Buch und Film

Es ist eine alte chinesische Weisheit, dass das Buch immer besser ist als der Film, und die gab es schon lange, bevor Peter Jackson „Der Hobbit“ verfilmt hat. Heute aber wollen wir nicht auf den krassen Unterschied eingehen, dass Jackson mit „Der Herr der Ringe“ eine phantastische Umsetzung eines phantastischen Romans abgeliefert hat, beim „Hobbit“ aber offenbar alles falsch gemacht hat, was er bei HdR richtig machte… sondern wir wenden uns einem anderen Autoren und zwei Filmen nach ihm zu:

Frederic Forsythe

Bekannt als Blake Carrington aus „Der Denver-Clan“. Äh, nein, das war John Forsythe. Wie dem auch sei, wir beschäftigen uns heute mit diesem Thema, weil ich gerade Forsythes Bücher „Die Hunde des Kriegs“ und „Der Schakal“ gelesen habe, zwei Werke, bei denen Tiere eine Hauptrolle spielen. Bei beiden geht es vor allem darum, etwas zu planen und die Dinge, die man dafür braucht, einen Putsch („Hunde“) oder einen Mord („Schakal“), zusammenzubekommen, dahin zu bringen, wo man sie braucht und dabei möglichst nicht von der Polizei ertappt zu werden. Das klingt so, als ließe sich das schlecht auf der Leinwand umsetzen – und bei

Hunde des Krieges“

scheint man das noch nichtmal versucht zu haben. Überspringen wir mal, dass die Hauptfigur Ire ist und im Film von Christopher Walken gespielt wird, überspringen wir auch, dass Walken Tom Berenger mit auf seine Mission nimmt, Ed O’Neal aber nicht (Wie bescheuert ist das denn? Also rein darstellerisch?). Dann bleibt… außer ein paar Namen und Begebenheiten nicht mehr viel übrig. Trotzdem ist der Film zwei Stunden lang, angereichert mit Zeugs, das mit dem Buch nichts zu tun hat. Vielleicht ist der Film ja, für sich betrachtet, gar nicht so schlecht. Hat man aber gerade das Buch gelesen, ist er schlicht grauenvoll und am Thema vorbei. Man sagt, bei einer Literaturverfilmung sollte man die Essenz des Buches treffen – hier scheint niemand der Beteiligten das Buch kapiert zu haben. Oder es war ihnen egal. Während im Buch die Söldner eigentlich ganz sympathisch und ehrenwert sind, werden sie hier schon zu Beginn eher als Arschlöcher dargestellt. Der Hauptmotivator des Buches, warum es überhaupt zu dem Putsch kommen soll, geht im Film ziemlich verloren und wird nur gegen Ende mal erwähnt. Das Wichtigste aber, die Bande, die der Söldnerführer in Afrika geknüpft hat und durch die sich am Ende des Buches seine eigene Motivation in einer hübschen Schlusspointe eröffnet, all das geht unter in einem sinnlosen Söldnerfilm, bei dem „Die Wildgänse kommen“ näher an der Vorlage Forsythes ist als dieses Machwerk hier. Also, wer das Buch gelesen hat – Finger weg vom Film!

Der Schakal“

Beim „Schakal“ gibt es zwei Versionen, eine, die sich recht eng an die Vorlage hält und eine, die das eher nicht tut. Ehrlich gesagt bin ich mit der Zinneman-Verfilmung mit Edward Fox nie so recht warm genommen. Erstmals im direkten Vergleich mit dem Buch kam sie mir interessant vor, wobei ich das starke Gefühl habe, dass es hier hilft, das Buch zu kennen. Der Leser kann viel bekanntes wieder erkennen, aber für diejenigen, die den Roman nicht gelesen haben, kann das alles durchaus verwirrend wirken, da zwar viele Elemente der Vorlage verwendet werden, aber oft stark gekürzt und fast bruchstückhaft. Essenz und große Teile der Struktur bleiben also erhalten, ob das aber für den buchunkundigen Zuschauer zu einem befriedigenden Ergebnis führt, ist die Frage. Hier kann es also sein, dass gerade die Nähe zum Buch sich auf den Film eher nachteilig auswirkt.

Komischerweise mochte ich aber immer die Fassung mit Bruce Willis. Betrachtet man sie – Wichtig: ohne Ansicht des Buches! – so haben wir einen brauchbaren Actionfilm aus einer Zeit, in der Bruce Willis sich noch Mühe gegeben und nicht alles gelangweilt heruntergespielt hat. Er ist hier in Höchstform – Schwachpunkt ist und bleibt aber Richard Gere. Der spielt, so kam es mir schon beim ersten Gucken vor, einen Idioten! Ja, das lässt sich nicht beschönigen, der Typ ist einfach ein kompletter Depp, mal abgesehen davon, dass man ihm den Iren nicht abnimmt. Aber er mokiert sich darüber, dass ihm der amerikanische Geheimdienst keine Kanone gibt, ihm, dem Mörder??? Idiot, nicht mehr, nicht weniger.

Hat man nun aber gerade das Buch gelesen, bei dem es darum geht, wie ein Mann einen Mord an Charles de Gaulle bis ins kleinste Detail plant und unterwegs keinen Fehler macht und um einen anderen Mann, der clever genug ist, ihm trotzdem auf die Spur zu kommen – dann steht in diesem Film plötzlich jeder als Idiot da, Profikiller Willis mit eingeschlossen. Im Buch findet der schlaue Schnüffler mit akribischer Kleinarbeit Hinweise – im Film kennt Gere den Schakal von früher. Vitamin B ist eben auch in Attentatsfilmen mehr wert als Intelligenz oder Fachwissen. Und während der Killer des Buches Fehler zu vermeiden versucht, trampelt Willis eigentlich mit einer Unsubtilität durch den Plot, die ihm den Ausschluss aus allen Killervereinigungen und Assassinatenclubs der Welt hätte bringen müssen. Er tut Dinge, die schlicht und ergreifend völlig idiotisch sind, nicht geplant, sondern einfach nur DUMM!!! Da hätte er auch Gere in seinem Gefängnis besuchen und freundlich mit der Waffe winken können, viel plumper als seine anderen Handlungen wäre das auch nicht gewesen. Im Buch ist jede Handlung des Killers, sein Besuch bei der adeligen Dame, seine Übernachtung mit dem Homosexuellen, all das ist durch die Handlung motiviert und notwendig, damit er nicht auffliegt. In diesem Film ist nichts wirklich motiviert – und seit ich das Buch gelesen habe, bin ich es auch nicht mehr.

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