Neu im Kino: Madame Bovary

Junge Frau heiratet Arzt und begibt sich in Affären mit anderen Männern – und toten Gegenständen, von denen sie mehr und mehr kauft…

Nach Gustave Flaubert

Karten auf den Tisch, wenn ich das Buch gelesen habe, ist es zu lange her, als dass ich mich daran erinnern könnte. Prinzipiell sollte aber der Film alles sagen, ohne dass ich etwas nachlesen muss – und da sind wir ein wenig beim Problem angekommen. Wenn wir das Ganze zusammenfassen wollen, dann drängt sich das Wort

distanziert

auf. Madame Bovary ist von allen distanziert – und das schafft auch eine Distanz zum Zuschauer, die es ihm erschwert, mit ihr zu fühlen. Was zur Folge hat, dass man, offenbar ähnlich wie sie, wenig fühlt. Was wiederum einen zweistündigen Film schwierig macht. Und möglicherweise hat es sich nur mir nicht erschlossen, aber was bei einem Film auch sehr hilfreich ist, ist die Motiviation. Warum tut eine Figur etwas. Sollte Frau Bovary in ihrem Gatten eine Enttäuschung sehen und diese Leere mit anderen Männern füllen wollen, dann ist das nicht gut genug herausgearbeitet. Wenn sie mit den anderen Männern eine Leidenschaft empfindet, die sie bei ihrem Mann nicht erlebt, dann ist auch das nicht gut herausgearbeitet, denn hier fehlt die Leidenschaft. Und wenn, was eine sehr schöne Idee ist, sie versucht, ihr tristes Leben mit Dingen und Liebschaften zu füllen, um ihm etwas abzugewinnen, dann fehlt auch da leider die bessere Herausarbeitung. Der Pressetext spricht davon, dass sie viele Liebesromane gelesen hat und sich so ein Leben vorstellt – aber falls diese Information im Film sein sollte, ist sie mir leider entgangen. Und sie sollte im Film sein, man sollte sie nicht aus dem Begleitheft oder dem Comic zum Film erfahren müssen. Der Film selbst muss einem alle Informationen liefern, die man braucht, um ihn zu verstehen, Punkt. Die Motivation erschließt sich also nicht, was bleibt, ist die Distanz. Vielleicht fühlen wir uns als Zuschauer so wie die Bovary, aber ob das der Rezeption des Films wirklich hilft, sei dahingestellt.

Unterm Strich ist es ein Kostümdrama, das uns in eine andere Zeit entführt, eine Zeit, in der das Leben anders war. Es zeigt uns diese Zeit und mag darin auch durchaus sehr akkurat sein. Mia Wasikowska passt als Titelfigur recht gut. Paul Giamatti ist (bis auf „Not so Amazing Spider-Man 2“) eigentlich immer eine sichere Bank. Ein kleines Highlight ist jedoch die Darstellung von Rhys Ifans; seinerzeit an der Seite von Hugh Grant im Komödienbereich bekannt geworden, kann er hier beweisen, wie viel mehr in ihm steckt. Visuell und darstellerisch kann man sich also nicht beklagen.

Madame Fazitary

Schlicht distanziert. Wenn es als Stilmittel gedacht ist, um uns auf eine Gefühlsebene mit der Hauptfigur zu bringen, ist das gleichermaßen genial wie fatal, denn wenn man nichts für die Leute fühlt, für die man etwas empfinden sollte, hofft man eher, dass es schnell vorbei ist – und wir können nicht alle den Weg der Madame Bovary beschreiten. Ab 17. Dezember 2015 im Kino.

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