Neu im Kino: Bauernopfer – Spiel der Könige

Schachspieler an der Grenze des Wahnsinns nimmt es gegen die Russen auf…

Wahre Geschichte

Bobby Fischer gab es wirklich und er kommt kurz vor dem Nachspann auch noch einmal selbst zu Wort. Tja, das klingt ein wenig wie „Rocky“, oder eher einer der späteren Teile und da wäre es im Nachhinein fast lustig gewesen, wenn man Dolph Lundgren als den russischen Meister Boris Spassky besetzt hätte. Oder, streng genommen, überhaupt einen Russen, denn englisch spricht er im Film eher weniger, da wäre ein echter Ruski also durchaus möglich gewesen. Obwohl Liev Schreiber das natürlich sehr schön macht, die Frage wäre aber, ob sein Russisch russischen Muttersprachlern genauso übel aufstoßen würde, wie es das „Deutsch“ von Alan Rickman in „Stirb langsam“ bei mir macht?

Nun, es geht um eine wahre Geschichte, es geht um den kalten Krieg und es geht um Schach. Und natürlich Genie und Wahnsinn. Was einer von den beiden kleineren Mängeln ist, die ich bei diesem Film sehe. Ja, wir kennen „Sherlock“ und wir wissen spätestens seit „Monk“, dass Intelligenz einen Preis hat. Und der bewegt sich irgendwo zwischen gesellschaftlich schwierig und schlichtem Wahnsinn. Bobby Fischer befand sich dann offensichtlich eher auf letzterer Seite des Spektrums, ein brillanter Schachspieler, aber auch paranoid bis zum Gehtnichtmehr. Das wird sehr gut dargestellt von Tobey Maguire und ist ja auch offensichtlich Teil der Geschichte, aber ein wenig anstrengend ist es dann doch.

Nur der kalte Krieg konnte Schach sexy machen!

Ganz ehrlich, wie sexy ist Schach? Wahrscheinlich eher weniger so. Und doch gab es eine kurze Zeit im kalten Krieg, in der Fischer zeigte, wie cool und spannend es sein kann, Figuren auf einem Brett herumzuschieben und in der, wie es scheint, die ganze amerikanische Nation ihm dabei zugesehen hat. Denn es war der erwähnte Kampf von Rocky gegen den gesamten Ostblock und jeder wollte, dass die Amerikaner gewinnen. Also, außer den Russen vielleicht. Dieses frisch erwachte Interesse für den Brettsport wird im Film ganz gut dargestellt und eigentlich sind die Schachpartien auch die spannendsten und interessantesten Szenen – aber damit wären wir beim Manko Nummer 2: Nicht jeder hat eine Ahnung von Schach! Wenn man also schon Figuren hat, die das Spiel kommentieren, wären auch ein paar Sätze dazu, was eine Sizilianische Eröffnung etc. ist durchaus machbar und hilfreich gewesen. Das Hauptproblem in diesem Sektor stellt aber das Ende dar. Da wird gesagt, dass diese eine Partie zwischen Fischer und Spassky die beste/schwierigste/tollste/großartigste Schachpartie aller Zeiten gewesen wäre… Punkt. WARUM??? Ihr könnt sowas nicht einfach behaupten, ihr müsst es belegen. Und das WÄRE möglich gewesen, auch visuell. Einfaches Heranzoomen an Liev Schreibers Augen, wie er das Schachbrett betrachtet, und dann das Brett zeigen und wie im Schnelldurchlauf von der gegebenen Ausgangsposition alle möglichen Spielzüge durchgegangen werden. Eine nette Animation, die vielleicht sogar schneller und schneller wird und die immer mit einem SCHACHMATT endet (kann man rot einblenden). So hätte man a) zeigen können, dass auch der Russe ein Schachgenie ist (seine eigene Paranoia sprich Wahnsinn wird auch angedeutet) und b) hätte man visualisiert, dass er erkennen kann, jetzt, an diesem Punkt, dass alles weitere aussichtslos ist und er sich geschlagen gibt. Wenn das denn der Grund dafür ist, dass dies die beste Partie aller Zeiten war. So bleibt es also eine Behauptung, die uns der Film nicht näher erklärt, entweder, weil er glaubt, dass wir es eh nicht verstehen würden oder aber weil er es selbst nicht verstanden und dann lieber schnell behauptet hat: Das war so, tschüß, ich bin dann mal weg. In einem ansonsten sowohl unterhaltsamen wie interessanten Film ist das dann doch ein wenig schwach.

Mit

Tobey Maguire, Peter Saarsgard, Liev Schreiber, Michael Stuhlbarg

Bauernfazit

Schachduell zwischen Profis, das spannende und interessante Momente hat, aber teils – wie sein Protagonist – ein wenig zu sehr in dessen Wahnsinn abgleitet und dem Schachlaien am Ende statt einer Erklärung eine Behauptung vorsetzt. Ab 28. April 2016 im Kino.

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