Neu auf DVD: Doctor Who – Die komplette Staffel 9

Der Doktor und Clara sind zurück. Und diesmal war es nicht unsicher, ob Jenna Coleman weitermachen würde, also wurde dieses Hin und Her der letzten Staffel vermieden. Clara ist fest mit an Bord – und das im doppelten Sinne, denn nicht nur das Ausprobieren von Ersatzmitreisenden fällt diesmal flach, auch, dass sie zum Abendessen zu Hause sein muss, so dass sie statt dessen Vollzeit an Bord der TARDIS sein kann. Das sind gute Verbesserungen zum letzten Mal… und da dies der Doktor ist, verändert sich nicht nur die Figur, sondern hin und wieder auch die Serie selbst. So sind denn in dieser Staffel die meisten Folgen Zweiteiler, bis auf 8 und 9… oder sagen wir, bis auf 8.

Dr. Moffat

Seit der Staffelübergabe an Matt Smith ist Steven Moffat weiterhin der Chef-Autor, der für die komplette Serie verantwortlich ist. Diesmal spürt man einen Hauch Russell T. Davies, zumindest, was die Einführung des Finales angeht, denn das wird, ähnlich dem „Bad Wolf“ in der ersten Staffel der neuen Zeitrechnung, schon relativ früh angedeutet und oft genug wiederholt, dass dem aufmerksamen Beobachter auffallen sollte, in welche Richtung es gehen wird… zumindest grob. Das Ende selbst ist dann… anders. Und das ist ganz schön.

Das „Problem“ mit Moffat bleibt jedoch weiterhin, dass er einfach immer ein besserer Autor als Showrunner war, soll heißen: als Davies die Serie noch geleitet hat, waren die herausragenden Folgen meist die, die von Moffat geschrieben waren. Moffat für „Doctor Who“ war ein bisschen das, was „Buch und Regie: Joss Whedon“ bei „Buffy“ war, nämlich die Folgen, bei denen man feuchte Augen bekommt, wenn man über sie spricht. Und so wie Whedon mit der Stummfilmfolge „Hush“ und der Musicalfolge „Once more with Feeling“ kleine Großartigkeiten schuf, möchten wir an dieser Stelle von Moffat doch mal eine kleine Auswahl an seinen Meisterwerken erwähnen:

  • in seiner Serie „Coupling“ u.a. „The Girl With Two Breasts“

  • bei „Sherlock“ die erste Folge der zweiten Staffel: „A Scandal in Belgravia“

  • und natürlich „Blink“ bei „Doctor Who“

Das sind Episoden, die einfach zum Niederknien gut sind. Wer also die Glanzpunkte von Moffats Schaffen sehen möchte, mit diesen dreien ist man gut bedient. Leider gelingt ihm das, seit er selbst „Doktor Who“ leitet, nicht mehr so richtig. Die Folgen dieser Staffel sind zwar alle gut und auf einem hohen Niveau, aber absolute Höhepunkte wie die erwähnten gibt es leider nicht. Und noch etwas scheint ein wenig zu fehlen: der Humor. Bislang war der Doktor meist eine gute Mischung aus Drama und Humor, doch letzterer tritt in dieser Staffel ein wenig in den Hintergrund und erlebt seine Rückkehr erst im Weihnachtsspecial.

Immerhin erfahren wir, warum der Doktor dieses Gesicht gewählt hat. Und es gibt eine schöne Idee mit Karten, die dem Doktor dabei helfen sollen, in Situationen, bei denen Mitgefühl angesagt wäre, das richtige zu sagen – da hätte man auch gerne noch mehr mit machen können.

Der Inhalt der blauen Box

Die DVD-TARDIS enthält auch diesmal wieder nicht nur die 12 Folgen der Staffel (man scheint inzwischen von 13 auf 12 reduziert zu haben) sondern auch das Weihnachtsspecial (womit wir dann wieder die 13 zusammen hätten), das traditionell bei den britischen Boxen erst immer in der Staffel vom Folgejahr enthalten war, aber vielleicht hat man das auch dort geändert?

Wir beginnen mit einer neuen Begegnung mit einem alten Feind. Es folgt eine Art Geistergeschichte. Dann wird eine Handlung, die an anderer Stelle eröffnet wurde, weitergeführt und alte Bekannte tauchen wieder auf. Eine interessante Doppelfolge, in der man auch die Themen Flüchtlinge und Terrorismus wieder findet, also brandaktuell.

Und nun wird eine neue Figur eingeführt, die zu sehen eine Freude ist, wird sie doch von der wunderbaren Maisie Williams aus „Game of Thrones“ gespielt. Damit eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten – und Handlungsstränge, die uns bis zum Ende der Staffel begleiten. Kurz vorm Finale präsentiert uns Moffat dann noch etwas ungewöhnliches: Gab es in der Vergangenheit oft Folgen, in denen der Doktor durch Abwesenheit glänzte, weil er gleichzeitig das Weihnachtsspecial (oder das Finale?) drehen musste, so haben wir hier eine Folge, in der eigentlich nur der Doktor auftaucht. Ein reines Solo für Peter Capaldi – und dann geht’s ab ins Finale. Als Weihnachtsgeschenk bekommen wir dann noch ein Wiedersehen mit River Song spendiert, das mehr oder weniger an ihren ersten Auftritt in der David Tennant Doppelfolge mit der Bibliothek (geschrieben von Steven Moffat) anschließen wird…

The League of Who

Was uns zur Vollendung einer kleinen Dreieinigkeit bringt: „The League of Gentlemen“. Mark Gatiss war der erste, ein bekennender „Doktor Who“-Fan (und Mit-Schöpfer von „Sherlock“). Er trat neben Tennant im „Lazarus-Projekt“ auf, bevor er einer der Autoren der Serie wurde. Steve Pemberton gab sich die Ehre in der erwähnten Bibliotheks-Folge und nun ist auch der dritte im Bunde, Reece Shearsmith mit von der Partie – in einer von Mark Gatiss geschriebenen Episode.

Bonus Who

Jede Menge Zusatzmaterial, Interviews mit den Beteiligten, Besuch auf dem Set der TARDIS, von Fans mit Fans über Fans, Podiumsdiskussionen, kurz: jede Menge Einblicke in die Entstehung von „Doctor Who“ allgemein und dieser Staffel im Besonderen. Wenn danach noch Fragen offen sind, dann nur, weil Steven Moffat sie nicht beantworten will! Außerdem gibt es für einige Folgen Audiokommentare, in denen man noch mehr über die Serie, ihre Produktion, aber auch etwas über die daran beteiligten Personen erfährt.

Mit

Peter Capaldi (Bernd Vollbrecht), Jenna-Louise Coleman (Luisa Wietzorek), Michelle Gomez (Katharina Koschny), Sylvester McCoy (Michael Schwarzmaier), Colin Baker (Markus Haase)  David Tennant (Philipp Brammer), Alex Kingston (Peggy Sander), Reece Shearsmith (Florian Halm)

Whozit

Gute Episoden, solide Staffel, aber irgendwie fehlt der Moffat- und Who-typische Humor. Ein schöner Abschluss ist insofern das Weihnachtsspecial, in dem der Doktor wieder genau so ist, wie man ihn sich wünscht. Hoffen wir, dass sich diese Leichtigkeit in die nächste Staffel überträgt, bevor Moffat und Capaldi ihren Nachfolgern das Feld räumen. Nichtsdestotrotz: ein Muss für alle „Doctor Who“-Fans. Ab 18. März 2016 auf DVD und Blu-ray.

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