Neu im Kino: Bridge of Spies – Der Unterhändler

Anwalt verteidigt russischen Spion und gerät dadurch in die Situation, einen Gefangenenaustausch auszuhandeln…

Spione aller Länder vereinigt euch

Nein, das würde alle arbeitslos machen. Aber wie viel schöner war doch der kalte Krieg… für das Spionagegeschäft! Oder Filme und Bücher darüber? Gut, man musste in der ständigen Angst leben, durch einen Atomkrieg ausgelöscht zu werden, aber dafür war alles soviel einfacher, und klarer. Man wusste nicht nur, wer der Feind war, sondern auch, wo er wohnte.

Dieser Film spielt in einer Zeit, in der es noch Ost und West gab und nicht Naher Osten und Westliche Ausbeuter. Man spionierte sich aus, Russland gegen Amerika – oder UdSSR gegen USA, je nachdem. Und wie wir aus der einschlägigen Literatur wissen (ich empfehle hier vor allem Brian Freemantles „Charlie Muffin“-Romane), wurden Spione auch hin und wieder gefangen und dann gegeneinander ausgetauscht.

Das ist nun der Punkt, wo Tom Hanks ins Spiel kommt. Der wird nämlich dazu auserkoren (verdonnert), einen Spion zu verteidigen, aber, wie man sich durch die Vorstellung der Fliegerstaffel denken kann, wird es wohl dazu kommen, dass auch die Amerikaner einen Mann an die andere Seite verlieren und da Hanks das vorhergesagt hat, betraut man ihn prompt damit, die Sache auszuhandeln. Das macht er auch sehr geschickt im unterkühlten Berlin, aber er macht es auf seine Weise und nicht immer ganz so, wie die CIA das gerne hätte…

Spiel, Berg, spiel!

Ich habe in der Kritik vom „Marsianer“ das Thema angesprochen, dass Regisseure mit steigendem Alter offenbar keine kurzen Filme mehr machen können, da tauchte als Beispiel auch Steven Spielberg auf – der Regisseur dieses Films. Und der ist mit 141 Minuten nicht nur lang, sondern auch ein bis zwei Spuren zu lang. Nicht langweilig, das darf man nie verwechseln, aber gerade am Anfang hätte man den Film sehr straffen und sich auf das Wesentliche konzentrieren können, bis wir dann zur Stärke des Films kommen: Tom Hanks verhandelt! Die Szenen sind klasse und gleichermaßen Herz wie Fleisch des Films, falls das irgendeinen Sinn ergibt.

Nutzen wir den Zeitpunkt für die Frage, was aus Steven Spielberg, dem Filmemacher, geworden ist? Sieht man sich die höchst empfehlenswerte Doku auf den DVDs von „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ an, dann lernt man einen Regisseur kennen, der nicht nur eine Vision hat, sondern auch originelle Wege findet, sie umzusetzen; nicht Geld ist ausschlaggebend, sondern der Weg, schön zu sehen daran, wie er mit seinem Kinderschauspieler umgeht und wie er das aus ihm herausholt, was er für den Film braucht. Wahrscheinlich verliert man mit der Zeit die Leidenschaft, wahrscheinlich bieten sich einem andere Lösungen an, wenn man einfach genug Geld zur Verfügung hat, aber schade ist, dass dadurch ein wirklich origineller Filmemacher verloren gegangen ist.

Und noch ein Verlust

Leider hatte der großartige Synchronschauspieler und -regisseur Arne Elsholtz offenbar vor ein paar Jahren einen Zwischenfall, der seine Gesundheit ein wenig angekratzt hat. Er, der er seinerzeit, wie man sagt, Christian Brückner in „Ein Fisch namens Wanda“ von Kevin Kline genommen und die Rolle selbst eingesprochen hat, weil er glaubte, dass er die Rolle besser traf als der vielgelobte Kollege (den Namen kennen sicher alle, wegen Robert de Niro, aber wer kennt bitte Arne Elsholtz?), was ihm wahrscheinlich dessen Unwillen, aber auch einige Jahre Sprechen für Kline einbrachte, er, der die Stimme von Eric Idle war – und von Tom Hanks, tja, er wird auf seinen „Forrest Gump“ in den letzten Jahren leider immer seltener besetzt. Und das ist einfach schade, weil er immer ein großartiger Sprecher war, der viele Filme mit seiner Stimme und seinem Witz bereichert hat. Joachim Tennstedt, der ihn hier vertritt, macht seine Sache gewohnt gut, aber bei Hanks würde man sich eben immer wünschen, man würde Elsholtz hören. Hoffen wir, dass das noch ein paar Mal passieren wird.

Mit

Tom Hanks, Mark Rylance, Scott Shepherd, Amy Ryan, Sebastian Koch, Alan Alda, Jesse Plemons, Burkhardt Klaußner – Regie: Steven Spielberg

Bridge of Fazits

Die Geschichte eines Agentenaustauschs, die man gerade in der ersten Hälfte des Films etwas hätte straffen können. Sehr sehenswert, wenn Ton Hanks mit anderen Leuten verhandeln darf. Ab 26. November 2015 im Kino.

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