Neu auf DVD: Marco Polo – Die komplette erste Staffel

Der Erfinder des Polohemds und wie er zusammen mit Giovanni Versace und Yves Sait Lorent ein neuartiges Hemd entwirft…

ist es nicht!

Marco Polo scheint in der Fachwelt nicht ganz unumstritten zu sein, will sagen, bei seinen Geschichten scheint es ein paar Ungereimtheiten zu geben, die manche an ihrer Wahrheit zweifeln lassen. Vielleicht war er einfach auch nur eine Art früher Karl May, der über Dinge geschrieben hat, die er nie selbst zu sehen bekam? Oder ein Baron Münchhausen, der den Leuten schlicht was vorgelogen hat? Nun, wir werden diese Frage heute nicht beantworten können und die Serie tut das auch nicht, denn sie ist keine Filmbiographie, die sich mit Leben und Leiden Marco Polos auseinandersetzt, sie ist eher eine Abenteuerserie, die versucht an Dinge wie „Game of Thrones“ oder dessen legitimen Vorgänger „Rom“ anzuknüpfen (denn wir wissen alle, dass „Game of Thrones“ ja eigentlich nur „Rom mit Drachen“ ist). In etwa. Wobei es bei „Rom“ ein klein wenig anders gelagert ist, denn da hat man zwei kleine Nebenfiguren erfunden, aus deren Perspektive wir die großen Dinge erleben, die in der Welt (oder dem Römischen Weltreich, was damals nahezu dasselbe war) geschehen, eine brillante Möglichkeit, um Geschichten und Geschichte zu erzählen und das doch nie aus der Perspektive von Kaisern und Caesaren zu tun. Dort haben wir Einblick in wirkliche Historie erhalten – hier tun wir das wahrscheinlich weniger. Es ist, wie gesagt, ein Abenteuer, das sich wahrscheinlich eher von der Realität inspirieren lässt anstatt sie getreu wiederzugeben – also so gesehen wahrscheinlich ganz im Sinne von Marco Polo.

Der wird von seinem Vater bei Kublai Khan, Nachfahre des legendären Dschingis (aber nicht von der Musikgruppe), zurückgelassen. Der findet irgendwie Gefallen an dem jungen Mann und lässt ihn von einem – ein wenig ein paar Klischees verkörpernden – blinden Meister trainieren. Polo ist ein gelehriger Schüler, aber weit davon entfernt ein Meister zu sein. Was einer der Pluspunkte dieser Serie ist. Polo wird nie zum Supermann, er macht Fehler, irrt sich und gerät in Situationen, die er nicht bewältigen kann. Das macht ihn sehr menschlich und irgendwie auch ein wenig sympathisch.

Weißer Mann, was nun?

Zwar haben wir das Element eines weißen Europäers am Hofe einer asiatischen (oder mongolischen) Hoheit, aber, wie gesagt, wird er nie zu Tom Cruise, der den blöden Schlitzaugen zeigt, wie’s gemacht wird. Auch das ist ein Pluspunkt. Es gibt jede Menge Intrigen und Spione, Kämpfe und Schlachten – und, wie man bei „Game of Thrones“ gelernt hat, jede Menge Sexposition (Szenen mit Nackten, in denen was erklärt wird). Da es sich bei „Marco Polo“ um eine Serie des Portals Netflix handelt, unterliegt sie nicht den Einschränkungen des öffentlich-rechtlichen amerikanischen Fernsehens und kann deshalb Titten und Blut zeigen, wie es ihr beliebt. Was es tut. Und was sie tut. Auch beim Schlachtengetümmel wird nicht gespart, oder sagen wir, nur einmal. Da wird, aus Kostengründen, wie ich annehme, ein interessanter Weg gewählt, um sich um die Darstellung einer teuren Schlacht zu drücken. Aber keine Sorge, die folgt schon noch!

Nothing Wong with it

Auch wenn Marco Polo der Titelgeber ist, so ist die interessantere Figur wahrscheinlich Kublai Khan. Für die wurde Benedict Wong verpflichtet – was ausgesprochen schön ist, da man den sonst eher in Nebenrollen zu sehen bekommt, so wie seinen textarmen Beitrag zum sinnarmen „Prometheus“. Hier gibt man ihm die seltene Möglichkeit, etwas zu machen – und dabei zu glänzen. Eine wahre Freude, die hoffentlich dafür sorgt, dass er in Zukunft auch ein paar größere Rollen bekommt, als Kopilot rechts.

Daneben gibt es auch ein paar starke Frauenrollen, Frauen als Kämpferinnen, die ihren eigenen Kopf haben. Das ist vom politisch korrekten Standpunkt natürlich schön, aber es lässt einen ein bisschen zweifeln, ob es so was in der damaligen Zeit wirklich gegeben hat oder ob man die Frauen da nicht eher unterdrückt hat, um so was zu vermeiden? Für die Serie ist es gut, aber an der historischen Korrektheit haben wir ja eh schon gezweifelt.

Marco Bonus

Jede Menge geschnittene Szenen, interessant ist aber das Making of, in dem man sieht, wie verschiedene Szenen ohne die Spezialeffekte ausgesehen hätten.

Fazit Polo

Wahrscheinlich nicht unbedingt historisch korrekt, aber ein großes Abenteuer. Opulente Bilder, Massenszenen, Schlachtgetümmel und nackte Gewalt (in einer Folge wörtlich zu sehen). Wer Spaß an so was hat, der sollte sich mit „Marco Polo“ auf eine Reise in den Orient begeben – ab 12. Dezember 2015 auf DVD und Blu-ray.

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