Neu im Kino: Son of Saul

1944, Auschwitz-Birkenau. Ein Mitglied des „Sonderkommando“, jüdischer Gefangener, die den Nazis helfen, braucht für eine spezielle Aufgabe, die ihm sehr am Herzen liegt, einen Rabbi. Doch es stellt sich als sehr schwierig heraus, seine Obsession zu erfüllen…

Nazis

Ein Film, der in einem Konzentrationslager spielt, sollte beklemmend sein. Dieses Ziel erreicht dieser Film spielend. Er ist genauso intensiv wie sein Hauptdarsteller – und er wendet ein paar interessante stilistische Mittel an. Zunächst einmal ist es eine großartige Idee, der Hauptfigur eine Aufgabe zu geben, die sie verfolgt. So ist sie die ganze Zeit auf ein Ziel gerichtet und hat etwas, auf das sie zuarbeiten kann. Das Drumherum des Lagers bekommt man auch so mit, fast schon nebenbei. Das ist weit interessanter und eigentlich auch effektiver, als wenn man einfach nur den Lageralltag zeigen würde – und der ist so furchtbar, wie man ihn sich vorstellt. Wir erleben, was die Mitglieder des Sonderkommandos tun müssen und, was die Nazis tun. Was uns zu den beiden anderen Stilelementen des Films bringt: Unschärfe und Subjektive Schulter. Wir erleben alles mehr oder weniger aus der Sicht von Saul, der Hauptfigur. Aber es ist keine subjektive Kamera, es ist eine Kamera, die ihn stets begleitet und ganz in seiner Nähe ist, auf sein Gesicht oder auf seinen Rücken gerichtet. Alles, was wir erfahren, erfahren wir nur durch ihn – und da ist der Film ausgesprochen konsequent. Der andere Punkt sind die Unschärfe und die Dinge, die uns der Film nicht zeigt – von denen wir aber wissen, dass sie existieren. Ein schlechterer Film hätte uns alles klar gezeigt, Hinrichtungen, Massengräber, Leichenberge. Dieser Film macht vieles davon unscharf. Wir erkennen, was dort ist, aber die Kamera hält nicht darauf und ergötzt sich daran. Das ist nicht nur ein angemessenerer Weg, sondern auch ein sehr cleverer, denn der Zuschauer kann sich im Kopf ausmalen, was er dort alles sehen würde – und die Phantasie ist oft stärker als das klarste Bild. Es ist also weniger das, was man sieht, als das, was man dabei denkt – und schon allein dafür gebührt dem Film großes Lob!

Fazit

Gut gemacht, intensiv, hart, nicht beschönigend, sehenswert. Das Leben im Konzentrationslager, die harte Wirklichkeit, konsequent und intelligent umgesetzt. Ab 10. März 2016 im Kino.

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