Neu im Kino: Gods of Egypt – Der Kampf um die Ewigkeit beginnt

Manchmal sind einfach alle Entscheidungen, die man trifft, falsch. Damit meine ich jetzt nicht unbedingt die, diesen Film gesehen zu haben, sondern die Entscheidungen, die die Macher des Films getroffen haben. Irgendwie ist hier alles falsch, von der Besetzung über die Effekte bis zu dem, was sie wahrscheinlich eine Handlung nennen würden! Fangen wir beim Titel an, eigentlich müsste man es

Gods of kinda Egypt

nennen, oder

Gods with different mythologies which we mashed together

aber das klingt vielleicht nicht so schmissig. Es fängt schon damit an (oder hört damit auf), dass man für etwas, wo man Ägypten in den Titel packt, keinen einzigen Einheimischen in die Besetzung aufnimmt, auch nicht im Fußvolk, und die ägyptischen Götter von einem Dänen (Nicolaj Coster-Waldau), einem Australier (Geoffrey Rush) und einem Fleisch gewordenen Muppet (Gerard Butler) gespielt werden. Gut, bei Coster-Waldau könnte man es noch damit rechtfertigen, dass Dänemark irgendwie östlich von England liegt und damit wär er dann ja irgendwie schon aus dem „Nahen Osten“, hängt halt auch immer vom Standpunkt ab. Man hätte natürlich auch konsequent das machen können, was hier inkonsequent durchgeführt wird, nämlich alle ägyptischen Götter wie ägyptische Götter aussehen zu lassen, und wenn ich mich an das Logo von Egypt Air richtig erinnere, war der Horus ein Vogel. Aber das wäre dann ja nicht menschlich genug und all der Scheiß und so sehen die Götterlein also aus wie die Kandidaten der diesjährigen Oscarverleihung, groß und weiß, und wahrscheinlich haben sich die alten Ägypter die heimlich auch immer so vorgestellt. Wobei, streng genommen ist das ja auch eigentlich nicht Ägypten, weil wir irgendwann sehen, dass die Welt eine Scheibe ist… oder ist das ein heimliches Prequel zu „Dark City“?

Nein, wir werden hier keine Subtilität oder Originalität vermuten. Obwohl, wie eine kurze Recherche ergeben hat, das tatsächlich der Mythologie entspricht. Wird aber eher die Ausnahme sein. Was ich aber trotzdem vermute, ist, dass der Film mit der ägyptischen Mythologie ansonsten soviel zu tun hat… wie der Satz „Mein Name ist Bond, James Bond“. Und der war immerhin mal in Ägypten. Ich unterstelle auch, dass die Filmemacher von diesem Thema genauso viel Ahnung haben wie ich, weswegen ich die Vermutung äußere, dass man sich hier schlicht das beste aus allen Göttermythologien zusammengeklaut und dann einen dampfen Haufen … daraus gemacht hat. Deshalb mein Tipp für alle, die unbedingt auf der großen Leinwand und in 3D und Vollsurroundsound erleben möchten, wie künstlich ein wirklich, wirklich teurer Film aussehen kann und wie man die ganze Zeit niemals das Gefühl hat, dass irgendwas davon echt sein könnte, die Schauspieler eingeschlossen: Nehmt jemanden mit, der sich mit Ägypten auskennt und macht ein Trinkspiel draus, bei dem immer dann einer gehoben wird, wenn aus der ägyptischen Mythologie was falsch dargestellt wird. Ich wette, man ist sehr schnell sehr blau. Außerdem habe ich in Ägypten nie solche Bergformationen und Wasserfälle gesehen, denn ich war schonmal da – wahrscheinlich im Gegensatz zu allen an diesem Film Beteiligten!

Trauerspiel

Besonders traurig ist, dass dieser Film von Alex Proyas stammt. Der hat mit „Dark City“ seinerzeit eine „Matrix“-Variante (und etwa zeitgleich mit diesem Film) hingelegt, die mir weit mehr zusagt als die weit populärere Version, weil sie schön düster und stimmig und clever ist. Seitdem fragt man sich ab und an, was aus Proyas geworden ist – jetzt, da ich es weiß, denk ich mir: Hätt ich mich mal nicht gefragt!

So ist denn auch das einzig gute an diesem Fülm das, was er aus der Dunklen Stadt mit herübergerettet hat: Rufus Sewell. Der hat einfach eine Ausstrahlung, die auch ein Butler namens Gerard nicht kaputtmachen kann und ist somit das Ansehnlichste am Film. Außer vielleicht noch der Oberweite von Courtney Eaton, aber die wird leider nicht herausgeholt und angemessen präsentiert – wobei das doch spitze gewesen wäre in 3D. Vertane Gelegenheit, Freunde, vertane Gelegenheit!

War noch was?

Ach ja, die „Handlung“. Jamie Lennister in Horusvariante verliert Auge und Job und muss von menschlichem Dieb wieder auf den richtigen Weg gebracht werden, der ein starkes Interesse daran hat, weil er seine dicktittige aber leider verstorbene Freundin aus dem Reich der Toten zurückhaben möchte, kann man irgendwie verstehen. Dabei durchleben wir Szenen, wie wir sie bei Indiana Jones, „Herr der Ringe“ und möglicherweise auch auf dem Klo auf dem Hauptbahnhof schon besser gesehen haben und gegen Ende ist der Film dann auch irgendwann vorbei, auch, wenn’s n bisschen länger gedauert hat, weil der trotz keiner Handlung dann doch auch sehr lang ist. Und das gibt es alles im Kino ab dem 21. April April 2016, jawoll. Ich würd ja viel Spaß wünschen, aber so zynisch bin ich dann doch nicht!

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