Das Neujahrsanschreiben von Popkulturelle Differenzen

Liebe Mitleser, frohes neues Jahr.

Heute möchte ich Sie begrüßen zu einer weiteren Ausgabe von Polemik für Fortgeschrittene. Also stürzen wir uns gleich in die Materie und sagen wir es mal kurz:

Deutschland kann es keinem recht machen!

Obwohl… das stimmt, auf der anderen Seite kann man aber auch sagen:

Deutschland kann es einfach nicht richtig machen!

Zumindest in verschiedenen Bereichen. Irgendwie findet man hier nie eine richtige Ausgeglichenheit, sondern neigt, wahrscheinlich durch diese unrühmliche Vergangenheit des Landes begründet, dazu, was man in Fachkreisen wahrscheinlich als „überkompensieren“ bezeichnen würde. Aber fangen wir mal mit dem ersten Punkt an.

Deutschland kann es dem blöden Ausland wohl echt nicht recht machen, oder?

Ausländerfeindlichkeit, Völkermord, okay, das hat eine echt gute Grundlage, um es zu kritisieren. Aber wenn man dann mal das Gegenteil davon macht, Flüchtlinge aufnehmen, statt sich als Arschloch zu zeigen und seine Grenzen dicht zu machen, dann ist das auch wieder nicht recht? Ehrlich, Ausland, ihr müsst euch mal langsam entscheiden. Sind wir unfreundlich, findet ihr das nicht gut – tun wir was Gutes, findet ihr das auch nicht gut und erklärt es zum „Deutschen Problem“??? Ganz ehrlich, all die Staaten, die in der Flüchtlingskrise ihre Grenzen geschlossen und sich nicht nur Europa sondern auch Menschen in Not gegenüber unsolidarisch gezeigt haben, haben hiermit ihr Recht verloren, Deutschland mit erhobenem Zeigefinger auf seine Vergangenheit hinzuweisen, wenn einem mal wieder die Argumente ausgehen. Denn ihr habt die moralische Hoheit durch euer Handeln definitiv die Toilette runtergespült!

Seien wir ehrlich, ich bin kein Freund der Kanzlerin, schon deshalb, weil sie richtige Entscheidungen nur dann trifft, wenn sie unter Druck steht und es sich irgendwie kaum noch vermeiden lässt, sie zu treffen (siehe Atomausstieg), aber wenn sie dann mal ausnahmsweise was richtiges tut, nämlich Menschen, die Hilfe brauchen, helfen zu lassen, dann könnte man das ja auch mal anerkennen. Was dann allerdings auch nicht hilft, ist immer wieder den gleichen Satz vor sich hinzumurmeln, ohne möglicherweise selbst den Arsch hochzukriegen.

Wir schaffen das!“

Ja, meine Erfahrungen mit Leuten, die ihre Arbeit nicht selbst machen, sondern sie immer an andere delegieren, geht in die Richtung, dass man viel freimütiger damit ist, Dinge zuzusagen, wenn man sie selbst nicht tun muss. Jeder Chef, der selbst mit anpackt, wird sich bestimmt besser überlegen, was er zusagt, als der, der sich dann auf die faule Haut legt. Und ein bisschen habe ich den Eindruck, dass das in diesem Fall bei der Kanzlerin in eine ähnliche Richtung geht. Man kann nicht sagen, wir schaffen das, und dann alle anderen im Regen stehen lassen. Aussitzen und hoffen, dass sich das von selbst regelt, geht da nicht, da muss dann auch vom Bund etwas kommen – falls das nicht geschieht.

Und da ist noch etwas. Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen zu helfen ist richtig, da gibt es keine Frage. Aber dafür, dass das Land das tut, erweckt es sehr den Anschein, als wäre diese ganze Sache bislang nur deshalb überhaupt möglich gewesen, weil viele ehrenamtliche Helfer auf den Plan getreten sind. Und so sehr das für diese freiwilligen Helfer spricht, so sehr sagt es doch auch, dass das Land, das reiche deutsche Land, das sich Milliardengräber für Flughäfen leistet, ohne dass dafür jemand ernsthaft zur Rechenschaft gezogen wurde, dass dieses Land seine Arbeit nicht alleine geregelt kriegt, sondern auf die Hilfe von Leuten angewiesen ist, die das ohne Bezahlung machen. Wenn Sie mich fragen, ein echtes Armutszeugnis.

Und doch…

Tja, und doch, so sehr ich die freiwilligen Helfer bewundere, bringt uns das zum zweiten Punkt dieses Neujahrsanschreibens. Deutschland kann es auch irgendwie nicht richtig machen, nicht in einem richtigen Maß. Leuten helfen ist richtig und toll, aber am Bahnhof zu stehen und Flüchtlingen zu applaudieren, die es bis hierher geschafft haben, ist schlicht bescheuert. Idiotische Überkompensation. Ich meine, die stellen sich doch auch nicht in Griechenland ans Meer und applaudieren jedem, der nicht ertrunken an den Strand gespült wird. Das ist also, bei aller Liebe, idiotisches Verhalten… wovon unsere Politiker aber auch wieder was zu bieten haben.

Wie kann man denn bitte überrascht sein, wenn sich plötzlich jeder Flüchtling auf den Weg nach Deutschland macht? Wie kann man das nicht kommen sehen??? Die haben alle Handys. Und die Bilder von klatschenden Empfängen an deutschen Bahnhöfen sind um die Welt gegangen. Also wie blöd muss man sein, um nicht vorauszusehen, dass, wenn Flüchtlinge diese Bilder sehen, sich andere umgehend auf den Weg hierher machen, weil das doch so aussieht, als würde man hier freundlich empfangen und hätte eine wundervolle Zukunft vor sich. 1 und 1 zusammenzählen, Politiker, das ist keine Raketenchirurgie, das hätte man kommen sehen können. Und da ist die Propaganda dieser Arschlöcher, die noch immer Heime anzünden, einfach zu schwach, als dass sich die Ausländerfeindlichkeit herumsprechen würde.

Auf der anderen Seite: Ehrlich, nur Politiker können aus etwas Positivem wie „Willkommenskultur“ etwas Negatives machen. Da gehört wirklich was dazu – aber leider nichts, auf das man stolz sein sollte!

Die Flucht nach vorn

Aaaaber… eine Frage hätte ich da noch. Ich weiß, mit einer Frage zu diesem Thema setzt man sich wahrscheinlich der Gefahr aus, direkt in die rechte Ecke verfrachtet zu werden, aber da kann man dann nichts machen. Was ich also nicht verstehe ist: Männliche Flüchtlinge, die ohne ihre Familie kommen! Natürlich ist es eine Strapaze für eine Familie, tausende von Kilometern zu wandern, aber die machen das ja wahrscheinlich nicht zum Spaß, sondern um vor einer Gefahr für Leib und Leben zu flüchten. Weswegen man ihnen, wie gesagt, helfen sollte und muss. Aber wenn das der Grund für die Flucht ist, dann lass ich meine Familie doch nicht in der Gefahr zurück und fliehe alleine. Oder?

Weswegen man sich, was gerne gesagt wird, um den Grund kümmern sollte, warum so viele Menschen fliehen. Und da dürfte in der arabischen Welt der (so genannte) IS wohl ganz oben auf der VIP-Liste stehen. Man hört immer wieder, dass normale Muslims mit denen nichts am Hut haben und dass all die widerlichen Dinge, die die tun, weder im Koran stehen noch durch ihn gerechtfertigt werden können. Wenn dem so ist, dann wäre es doch mal eine schöne Gelegenheit für den Islam, zu zeigen, dass er besser ist als das Christentum, indem er das tut, was christliche Religionsführer wohl eher seltener getan haben: Sich öffentlich gegen den IS aussprechen. Nicht das einfache Volk, nicht der Moslem, der in die Moschee geht, nein, die obersten Glaubensführer des Islam. Wenn der IS nicht in ihrem Sinne handelt und den Koran nur vorschiebt, dann sollten alle islamischen Religionsoberhäupter, Leute, deren Meinung in Glaubenskreisen Gewicht hat, gemeinsam sagen, dass der IS nichts mit ihrer Religion zu tun hat, dass sie ihn für falsch halten und dass sie alle gläubigen Moslems dazu aufrufen, diese Mörderbande nicht zu unterstützen. Ja, ich weiß, das ist naiv und das wird auch nicht passieren, aber es wäre doch mal eine schöne Gelegenheit, ein vernünftiges Zeichen zu setzen.

Mit diesen Worten wünsche ich allen, die bis zum Ende dieses Artikels durchgehalten haben, ein frohes, friedliches, erfolgreiches, gesundes, angenehmes, freundliches, schönes, nettes, (…………………..) [Platz für eigenen Vorschlag] 2016!

Frohes neues Jahr – und möge es besser werden als das davor

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