Neu im Kino: The Hateful 8

Im rauen Western der schneebedeckten Berge nimmt eine Kutsche einen schwarzen Kopfgeldjäger mit, bevor der Schneesturm über sie hereinbricht. An Bord befindet sich ein weiterer Kopfgeldjäger mit einer teuren Beute. Gerade rechtzeitig erreichen sie eine Hütte in den Bergen, doch dann beginnt sich die Situation irgendwann zuzuspitzen… und sehr, sehr blutig zu werden.

Ein Film von Quentin Tarantino

Schon in dem Film, der ihn für alle bekannt und berühmt gemacht hat, „Pulp Fiction“, gibt es, wie mir letztens aufgefallen ist, eine Szene, die den feinen Herrn und seine Arbeit ganz gut umschreibt. John Travolta und Samuel L. Jackson plaudern über Travoltas Reise nach Amsterdam und führen ein nettes Gespräch über Viertelpfünder und das metrische System in Bezug auf Fast Food, die eigentlich in der netten Pointe

Und wie nennen die einen Whopper?“

Keine Ahnung, im Burger King war ich nicht!“

kulminiert, eine Stelle, an der jeder gute Autor die Szene beendet hätte. Aber Tarantino lässt sie dann noch weiterquatschen über das Ersäufen der Pommes in Mayo – und so ist denn eigentlich auch „Django Unchained“: Der Höhepunkt sollte eigentlich auf Candyland sein, aber danach labert Tarantino einen noch eine halbe Stunde lang voll.

Was, Dank finanziellem und kritikösen Erfolg, nie jemand getan hat, ist Tarantino Grenzen zu setzen. Man lässt ihn einfach quatschen. DAS fasst „The Hateful 8“ irgendwie ganz gut zusammen. Die schönen Aufnahmen in Schnee und Bergen dahingestellt, ist der Film von Anfang an extrem redundant. Dialoge werden wiederholt und wiederholt. Allein durch eine Streichung der Wiederholungen hätte man den Film locker um eine halbe Stunde kürzen können. Aber nein, einmal mehr erlaubt man Tarantino, uns vollzuquatschen, ohne dass jemand dazwischen geht und ihm Einhalt gebietet. Um es also auf den Punkt zu bringen, der Film ist in etwa eine Stunde zu lang. Gekürzt auf 90, 100 Minuten hätte man da bestimmt etwas sehr schönes draus machen können, aber so, wie er ist, ist er weit davon entfernt, ein guter Film zu sein – aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung.

Krimi im Schnee?

Mir wurde der Film vorher als eine Art „Agatha Christie mit Cowboys im Schnee in einer Hütte“ angepriesen – eine Beschreibung, die leider nicht zutrifft. DAS hätte ein cooler Film werden können. DAS HIER ist aber nicht diese Geschichte. Cowboys, Mord, Schnee, Hütte, klar. Aber der Krimi, der bleibt eher auf der Strecke. Wenn man das also erwartet, wird man eher enttäuscht werden. Es geht darum, dass eine Horde Kerle und eine Frau in einer Skihütte (gewissermaßen) festsitzen, und nach und nach stellt sich heraus, dass alle irgendwie Dreck am Stecken haben… oder so. Es entwickeln sich halt Spannungen, die nach und nach gelöst werden. Durch Gewalt, denn es ist ja ein Tarantino, und der wird wohl kaum ohne Blutvergießen auskommen. Und es wird eine Menge vergossen, soviel ist sicher. Ob das lange, redundante Vorspiel für das, was auf der Hüttn passiert, wirklich notwendig war, darüber kann man geteilter Meinung sein. Ich meine: nein!

Da, Steller

Wobei man allerdings voll und ganz zufrieden sein kann, das sind die Darsteller. Die rekrutieren sich größtenteils aus den verschiedensten Tarantino-Filmen. Da ist Samuel L. Jackson aus „Pulp Fiction“, „Kill Bill 2“ und „Django Unchained“, Kurt Russell aus dem langweiligen „Death Proof“, Walton Goggins aus „Django Unchained“, Michael Madsen aus „Reservoir Dogs“ und „Kill Bill“ sowie Tim Roth aus „Reservoir Dogs“ und „Pulp Fiction“. Jennifer Jason Leigh war in „Weiblich, ledig, jung, sucht…“ immerhin Mitbewohnerin von Bridget Fonda aus „Jackie Brown“, also kann man das auch irgendwie gelten lassen. Sie alle spielen hier ausgezeichnet, auch wenn Tim Roth irgendwie Christoph Waltz spielt, aber der hatte ja keine Zeit wegen Bond. Besonderes Lob gebührt allerdings Walton Goggins und Samuel L. Jackson, deren Leinwandpräsenz eine wahre Freude ist. Jackson ist hier allerdings mehr Jacksonig als in „Django Unchained“ – dass er dafür keine Oscarnominierung bekommen hat, ist eigentlich (und auch uneigentlich) eine Frechheit. Ebenso wie Leonardo di Caprio und dessen deutsche Stimme Gerrit Schmidt-Foß, die dort beide eine grandiose Leistung hinlegen. Fühlt euch statt dessen von mir geehrt, Jungs, ihr habt es verdient.

Mit

Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Walton Goggins, Demian Bichir, Tim Roth, Michael Madsen, Bruce Dern

The Hateful Fazit

Tarantino ist irgendwie das verwöhnte Einzelkind, das alles darf und dem nie jemand seine Grenzen aufgezeigt hat. Es ist natürlich schön, wenn man einen Künstler machen lässt, ohne dass ihm einer reinredet, aber wäre er damit nicht auch erfolgreich und würden alle seine Filme nicht gleich für Meisterwerke halten (die sie in den meisten Fällen nicht sind), dann sähe die Sache wohl ein wenig anders aus. So aber wird der Film zu lang, zu redundant, wo er mit einer knackigen Handlung einen kurzweiligen Western hätte machen können. Ab 28. Januar 2016 kann man im Kino beurteilen, ob man meine Meinung teilt, oder ob man Tarantino für das Genie hält… als das er sich wahrscheinlich selbst sieht.

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