es darum geht, dass jemand versucht, mit falschen Papieren in die USA einzureisen und dass das der Dreh- und Wende- bzw. Ausgangspunkt der Handlung ist. Irgendwie wirkt das einfach ein wenig quatschig, als ob es so schwierig wäre, unerkannt in die USA zu kommen (was Jahr für Jahr etliche Mexikaner beweisen) und als ob man seine geheimen Pläne nicht nur dadurch gefährden würde, dass man Firlefanz mit Pässen oder Visa gestaltet, sondern dass man dann gleich auch noch einen Großangriff auf Botschaftsangehörige macht, was irgendwie das Gegenteil von unauffällig ist. Insofern ist die Idee, von gängigen Agentenklischees abzuweichen, in diesem Fall eher Fluch als Segen, da dadurch Probleme entstehen, die ein bisschen das Vergnügen am Film nehmen. Der entwickelt sich in der zweiten Hälfte und zu seinem Höhepunkt hin auch recht spannend, während man nach und nach erfährt, worum es eigentlich geht, schafft es aber nicht ganz, die Ausgangsprobleme auszubügeln. Was schade ist, da man aus der Grundgeschichte einfach mehr hätte herausholen können, wenn man die Ausgangssituation verändert hätte. Aber dafür darf Pierce Brosnan wenigstens zeigen, dass er als eiskalter Killer durchaus überzeugen kann. Gebt ihm seine Lizenz zum Töten zurück!

Bonus

Umfangreiche Interviews, in denen man interessante Dinge über die Entstehung des Films erfährt – aber auch über die Figuren, bei denen man denkt: Wär doch viel sinnvoller gewesen, wenn wir das auch aus dem Film erfahren hätten, denn das hätte der Handlung gut getan!

Mit

Milla Jovovich (Bettina Weiß), Pierce Brosnan (Frank Glaubrecht), Dylan McDermott (Tom Vogt), Angela Bassett (Anke Reitzenstein), Robert Forster (Thomas Kästner), Roger Rees (F.O. Schenk), James D’Arcy (Frank Schaff)

Fazitor

Action-Agenten-Thriller, der ein wenig unübersichtlich daherkommt, bis sich alle Steine so einfügen, dass man weiß, was da gespielt wird und warum. Ab 27. November 2015 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: Me And Earl And The Dying Girl / Ich und Earl und das Mädchen

Schüler wird von seiner Mutter gezwungen, Zeit mit einem Mädchen zu verbringen, das Krebs hat. Nebenbei drehen er und sein „Arbeitskollege“ Earl kleine Filme, in denen sie berühmte Filme in ihrer eigenen Version wiedergeben. Nun sollen sie auch einen Film für das sterbende Mädchen machen…

Ohne Kitsch…

Es ist sehr schön, wie sich die Handlung entwickelt und dass der Auslöser dafür nicht irgendein Gutmenschentum ist, sondern schlicht der Druck der Mutter. Dabei kommentiert der Erzähler auch, wie sich die Geschichte „normalerweise“, eben in einem kitschigen Film entwickeln würde. Er spielt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers, was größtenteils recht gut funktioniert. Damit hebt sich „Ich und Earl und das sterbende Mädchen“ schön von vielen Filmen dieses Genres ab.

aber nicht ohne Klischees

An manchen scheint man in Amerika einfach nicht vorbeizukommen. Also entweder sind alle Filmemacher in Sachen Highschool so unoriginell, dass sie alle die Highschool EXAKT GLEICH darstellen – oder aber, was viel schlimmer wäre, es ist dort wirklich so! Das bedeutet, JEDE Highschool hat ihre dummen Grüppchen, Cheerleader, Footballer, Kiffer, Geeks und Wasweißichnichtalles. Und es endet immer damit, dass man a) einen Smoking hat/haben will und damit dann in einer b) Limo mit c) dem schönsten Mädchen der Schule zum d) Abschlussball fahren kann/will/muss. Das negiert den Begriff der Freiheit, den sich Amerika auf seine nicht zu verbrennenden Fahnen geschrieben hat vollkommen und macht es zu einem derart uniformen Land, dass sich Nordkorea möglicherweise anstrengen muss, um damit Schritt zu halten. Werfen wir diese Klischees also nicht dem Film vor, sondern dem Land, aus dem er kommt.

Klischeebesetzung

Ein bisschen klischeebesetzt ist allerdings Olivia Cooke. Die durfte in „Bates Motel“ schon ein kränkelndes Mädchen spielen und macht es hier auch wieder mit Bravour, denn sie ist schon deshalb perfekt für die Rolle, weil sie halt trotz Kränkeln und Krebs und keine Haare einfach immer noch verdammt süß aussieht. Insofern ist sie zwar klischeemäßig aber dann doch recht treffend besetzt – auch wenn man sich einmal mehr fragt, warum sich die Hauptperson nicht in sie verliebt, sondern in die andere, „gefälligere“ Tussi? Aber so ist das eben im Film…

Me and Earl and the Positive Fazit

Der Film hebt sich sehr schön von a) Highschool- und b) Sterbefilmen ab, hat ein paar nette Einfälle und hübsche Umsetzungen. Die Verbeugung vor Werner Herzog hätte noch irgendwohin führen können, aber ansonsten ein durchaus ansehnlicher Film. Jetzt im Kino.

Neu im Kino: Bridge of Spies – Der Unterhändler

Anwalt verteidigt russischen Spion und gerät dadurch in die Situation, einen Gefangenenaustausch auszuhandeln…

Spione aller Länder vereinigt euch

Nein, das würde alle arbeitslos machen. Aber wie viel schöner war doch der kalte Krieg… für das Spionagegeschäft! Oder Filme und Bücher darüber? Gut, man musste in der ständigen Angst leben, durch einen Atomkrieg ausgelöscht zu werden, aber dafür war alles soviel einfacher, und klarer. Man wusste nicht nur, wer der Feind war, sondern auch, wo er wohnte.

Dieser Film spielt in einer Zeit, in der es noch Ost und West gab und nicht Naher Osten und Westliche Ausbeuter. Man spionierte sich aus, Russland gegen Amerika – oder UdSSR gegen USA, je nachdem. Und wie wir aus der einschlägigen Literatur wissen (ich empfehle hier vor allem Brian Freemantles „Charlie Muffin“-Romane), wurden Spione auch hin und wieder gefangen und dann gegeneinander ausgetauscht.

Das ist nun der Punkt, wo Tom Hanks ins Spiel kommt. Der wird nämlich dazu auserkoren (verdonnert), einen Spion zu verteidigen, aber, wie man sich durch die Vorstellung der Fliegerstaffel denken kann, wird es wohl dazu kommen, dass auch die Amerikaner einen Mann an die andere Seite verlieren und da Hanks das vorhergesagt hat, betraut man ihn prompt damit, die Sache auszuhandeln. Das macht er auch sehr geschickt im unterkühlten Berlin, aber er macht es auf seine Weise und nicht immer ganz so, wie die CIA das gerne hätte…

Spiel, Berg, spiel!

Ich habe in der Kritik vom „Marsianer“ das Thema angesprochen, dass Regisseure mit steigendem Alter offenbar keine kurzen Filme mehr machen können, da tauchte als Beispiel auch Steven Spielberg auf – der Regisseur dieses Films. Und der ist mit 141 Minuten nicht nur lang, sondern auch ein bis zwei Spuren zu lang. Nicht langweilig, das darf man nie verwechseln, aber gerade am Anfang hätte man den Film sehr straffen und sich auf das Wesentliche konzentrieren können, bis wir dann zur Stärke des Films kommen: Tom Hanks verhandelt! Die Szenen sind klasse und gleichermaßen Herz wie Fleisch des Films, falls das irgendeinen Sinn ergibt.

Nutzen wir den Zeitpunkt für die Frage, was aus Steven Spielberg, dem Filmemacher, geworden ist? Sieht man sich die höchst empfehlenswerte Doku auf den DVDs von „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ an, dann lernt man einen Regisseur kennen, der nicht nur eine Vision hat, sondern auch originelle Wege findet, sie umzusetzen; nicht Geld ist ausschlaggebend, sondern der Weg, schön zu sehen daran, wie er mit seinem Kinderschauspieler umgeht und wie er das aus ihm herausholt, was er für den Film braucht. Wahrscheinlich verliert man mit der Zeit die Leidenschaft, wahrscheinlich bieten sich einem andere Lösungen an, wenn man einfach genug Geld zur Verfügung hat, aber schade ist, dass dadurch ein wirklich origineller Filmemacher verloren gegangen ist.

Und noch ein Verlust

Leider hatte der großartige Synchronschauspieler und -regisseur Arne Elsholtz offenbar vor ein paar Jahren einen Zwischenfall, der seine Gesundheit ein wenig angekratzt hat. Er, der er seinerzeit, wie man sagt, Christian Brückner in „Ein Fisch namens Wanda“ von Kevin Kline genommen und die Rolle selbst eingesprochen hat, weil er glaubte, dass er die Rolle besser traf als der vielgelobte Kollege (den Namen kennen sicher alle, wegen Robert de Niro, aber wer kennt bitte Arne Elsholtz?), was ihm wahrscheinlich dessen Unwillen, aber auch einige Jahre Sprechen für Kline einbrachte, er, der die Stimme von Eric Idle war – und von Tom Hanks, tja, er wird auf seinen „Forrest Gump“ in den letzten Jahren leider immer seltener besetzt. Und das ist einfach schade, weil er immer ein großartiger Sprecher war, der viele Filme mit seiner Stimme und seinem Witz bereichert hat. Joachim Tennstedt, der ihn hier vertritt, macht seine Sache gewohnt gut, aber bei Hanks würde man sich eben immer wünschen, man würde Elsholtz hören. Hoffen wir, dass das noch ein paar Mal passieren wird.

Mit

Tom Hanks, Mark Rylance, Scott Shepherd, Amy Ryan, Sebastian Koch, Alan Alda, Jesse Plemons, Burkhardt Klaußner – Regie: Steven Spielberg

Bridge of Fazits

Die Geschichte eines Agentenaustauschs, die man gerade in der ersten Hälfte des Films etwas hätte straffen können. Sehr sehenswert, wenn Ton Hanks mit anderen Leuten verhandeln darf. Ab 26. November 2015 im Kino.