Neu im Kino: Das Wetter in geschlossenen Räumen

Kein schlechter Titel… aber leider wird ihm der Film irgendwie nicht ganz gerecht. Oder überhaupt. Denn es ist schwer zu sagen, was der Film eigentlich ist. Oder sein will. Oder sein soll. Ist es ein Liebesfilm? Geht es um Hilfe für Flüchtlinge? Oder was? Das Traurige ist, der Film hat ein paar interessante Geschichten – aber er legt seinen Focus leider auf die eher uninteressanten. Wodurch die interessanten nicht nur zu kurz kommen, sondern das, was sie sein könnten, komplett zerstört wird. Also versuchen wir es mal…

Da ist eine Frau. Die arbeitet für irgendeine Organisation, um Mädchen aus Flüchtlingsdörfern im heißen Kriegsrandgebiet in England an die Uni zu bringen. Sie neigt aber auch zu Drogenmissbrauch und wildem Herumvögeln mit Eingeborenen Jungs. Sie findet EIN (!) Mädchen, das sie nach England schicken kann, aber das verschwindet. Scheint sie aber nicht soooo sehr zu interessieren, denn sie beschäftigt sich lieber mit ihrem Gespielen. Der ist aber irgendwie mehr Sexspielzeug als wahre Liebe, was die Liebesgeschichte als solche negiert. Dann kriegt sie wegen ihrer und seiner Exzesse ein wenig Ärger mit ihrer Chefin und am Ende… weiß ich auch nicht.

Falsche Richtung

Wie gesagt, der Film konzentriert sich eher auf ihr lustiges Treiben, was in meinen Augen komplett falsch ist. Und wenn man es schon so macht, dann müsste man auch vorher zeigen, dass sie in ihrem Job kompetent ist, die beste, Miss World. Das passiert aber nicht. Streng genommen – und so, wie sie es „spielt“ – ist eigentlich noch nichtmal ganz sicher, ob sie das überhaupt für einen guten Zweck macht, oder ob sie nicht einfach eine clevere Form des Menschenhandels betreibt, bei der sie Flüchtlingskinder ausnutzt – was eine schöne Wendung gewesen wäre. Man erfährt nicht, wozu das, was sie tut, wirklich gut ist und das ist ein weiterer großer Fehler. Interessant wäre der Weg gewesen, dass sie sich im Laufe des Films eben als Menschenhändlerin entpuppt, aber das passiert nicht.

Wenn man, wie gehabt, seinen Fokus auf die Beziehung legt, dann muss man, damit das für den Film eine Bedeutung hat, vorher zeigen, wie verdammt gut sie ihre Arbeit macht und wie oder ob die nun unter der Beziehung leidet. Passiert aber nicht. Wir als Zuschauer können nicht einschätzen, was sie macht und wie gut sie es macht. Und damit ist alles, was erzählt wird, eigentlich uninteressant.

Ja, wenn man wenigstens das folgende Bild zeichnen würde: Sie tut gutes, rettet Mädchen aus der Gefahr, ist eine „Heilige“, aber in ihrer Freizeit ist sie nicht nur ein Flittchen, das herumhurt bis der Arzt kommt (oder die Ärztin in dem Fall) – und während Kinder dort draußen hungern, schlagen sie und ihre Spendenfreunde sich mit Schampus und Shrimpcocktails die Wänste voll. Gegensätze, kann spannend sein. Und sogar kritisch. Isses, Sie werden es sich gedacht haben, aber nicht.

Furtwrängler

Im Audiokommentar zu „Der Tag, an dem die Erde still stand“ sprechen Robert Wise und Nicholas Meyer darüber, dass es Schauspieler gibt, bei denen man sieht, was sich hinter ihrer Stirn tut, auch wenn sie nichts sagen und dass es welche gibt, bei denen das nicht der Fall ist. Leider gehört Maria Furtwängler eher in letztere Kategorie. Man hat nie das Gefühl, dass sich da viel abspielt – und das hätte doch so sehr geholfen. Einmal, als ihr Hotelzimmer wieder auf den alten Stand gebracht wird, sieht man im Vordergrund ihr Gesicht, aber außer einer unmotivierten Träne, die eher so irgendwie alles bedeuten kann, sieht man da nix. Dabei hätte eine gute Schauspielerin hier allein durch ihren Ausdruck eine Geschichte erzählen können. Frau Furtwängler, die irgendwie die ganze Zeit sehr steril rüberkommt, tut dies nichtmal durch ihre Dialoge. Aber dankenswerterweise hat man ihr mit ihrer Chefin eine Schauspielerin an die Seite gestellt, die so schlecht spielt, dass sie die Furti in ihren gemeinsamen Szenen fast schon gut aussehen lässt. Respekt für dieses Casting – aber nicht für dieses „Spiel“.

Das Fazit in beschlossenen Kolumnen

Ein Film, der ein durchaus interessantes und ernstes Thema haben könnte, es durch eine austauschbare Fick- und Drogenstory aber eher in den metaphorischen Hintern tritt, als ihm gerecht zu werden. Nicht einmal „der Verrat“ am Ende wird sinnvoll begleitet, obwohl auch das wieder Potential für scharfe Kritik gehabt hätte. Wenn dieses Thema also eigentlich nicht wichtig ist, warum lasst ihr die armen Kinder nicht in Ruhe und gebt ihr nen Job als Bankerin, für die erzählte Geschichte hätte das eigentlich keinen Unterschied gemacht – aber es wär einem dann vielleicht nicht dieser fahle Beigeschmack geblieben. Ab 28. Januar 2016 kann den jeder im Kino schmecken.

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